Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 38 (19.9.1906)
- Date
- 1906-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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lllerans --•xsr ־׳gs. «*sÄ^rr׳' jbseS•* i-fer1 Da$ Trfiheitsproblcm. Aus dem 2fiv\c11buff1c ciucs iübiittirn Akadcmilcrs. Lchluft.) Allein ich i'criuori die Vdne »ichl ganz, denn daß die ganze Welt, wie sie nun ein mol bc steht, vom (Meicu der Entwickliing beherrscht werde durch Bererbimg >>>>d Mr! Passung, d»s »alte sie dlirch 1'00י Beispiele bewiesen und daran war kein Zweitel denkbar. To doch!' ich denn weiter nach, denn Wahrheit wollte ich nnden, um ihr entsprechend ein gutes Vcbcn zu führen. Aber wie? Wahrheit^ Was ist denn Wahr heit? Und twllends gutes Vcbcn führen? Fst denn nicht die ganze Welt beherrscht vom Gesetz der Entwicklung? Has, tvas ich denke, m«K ich es denn nicht denken, notivendig denken, iveil die Vast der Jahrtausende die Struktur meines Hirns bestimmte; und das, was ich tue, muß ich cS denn nicht tun, da auch mein Wille bcftimnit ist durch das Erbe der Generationen?!Tb ich mich irre oder n׳ahr denke, ob ich edel oder schlecht handle, alles beide in, ivenn es geschah, gleich natu»notwendig geschehen, die PImsiologie und Pivchologic der Menschen, 'Ne kennt nicht Wahr den und Frnum, nicht bMu und Bon׳, nur Gesetz und iviedcr Geseh, Motwendigkelt und Zivang. To irie es dasselbe Wctet» der Schwere in, das das eine Mal den Ballon ans sicherem Boden landen lägt, das andere Mal ins Meer versenkt, die .nrankdeit ebenso naturnottvendig Nt ivic die Gesundheit, die Mißgeburt ivie das kräftig schreiende .Nnäblrin, so in es das gleiche Gesetz, das den Menschen einmal ivahr, das andere Mal falsch denken, jetzt gut, dann böse handeln liiju: Ethik nnd Vog 1 k 1 :׳, d s nr die Heszcn denzlel>re r »v i g n n e r k l ä r b a r e M a l s e l, ן a W orte ohne Sinn. Her Haiwniift, der für seine Vehre Äll gemeingiltigkeit ׳ordert, ne von jedermann als Wahrheit aneikanni ׳eben ivill, Ernst Haekel, ivenn er die :'lri, rvie man ihn bisweilen bekänipst, als unschön, als elbisch minderwertig be zeichnet, >v>e kommen s,e leide dazu, sich nicht zu begnüge», etwas vorl andenes als notivendig ent standen anzu'elicn sondern es auch zu beur teilen, z» beurteilen in einer Weile, die. nach ihrer eigenen Meinung und Absicht, nicht nur für sic irlber, soudetu schlechthin ׳»» alle Menschen, >a überbaiipr schlechthin gilug sein soll der Danvinismus iiidtt nn, narnrnolivendlges Pro dukl des Harlvinschen Hirnes, ׳onderii anzner kenne» ven!edci» und allen seht denn nicht >cde Bei.rrcilung »inen!M'aßilab voraus, »> d ivas in diese» Mal nab? U>id hier kgm mir die Er keninnis: Es girln eine 3tolle cn, wo »iw׳»»ncktar und eivig die '?«orm thront, die logische und elbische :Morin. Fa, es in ivahr, du mußtest so denkeii, mußtest so handeln, aber bist du nicht krank, bist du ״normal", so lebt in dir und erwacht früher oder später, von selbst oder durch andere, daS Donncrwort: Hu imifsrcft so denken, in» test so haiideln, aber es >vnr nicht Meckit, das» du so gedacht, nicht Mecht, dag du so gehandelt hast, »vehe, wen» jeder so denken, jeder so handeln ivürde, deiii damaliges Handeln nnd Henken ist nicht der Monn entsprcckn'iid, die :Morin gebietet e>> anders, bi: aber Haft gegen die Monn gehandelt, gegen die Morin der Wahr heit nnd Ethik. — Hiese Monn aber, deren Stimme in» Menschen ist, sie in!licht Herrin ans Erden, nicht Herrin im Universum. :>!ns Erden ivic tut ganzen Univennni herrscht die :Molwendigkeit der Entwicklung. Hiese Monn, der» n Stimme im!Menschen ist, sie ist ein fremdes in ihm, deckt sich nicht mit der Motwendigkeit, da sic sich sonst Nets mit seinem Tun nnd Henken im Einklang besinden müßte, diese Monn in e׳.n hoch über aller :Motwendigkeit rhroncrides frei l^cseßtes, ist ein eivig Gleiches, ohne Entwicklnng nnd ohne Zwang: Heil dem Menschen, denn i» ihm lebt die Stimme ewiger Freiheit, der "Mensch ist nicht frei, ist!loch beherrscht vom Zwange der Entivicklnng, aber heil ihm, denn ivenn er auch nie und nimmer frei ist, so soll er cs doch stets i.nd jederzeit werden! Has in den! plmsisch und psnchisch bedingten 'Menschen