Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 35 (30.8.1906)
- Date
- 1906-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der J-raeltt. Nr. Sä. Seite 4. geblieben. Wir wiederholen, wir bedauern cs, baft die Negierung in ihrem kyesetzentwurf, der solch warme Fürsorge sürden Neligionsunterrichk und für die materielle Sicherstellung der Nabbi»er und Lehrer zeigt, abgesehen von sonstigeil freudig zu begrüßende» Bestimmungen, das; dieser Gesetz entwurs durch die beabsichtigte Schaffung des Oberrats, als Oberbehörde der israelitischen Ne liqio»Sgemeinschaft,vonGr u n d a u S ve rgif t c t ift und Gefahren in sich birgt, denen gegenüber alle sonstigen ivohltätigen Bestimmungen und An regungen völlig in den Hintergrund gedrängt und für di? ^örd?r׳>nn de« Neliainnslebens ganz illn sorisch werden. Ä e n n der Faktor Oberrat auS den, Gesetz durchgehends entfernt i st, dann wird es nicht schwer sein, die sonstigeii Schönheitsfehler des Entwurfs zu beseitigen und ein Gesetz zu schaffen, das entsprechend den Absichten der Negierung eine ivirkliche Förderung des religiösen Lebens bringen ivird. Auch der -\>ui Betfußer des vorstehenden Aussatzes sucht uns iinincr und ininier wieder durch den Hinweis zu beruhigen, das; als oberste Instanz das Niinistetinm oder sonstige Negie rungsbchörten über den! Oberrat stehen; das ist etivas Selbstverständliches, das keinerlei Beruhigung gewähre» kann. Das Miliistcriilin oder eine sonstige obere Staatsbehörde wird nur kiiigreiten, wenn der Oberrat die Befug nisse, welche ihm das Gesetz einräuuit, überschreitet; es ist jedoch gerade die Machtsüllc, »velche deinOberrat in Zukunft gesetzmäßig znstchen soll, die tvir mit aller Energie glaiiben bekämpfen zu müssen. Ini Eingang des Artikels 104 des Gesetzkiitivmss heißt es klipp und klar: ״Zu dem Gcschästskrcis des engeren Nates ge hört die Beschlußfassung über alle Auge l e g c n h e i t e n der Neligjonsgeineinschast, soweit ne nicht dem weiteren Nate (s. An. 105) oder dem Borsitzendcn überwiesen sind, und unbc schade! einer anderiveirigen Negelniig diuch die Geschäftsordnung , Art. 10:1), i n s bes o n d er e": Es folgen dann Iß Spezialpunkte und znm Schluß Punkt 14 ״die ihm etwa sonn noch durch besetz oder Bcrordnuilg übertragen werdenden Grichnite. " Der v derrat bleibt also in. Nahinen des «Gesetzes, wenn er sich die obere Leitung »raend einer Angelegenheit zuivricht. die ihm nicht ausdrücklich vom Gesetze abgesprochen wird, und daß ihm das Gesetz von seiner Macht besugnis nur bitterwenig entzieht, glauben wir in« Artikel ll h nreichend klar gestellt zu haben. Es heißt, der Oberrat in nur als Bcrwal rungsbebördc gedacht. Mit Berlauv, was man beim Schaffen des <>zesetzentivnrss gedacht hat, kann uns gleichgiltig sein, für uns handelt es sich um das, was nur schwarz auf weih im Entwurf der Negierung lesen, und da finden wir, daß es hier wie so ott ganz anders gekominen ist, als . man gedacht bat. Die eine Bestimmung allein, die uns an, Schlüsse vom Art. 104, 0 i'o merk ivürdig versteckt entgegentritt, daß zu den Befug nissen des £ berrats ״d ic O be ra nfsichr ü ber den g e s a m l e n N e 1 i g i o n s u n t e r r i ch t u n d sämtliche Neligivns schulen" gehört, diese Bestimmung allein, abgesehen von den zahl reiche» ähnliche!? Festsetzungen des Entlvllrss, , ,cichnei den Oberrat für uns in aller Schärfe als eineNcligionsbehvrde. Und wollten »virselbstbeide Augen fest schließe» und ungeachtet aller de 1! ent-! gegenstehcnden Festsetzungen des Entivnrfs un! serer Phantasie erlauben, sich den