Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 38 (19.9.1906)
- Date
- 1906-09-19
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Stitk 8. Rr _=== können. >Äus den beiden Briese», die neue Tat fachen nicht enthalten, tönt uns vielfach wiederholt der Ausdruck der Bestürzung und Ber Wirrung entgegen, die die Bevölkerung von Sidlce gebannt hält. T. Red. (5s itt unmöglich, zu be schreiben, ivas geschrhen ist. Selbst in einer vom Feinde eroberten Stadt kann nicht furchtbarer ewütet werden, als es hie» geschehen ist. —Urutcr er aus dem Gefängnis fommenden, ein glaub würdiger Mann, erzählt: Am Samstag Abend wurden etwa l'XK) Personen, darunter die a» gesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde verhaftet, und Männer, grauen und Binder, abgesondert von einander ins (Gefängnis gesperrt. Z» de» Kinder», unter denen sich solche von?> bis 1׳ Jahren befanden, wurden nur zwei ältere Kranen zur :'lnnicht zugelasscn. Boeder Brot noch Besser durste den (Kefangenen gebracht lvcrden. Am Sonntag gegen Mittag kam ei» Offizier und forderte die Männer unter der Drohung, dag sie im Weigernngsfalle er schossen würden, auf, die Revolutionäre auszu liefern, Als je».׳ erklärte», dag sic dazu nicht im Stande »eien, wurden sie auf den Hof ge führt, wo sich ihnen gegenüber eine Kompagnie Soldaten mit geladenen Gewehren anntkllte. Tie Aufforderung!vrrrde!inii wiederholt, da s׳.e aber iviederum keinen (5rfolg hatte, ertönte das .Kommando zum Schienen die Soldaten gaben eine Salve über die Kopie der Gefangene» ab. darauf ivnrden die teilte ivieder ins Gefängnis gerührt. — (5s ist\י i!fe, rascheHilfe nör׳.g. Tausende armer Menschen sehen den hohen Feiertagen ohirc Heim, oinie .Mimmufl, ■ ime Mittel, um auch um die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen, entgegen. Petersburg, l. September. Ende Hk tvber tritlt in Petersburg ein Kongren des Ber bnndes zur Erreichung der (Kleichberechtignng der Hilden zusainmen. Ter Kongresz ivird über die Irage der Beteiligung der ^udeii an der bevor stelieiidcn "Wahltampagne beraten. Odessa, I.!. S 'plember. Bach hierher ge langten Meldungen in der Ilecke» Kupiii im Bezirke Koinenz. der von h> jüdischenIainilien bewohnt »vird, dl!rch Bauern ans der Umgegend gänzlich ausgeplündert und verbrannt ivorde». Wie es hriüt, und mehrere Eniivohiier ermordet ivorden oder in de» flammen nlngckominen. London, I l. Sepleniber. Herr Tavid Bell in von! Tehrenewinar in Jerusalem bat gelrgentlicli seines Ameinhaltes in London einem Mitarbeiter des .I<־w!sl1 ('inonide über die Ber hältnissc im heiligen Tand einige »neresfante Mineilungen gemacht, denen ivir hier Iolgendes entnehmen. Herr Belli» änszene sich besonders aussäiniich üver die Tätigkeit des Moi'eS MontenorrIouds. der vor -7 fahren anläßlich des I««׳. t^ebiirlslages des grofzen Pliilantropen gegründet ivnrde. Tieier Ionds, denen Berlreter Herr Belli» ויו, dient vor allem der Berbessernng der Wohilungsbcdingunge» der Jerusalemer Hilden. Tie Berivaltung giebl au die jüdischen Eiiuvoliner Tarielien zu»! "Ban eigener Häuser, die 11» I'ame von nin'zehn Ja reu zurinkziizahlen Und. Sie ׳orderte auch die Gründung von "Ban gesellichasten, ,vie Maskereth "Bi'oscheh, Hhel Moscheb und Ieinin Moscheh, von denen die beiden erneren I«>", die letztere Häuser er richte! haben Tie Kapitalien, die für die Bei» bauten vorgeichonen ivnrden, sind bereits grössten teils znrückgezahlt. ״?»'eiierdings bildete nch eine neue Geiell'ckia'k, Sichron ".'