Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 36 (6.9.1906)
- Date
- 1906-09-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 3C. 2ctlf •» schriften und eine Bibliothek enthält und worin in wöchentlichen Sitzungen Borträge und Dis kussioncn abgehaltcn werden. Wie die meisten Vereine, so zählt auch dieser ein Stammpublikum, das סדי שבת בשבתו, allwöchentlich zur Stelle und mit nicht erlahmendem Eifer bei der Sache f 1• ... r»««S Sa t AAr/iS• hip Ijt — cificuiiuiri |11«v vwv ßruu - -r jüngeren und eine Anzahl Ehrengäste, nicht dem Range und Verdienste, sonderen der selteneren Anwesenheit nach so benannt, ft», allgemeinen wird fleißig gearbeitet. Bercnd Lehmann! Drei Institutionen Halber, stadts haben sich nach ihm genannt, bem צדיק תטיס, der vor grauen Jahren das Schiff er lveiteru halt; und wollte» damit bekunden, das, der Kurs ,,״verrückt der gleiche bleiben soll. Heil ihm, das,, von solchem Willen geleitet, das Schiff streicht durch die Wellen! Köln a. Rh., den 2. September. Aus dem weiteren Verlaus der zionistischen Jahreskonserenz, über die bereits an dieser Stelle berichtet ivnrdc, sind noch die Referate der Pa lästinakommission, der Propagandakommission nnd der statistisch-volkswirtschaftlichen Kommission zu erwähnen, Großes Interesse erregten ferner die Mitteilungen des Vorsitzenden der Kommission zur Erforschung der Ursachen und Wirkungen der Pogrome, deren Ergebnisse der s?effcntlichkeit demnächst in einem besonderen Werke vorgclegt werden sollen. In der im Anschlus, an die Beratungen der Konferenz statlgehabten Sitzung der Kolonialbank wurde das Statur der Bank dahin abgeändert, das, ihre kolonisatorische Tätigkeit ans Palästina nnd den Orient beschränkt wird. Diese Statutenänderung bedeutet eine Absage an die Bestrebungen der Ito nürnbsrgsr Herjpnsflißnsf. ,Bon unserem »orrespcmdcmcn ׳ 21 iir״berg, 29.?!ugusr 1 6י. Wenn das ״Horn" ertönt, rüstet sich Israel. ״Man" kommt aus dem Bade und aus der Sommerfrische, man hat seinen Urlaub genossen, und die Iraner: beginnen, das Hans für die Festtage vorzubereiten. Die Männer versorgen sich mit ״Platzkarten" für den Filial-Gottesdienst, n, den ״Gros,gemeinden" ivenigsiens, und für das andere sorgt die löbliche Kultus - Verwaltung. Der Handel mit Snnagogenplätzen blüht wieder, da der Bau einer zweiten Svnagogc für die Leute, welche nur an den ״hohen" Feiertagen dem Gotteshause einen Anstands Besuch machen, nicht ״rentiert", nnd so hört man den Ton deS Scholar in einem Lokale, welches das Jahr hindurch so viele und andersgeartete Töne vernimmt, weil es einmal dazu gehört, nnd weil .... ja schließlich erinnert man sich doch des alten Satzes ans dem Perek: ,,Sondere Dich nicht ab von der Gemeinde." Wenn ich diesen Satz lote, so mus, ich einer Unterhaltung gedenken, die ich einmal mit einem rvohlhabcndkn Manne hatte, der erst iit späteren Lebensjahren seine kleine Krhilla mit der ״Gros, gemeinde" vertausch:?,?luch er wollte sich nicht absondern, lind deshalb ging er in die Srgel Svnagogc, aber so sagte er mir: ״Sie können glauben, ich habe meiiic Machsorim so gut aut meinem Platze wie Sie ,urd benutze sie, wie ich sic immer benutzt habe.״ Das nnd einiges andere reizte mich, die Gebetbücher der Svnagogc Rürn berg einmal rin wenig zu betrachten, zumal Ge betbücher ja gegcmvärtig ein aktuelles Thema sind. Das iur die Gemeinde Nürnberg vorge schriebe»? (Gebetbuch in von Dr. Levin vor mehr als dreißig Jahren versaßt, Pardon eingerichtet, und man darf sagen, es entspricht beit Gesinn ungcn seines Verfassers. Der Titel lautet «Abodah schcdelew", zu deutsch ״Der Gottesdienst des Herzens״, und schon dieser gibt zu denken. Der alte Heiden heim allerdings, ein fanatischer Orthodoxer, sandle seine tÄebekbücher unter dem Titel ..Sepbat Emetk" und ״Sapha Berurah" hinaus, natürlich, er war ja auch ein ״Lippendiener". Heute hält man cS mit dem ,,Gottesdienst des Herzens״, nnd dsS ,,Sephat Der (Israelit <>. Tepieilwrr 1 :*im.. Emeth", die ״Lippe der Wahrheit" ist nur noch zu Unterrichtszwecken gut, denn aus diesem wird nur für die Schule, nicht a er fürs Leben ge lernt. AlS man sich genötig sah, von dem ״Gottesdienst des Herzens" eine neue?lusqabe zu veranstalten, da war die erste Sorge der Ver rvcrltrmg, daff di? änsiere Gestalt deS GottesdiensteS im wesentlichen zu erhalten sei.?lber, so schreibt die Vorrede, manche Gebete erwiesen sich als nicht ganz geeignet - die eingeschalteten ״stillen Betrachtungen" haben sich nicht einzubürgern vermochtder Gcbetsioff für den Versöhnungstag reichte nicht hin, um den Heiligen Tag auSznsüllen. Mit anderen Worten: wer noch gewohnt ist, Jom Kippur zn halten, indem er den ganzen Tag in der Spnagoge bleibt, der sagt doch lieber Iozcroth, Sclichoth usw. anstatt ״stiller Betrachtungen", die zwar leichter zn lesen a!s dos manchmal schmierige Hebräisch des ״Pcitan" und dennoch so langiveilig sind. Man hat also einige?lendernngen vorgenommen, um das Gebetbuch denjenigen anderer ״fortschrittsicher" Gemeindeil ähnlicher zu machen, und im Zusammenhänge damit wird ein Rundschreiben des Regierungsrats und Mitgliedes des Groß herzoglichen vbcrrats der Israeliten Badens Herrn Dr. David Malier in Karlsruhe erwähnt, lvelches sämtliche deutsche ״Großgemeinden" zu gemeinsamer Regelung der Gebetbuchsrage auffordert, und in welchem in großen Zügen ein Plan zur Herstellung eines einheitlichen Gebet buches entworfen wird. Diese geniale Idee, welche vor etwa zehn Jahren bekannt gegeben wurde, scheint allerdings keinen genügenden?111klang gesunden zn haben, denn wir. haben von dem Normal-Gebetbuche für ״liberalen" deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens nichts mehr gehört, und die ״Großgcmcinoen" in Berlin, Mannheim, München, Stuttgart usw-, nicht zu Miessen die westfälische:׳. Gemeinde:״ ,.׳erbe.׳:?:.׳." sich noch immer an ihren Separat-Gebetbüchern, was vom Standpunkte der Einheit ans ja sehr zu bedauern nt. Daß die ״orthodoxe Minorität" längst ihren Normal Machsor von mindestens taulrndjährigem?llter hat, ist leider nicht zu ändernsie ist nun einmal nicht unterznkriegen. Der Herausgeber der neuen?lusgabe verbreitet sich weiter über die Schwierigkeit der deutschen Uebersetzuug und erwähnt verschiedene Stellen, bei denen anstatt der lvörtlichen liebersetzung freie Bearbeitung nötig war. Daß aber die Furcht vor den?lntiscmiten 1*97 nnd wahrscheinlich 1*74 schon so groß war lvic heutzutage, erhellt aus dem Umstande, daß zivar der hebräische Text der ״Tenllas Hachaulim" unverändert geblieben ist mit dem Schlußsätze ״besoch scheor chaule Iisrorl", daß aber die deutsche llebersetzung lautet: ..daß er an Geist und Körper genese nnd Deinen?kamen preise". Da liier weder,,?lntrovoniorphismen noch Tautologien" einer wortgetreuen llebersetzung emgegensteben, so ist der Zweck der ״freien Bearbeitung" nicht anders zu erklären, da man doch wohl nicht im Ernst wird behaupten ivollen, das; es gegolten habe, ״den Gedanken des Gebetes zn vertiefen, oder einer mißverständlichen?lussaffung" vorzu beugen. Es in vielmehr hier wie an anderen Srtcn stets die Tendenz durchscheinend, alles, was auf eine Sonderstellung Israels bin beuten könnte, entweder als der Vergangenheit aiigehürig darzusrellen, oder aber wie hier, es kurzerhand zu ignorieren, und da Liber ׳lisnius und Kasinopolitismus in der Theorie wenigstens) zusammen gehören, so isi es natürlich in keinem Falle an gängig, nur t'ür seine Brüder ru beten, da die verehrten Gegner ein solches Unterfangen für eine nationale Engherzigkeit erklären würden. Es ist unnütz, weiter in diesem Buche zu suchen, da man doch nur wiederholen könnte, was eine berufenere Jeder schon über das neue Gebetbuch für die badischen Juden geschrieben hates sollte nur daraus hingewiesen werden, daß auch der Regierungsrat Dr. Mauer nichts eigentlich neues geschaffen hat. und daß eine jede Bearbeitung