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Der Israelit · 1906-09-06 · 36 (6.9.1906) · p. Seite 18

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
36 (6.9.1906)
Date
1906-09-06
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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Stile ix. זאי. w. 4jn ,t»1ucm. 40. August!׳KV; drang und die Sein Wohlwollen envirkten, deren! »vcgeii Gott sein Batererbarme» uns zuwandte, und die nimmer erfolglos vor seinem Antlitz erschienen", je mehr die 'Not der Zeit uns fühle» läßt, ״dast wie die Männer durch das Uebermast unserer Sünden verloren, sie uns genommen wurden durch unser Irren, sie zur ewigen Ruhe eingingen, uns dem Kammer uberliesten" — je mein wir dessen inne werden, dast unsere Lehrhäuser verödet sind und >»»sere Bertamm lunsstätten zu ernster Erhebung leer stehen" — um so mehr durchdringt uns das Bewusstsein der Pflicht des Einzelnen, um so mehr fühlt jeder Einzelne sich der (Gesamtheit von nöten, sich ihr verpflichtet, ״sich verbunden seinem freund, dast der göttliche Jrennd sich ihm und Israel wieder zuivende", ״kehren wir zu Gott zurück mit bc ichämten Micken, (Kott zn suchen, damit das Zn kunstslcnchten des Tages unsere Nacht erhelle in de» dunkle» Zeilen unserer Nöten." Ist aber in; Innenleben des jüdischen Boikes die Elnl Devise ״Ich meinem Jrelinde und mein freund mir" zur Betätigung gelangt, dann steigt dieser Jrennd auch herab in den (Zarten der Welt und wartet seiner?Hofen und sammelt sic ans den Dornen. Das Bcwnsttsein mnst sich beleben, das in den Worten enthalten ist; ״Wenn du ansziehst gegen deine Feinde, giebt Gott ihn in deine Hand." liegen zwei J-einde, einen inneren und einen äusteren haben wir zu kämpfen. Den inneren müssen w i r besiegen, dann ״streitet! Gott für uns gegen den äusteren, und wir können i schiveigen." Wenn der Angstschrei unserer gequälten j Bruder ans dem grauenvollen Cftc» zu uns j dringt, dann versinke» wir in dumpsetz Schweigen! die Sprache entbehrt der Worte, die das! Grausen ausdrückcn könnten, datz die Leideittzbe! richte in uns ivachrufen. Glicht mu° die Schil! derungen von P.'ord und Plünderung, von Tot! schlag und?Hanb, von dem schrankenlosen Wüten! ticrsicher Triebe sind es, die das Entsetzen der l empörten Menschheit bilden, - watz uns mit mehr j Schaudern erfüllt, find die sozialen und sittlichen Schäden, durch welch letztere nutz fast die jüdische Zukunft des Nachbarlandes in Jrage gestellt erscheint. ״Frechheit macht sich breit, die Teuerung ist grast, die?Hegierung kennt keinen Gott mehr, Zurechtweisung wird nicht vernommen, im Lehr hautz herrscht rohe Ungebuiideuheit, das Land wird verödet und alle (Grenzen der Sittlichkeit sind venvischt. Die Leute des Landes ziehen umher und sinden kein Erbarmen, die Gelehr samkeil wird verachtet und die Männer, die die Sünde scheuen, gen,uzgeschätzt, die ׳Wahrheit wird vermisst, die Zugend beschämt datz Alter, die Greste müsten sich erheben vor den Jünglingen; der Sol», »,isthandelt den Barer, die Tochter steht aus gegen ihre Mutter, die Schwiegertochter gege»! ihre Schwiegermutter. Die Jeinde detz Mannes sind seine