.','oicheb. die im Bord weiten der Stadt in sein guter Tage ein Bau Terrain rrivorben hat. Tie russischen Wirren lxiben, >vie Herr Bellin berichtet, die Einivaildernng i>is heilige Tand mächtig anlvachsen lasse». Biele junge Eimvanderer haben ans deii .Kolonien Arbeit gesunden, andere» denen sich keine Aussicht ans eine Erinenz bietet, Und aezwungen das Tand ivieder zu verlassen und isch »ach Amerika z» ivende». Tie Be Der I-raelit. fchränkllngen, denen nach den f. Zk. von der Regierung getroffenen Mastnahmen die Ein Wanderung unterliegt, und zwar in der letzten Zeit nicht zur Geltung gekommen. Es mng jedoch befürchtet werden, dag, iveirn die Zahl der Ankömmlinge weiter anivächst, die Regierung iviederum Einhalt gebieten wird. — Tie bevorstehende Wahl des Ehacham Baschi 1 hat eineil heftigen Parteikampf in Jerusalem heranfbcfchivorcn. Bon den zwei ernstlich in Betracht komnienden Kandidaten in der eine Ehajim Eljaschar, der Sah» des verstorbenen Ehachamer ist Mitglied deS Benvaltnngsrates der Provinz Jerusalem, in welchem der Gonver neur den Borsitz führt. Ter andere Kandidat ist Rabbiner Jacob Dkeir, ebenfalls ans Jerusalem Ter Wahlmodus ist durch besondere Bestimmungen des türkischen (Gesetzes geregelt. Bisher sind diese Bestiminnngen noch nie zurAnwendung gelangt. Tieses Mal jedoch dürften infolge des Streites der Parteien alle Iormalitätcn, die das Gesetz vorschreibt, beobachtet iverden. Wahlberechtigt sind nach dem Gesetz alle jüdischen Untertanen des Sultans in Icrnsaleni, aber die ".'lnhünger der einen Partei haben den Gouverneur zn ver anlassen gewürzt, nur die Sephardim zur Teil!lahme an der Wahl zu verstatten. Tie Wahl vollzieht sich folgendermaszen: Tie Gemeindeälteiten stellen eine Tine von 1׳-H) Bt'ünnern aut, ans denen durch das Tos ('׳<> ausgesondert iverden. Tiefe >'»«> bilden ziisammeii mit Rabbinern, die sie kooptieren, das Wahlkolleginm. 10 Mit glieder desselben, unter denen nch sieben Rabbiner befinden müssen, stellen nun als besondere Koni-׳ Mission eine Kandidatenliste ans, die wenigstens fünf Bamen enthalten mnsz. Aus der Zahl dieser Kandidaten wird dann von dem gesamten Kollegin»! der Ehacham Baschi gewählt. Ter Ebachani Baschi von Konstantinopel kann gegen die Wahl Einspruch erheben. Endgültig bestätigt ivird sie durch einen kaiserlichen Iirman, der in Jerusalem öffentlich verlesen ivird. OeNevveiöi. Wien, 14. September. Ans Krakau ivird der Wiener "Benen Ztg. über de» Kampf, der dort um ein jüdisches Gvniiiafil»» entbrannt in. 11. a. ,volgendes geschrieben: "?,icht etwa!!!!! ein staatliches jüdisches lKlnnnaiinin handelt es sich, iviewobt ivir daraus ebenso Anspruch haben, ivie die zivei andere» Böller des Tandes. — auch nicht um ein Privat gvninasium, das von einer mächtigen jüdischen Organisation gegründet wäre, enva von einem jüdischen Scknil verein, Ser nirgends nötiger iväre als in Galizien, sondern »in ein Privaniiiter nehmen eines Einzelnen, des Herrn Rabbiner Tr. Jung in Ungarisch Brod. — Juden man mnsz mit dem Geringen znsrieden sein, wenn nia» das tKröszrre nicht bat. und so haben denn alle hiesigen Bürger, die keine enreine» Anhänger des Polenniins oder keine solchen des Ehaiiidisiinis sind, die lKründung des neuen o nmnnfiiims, welches auch Realglimnasiuin sein ivird und Teffentlichkensrecht besitzt, begrüszi. Sie hielten eine Bersaintnlltng ab, in welcher sie ihren Stand- Punkt klarlegren, beschlossen, das Glnnnasin», zn unterstützen, und die Knltnsgeineinde aufforderlen, das Gleiche zn tun. Tie Bkrsammlniig protestierte auch gegen die als terroristisch bezeichnere Gegenagitation der Eliussidinl. Im Uebrigen haben sich anszer diesen und den ״jüdischen Polen" auch noch die ״jüdischen Temokraten" eine Seil national gesinnten Juden nahenehende (Kruppe gegen das jüdische Giminasium ausgesprochen. — Arner-Nra. Verschiedenes aus den Vereinigten Staaten. Bo» ninrrrin .Korrrwvndriilrn "?