Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- Seite 20 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40. Teile 20. Der I4roeiit. iiä&H r eiiilkton. Der Baal-Schcm von MicdelrtaOt. Bon Zudäus. ff׳I Nachdruck vrrbvlcn. ״Der Brief des Baalschem enthielt in den wärmsten und rnenschlichffrii Ausdrücken fci? dringende Mahnung, mich bis zur völligen Wiederherstellung ja im Hause ^11 verpffegen, und wie sie verantwortlich seien für mein Veden. Es war ein merkwürdiger Briet nnd er hatte die gewünschte Wirkung. Es fiel den Leuten nicht mehr ein, mich fortznlasscn. 2ic pflegten imb >varieten mich, besorgten ärztlichen Rat mit allem Ernite, so das; nur erst nach ea. sechs Wochen, als ich selbst fortverlangtc, sie darin willigten."- ״Rabbi Teckel Lob schickte mir zum Behnse des besseren Fortkommens eine» herrlichen Ein psehlungsbries, an jedermann gerichtet, das; man mir allerorts bcistehe, Fahrzeug oder Bote von Crt zu C1׳t gebe nnd anderes mehr bis zu meiner .Heimat." — Bon der Bcrehrnng, die Rabbi Teckel Löb bei der christlichen Bevölkerung der Ttadt nnd der Umgebung genos;, kann man nicht sprechen ohne sich dem Berdacht der Uebertrcibung anszusetzcn. Aber es ist Tatsache, das;, wenn er nach einem Tchreincr, Schlosser oder welchem Handiverker sonst gleichzeitig mit dem (Grasen von Erbach-Füritenan geschickt hätte, jeder erst dem ״Rebbe" — so nannte ihn die christliche Eimvohnerschast — nnd dann erff dem Grasen entsprochen hatte. To wahrhaft fürstlich ver kehrte auch kein Gras mit den Arbeitern, ivie dieser Hurst von Gottes Gnaden. Niemals mäkelte nnd feilschte er um den Arbeitslohn. Er erklärte den Handivcrkern voraus, dasz er ihnen zahle ivas sie fordern werden, auch ivenn sie zu viel verlangen, ״aber" — Und sie ver standen dieses ״Aber". Sie mufften, das; sie einen Mann vor sich hatten, der die Arbeit nnd ihren Preis verstehe nnd dasz er ne nickn mehr nehme, ivenn sie ihn nberforderten. Deshalb handclten beide Teile nobel und beiderseits sanden sic bei dieser Noblesse ihre Rechiunig. fn Unglückssälleir aller Art, bei Krankheit, ....... J .. ....v n ......v...״. x. <h 11 uiu׳ umvu>111uum| wandien sich die Belrossencn von weit und breit an den Bal Schein von Mickielffadr Wo sein Rat und die eigene Lciffungsiähigfeit nicht ans reichten den Klagenden zu Helsen, da sandte er sein heiffes Ekbel zum Himmel für die Un glücklichen. Dieses Gebet, von der verkörperten selbstlosen Menickienliebc an den himmlischen Barer gerichtet, vcrl)allle nicht nnerliölt. Das stempelte den Edlen in den Augen der grosicn Mane zum Wundertäter, was er ja auch in Wirklick'keit war, ivenn auch iticht in dem Tinne, ivie es die durch sein Gebet Beglückten glaubten. Wenn dann die von Krankheit und Sorge jeder Art Besreuen zu ihrem Hclier kamen nnd sich durch reiche Ge schenke dankbar zeigen ivollten, so wies er für sich jede Erkenntlichkeit zurück. Dagegen nahm er dankbar diele Spenden der Dankbarkeit für seine Schüler und alle die Arineil an, die sich an ihn wandten. Aus diese Werse brachten die Wohl hadendeli von iveil und breit ihre ansehnlichen ׳ssilldbcilräge und legten sie veriraucnsvoU in die Hand dieses sclbnlosen Berivatrers. Diese schivache Hand wurde dadurch siark, den Schnarchen und ,rauenden helfend ilnd schützend zur Seite zu ׳tchen. Für seine Hoch'chule schickte er zudem noch jahrein jahraus Scndbotkii aus. «»eiche die forderlichen bedeutenden Mffrcl aus allen de.ltschen Gemeinden sammelten. Dadurch stand Rabbi Teckel Löb Wor-mser mit allen (R-meinden Deutschlands fortwährend in unmittelbarer Berbin düng, und der Name des Baal Schein von Michelstadt schivcbte auf aller Lippen. Wie vielseitig diese Beziehung und ivie innig diele 9Wr»i«S1!