unserer alten Tefillah nur Stückwerk und Flickwerk sein kann. Möchte der Tag nicht fern sein, wo man, glcichwie mit dem dreijährigen Euelus der Thoravorlesung, auch mit den bearbeiteten ,Gebetbüchern des Herzens" aufrät,Mt, wo man wieder ״Sephat Emeth", die ,Füppe der Wahr heit", als Gebetbuch benutzt, dann wird in der Tat der Glückwunsch, den so viele auf den Lippen tragen, der Wunsch eines ״guten Jahres״, zur Wahrheit werden. Ministerislerlslse. oder indireckt aufgehoben wird. In diesem Zir knlarerlaß wird der Rechtskreis des Echulituhle- (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 24. August. Kultusminister Gras?llbert Apponyj ha! in jüngster Zeit mehrere Verordnungen erlassen, welche das jüdische Kultusleben, insbesondere in gesetzestreuen Gemeinden, ivesentlich beeinsiussen. Von allgemeiner hervorragender Bedeutung ist ein Zirknlarerlaß betreffs der jüdischen Volksschule». Jede organisierte Kultusgemeinde oder Betgen offen schast muß danach einen Schulstuhl haben, der aus sieben Mitgliedern besteht und von der Generalversammlung der Gemeinde gewählt ivird. Der!Sberrabbiner, der Kultuspräses und der di- Agierende Lehrer sind von amtslvegen Mitglieder des Schillstuhles. Der Schulstuhl wählt ans seiner Mitte in, Wege geheimerAbstimmung einen Vorsitzenden, dessen Stellvertreter und einen Schriftführer. Er beaufsichtigt die inneren?lngelegenbeiten der Schiile von den Gesichtspunkten der Methode und der Richtung des Unterrichts, der körperlichen ilnd geistigen Integrität der Schüler nnd der Aufrechterhaltung der Disziplin - beaur sichtigt ferner den Religionsunterricht, soivohl in der Gemeindeschule, als auch in den von jüdischen Schülern besuchten Volks-, Bürger- und Mittelschulen, die von anderen Korrfessioire!׳. oder von! Staat erhalten werden. Der Schulst»!;! stellt auch *י•" Z״HI her Lebrer fest, creirt irene Stellen und bestimmt die Honorierung der Lehrer. Schlief:- lich wird dir ganze pädagogische Leitung und Per waltnng der Kompetenz des Echulstnhles znge wiesen. Die Bestimmung der Lehr- und Hand Bücher, die Anschaffung der Lehrmittel, die Gründung von Jugendbibliothekcn, die Feststellung des Lehrstoffes und Lehrzieles, des Stundenplans, der Unterrichtszeit und der Ferialrage — das alles gehört zum Wirkungskreise des Schulstuhlre. Gegen die Bescheide des Schulstuhlcs kann wohl an die Generalversammlung der Gemeinde appellicrt werden, mit Ausnahme jedoch der Lehrerwählnnd Disziplinarangelegenheiten, bei welchen der Verwnltungsausschuß (erste Komitatsbebörde das Appellationssorum ist. Wir haben hier die Agenden deS Schulstuhles nur in gedrängter Kürze registriert Die gesetzes treuen Gemeinden Ungarns sind es von jeder gewöhnt, daß mit jeder neuen Ministerialverord nung ein gutes Stück orth. Autonomie direkt I 1 I außerordentlich weit gezogen nnd dabei auch der «esamte Religionsunterricht der Leitung dieser Körperschaft anvcrtraut. Und lvenn auch die Gemeinde als solche nicht ganz numdtot gemacht wird, so hat sie doch in der entscheidenden Frage, nämlich bezüglich der Lehrerivahlen und Disei plinarangelegenheitcn, kein Recht zum Eingreifen. Da ist die Komitatsbehörde mit dem königl Schul' inspcktor als Fachrefereitlen das kompetentt Forum. Wenn wir noch in Betracht ziehen, daß es in Ungarn kein orth. Lehrerseminar flieht, das; es ein reiner Zufall ist, wenn es einer gesetzestreuen Gemeinde gelingt, einen wahrhaft religiösen, gottessürchtigen Mann als Lehrer zu geivinnen - daß ferner viele von den besten ortho doxen Rabbinern sich um das jüdische Schulweien wellig kümmern und der Reltgionsunterricht an den Mittelschulen von ihiren nicht einmal beautsichtigt wird: dann kann man eine Vorstellung davon haben, ivelche Verheerungen ein foldjef Schulsiukl auf dem Gebiete der jüdischen Jugend erziehung anrichten kann, wo die Mitglieder desselben nicht vom Geiste der Gesetzestreue durar drungen sind. In vielen Gemeinden ist es Pkodr-