eigenen .Hausleute und wild wie ein Hund ist das Geschlecht. Der Sohn entblödet sich nicht vor den Aligen des Bakers Schandtaten zu üben, in wem andersinden wir da noch unsere Snipe als in uiifemn Barer im Himmel." ׳Wahrlich, wenn alle Staaten versagen, die sonst .Kriegsschiffe aussenden, sobald ein Un rertan in fremde»! Land wirtschaftlich gefährdet ist, wen» alle Staaten Verlagen, die gar die ׳Wilden vor Misthandlung utid Sclavenlos zu schützen sich erheben, wenn alle Staaten versagen die dem Tierschutz als sorgsam gepflegtem Gesetzeskinde ihr unentwegtes Augenmerk znwende», wenn alle Staaten ihre Hilfe einem Menschenstamme versagen, der zuerst den Menschen,Freiheit und (Gleichheit gebracht, der in der Erkenntnis Gottes ihnen die 'Wege ihrer Beredlung gewiesen, ihnen den Gott gezeigt, den sie anderen, dann sollten wir es tief ausnchmcn in unsere Empsn׳. düngen: ,.'Welch anderen Schutz können lvir sinden, als unseren Batrr in, Hinnnel." Wenn Kiilturstaaten, Schmach häufend auf Schmach, selbst rauhe Härte fühlen lassen die Acrmsten, die von beispiellosem Unglück verfolgt sind, ivenn die Wogen ihres Hanes der suchenden Taube den?Hnheort für den Ballen ihres Jnstes nicht gönnen, den sie nur vorübergehend erbittet, wenn Kulturstaalkn sich beschämen lassen von dem liberalen .Kulturgesetz dieses verfolgten Stammes, das mehr denn vierzig Mal die Borschrift auszuweisen vermag, ״den Jremden zn lieben wie den Einheimischen, sein?Hecht ihm werden zu lassen wie dem Bürger", dann sollten wir das laute Mahuwort der Bor sehung erfassen und beherzigen, datz mit so furchtbarer Wucht des Berhängnisses uns das Wort des Propheten wiederholt: ״Etz wird fei» zn solcher Zeit, und der Ueberrest Israels und, ,vas noch gerettet ist aus dem Hanfe Jakanws wird fürder nicht Schutz suchen bei denen, die es ichlugen, >,nd es wird sich uttlehnen au Gott, den Heilige׳.׳. Israels, in 'Wahrheit. Ein?Hcst wird zrückkehrcn, ein?Hest Zakauws znm^ Allge ivaltigen." S möchten wir endlich den Schosar ruf verstehen, der mit überwältigendem Ton uns zu Herzen rufen will. ״Gott iit unser Richter, Gott ist unser Gesetzgeber, Er allein kann uns Helsen." Wenn dann die Bölker im Zusammenbruch ihres Wissens und ihrer Macht den S.uell suchen, der Menschen und Staaten labt und erhält, dann ,verden sic sich nicht erfolglos air das Bolk Gottes ivenden, iit herrlicher Entfaltung wird cs als die?Hofe erkannt im Weltengartcn Gottetz, und froh jubelt cs der 'Welt entgegen. ״Ich meinem Jrennde und mein Jrennd inir." regr! Rausch haschono. Datz Jahr geht^zu Ende. Jnnner kürzer werden die Tage. Schon sangen die Strahlen der nachmittäglichen Sonne an, ihre Stärke z״ verlieren. Die Felder und Gurren werden leer die Menschen eilen den Ertrag ihrer Arbeit ei,/ zuheimsen. Prüfenden Blickes überschauen sie die Frucht ihres Schaffens. Hat es gelohnt? Gar verschieden laurer die Antwort. Hier ichaut man fröhlich auf datz (Gewonnenedorr trübt Sorge den Blick, hier Tränen, dort Jreudc. Das Jahr geht zn Ende, der Sommer ist bin, und man fragt: ״Hat etz gelohnt'?" Das Igln' geht z׳r Ende? welches Jahr? 