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Der Israelit · 1906-08-30 · 35 (30.8.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
35 (30.8.1906)
Date
1906-08-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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;0ז. August 1906. (lioneuutmtditcff »oll m beionber* zu btli»c»t»en Bezirken (Art. 70 durch bic :Habbincr »nb bei! Cbcrrat ftottnnbcn, jebocti unter CberomTirfn bcr ftaatlidien 2cimlbebörbe, bn ber ^'eliqiono unterricht ein 1'c br flcflcn ftanb in bcr i'uUcidniic ift ». Bolksichulciefeb An. 11״׳ Tie Bemerkuiiczeu des Herrn Enneiiders bezüg Uck ber Ernennung bes Cbcrrato ie(<cn 1111* m Erstaunen. Die bet reffenben Beffimmumze» lauten: ״An Den enqeren Bat bilden: l. Ein Beauftraarer unserer Begietuiig als Borkiyeuber; 1׳. ein juristisch gebildetes Mit qlieb israelitischen Bekenntnisse: brci Cbcr »on'teber, auo jeber Provinz einer." ״Art.'.«o. Der Bor» (׳ende und das juristische Mitqlied sann Ltellvenretern werben von Uno »ach Anhöruinz des weiteren Bates ernannt. ^nr Bestellunq ber Cbemortteber samt Stellvertreter» bat bcr weitere Bat Uno 1»<י breisache ,Zahl bcr zu Ernemienbeii burch Ber mitteluiuz Unseres Ministeriums des Innern in Borschlag zu bringen. Das Am! eines Dbervor>'tebers in ein nicht besoldetes Ehrenamt f. An. .״ Der l'froff Herzog ernennt also nur den Begieningskou, miffar und bas juristisch gebildete Mitglied direkt, die ^bervonteber wählt er aus der vom weiteren Bare vorzulegenben Vifte aus. Bach ber Begründung 2• 4V> werben die Abgeorb neten des weiteren Bares erstmalig vom Ministerium ernannt, nach Borschläge» der Bor stäube der israelitischen Beligiousvereinigungen. Unter diesen Beligionsvereiniguiigen ״sollen auch die dermale» vorbaiidene» Beligionsgesell schasten verstanden werben". Wie man iliiS damit unsere Soraeu zu nebmen veruieiur, dag erstmalig die Abgeorb neten des Sberrats von der Begierung ernannt werden, begreisen wir nicht. Sellüt wen» das Ministerium bei der ^»׳amiiieilsebmicz des erste» Sberrats vollkommene Parität walten lassen wird, so ivird ja eine vom Gesetz bestimmte israelitische Sberbehörde nicht nur «'» I all re de steben. Haben wir nicht besonders dafür z» sorgen, das! »ach Ablaus der ersten Anitsveriobe des Dberrats, nach den ersten »'׳ Iahreil, nicht unsere beiligste» Interessen für weitere In kmür hinaus qe'ährdcr!verden. Ter I-ralit. Die Ansicht des Herrn Einsenders, daff wir als Glieder desselben Bolkes und derselben Abstammung eine besondere Beitretung be bürten, »orberr unseren energischen Wtbenpruch heraus. In j»olirnrh«*r Bezieb'.tiig ׳'üblen wir uns mit den Staatsbürgern anderer Be ligiou vollkommen eins und es kan» und bar» nichts gebe», was uns als bei on de re »Nasse von Staatsbürger» bumellt. Den Gedanken schon einer besondere» Bertretung in politischer Beziebung müneii wir weit zunick weisen. Bor bei» Staatsgcebe unterscheibe» wir lins »ur i» der Beligion vo» beil anbern Staatsbürgeru, und nur tn religiöser Be ziebulig könne» wir uns, wen» man uns denn burchails mit einer Benrelung beglücke» will, eine besondere