«e w?lvrk, l. September. Tasz der Antisclnitismus auch in Amerika eriniert. das hatten rvir wieder voi kurzem Gelegenkeit zu erfahren. Pater Beltord, der Pastor ciner grofzen römisch katholischen Kirche in Brook 19. Zepikmbrr 190; lyn, gibt ein monatliches Kirchenblatt heraus, in welchem er seine Teser über alles, was er für ihr Seelenheil als nötig ansieht, belehrt. Bor einigen Wochen erschien ans seiner Jeder in diesem Blatt ein Artikel über das Thema ״"Warum die Juden gehaszt werden." ״?lach diese», Erguss zu urteilen, könnte der heilige Mann ein Zögling von Stöcker und Konsorten sein, denn er stoppelte in echt antisemitischer Weise alle die ge hässigen Berlenmdnugen zusammen, die europä ische Indenhetzer seit jeher über das ihnen per hafzte Bolk verbreiten und die ich zu iviederholen für übcnlinsig halte. Ter Artikel verursachte unter den bicngen Juden grofze Aufregung, »!!« somehr, als er in dem grofzen Tageblatt Brook ln» Eagle nachgedruckr und so einem grvszeren Teserkreise zugänglich gemacht wurde. Tie!» dische Presse antivortetc darauf mit gebührender Schärfe, ohne jedoch eine Erividerung oder Ber teidigung seitens des Herrn Pastors zn erzielen. Im aligemeinen lie < die Sache das grofze Publikum, welches nir antisemitische "Wühlereien gottlob nch bisher vollkommen nncmpfängiich ge zeigt bat, ijch erinnere z. B. an die Ahlwardt'schr Kampagne in Amerika, kalt. Interessant ander Geschichte ist der Umstand, dasz dieser Bernich Hasz und Zivicrracht unter die Menschen zu säen, von einem Geistlichen stammt. Boriges Jahr ivnrde ein ähnlicher antisemitischer Artikel von einem Brooklvner Geistlichen, damals einem pro lcftanrischen, veröffentlicht. Traurig genug, daiz in diesem erleuchtet sein!vollenden Zeitalter und in dem fortgeschrittensten Tande der Welt zur Seelsorge berufene Männer ihre Ansgabe so schlecht verstehen. Ein eigentüinlicher Streik hält gcgcnivärrig die Indenfchaft der Tst Seite in Aiifregimg. Tort eristiercii nämlich nehzehn (Keflügel Schlacht hänfer, in welchen enva sechzig Schochlii» be schäftigt iverden. Bisher verfuhr man dabei so. dasz für das Schlachten eines Stücks Geflügel ein (Sem bezahlt ivnrde, der dem Schächter ge hörte. Jetzt haben. sich die Schlachthausbentzer darauf geeinigt, dasz dieser Eent ihnen bezahlt werden und dasz den Schochtim znin Ersatz ein nrierre Besoldung geivährt iverden solle. Tamit sind diese aber durchaus nicht zufrieden, einmal weil die Höhe des (Kehalts die Summe der Schlack,tgebühre» nicht erreichen ivnrde und daini, weil sie nicht als gewöhnliche durch wöchentliche Eiitlohiinng bezahlte Arbeiter betrachtet sein!vollen. Sie habe» daher das Schächte» eilige stellt nnd erklären, dasz sie ihres Amtes solange nicht walten iverden, als das alte Smtem noch nicht ivieder cingesührt ist. Ta die I-eiertage, während!velckier die jüdische Bevölkerung eine enorme T.naiit.lät Geflügel benötigt, bevornehen und die Sumpathien der Rabbiner und des Piiblikiims den Schochtim gehören, so ist es >vahr scheinlich, dasz die Schlachthausbentzer iverden nachgebe» müssen. B e!v -B»rk, Tie Bereinigung amerikanischer Zionisten beabsichtigt im nächsten Jahre hier eine A nsn el l n 11 g der Produkte der jüd if (11 en K olonie 11 zn veranstalte». Alerandria, "?8. August. An dem traurigc» (Koschick unserer russischen Brüder hat man hier immer regen Anteil genommen. Tie Sann״ luiig. die im vergangenen November für die Smer der Pogrome stattsand, ergab in »veniger als U Tage» eine» Ertrag von über .~>1? ihm) Irs. Auch für die in den letzten Monaten aus Tdena, Ekaterinoslaw, Hömel und Kischiness in groszer Zahl hierher Ausgewanderten hat man iiach Kräften zu sorgen sich bemüht. Ans Beranlanimg des T berrabbiners (Simon Ehasail bildete tut* unter dem Borsitz des hiesigen russischen Konsuls ein Hilfskomitee, das die Ankömmlinge in emem eigens gemieteten Hanse vorlänng nnterbrachrr und danir alle Anstrengungen machte, um de״ Teuten dlrbeitsstcllen zn verschaffen. ״ kurzem veranstaltete das Komitee im 2"" Stetano Kasino ein vortrefflich gelungenes denen llebenchüne für die ruffnchen Juden ds