Oberrat als j bloße Berivalrungsbehörde vorznftellen, so wür den wir selbst vor diesem Phautasiegebiidc j zurückschrecke». Eine israelitische Neligivns- und! Glaubensgemeinschaft ist doch eine Korporation, j die ausschließlich religiöse Zwecke verfolgt; wie kann der Staat da wollen, daß hier die Ne- : ligjonsangelegenheiten der einen israelitische,׳ > Konfession von Männern der andere» gegne rischenÄonfession auch nur v e r w a l t e t iverden? Eine außerhalb und über den Parteien stehende Negierung vermag objektiv und gerecht unsere religiösen Angelegenheiten als höchste Spitze mit zuverwalten, nicht aber Israeliteil, die zu einer der beiden entgegenstehenden Konfessionen ge hören und bewußt oder unbewußt die Interessen ihrer eigenen Bonfesfion bevorzugen werden. In Hessen gibt es ein Gesetz, das sogar die Berwaltung von lassen zu Neligions zwecken der Negierung entzieht und dieselbe nur Anhängern der betreffe den .Konfession anver trank. Hier verläßt mau die Idee dieses Ge setzes soweit, daß man nicht nur die Berwaltung von lassen, sondern aller Neliaionsanaeleaen So. August ISO, heilen nicht der objektiv lirteilenden Negierung, sondern direkt, vom Standpunkt der israelitischen Bekenntnisse aus gesehen, dem gegnerischen Be kenntnis ausliefern will. Aber in Wirklichken ist der Oberrat viel mehr als eine Benvaltungs. behörde, er ist Neligionsbehörde. Wie wenig es uns beruhigen kan», daß 1״ Bezug auf Nadbincr, Lehrplan und Iahrbüchc! das Ministerium als höchste Instanz zu befinde» hat, zeigt der bloße Abdruck der einschlägige» Artikel des Gesetzentwurfs und darunter gerade die hier angezogenen. Art. 04 (erster Absatz ״Dir Bestätigung der von den Gcmemdevor ständen gewählten Nabbiner Art. 20, Ziffer 5 steht den! Oberrate zu. Gegen die Beriveige rlmg der Bestätigung ist Berufung an das Ministerium des Innern zulässig." Rrtihel 65 (erster Satz): ״Die Rabbiner und die Anus verweser sind dem Oberrate dienstlich miier stellt." Art. 104, 1" (Befugnisse des engere» Natesi: ״Tie Ausübung der Disziplinargewalt über die Nabbiner, Rabbiuatsverweser siehe An. 05) und die Beamten des Oberrats »ehr Art. 100 .״ Artikel 79 lautet: ״Den Lehrplan und die übrigen allgemeinen Anordnungen iür den in der schule zu erteilenden Neligions unterricht soll das Ministerium des Inner» nach Bene h m e n m i t d e m O b e r r a t erlasse». Die Bestimmung der für den Neligiönslluterricht zu wählenden Lehrbücher gehört unter Aufsicht dcsMinistcriums dcsInneru,gegen denen Einspruch die betreffenden Bücher in den Schulen nicht emgeführt iverden dürfen (s. Bolkssch G. Art. Iß Abs. 2>,zum Geschäftskreis des Oberrats (s. unterArt. 105Ziff. 7 Art. 105,7 (Geschästskreis des weiteren Rates : ״Die Be stimmnng der für den Neligionsunterricht zu ivählenden Lehrbücher". Was die Lehrer betvint, so ist in der Tat — und das ist eine dankbar zr! begrüßende Neuerung — nach Art. *5 ihre Disziplinarbehörde die statliche Schulbehörde, dochdererste AbsatzvonArt. 77 unterivirst auch die Lehrer dem Ob rrat. Dieser Absatz lautet: ״Der israelitische Neligionsunterricht untersteht der Aufsicht des Nabbiners, des Oberrates und der staatlicher׳. Schulbehörden". In der Begründung heißt cs dazu S-50: ״Die lieber wackumg lmd Kontrolle des israelitischen Neli- Wagen stch bewegte, saust heule der Lcimellzug Basel aranki'un Berlin dabni. Im sTdenwalde regt es fiel*• tu1־!u es 1111 hesstsdien Bolksmunde 15s ist dieses Mal eine große Erregung, die an Hdknwaldr, an bcr Grenze Hessens beginnt und nch über das ganze Händdien ausbrrnrt natürlich menic ich das indische Hessen. Im tßtoßderzoglutii Hessen benndel sich eine große Anzahl lüdischrr Handgeinrinden. die!111 Durchschimte ihre Beamten für alles mil «! 