lebende Bewußtsein einer frei gesetzten :'lllgemeingiltigkeit der logischen und ethischen Wahrheit, das ist's, was ilnt von allen Individuen untctichcidet. Alle 2Vesen kennen nur ein Seinder!Mensch ein Soll. — V. Einer der häufigsten Gcineinplähe ist der Sag: Her!Meiisch in ein Hoppelwesen, ist Körper nnd Geist. Fm Grunde besagt dieser Sah aber höchst ivenig, denn c!ne ichatse Grenzzichnng zwischen Körper nnd Geist ift nicht denkbar. Wohin wollte inan denn die Empfindungen, ivvhin die Gefühle, die Veidenschastkii railgiercn? Her Sah hatte cbedeni seine Berechtigung, ivo man schlechthin Hinge an sich annahm nnd sie als solche auch für erkennbar hielt. Uns aber, die wir uns über den sch»eienden Widerspruch sehr wohl klar und, der in der Forderung liegt, H»«ge an sich, d. h. Hinge außerhalb unseres Bewußtseins zu erkeiiuen, d. h. zu Gegenständei» uiiicres Bewußtseins zu machen, uns und auch alle Körper nur Gegen stände des Betvußtseins, Be>v!rßtsei!1 die höhere Einheit, die den Gegensatz zivischen körperlichem nnd Geistigem nahezu ansbebk. Ein andcler Gegeniah ist es, der sich uns in seiner ganzen Schärfe enthüllt lat, er allein ift cs, der den Hualisinns int Menschen begründet: Her Gegensatz zwischen Sein nnd Soll. Wir haben die nugehsnrc Eiiiiciligkeit der ielektionifti scheu :M'alurvlnlosophie erkannt, die, weil sie nur ein Sein kennt, im Grund sich selber als W ine!!' schast unmöglich macht. Wissenschast ist nur denkbar durch Erkenntnis ttttb vor allem ׳,'(»er tenntnis der :Morin. Has ist eben das Befreiende der Wissenschast, daß sie über die empiri'ch be dingte Persönlichkeit hiiiailshebt in das Meich der freien »ud frei anerkaiiiltei» :M'orm. — Dieser int Menschen bestehende Gegensatz jedoch, wie er beit Borzug des Menschen begründet vor alle» aiideren Wesen, ist auch Schuld an dem ganzen Kammer der 'Menschheit: denr» darüber dars man pch nicht täuschen: diese Monn ist nur ein F o»in a l p r i n z i p. Sie besagt nicht dem ׳Menschen zu jeder Zeit, dieses »lud dieses ist ivahr, jenes falsch, diese Handlung vollführe, denn sie ist gut, jene unterlasse, denn sie ist unedel, sondern ganz allgemein verlangt sie: Denke wahr und handle gut! Fst mehr eine rückwärts gewandte Prophetin, die meist mir beurteilt, das und das war falsch, diese Tat war schlecht. Wahrheit nnden iind das Gute üben wollte der ״Mo»mal" 'Mensch z»1 jeder Zeit, aber tut Manien der Wahrheit ward Galilei ver urteilt, ini Manien der Tugend der Fude verbrannt. Es giebt ein Wesen, das, selbst Setzer der formalen Monn in die Brust des Menschen, zugleich ihr einiger absoluter Benvirklicher, daher frei von jedem Dualismiis, die absoliitc Einheit ist. Die :Morin in der Brust des ׳Menschen seht notweudig den Seher der M'tn׳m voraus. Wenn wir deii Begriff richtig verstehn, so besagt er eben gerade dies. Uns deckt sich der Begriff geradezu mit dem Begriff der Freiheit. ״Frei sollt ihr werden, denn Fch, Gott, bi» frei." Das ist der Grundgedanke des ganzen Fudcntums, das sich so als die Freiheitslehre pt»r t-xoellencv darstellt. Das ganze so viel verschriecne jüdische Gei'eh stellt ׳ich »ins dar als materieller Fuhalt ter in allen Menschen lebende׳׳ rein formal e» :Morin, beziveckt nichts anderes als Uebenvindung des int Menschen vor handenei» Dualismns — nicht Livischen >iörpc» und Geist - auch vor den Einslüßen des Geistes warnt gar oft das Gottcswort — sondern zivischen Morin und Sein, Freiheit und Entivicklung. Daß dieser Diialismits im Vcben nieinals tatsächlich ausgehoben wird, liegt klar zu Tage. Daß aber das Streben nach seiner Uebenvindung niemals anshören soll, ist Ziveck des jüdischen Gesetzes. Der härteste Borwurs, den einst -Maut gegen das Fndeiitum erhob, rvar der Bonvurs derHeteronomic. Der Bonvurs ist unbegründet, beruht aus einem grundlegenden Frrtum. Has Gottesgesehift nichts dem ׳Menschen helerogencs, ist vielmehr das, wo nach er, belvußt oder unbewußt, dürftet, wie de» ftarre Boden nach Megen, wie das leere Gesäß seinen Fuhalt heischt, — ist die Erfüllung der Monn׳ dieser ewigen Sehn s n ch t des ׳!Menschen nach ab'oluter Wahrheit, nach absolut edlem Tun, kurz der eivigcn Sehnsucht des Menschengeschlechtes nach — Freiheit: r ־ עי—-