״q mar, zeig: sich, wc,,1> man von den iinzähligen Fällen, in welchen sich Hilfesuchende an ihn wandten, einzelne heransgreist, ivie es die folgenden Kapitel zu veranschaulichen suchen. V. An einem Freitag-Nachmittage traf bei dem Baal Tchcm Herr Aron Schotten ans franksurr a. M. ein, waS fast alljährlich zu geschehen pflegte, wenn Herr Schotten die gropen Messen zu Zurzach in der Schweiz besuchte. Herr Schotten hätte direkter reisen können, ivenn er von Darnistadt ans die Bergsrrasze entlang nack, Heidelberg gefahren wäre. Aber das treundschastlichc Berhältnis, das Rabbi Teckel Lob noch von seiner frankfurter Studienzeit mit der familie Schotten unterhielt, bestimmte Herrn Aron Schotten, die Reise von Darnistadt nach Heidelberg durch den!Odenwald zu machen, um so einige Zeit in der Umgebung des berühmten Mannes zii verbringen Herr Schotten harte seine Ankunft bereits brieflich angezeigt und iviirde daher schon den ganzen Tag erwartet. Als die erste Begrüsiung vorüber war, fragte der Gast: ״Rabbi, ich kann doch Schabbos mit Euch essen?״ Da dies selbstverständlich ivar und Schotten seit einer Reihe von fahren als der liebe Tisch gaff im Hanse verkehrte, so oft er nach Michelitadt kam, fand der Wirt diese frage anfsallend. Einen Augenblick sah er den Gast prüfend an und dann sagte er^ ״Wie fhr nur fragen könnt ׳־ Wo solltet fhr denn anders essen, als bei uns'?" ״Der Rabbi lehnt also meine Bitte ab!" enr gegncle der Gast. ״fhr sprecht in Rätseln, Reb Aron!" ״Biellcicht für die grosze Masse", gab der Angeredete zurück. ״Aber nicht für den Rabbi, fch habe in der Einzahl gefragt nnd bekomme meine Antwort in der Mehrzahl, fch habe mit d.׳m Rabbi ene»!vollen nnd bekomme nur bewilligt, bei der familic zu speisen." Die beiden Männer batten sich verstanden. Wie bereits envüknt, war Rabbi Teckel Lob Begetarianer im strengsten Sinne des Wortes. Seine Nahrung bestand ans einer Nkeblsuppe, aus Hülsefrüchten und sonstiger mit Del znbereiteter Pflanzenkost und aus Brot. Dieses frugale Mahl nahm er am Tische in der Speisezeit der familie ein Aber es ivar nur für ihn bestimmt, llnser Gasi wollte aber diesmal rnit dem W!rr und nicht mit der familie speisen. Das muffte er vor Eintritt des Schabbos sogen, damit noch vorher für ihn hergerichtet iverden konnte und er seinen Wirt nicht verkürzte. ״Reb Aron", entgegnctc der Rabbi, ״wenn fhr weiter nichts wollt, so bin ich herzlich damit einverstanden, fhr Halter mich wohl für einen groffen feinschmecker, nnd das ist auch in geivissem Sinne wahr. Denn keinem König können die ausgcsuchteften Leckerbissen besser schmecken als mir meine Kost mundet. Aber sie in nicht nach jedermanns Geschmack. Deshalb rate ich Euch den Bersuch erff nach Schabbos zu machen und Euch Euren Schabbos nicht durch eine Kost, die fln nicht gewöhnt seid, zu ventören. Wir haben heute aus der Mümling Nische, prächtige foreUcu für Euch saugen lassen. Bon diesen schmeckt ein Drück von einer Dlivengröfze besser als Euch mcmc ganze Mab! zeit bekommen wird. Meint fhr nicht?" ״Wenn der Rabbi verzeiht, bin ich diesmal anderer Ansicht. Wie forellcn schmecken, iveisz ich. Dagegen habe ich noch keine Meblsuppe ge- »zesien, deren Mehl siatt in feit oder Butter in ׳ el geroffer!׳t. fch kann dumir and) nicht bis »äckvre Woche warten, denn ich inuff sofort nach Ausgang des Sabbat weiter reisen." ״Euer Bedangen״, cnlgegnelc der Rabbi, ״erinnert mich an einen ähnlichen Borgang auS __ 3. Cftobcr Mo; den, Leben des Königs David, den lvir einer mündlichen Ueberlieferung verdanken, die aber nicht allgemein bekannt ijt. Wenn es Euch j״. teressierr, ivill ich Euch die Geschichte erzählen." Der Gast kannte die geistreiche Birkuosirät seines Wirtes, durch kunstvoll eingestreute Be- :ner!