7NN Mk pro snno br soldrn Dir!Gemeinden wollen einen musikalisch grschulirn Kantor mn guter Ltimmr, der guicr Prediger ist und über pädagogisches Wissen versugt, als guietLdiaucliel muß er dr> der ,ringen kritisciien Zeit den 1 c d e 11 d e » Beweis iirtrrn können, daß daS Ldiachir» der beste Tob sei Und daß er als guter Kmdrrlehrer auch Kunstsinn genug be sitzen muß, um Wimpeln zu malen, Inschriften zu zeichnen, serner über Ürganiianonstaleni vertilgen soll, um Jugend teste abzuhallen und (Kemeiiidefeirrlichkrilr» zu arrangieren, ist >a selbstverständlich. Zudem muß dieser Kolba», dieser lliuvrlsalgeist zwei Zrugiiiste erbringe» könne». erstens, baß er kein iinporlierles. sonder» rein iicimallictirs Iabritai ist und zwetteiis, daß ei ei» deutsches Leiuiliar besucht »«». Da ist aber der Haken. Au, dieien Orhranstallrn werde״ wohl d׳e Zöglinge sin all d>e genannten ,'vödia brrangedildri abri leider »ichi aucii tu» die dl Skr i e und so komm, es daß diese Herren auch bezahl! sei» wollen Man Hai »>»> die Negierung, dir Behörde» »ui Petnioneii und Borstelluiigen aller An Hcplagi bis ne endlich ernstlich iiachgeben wollen. Der aniwurs >sl da, er ichrenri schnell aut Hunde »len von A blähen rinlier. Es soll Na! geben, sogar einen ^verrat mn Llh in Darmstadl, der ,e nacb Bediirinis enger und weiter geschraubt werden kan», der über Lein und Nichtsein br mmmi. der über die gemeinsamen Angelegenheiten der Israeliten des i^roßbrrzoglums Wacht halt, besten Argus äuge nichts entgeht, keine wasserarme M ikwob und keine verstimmte Drgel, der Mmionäre kür dir . fromme schule anstrlß und VNorininnen der Ltmagogr besoldet, der. »1 der iogar Disziplinargrwali über dir Nabbiner ausübl. Und der Zug ianst eilig weiter, an dichten Wäldern und wriirii Ebenen vorbei Wir da draußen am linken Ndeiiiuirr die Neben so icbon blühen' Wir die sarben reichen Tälci der ge'egiieirn Weilrrau in der Nachnnnags sonne glänzen' Diese vom goldenen i?vsie so seinver de ladrnrn Bauuie ai» Jupe des Bvgrlsbergrs' Dieir Prachtvoll gcrbneleii Wege, diese geraden harmonisch gebauten , Ltraßcn' Warum ist gerade Diniere Lache so schlechl bestellt, unser ,Tcld so schlecht bebaut '״ Diese blübendeu D örser mn ihren kleinen sauberen Hänschen, überall dir inrdlichr» .Kirchtürme und zi^lichrn Ldullpalästdien Ein guter, geebneter Boden, den unser Zug durchsirrüi. Nur rniser Weg ist ungeordnet, ungrebnrt. Und es wird iniinrr duntlrr. Eine große gedeckte Nirsciihalle. Der Zug hielt still »rrankni«' ..Zn ,vranlsun tont ich am Lchabhes an ״sind aß dori Lchalct nnd Klüse — ״ C giner Heine, konntest Du deinem müden Nilter Lainiliauser wirklich in Irnntsurr nichts besseres vielen^ ,Banksurr' Welche Empsindungen muß die dortige Indrngaste bei demienigen erwecken, der mil den blutigen Aurzcichiiuilgen der!üdischen tKcschichte zur Zen der Kreuz züge vertraut m: Auch ihn!, dem Bertaster des ״Nabbi! von Bacherach״ koinnc ne nicht fremd sein. Aber käme! der Dichter Heine 111 die alte Iudrngasse' ,zranksuri ist beute noch »in seinen A'.on״ Juden . eine indische Minier gemeinde Deutschlands, eine Metropole ' jüdischen UI ei st es. ,üdi scher Intelligenz und :üb! >' ch e r P!! i lani 1 0 p i e. Uud dieses ivill etivas beißen Ich staune abivinl nichi wenn ich das stolze, ^cilügelie Won ..Wie kann man nur nicht aus,vranfüirt u-inV". auch aus ,üblichem Munde büre und iveim man beule