'Hoch Monde zählen wir ja, bis ein neuer Kalender beginnt. ״Der Sommer ist hin." ״Sinn ja, dann kommt der Herbst. Er mit seinem Ertrage ist ja die Krone des Jahres, der frohe (kennst der Arbeit des Sonnners.״ 1 t .. W 4 * 44 4 X #4 4 4 k A 4 י iiiu! uuu, h'•״,,“ 1/׳ \V1״״׳ ,>a»4 zu viiioe. Der Ertrag der Arbeit ist uns schon nicht inehr ihre Bollendung, er ist wieder Borbereitung füv weiteres Schaffen. Elulklänge sind uns Abschieds rufe, :Hoch möchte uns an manchen Tagen die heiste Mittagssonne darüber hinwegtäuschen, dast ihre Herrschaft bald dahin ist, da ertönt als ernster Bote des konnnenden Herbstes das Scholar. Und watz sagt uns alles der erste Schosarion!״ Blicke! ans die Zeit, die nun schon hinter elich liegt, tvie habt ihr sie benützt'? 'Wieviel Unedles hat sich in« Lause detz Jahres in eurem Tun und Denken wieder angesetzt.?Hüstet euch, ein neues Leben zu beginnen- Ein neues Leben! Ein Leben, das sich nusbauen must aus allem, was ihr Gutes gewirkt habt, und alles Hästliche verbannen soll. Ein solches Leben wollen wir nun beginne» und können etz, wenn wir wollen. Der letzte Monat des Jahres ist uns nicht nur?Hückblick, er ist zngleich Ausblick aus die kommende Zeit. Das Per gehen des Sommers ist uns eine Mahnung, die Jrucht nnscretz Schaffens zu Piusen, damit aus ihr wieder der Same gewonnen werde für die Ernte detz nächsten Jahres. Wie aus die Natur müssen wir auch ans nutz selbst den prüfenden Blick richten. Ist ja die Zeit vom Beginn des Elnl bis z»m Jaum Kippur der Selbstprüfung und Bersöhnung detz sündigen Menschen mit dem Berzeiher aller bereuten Sünden geweiht, feit den Tagen, in denen Moses Berzeihnng a flehte für das durch die Sünde des goldenen Kalbes verunreinigte Bolk, bis ihm am Jaum Kippur entgegenschallte: solachti, ich habe ver ziehen. Alltäglich ertönt deshalb während des Elnl in den (Gotteshäusern das Schosar*). Und *) Nur an, Tage vor :Rausch haschono unterbleibt es, um «wischen diesem Lchosarblascn, das nur ein schöner Minbag ist, und dem göttlichen <>(ebol des Tchosorbiascns am :Rausch haschono zu unterscheiden. ״helfen"; sie kann schon allein die Schabbesdecke | aus den Tisch legen. Das Treiben der Kleinen amüsiert die Mittler, sie lacht hell ans, als Klein Mirjam sich bemüht, die Jlasche mil einem?Heftchen?Hosinenwein vom Schranke zu holen. Auf einmal ein leises.Klopfen an der Tür'? Wer mag das fein zn dieser nngeivöhnlichen Zeit? , Bielleicht die Nachbarin, die ihr das ׳.nötigste tat, während sie nach der Geburt der Kleinen! lag?! ״Herein." Aber statt der erwarteten Iran! koitinit Markus Bär in datz Ziminer mit einem 1 Packer unter dem Arm. Berwnrt schaut er aus ' hie Iran; sollte der kleine Joseph heute mittag * ihm Jalfches berichtet haben? ..'Wünschen Sie ' etwas von mir? doch vor allem gut Sckiabbes und setzen Sie fickst׳, redet Iran Basch den Jungen an. der in augenscheinlicher Berlegenheit vor ihr lieht. ״Ach, ist Joseph nicht da, er )»einte vor hin so, und da lind da", die Stimme stockte. ״Ich danke Ihnen allch für die schönen Bildchen, die Sie dem Kleinen geschenkt haben, er war ganz vergnüg! vorhin, und ich denke die Karlöffeln werden ihm schmecken nachher." Ein Senizer