Bertretung betiken, die aber unter jeder Bebingung eine walnbatte Bertremiig unserer Beligionsliiteressen sein miiff und durchaus »ur aus Männeni benebeu bars, die unserer, sagen wir es deutlich, der ortiio baren »ioinession angehören. In den weiteren Aussübruiigen des Herrn Ein senders erlaube» wir uns die Irage. ob es denkbar ist, das! beispielsweise die verschiedenen christliche» Mont'einoncn in einem ber iiivbame dänischen Bei be.'die doch gewisi viele gemeinsame Iliteresse» als ii brüten zu verteidigen haben, das! dieie einer!ןcm ei nia me n 5l 11 che» be Hörde unterstellt werden״׳ väeiviff, wir haben viele geineiiisame Inter ne» mit den anders denkeildeil israelitischen Brüder» ebenso wie wir auch vi le hervorragende und hochwichtige Interessen mit unseren christliche» Mitbürgern teilen, wir lebe» sriedlicki und sreiiiidschastlich mit Juden lind Bichtjuden zusammen: bas sriedlickie Iusammeiilebe» in uns ein kostbarer Sckia(», der aber aufferorbeutlich gesährbek wird gerade durch die Bestellung einer ge in einsame» B eligion Sb ehör de »ur weit auseinander gehende Mmücüioncn. Abgesehen von sonstige» schwerwiegende» Be denken, mnsi derjenige, der den I riebe» »»ter den Israeliten bewahren will, gegen die Schaffung eines gemeinsamen Dberiars »tunmen. D:e Begierung will »ns mit einer Hobe» Wabe bedenken, indem sie unserer Gesamtheit eine recht lichc Bcnretuu.g schafft. Abgesehen davon, baff 2e>te '< Nn .9.׳. zur Abwebi gemeinsamer Gefahren die Israe Ute» des t^roffbei zogkuins »ich auch in der gangenbeit leicht schnell >!>»b wirkungsvoll zu samiiieiischlosse», erkenne» wir an. baff diese rechtliche Bertretung ge׳,v>ne Bo»teile lningi. Jedoch wir wtederboien es immer wieder welche Boneile auch bas Bestehen einer Esesanikver tretuiig der Israeliten bringen würde, unb welche Boneile immer ber ('»Vetcbeittium» in »einen verschiedene» Beniiiiiiiungen einzelne״ »»b der Wcinmtbeit bringe» kan», solange der Ge»etce»tu׳ur» nicht die Be>t11»»1»nget> über de» Dberrat völlig . 1 ft er »non nrhmbar »in »1»s Wir sind sicher, baff die Dnbodoren Hessens ihre Bedenke» gegen bas Geiep vor die zwr'ite >ia»11»er gelangen lanen »nd such bemühen werden durch Aus schaltuiig aller unheilvolle» Best1»1m»»ge» »nd durch Hinzn'ngen des Iehlende» bas, was gut unb segenver heiffend ו in ('V»e(>ent»nnr» in, bau cntb \11 »'ucherii. und H^icchrichteir. veutl^es Neicts. I r aiiksur t a. M.»׳ck.'«. August Die ״Ira »k- »u r t e r e 1111 n g" »eierte bas Jubiläum ihres .'׳Oiahnge» Bestehens, llmer benen, die bas Wcltblat:;!! seinen׳. Ehrentage begiückwiinschteii, »'oll auch diese Wochenschrift nicht fehle». Wir schätze» »1e ״Iraiikfurter Ieitnng" vor allem wegen des Irennuts lind der Entichiedenbeit, mit I»er und da nnck iliren!י ruck verfpiirl, ihre sckaucn üctr ahzcickne» sielit. Aber glauhi ihr. sie bebürfrn eurer alten Folianto»? Einige wenige, Tte grc>s:e Ma׳׳e spricki aber vv» s di w ere in V eben, '! a »1 v» u »> s T n 1 c 1 n »iw Und viele Imben andere Mmol für ihre Erholung und Ierflreung, als diese vergilbten Bü.'i'ev . . .