noch bier davon überzeiigl ist, daß Adam rin nltcv ,rranlnirter ivar Allein die alle Iudrnganc> Lie enstierl nich, mehr. An Ltclle der allen, steilen, grauen Mauern, und moderne PrNaste enmairden. Dori drüben stand mcUndu das kleine Häuschen, wo der Dichter dazumal beim Lchemr der Labbarlampe nch die Labbaikost schmecken ließ, die er nachher seinem Nnrer in den Mund legte. Es ist deine rin impoiantes (He i bälide. in dem ׳ich das berühmte, mit allem modernen Kon,fort eingerichlrle Ea׳e >׳l. bcnndet. Lchaler und Klüse ivnd der edle!annliänsrr Heine vergebens in der <pelielarie suchen: datür aber den besten Pariser Eatö Melange nnd alles, was nnr solch rin hochmodernes Elahln'riiieiil an sranzoiisch henannten Occkereirn anszu bielrii vermag. Und doch, die darin sitzen nnd dir Nach kommen der enistigeii Bewohner der Iudengastr und der beiden Nheniuier aus de» Nachbarstadlen L ir npen wir einsl ihre Batrr a» den heilige» Büchern ׳aßen leiden schasilich. erhibl »in gerötetrii vlrnchtrrn und erregte» ivebrrde» »nd spielen Karren. Du suchst deinen ,Bcund, hast schon den und!enen nach ihm gefragt, keiner antwortet Dir, niemand beuchtet Dich. Endlich hast Du ihn, dort sitzt er. Du gedn j «rcudig aus ihn zu. er sieh! Dich nicht. ״'Nun aller ,freund, ivie geht es? Haben uns lange nicht mehr ge sehen!" ״Ach, so, >a erwidert er zerstreut — richiig! Kreuz lrumpi!" Ich eile davon. Und als ich >n! Zuge, der »näi weiter östlich trug, rinschluiinnertc, wurde ich von einer in ihrer.Komik zugleich schauerlichen, ja tragischen Binon besaßen Ich sab die alte Iudengastr vor mir. Die dolien j Maliern zeichnen int blauen Mondscheine lange, schwarze; Scharten ans den vereinsamten trummen ׳׳)äßu>e!i^ ab. Die Tore und mit beiden Leiten fest geschlossen. Denn es ist schon dtliiket tmd man weiß nicht, was die Nackt von außctt bringen kann. Die Bewohner sind nach einem! Tage der Arbeit, H'lülif und Angst mit Anbruch der Dam merung in die (Lasten, in ihre Häuser, in ihr Neid! zurück gekehrt. Beim winzigen Lichtlein einer Talgkcrze nvcn iir. die patriarchalisdirn liiestaßen, vor ihren langen Ioli ainen. Und sieb! die Heiden und Lorgen des Tages und vergessen. Die Gesichter glänzen trol> des matten Achtes und strahlen in Glück nnd Ircude. Es gebt auch oü envas heiß her, ivenu im lobenden Kamps die Geister aneinanderpralleii, aber cs erbebt sic und trägt sie hinweg, weit hinaus über ine engen düstere» Mauern, übcr^die ׳Nichtigkeiten und Beschwerde» dcö täglichen Hebens. Das lustige Geivühl und der wüste Härm von außen dringen midi bis zum httictto bereut, aber die mutigen Kamven hören nidns und lassen »dt in ihren Ltudirn nicht beirren Hier ist ihre Welt, eine Welt von überirdischen Wonnen, von denen die Bedauernswerten draußen nicht die geringste Borstelliing haben. Was ist all jenes Leben, all jenes Glück? Und sollten ste, wie schon oft. wieder ein mal kommen uns alles nehmen, was ihnen den Neben und Wilden als wertvoll erscheint, wir werden dicics höchste Gut verteidigen. Wir werden es hinter den nnsteren (Hhettomanern erhalten, mn es unser» Kindem in eine bessere Zeit niilziigebcn. — Ich ,llbeltr 1111 Traume auf ob dieser schönen, stoizm Worte uiisrrrr Alten. Da erblickte idi plötzlich an de! entgrgengksrvten Wand den Teufel, den bekannten Lv>n reutet, der grinste und ladnr: ״Was? Eitere Kinder? nönnie er — he. br, he' Euere Kinder!«,ben derc:!s k» bessere Zeit angetreten. ne wohnen nicht mein m 1*1 Iudrngaste. ste bcivohnen stolze Häuser und wohlgcbautt Lttaßen. Dir nihrttvniaurrn nnd gefallen, ob man aii»