׳.:::gcu die Ausüirrksuiureir von emeni (»;?, sprächsgegenstand abzulenken, den er gerne falten lassen wollte Er hatte ihn im Berdacht, da׳; die in Aussicht gestellte Mitteilung einen solchen Zweck verfolge und gestattete sich daher die Bemerkung: ״fch werde mit Dank diese Erzählung hören. Der Rabbi wolle nur gestatten, das; ich zuvor in der Küche im Namen des Rabbi eine dovpelke Portion für Schabbos bestelle, damit'S für zwei Personen reicht." Der Rabbi, der sich durchschaut sah und!׳.ich! mehr ausweichen konnte, bemcrkte mit »einem ..«".«-,;;ס V MU/UU . ,,Seid in,besorgt, Reb Aron, ich werde schon alles nolivendige veranlassen. Wenn Euch so viel daran liegt, könnt fhr gern meine Mahlzeit teilen; schmeckt's Euch nicht, so dürft fhr Euch jeden Augenblick anders besinnen ׳.rnd cs mit meiner familie halten. Aber fhr habt Euch nach der langen Reise gewiff noch aus Schabbos vorzubereiten. Die Geschichte vom König David erzähle ich Euch heute Abend oder morgen bei Tischvielleicht auch erst nächste Woche. Tenn das kann doch nicht Euer Ernst sein, das; fhr sofort nach Schabbos-AnSgang tmS bei Nacht und Giebel verlassen ivollt." ״Doch Rabbi, diesmal muff cs sein, fch habe mit Ehajim Bachrach ans frankfurr und Sander Goldsiickcr aus Koblenz vereinbart, dich ivir uns Sonntag in Heidelberg treffen und von da gemeinschaftlich einen Wage« bis Basel nehmen, fch »nutz also Sonntag zeitig in Heidelberg ׳cm.״ Wir!vollen uns deii Schabbos nicht durch Abschieds-Gedanken stören", entgegnete der leutselige Wirr. ״Geht aus Euer Zimmer und richtet Euch für Schabbos, in Schul treffen wir uns und gehen von dort nach Hause." Reb Aron Schotten übergab dem Rabbi noch seine Wertsachen und einen Ledergurl mit Geld zur Aufbewahrung über Schabbos und suchte dann seine Wohnung auf. Den Freitag Abend und den ganzen Schabbos verlebte der Gaffsrennd in der familie des Rabbi. Der Austausch der gegenseitigen Erlebnisse und Erfahrungen rvar ein so lebhafter, das; der Rabbi erst bei der dritten Sabbat-Mahlzeit kurz vor Ausgang des Schabbos dazu kam, seinem Gast die versprochene Geschichte von König David zu erzählen. Als König David noch lange nicht König war, sondern als Jüngling die Schafe seines Buers hütete, hatte er einen gleichalterigen Freund, der ebenfalls Hirte war. Sie lebten mehrere fahre hindurch in treuer Freundschaft, bis die göttliche Borsehung in iuigeahnrer Weise in die Geschicke Davids eingriff nnd ihn von seiner Herde hinweg an den Hof des Königs Saul sühne, um denen Schwiegersohn und Nachfolger zu lvetdeii- Banilai — so hieff der mit David befreundete Hirlenjüngling — war bei seiner Herde gcblieben lliid körte in ländlicher Abgesihiedeilbeil von den Grofftaten seines Freundes David, wie er von Stufe zu Stufe höher und immer hoher gestiegen war und nun in ferusalem als ^»ächliger König residierte. Da ergriff ihn die »Lelmsucht, den freund in seinem königlichen (Ranze zu schauen. Er eilte nach ferusalem um den Greis zu sehen, mit dem er als füngling in treuer, selbstloser Freundschaft die glücklichsten fahre feines Lebens verbracht hatte. Die Freude des Wiedersehens war beiderseits einen überaus Herzliche. David ivollte den freund veranlassen den Reff seines Lebens in seiner "Nähe im königlichen Hofe in ferusalem zu verleben, doch diesem war das Hofleben z»l glänzend und geräuschvollcs zog ihn wieder zurück zu seinen Triften und Heerden. Als David sah, das; er den Freund nicht zurückhalten konnte, fragte er ihn, ob »» vielleicht irgend einen Wunsch habe, dessen Erfüllnng in des Königs Macht liege, er würde ncki glücklich schätzen, tun erfüllen zu können." Fortsetzung folgt. ׳