״ Und wieder lackte der Taman 10 laut und 10 tcuilndi dag ick nn Tcklaie ananiineiisckauerle und erwackie »litten nn Tliürniger Walde. — * > * Bon Tliüringen liebe nck inancties er>ablen. Es gibt auck iudii'cke »»eineinden 1» Tbüringe» und am benackbanen Harrgebirge, aber man dort »ehr selten von ihnen. Es bcrrjdit da überall :Hube und ungestörter Iriede — der Iriede eines Inedhoses. Hier gibt es keine!Trgelsragen, die die »»emüter errege», keine ober r»itlicken Magenbesckwerde» und keine sunodalen tileburls wehen. Tie T" rganisationen haben nck hier, da von vorn herein vollständig entfeuchtet und trocken konservier! auck ausgezeicknet erhallen. . . Alan lebt hier sckon in der iweiten. ,a dritten <>»e!te ralivn der neuen :seit. Tie Blüte der :Neiornt n’i langsi abgefallen und die herrlichen fruchte find heran gereift - : Ignoranz und I nd 1 f»eren tismus Es war in der <»»egend von Tesfau, wo mir ein behäbiger Mann sehr selbsigefäUig erklärte: Er fasle wohl am langen!age, fo aus »»eivohnheit, aus Aietal, dem toten Bater und der toten Mutter zu Viebc, d!e noch sehr fromm gewesen feien Also saftet er am Jom Zt ivvur. ob er mir auck, was den l iscdo desv aniangt. enen ge flehen inuff, das» er für seine Person die Zerstörung Jerusalems absolut nickt bedauern kann. Ick mufite an nuck halten, um nickt zu lacken, obzwar nilck diese Worte eines (»;laubensgenossen bis ins ver; verwundeten. Aber drüben lackte jemand laut au». Es war ein ewsacker ckriftlicker Bergarbeiter, der wohl in den freien Lkunden auck einmal in der Bibel lien. Bon einem ökemeindeleben m hier nirgends eine -pur. In den arofferen Lvnagogen singen nock die lLhöre, klingen die Lrgcln und predigen die öerren herzog licken und fürstlicken fandrabbiner Prediger in der Wüste, denen, wie in der «losterfage. die 2keine Amen .Zurufen. Denn es und nur ewige wenige, von den anderen als die Frommen hezeickiiet und zu unrecht verspottet, die am Lamftag Zeit und Bedürfnis »ür die e Andacht finden. Mit alleiniger Ausnahme von Halberiiadt. das wie eine bliiheiide £aie in seinem .'!reife noch echt!udisckes Veben ausweii'i liegt dar» überall das .Zudem»»» >01 er lallet darnieder. In Berlin flieg ick am Bahnhof Aleranderplav aus. Wie inannigialtig find dock die i»»e׳ialen. die das Elend,!e nach den Berhalinifien und Menfcken annehiuen kann. Lckaren von Auswanderern ziehen nur entgegen »tanze!»»rupven, »»reise, Frauen und Xinder, »'!beit tie dickt an einander gedrängt neben ihren ärmlichen Habfeligkeiten. die Züge »ack Hamburg und Bremen abwartend. ..Mick i'ckmerzi der Anviuk des Jammers״, »agi der gute Wirt m!»»oeihes .,Hermann und Torothea״. T kommt herbei, ihr Tickter, ihr Herrscher, ihr Tenker und Führer, wie damals und fckauk den Anblick des Jammers, und sehet die Armen vorbei ziehen, und ״erfährt einzeln, wie bitter die »ckmerzlicke Flucht fei. und wie »roh das!»»efühl des eilig geretteten Veben*.״ Aber keiner kommt, keiner will sehen und erfahren. Tas alles ifi hier zur alliaglicken Enäieinuna, zum wöhnlicken Ber kehl sbild der 1. 