wider Willen klang durch die letzten Worte. Jetzt sah Markus» dast ans dem sauberen risch , tndi in der int nichts stand, als eine Schüssel mit kalten Kartoffeln und ein kleiner?Hest Rosinenwein. ״Ach bitte, Iran Basch. Joseph weinte so, und das tat mir so leid, und ich hätte; Heine Abend wirklich keine?Hnhe, wenn, wenn .." Stotternd hielt er inne. ״'Wenn", wiederholte die Iran fragend. Mit kräftigem Anlauf über . . . V V «4■ n *• s 14 .4 4 .4 4 4 « O 9 441״ rt % 1% rt« 4%^ *44444 11H111U 1a1׳ •Hiiui't jum <huu|uiiiui . . . ,,»uwm der Kleine heute abend ivirklich keine Tatscher haben sollte." Nun war's heraus. ״Ich bitte, seien Sie nicht böfe, aber iehen Sie, ich hatte keine?Huhe, der Kleine ist so lieb, und nun ist es doch so traurig, das ganze Dorf weist, wie Sie und Ihr Mann sich plagen, um nur keine fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, uild jeder ivürde doch so gern . . ." E«:> sinsteres Ausblicken der Iran Basch brachte ihn zum Schweigen. Er wurde über nnd über rot nnd sah hilflos im Zimmer umher. Das rührte die Iran. ״Ich weist, Sie meinen es gut, und ick, danke Ihnen. Aber bringen Sic die Tatscher nur Ihren Eltern zurück, sie haben es auch nicht über zum Berschenken." ,,Aber die Tarfcher sind ja nicht von meiner Mutter, die wissen ja garnichts davon!" ״Ja, woher denit, cs braucht für uns nichts znsammengeschnorrt zu werden," wies die Iran ab. ״Ach bitte, hören Sie doch nur zn, es weist ja niemand davon, lind datz Geld gehört!a mir!״ ״Ihnen? »sie kommen Sie denn dazu!" Erstaunt blickte sie den Knaben an. ״Ich gebe doch Stunden, nnd da —" Das Geld braucheil Sie doch jedenfalls, damit Ihre Elterii Ihnen itichttz gebeit müssen." ״tHein, das ist anders. Der Herr?Habbiner sagt, dast jeder Jude verpflichtet ist, datz Zehnte voir!einem Berdienst abzugeben. Und es iväre egal, ob einer tausend Mark verdient nnd hundert abgibl oder von zehir Pfennigen einen, und dieses Maaster Ntiist man betrachten, als ob Cv einem Nich, u׳ hört, nnd mait must es abgeben, sonst tut man eine groste Süirde und die Tatscher habe ich vom Maaster von meinen Stunden gekauft." Er svru dcltc förmlich die Worte hervor, in der Angst vor einer Zurückiveisung. Er null doch seine Mizwoh tun, lmd wer jemarid davon zurückhält, tut selbst ein Unrecht, lind wer einem dazu ver hilft, hat An teil an dem Berdicttst. All' die Gedanken der Selbstbewuudernng, die der Bierzehnjährige beim Hergehen gehabt hat, wie er so geschickt die Tatscher besorgt, ohne dast zu Haufe jemand etwas bemerkt hat, und wie er so passend die Zeit ausgesucht, dast ihn niemand mit seinen Päckchen sieht, all' diese Gedanken sind verschwunden vor der Angst, sein (beschenk möchte abgewiesen werden. Iran Basch erkannte die Gefühle des Knaben. ״Wenn es so ist, lassen -Lst die Tatscher hier für die Kinder. Ich danke Ihnen." Sie reichte ihiit die Hand. ״'Nein, vieleti, vielen Daitk, dast Sie es erlaubt haben. (Kitt Schabbes." Er rannte förmlich aus dem Zimmer. Schitell in die Snnagoge auf einen der hintersten Plätze, dann merkt niemand fein spätes Kommen. . szortscvung folgt.:

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