Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 42 (18.10.1906)
- Date
- 1906-10-18
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9894006--0823-7375310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«t. 42. Seite 14. Spiel zu Ende war. Der Fabrikanteusohn schob die Karten von sich, erhob sich, grüßte, ohne Gustav eines Blickes zu würdigen die beiden an dem und ging. Gustav lieft sich aus den leerge tvordenen Sitz nieder, um mit den beiden anderen ein neues Spiel auszuueknieu. Adolf lab aut die Uhr, bemerkte fast schroff er spiele heute nicht mehr, der Gutsbesitzer drehte seinen Stuhl um und sah interessiert den Billardspieleru zu. Gustav saft minutenlang wie gelahmt da; das war ja eine provozierende Ablehnung seiner Gcsellschast, eine so deutliche, rücksichtslose Beleidigung, wie sie in Worten nicht kräukciiocr ausgcdrückt werden konnte. Einige Augenblicke saft er ftumm da unb sah mit klopfender Brust in den von dickem Tabaksqualm erfüllten Raum, in dem das laute Sprechen und Aachen, das Klappern der Billardkugeln, das Aufschlagen der Spielkarten, eine» unangenehmen Lärm verursachte. Er überlegte, ob er von den Dreien, die absichtlich von ihm, wie von einem Ehrlosen weggerückt waren, eine Erklärung verlangen sollte. Adolf Eberstein hatte sich in diesem Augenblick in einer andern Ecke wiederum zum Sviel niedergesetzt. Derselbe Mensch, der sich bis her überall an rhn herangedränat hatte, pch eitel ausblähte, wenn er nur an öffentlichen Plätzen sich an Gustavs Seite zeigen konnte und fich schon tausendsachc Mühe gegeben hatte im Hause Li in bacher Zutritt zu finden. Gustav suhlte sich einen Augenblick versucht an ihn heranzutreten und ihn zu beleidigen. $111 selben Augenblick aber fühlte er aurfi schon das Törichte dieser Absicht. War er schon aus dem Abstieg, um sich, er, ein Lim׳ bacher. mit dem Parvenü Ebcrstcin zu zanken? Alle Welt schien ja, besser lvie er selber, von der kritischen und schon unhaltbaren Lage seines Hauses unterrichtet zu sein. Bei allen diese Leuten galt er schon als verloreii, verlumpt, bankrott. Unbemerkt verlieft er daS East-. An der Mnrktecke standen müßig Eckensteher, Menschen, die zeitweilig in dcir Lagerräumen, Speichern oder Schiffen als Lastträger beschäftigt wurden. Anstalt wie sonst höflich zu grüften, sahen sie ihn stumin, mit unsreundlichen, stechen den Blicken an. Rur einer, der Lipp, griff grüftend an seine Mühe, die andern hielten die Hände in der» Hosentaschen, ohne sich zu rühren. Selbst zu diesen, den lebten in Städtchen muftte schon die Kunde von der schlimmen Lage Limbachers gedrnngen sein. Wie ott hatte sein Bater diesen! Menschen Berchästigung gegeben, mir um sie und! ihre Familie vor Hunger und Kälte zu schüften. I lind welche ungezählte Summen batte Linibacher! heimlich, brr Sannnlungeu und andern Gelegen heilen für Wohltütigkeitszwecke verschenkt' War , denn das alles ganz nnd gar vergessen? Früher I hatte er den Gruft dieser Leute kaum beachtet nnd | sozusagen nur mechanisch crividert. Es kam ihm selber eigentümlich vor, daft er, gerade ivo tausend Sorgen an» ihn einstnrinten, diesem nnbedeuten Der JSraelN. __ den Umstand auch nur das kleinste Geivicht beilegte. Er ivlthte ivohl selber nicht klar, daft er das Berhalten aller und einzelner gegen ihn, als Prüfstein seiner Stellung unter ihnen gebrauchen wollte. Diese nicht mehr zu verkennende Abkehr von ihm mit ihren verschiedenartigen Rüancen erschien ihm als Sninptonl einer Krankheit von! der er befallen war, nicht die ihn Umgebenden. Er kannte die Menschen nicht genug von ihren Schattenseiten. Der non des Lebens Höhen Stürzende ist den meisten feilt Gegenstand des Mitgefühls, eher deS Abscheus, zu dem sich statt des Mitleids ein iinbewuftter Haft zugesellt. Wo war denn in ben wenigen Monden die Freundschuft, die Zuneigung, die Teilnahme, die Berehriliig hingekommen? War das denn alles verschwunden? Hiniveggeschnlolzen von den Herzen und nichts übrig geblieben als ein rohes Gestell, daS aller Zierden eiitblöst, nun häßlich dastand? Und was batte er denn den meisten getan? Hatten nicht Dutzende und Duftende, Fahr aus, Fahr ein Berdienst, Borteile nnd Genuß von feinem Vater und ihm gehabt? Versank denn die Erinnerung an all das Schöne und Glanzvolle, das ans seinem Elternhaus hinausgestrahlt hatte iil diese Massen, wie in eine trübe Psüfte? War denn alle Dankbarkeit nnd Shmpathie aus diesen Menschen verschwunden? Wo ivarcn auf einmal die vielen Freunde hingckonnncn, die in seinem Elternhaus ein- und ansgegangen waren? Die sich dort amüsiert, getäfelt und oft Rats geholt! Die ihn