'Uaüe geworden sie erregen, die Elenden und Heimatlosen von heute, weder Mitleid nock Aeugierde. Eine Minier drückt ihr Kind so fest an die Brust, als ivollte fie mir ihm ersticken. ״Tas arme Xind leidet unschuldig'״ wimmerte f!e leise. ״TasKind>״ »tagte ich, ״und sie, liebe Frau, was haben sie verschulde:?״ Tie Angeiedete »ieht mich erflaum und nuptrauifch an und sagt kurz: ״Wir find Juden '״ Eine schuld, die auck ick. die wir alle begangen haben. iVarum wollen wir nickt alle die strafe tragen helfen? 4 * 4 Zurück' zurück' — Ter sckneUzug Berlin Frankiurt-Bafel fährt viel zu langsam, um all der Pein zu entfliehen. Im (»»egemeri scheint er mir auch auf dem Rückwege vom Jammer in all fernen mannigfaltigen und farbenreichen Gefialten verfolgt zu werden. Unterem Zuge t»'t ein vollbeladener Auswanderer wagen angefügt. der in Nordhausen wieder abgedängi wird. In der Nähe von Frankfun steigen hessische Fruchthändler ein, die uch lebhaft über ihre »beschatte unterhalten. Am Odenwald sammelt nn ,üngerer Vebrer bei den ,üdifchen Mitreisenden »ür nnen älteren Kollegen,! der durch eigene 'trankheit und die feiner Frau mit der Familie!n Nvi geraten ist und der zudem trob all dieser Priifuna als ,.Nngeprüfler״ nock m den allen Sagen amt und brodlos geworden in Nur u» Badischen ist; 7!!!!:!! זזי׳ייזr:2r: gen.!::lick .'•im inet in :;10n aber! flu»fig und das lang» verwundene Veid des alten Israel! in den Gebeten veruumml Nun fahrt mein Zug über den Rhein Hier in mern i geliebies sckweizerland wieder. Und ick freue mich un > gemein, nuck halb an den füllen t*m>a>'iern der Vimai j von meiner Erholungsreise ein wenig erholen zu können. < 2amaritaner in Bondon » In Vondon halten »ich zur Zelt vier Bertreier der alten Religionsgemein ickan der Samaritaner an», von der mich ungefähr zweihundert Anlianger erifneren. und die ihren iHanben als die einzig wahre hebräische Religion bezeichnet. Tre vier Pnefier, die nach Vondon gekommen sind, erinnern in ihrer aufieren Erscheinung und Haltung wie m ihren Namen an die Munarchen des alten ieflan!en!S sie iwistcn nach dem Berliner Sägeblatt״ Isaak Ben Amrani ba Enden ha Vevi. sank Ben Jakob ha Enden ha-Vevi, Nage Ben Khader ha Enden ha Vevi und salibi Ben Jakob sälabi. T 1e vier Männer sind aunergewöhnlich hock gewachsene hagere »»»eftalten und in ihrem Benehmen schweigsam und wiirdig, sie und in pnesierlicke 1He wander gekleidet und fuhren Bücher und Lchnsien von tzrofic»! Weile mit fick. Tarunier nnd eine Rolle, die >eu ungezählten Iahrhunderien in ihrer svnagoge be nuvi wird, uralte tnebeibuehet und eine lieTgilh»? Z»,; taiel, in der von ihren versiorbenen Hohepriestern bertchtn wird. Tie samarnaner sind nach England gekommen, um flir ihren van den Türken verfolgten und »ul Adgaben überbürdeten stamm Unterstützung unb Hilfe zu nnbe»!. Ter Bischof von Jerusalem har ihnen einen Brief an den Bischof von Vonbon mitgegeben, unb König Eduard wirb ihnen vielleicht eine Audienz gelväbren. Tie sama rnaner sprechen nur arabisch unb eine alte Form des bebräiichen. Wir sind in der Vage, demnächst bochinteressanteLriginaiMitteilungenüber die paiäsiinenf,schen Lamarilaner zu ver v» fentltchen.

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