Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 36 (6.9.1906)
- Date
- 1906-09-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraloroan lür das orthodoxe Judentum ff (Ul/i ic!rlBiefhiBr.Lei bumiomai«zMWW^/M ״ v8ייי 11״ 47. Jahrgang. sss Frankfurt a. M.. gen 56&°6א' .»i 36. Ter ,israrlit fridKiiit icOrii roitiifvftiin. ttdonnrmenrs: okuuiimiutff ftufnabt ,iVf. I..'«•• uintfliälirtuli. {vrtaiidsabr out Mi111ft0rmf1>dDirr IVf. i iiirrtrliäbihd). AuOIandlvreiir für dir qrwötiiiiichr 11# אוflabr: Ltfirrrrnli צ Kr., :HuitiauO I Kuli., vjnfllan> i!■11״ Amrrika ■V1 >-!-., '^irftrilaubr 1,1(11 11. Abomtritirm# brt allru Pa'iaivialirii, ־^uAbunM'iitiifn, *otvif btrrft b«1 brr tfriifCmon, HrftauSqabr mir Surft. ^nfrratr :;111 Pinmiar iür dir irchsaripailrnr liülourl ,irilr; Rabatt »a>11 larii. .111'rrairiiaimabmr mir buiib i' a a (r n ft r 1 n u. Vogler VI.■49. in JVvaiifiuvt a. Ä. 1111b brrrn äilialr». An unsere Leser! Der heutige»'.Kummer lie^t eine Vlboiiiicinentc Beitelt karre bei. 26er noch nichl Abonuenr in, benutze ne ui» es;11 werben; wer bereits zu -Karte UNI uns wenigstens eineu neuen Abvniieulcu zuzunihreii Zede Ausdehuuug »nseres Leserkreises konnnt bei Lache;11 gut, ber nur bienen. Verlag -e» ״Z»ra«lit." llom öbct(0 zur modernen Kultur. Urner diesem auipruchsvollen Titel ver vNentlichr Dr. Zaeob '\vomev, ber i»1 Borjabre vielgenannte ehemalige Bibliothekar ber Kubischen istemeiudc zu Berlin, seine Lebensgeichichre. Unsere Vefcv erinnern sich wol!l j0!׳ib des Falles. Zm Sommer >604 erschien' in der Harde» scheu ״Zukmisr" ein anonymer Artikel ״Das 26eien des Judentums", in dem dem Judentum klipp »nd klar jede Eristen;berechtig»ng abgesprochen »nd den Zuden der Nar erteilt wurde, so ׳chnril als möglich in ihrer Umgebung ״nnterzuta nchen und spurlos zu verschwinden", d. b■ sich oder wenigstens ihre Kinder lausen zn lasse». Die Zeitickrist des Herrn Harden alias Wnkowski ist dafür bekannt, das; es ibr weit weniger um eine gründliche Belehrung ihres Leserkrei?es als um Erregung von Sensation und Esteklhascherei zil tun in. So würde auch jener Artikel schnell der verdienten Bcrgcssenben anheiingerallen sei», wenn nicht eine jüdische Zeitschrift die über'raschende Kunde gebracht hätte, der Autor jenes Artikels sei niemand anders als Herr Dr. Zaeob Zromer, der amtirrnde Bibliothekar der jüdischen (&: meinde zu Berlin' Es kam, was kommen mnstte: Zromer wurde sofort seines Amtes enthoben und ohne Kündigung entlassen. Eine von Zroiner gegen den Bornand angestrengte Klage wurde in allen Instanzen abgewiese». Die Frucht seiner unsreiwilligen Muse ist das vorliegende Brtch. Wenn wir es nickt mir ein paar feilen abtun, sondern ihm einen breiteren Nauru widmen, so geschieht es nur, weil derZTall Zromer bis zu einem gewissen Punkte ein Typ, ein Muster beispiel ist für die tausende und abertausende rumscher Jünglinge, denen die dem Zurall überlasiene 2st׳kan׳.׳.r!charr nur der aiijierjudiichen Knliui znm tiesste» llnsegen gereicht, gramer ׳childerr uns, wie sein ׳Barer Tag und Nacht nn Betb Hamidrasch weilr, die Sorge »in den llnterhalt der ,Tamilie der Mutter überlanenb. Er selbst kommt vom EHeber ins Betb Hamidrasch und lebt und lernt ohne zn ahnen, das; ausrerbalb der!üvische» Winenichmr noch gestriges Vcbcn und Streben eristirl. Du itedt ihm ein anderer Bocher eu! ,.deutsches" Buch zu, bas er liest. Es ist ein elendes Machwerk, ein im Zargon ge schriebener Noma» niedrigster Sorte, in dem tolle LtebcSphrascn mit Bruchstücken unverdaurer Philosophie abivechieln, aber als G,st rut es seine Wirkung; rin i>eer von Zweiteln erfastr den aus?ei nein Studium antgeichreckren Bocher. Die Personen an die er sich um Nal ivendet, und selbst vom Zweitel anget'rene» und können ihm nicht helfen. '0 entschliefst er sich Zamilie und Heimar zu verlassen, um in Deurichland aus dem Born der Erkenntnis!veiler zu ichöpt'en.;Kach ,nanchrrlri Zniahrle» gelingt es ihm in Breslau ׳eine Zininarrikularion bnrchznieben und ichliesilich auch seinen Doktor z» machen So wett ׳st Zromer's lstbcnsgrschichte identisch »m der Ostschichre von Hunderren nnd Tausenden russischer und galizi scher Ziingliuge, die, nachdem ne dem isHeber den :Kücken gekebn und sich durch birtre Lehr nnd 26a11bkr>ablk zu Amt und Würden durch gerungen hoben, dein Ziideiirum meist kühl und leiliittlniislos gegenübeinehe», wenn nicht ei» günstiges beschick ihnen rechtzeitig zur 26ieder ernnguitg ihres seelischen Gleichgewichts ver holten lnn. Nun abe! kommt das besondere, ,Tromcr von!eine» Schicksalsgenossen unter scheidende: Zn ihm berrichl, soweit das Zudentum in ,Trage kommt, nicht Gleichgilt igkeit sondern Hast, bittrer Hast gegen altes Züdische' Daher die gleichgilnge An, 1» der er seiner ,Tamilie seiner ,Trau »nd seines Kindes gedenkt; daher 11. a. die in seinem Buche aut gestellte Behauptung, dast der Äntiseniirismus begreiflich und notwendig sei, daher die Begriffsverwirrung, die ihn seine Dienstent lasiung seitens der lüduchen O^emeinde heute noch als ein ihm widerfahrene» Unrecht anschauen lästr, nachdem christliche Nrchter es ,hm in zwei Znstanzen bescheinigt haben, dast eine Anstellniig als Beamter einer jüdischen «Gemeinde noch kein Anrecht daran» gibt das Zudentum rn anonvinen Artikeln l?erabzuz1el»e1>. Dast Zromer nach diesem Bortull noch daran denkt eme jüdisch wissent'chattliche Arbeit, eine Neal Konkor dan.z der talmudisch rabbinnchen Tstterarur, mit der peeuniären ■Hilfe von Zuden au» rühren zu können, dulästt rein ganzes Borgeben vielleicht in euikin «midereil p'ichre rinrx'inen, den» ohne pathologische Beranlagnng ist eine solche Anichauung undenkbar. Wir haben bereirs oben envahnr, dast »vir das Schicksal ,Trainer» als typisch zu betrachten liitben siir alle die ,Talle in denen die Berinittlung mit der aimeriüdiichi'n W>f?e״schaft lew. Züto.l! übe!l»s'en bleibt, steider ist da» aber aut dev osteuropaischeti Zeschibah» noch »ast ausnahmslos der ,Toll. Man kann öarüber streiten, ob da» System hermeti'cher Abt'chliestling von der Austenwelt richtig war z» einer Zeit, ivo diese Mast regel noch durchtührbar unr, heute aber, wo d,zrch die Prrsie, durch .zahllose im Zargon ge schriebene Bücher, durch die Tetinahnre 0*1 der politischen .u!d jüdischen Bewegung vir Durch tührung heiles Abschlusses zur Ilnmögl,chke,t ge. worden iit, kann doch nur eine Meinung darüber hernchen, dast es Pflicht der Zeschibah-lstelter ist, die ihrer ,Türiorge anvernanren Zünalinge mir der al1stersndis׳.chett .Kultiir io weit bekaniil z,t machen, als es die 2^׳rn»e1di111g der <*terahr d«׳» Ahialls eriordert. Mar! rv!rd hier freilich entwenden, das; ein llnrerrichr in den profanen Disziplinen, eine Ein sührung in die i^eichichte der Philosophie und rn ihre Systeme manchen Znnglmg mit Ziveiiel er iüllen und vielleicht auch zum Abiall verletten wird, der beides tonst nie kennet« cjeleou hätte Wir minien;uneben, bau diele Möglichkeit vor liegt, aber dieser Möglichkeit steht die tVewist heit gegenüber, dast, wenn das heute herrschende Systei» ganzltcher Ab'chliestung von der modernen Kultur noch ein Zabrzekin andonen, d׳e gesamte ,Tugend Osteuropas dem geietzestreueir Zllde»1t»111 verloren gegangen sein wird. Selbstverständlich liegt es uns iern, den russischen Nabbinenr, in denen wir die ,Tuhrer u»d Vetter der Mehrheit des züdnchen Bolkes ehren, Borichnnen machen zti wollen. Auchschivebk uns keineswegs eine schematische Ueberiragung des westeuropäischen B " ms ans die russischen imdgalizitchen Zetchiboh» vor. Wenn wir mit unsrer Warnung nicht zurnckhalren, so ge schiebt es, weil!vir glaitden,'dast der Austen stehende i» solchrii Zrogen oft weiter sieht als die Nächstbeteiligten. Wir haben ferner das warnende Beiiptel vor Augen, das uns dre ichichre der deutschen Zudendeit bietet. Als vor hliiidert iind mehr Zähren der Strom der geistlgen Be1r>egl«nq die Tbore de» deutschen Ghettos erreich: hatte, da glaubten die Nabbiner!euer Zr ir ebenfalls nur in der strengsten Abschliestung da»L>eil suchen zu müst'e». Die Lektüre deutscher Bürger wurde Utttersagt, >ede Beschaftrgung INN Ilichtiuvncher Wissenschaft galt al» Bonstuse de» Abfall» ^04931