in den Vereinen umringt nnd uml schwärmt Hanen! Sie rvaren nicht gestorben und dennoch — sie waren nicht da, Keiner, an den! er sich hätte wenden mögen - Keiner. Und das i ivaren die Leute, mit denen er jahrlang in täg-! licbctn Verkehr gestanden. Wie leer, wie groß! erschien ihm auf einmal das kleine Städtchen! und | zugleich so erdrückend eng nnd klein. Gegen Abend hatten sich Leute eingestellt, welche, besorgt nm ihre Einlagen, ihre Wert- Papiere zurücksorderteu. Soweit das vorhandene Geld reichte, beschwichtigte Linibacher die ungestüm Drängenden mit Abzahlungen. Einige waren zu frieden nnd andere, lvieder beruhigt, wollten sogar die Papiere wieder dalassen, ivas Linibacher aber zurückivies. Diese Vertrauensvollen sollten nicht getäuscht werden. Wieder andere bestanden anf volle Befriedigung nnd drohten mit Klage, Arrestanlage, sogar mit Persanalarrest. Abends ivaren nur noch wenige hundert Gulden vor- Händen. _ Ganz spät in der Rächt kam des Rechtskonfulenten Selig Dienstmädchen mit einem Brief. Völlig zerschlagen von dem heute Erlebten öffnete Gustav mit zitternden Händen das Schreiben, ivelches ihm nur persönlich übergeben werden sollte. Selig lvünschte noch heute '?!acht (Gustav zu spreche», die Sache sei nno.nfschiebbar drir'.glich. Es war bereits nenn Uhr vorüber, als Gustav bei _1«. Oktober 1906 strömendem Regen zu Selig ging, gegemvärtig der einzige Freuitd und Berater Limbachers. Mst angsibefiügeltcn Schritten eilte Gustav durch die menschenleeren Gassen, stieg hastig die schwach erleuchtete Treppe empor, an der in Hellem Licht erleuchteten .Küche vorbei, in Seligs Büro. Beim Vorübergehcn sah Gustav Mosche Brück in der Küche sitzen.! Fortsetzung folgt). Sabbat-Anfang u. Ausgang. נח 1 « K T: Anfang Datum Ausgang Ubr Min. 190H 5B«7 Ubr Min. Frankfurt a M! 1 io.Cft. 1. March.» 1! ltl Berlin . . — — tt | m;> 17 München . . '> ft! ft f> >.> Ltrahburg - - 18; «־. ׳ tt <; 10 Posen .... — r — ff tt .» .!:! Breslau . . — i ״ 1 «־.}: Nürnberg . . > i ״ »7 rfftitan und יאש חדש :שבת• Ttiir den Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Lache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesctzlichen Charakters aus ihre _Zuverlässigkeit zu prüfen._ Es ist docli wirklich ein wnnderiolles Ding, O"־ die sonst nur die OZueUen selbst hatten. Fa?r ächte Lodener Mineral »j?2sii!!rn find rin Beweis dafür, wie segensreich diese Erfindung wirkt. Lodener wendet man an bei allen Reizungen der Schleimhäute der Atmongsorgane und man gebraucht fie nie vergeblich. Man kaust sie in allen einschlägigen (Se• schästen, die Schachtel für nur 88 pfg., hüte sich aber vor Nachahmungen. Vielseitigen wünschen nöckikommenS. haben wir hübsch ousgellsttete )UM llukbewadren ger lsrselit-Nummern anfertlflen lassen und nellen öiefelben gegen kinsenöung von Mark I.—. )»)llglich Porto, unseren hesern )ur vertügung. Der Verlag des ״Israelit“. FQr den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; Insbesondere Ist es ausschliesslich Sache der Leser, die Im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungon ritueller Waren oder sonst ge Angaben rellglonsgesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Berliner Beobachter (Neue Berliner Zeitung) Kin!״'litiM-h.■- Illutt >rn>ti>» Mil*, rin I'nt1־rh.1ltun£'1111»t >-r-I>>» »;mp‘•׳•' ,־nsition.'ll, 1»>» >>>1>t> r>>^>->»t. »■in Hljitt um starker Eigenprägung! I rbrrall ■11 haben.!*rel* 5 1*1*. »Ile \ummrr. Vierteljährlich I — q. Grossartiges Insertionsorgan. A1ח-.ו>ר1'«'1ו Ami.ihnn׳ >I»r> I, llaanenoteln A Vogler. l-'ranUrnrl m. H, ״,״I Kilinli-n. welche die bic'ige llnit'cvutät bc suchen »vollen, enwieble ick meine Pension, die »t> unter '.Humdit beS öam buvflcv LveöeveremS eröffnet bade. '.Hmm16־n1t11c11 erbeten an «trau Leutfch. Oeldelborg. Brückenkopfstraüe 8. r.lxi Kunst-Stlokerel- Anstalt SpaclalltAt Synagog Paramente «88:1< פי־יכח מנטעלכעז דעקקען i. knn»tl. u. sn|. Ausf. v. sink. b. r. feinst, (teure. Qeachv. Blelchrode, Berlin W. Regensburgers». 34. WIESBADEN 1“״T־״“' Pensionat und »filiere Töchterschule von Hermine Wolff. Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. Prospekte und Referenzen durch die Vorsteherin. A. Rothschild, Hebräische Bach bändig.! Börnestrasse 33, 9 Frankfurt a. M. Telephon6529 empfiehlt zu billigsten Preisen Chuaroschim, Machsorim Tefilas in eleg.Einbänden.Tallisv.Wolleu. Seide, Röchle (, Sar genes, Schotee, Slfre Tora, Tefilin, Mesnsos etc. etc 11 Kunststickerei י״■*■™•״ in Qold, Silber und Seide. K'jstenvoranscniäge u. Zeichnungen gratis u. Beste Referenzen. (4170 »OOOCCCOOOCOOOOOOOOO0000066*** Ml 00 25515