Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 35 (30.8.1906)
- Date
- 1906-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Ceniralorgan für das orthodoxe Judentum Lehmann ScfrtBief 47. Jahrgang. Sranhfurf a. M.. äen ^g’ flu? 5666^ .ti 30• Tor ^Siariil evntifiiit jcOcit lomififu«. Abannemrnt»: iürwSdnlick« «u»aab« Mk.!..־io mfvtfliähiltrti, v*rtaii#t1abf aus ttiuiftbruttpapirr IVf.;1 1>ifrlrln!brli<t. *ii*l-1״hep1«itf für »i« .!fU'bhnlirtie Äu-iiabr: Ceftmciiti Kr., iHuülaiib I iiui׳., vrimlaiib S AiNtrika י.יז> סי־ Nirdrrianb« 1,״*.־ H Jlboniifinfttt* bn all«» Ponauliallr». **iiibhanbltniiKti, ipniir dir«kl bei der 1Ln>«di1iou. ivilausaab« nur direkl. Anirratr: ibi Pi«,min« 111׳ di« ׳cäisqr'pali«»« tzvlou«!■;trilf; '*iabutt narb larti. ,Vi'eratniaiinabm« mir durch vaa»«nfte1n u. Monier 1/1.0־*. in ,rrauf'im a. M. und bereu viiialrn. I» brr nächsten Hummer beginnen wir mit bei» Abbruif brr bereits nngekündigten 1111 r 11 rhiitorH«11rn t*r- \ahluMfl ,.Der ttonlfrljrin von Dlichelftndt" die. wie wir bonen, dein ungeteilte» Anirressr unserer Pescr begegnen wirb, tfaf es brr Verfasser ja veritanben. ans den;crllreuieu ^«qen einer im vewnsitiein der Zeitgenossen nur noch im Halbdunkel lebenden lieberlieierung das lichtumflosseue Bild einer wabrbasi groben Persönlichkeit anslubauen. die ^abrrednte hindurch in ganz Lübbentschlanb. ja darüber hinaus die lürmnler mit magischer iüewalt gefesselt ha« und bereu inneres A>esen doch weit emporragt über die Vorstellungen, die im Volke von bei-, vieigeirieeien PSundermanne lebten. Ztolvpin und die Juden. Ten russischen Ariden isr Heil!vidersabren. Herr Ltolypin, der Ministerpräsident, tun sein das Vcib der jüdischen Untertanen mitfühlendes Her.; der Welt nicht länger zu verbergen vennocht. fluch rnssiche Miiiisterpräsidenten linken ein Herz, ob sie sich dieses Besitzen auch nicht immer l׳e ivußt sind, fl der es gicbt Seiten, da sie das Her; in ihrem Innern entdecken und der staunenden Mitwelt von diesem wunderdaren Ereignis glauben Hunde -.;ebe׳.׳. zu müssen. fluch Herr v. Witte war nicht frei von sentl mentalen flnwandlnngen. Es war um die da die Regierung;ur Antnahine der neuen flu׳ leihe schreiten musste. Ha versprach er den Hilden Lcknitz vor den Pogromen und Besserung ihrer l'age. Und es kam doch wieder Bialystok, und es ward doch nichts hinweggenommen von dem Hruck, der aus unseren unglücklichen Brüdern lastet. Man kann nicht wissen, ob die russische Regierung nicht wiederum dringend Geld gebraucht. Ein Wunder wäre es nicht. Und alle Borbedinguugen für die flnnahme sind gegeben, wenn wir hören, daß Herr Ltolypin sein Wohlwollen gegen über den russischen Hilden kurz Hinteremander gleich drei Bertretern der europäischen Seffent lichkeit kundgegeben hat. Herr Hr. Paul Ratban, das bekannte Borstandsmitglied des Hilfsvereins der deutschen^uden, hielt sich dieser Tage in Petersburg aus. Hem Ministerpräsidenten wurde das mitgetcilt, und er ließ Herrn Hr. Rathan zu sich bescheiden, um mit ihm eingehende Zwiesprache zu pflegen. Herr Ltolypin war begreiflicherweise neugierig, wie man im flusland über die Lage der russischen ^uden denke, und es ist anzunehmen, daß ׳'ein Berichtrritatter ihm 11111 aller Heutlichkeit ani dieic Urage geantworler bat. Äußer Herrn Hr. Rathan empfing der Pienner auch die .Korrespondenten des ״Temps" und der Londoner ״Tribüne". Was er nun diesen drei Herren gegenüber in zachen der Znden als ׳eine flnschauungen und flbnchten ״ntgeteilt hat, das gebt in tciiiem Punkte über die bekannten Redens arte״ russischer Minister seines Schlages hinaus, und es wäre kaum notwendig, davon ein fink beben zu madte», ivenn nicht die Masse!rprodll!t!on ministeneller ,Uiden'renndlichkeit dem politische״ f'eobachter aufsallen würde. Herr Ltolnpm iveiß ׳'ich, wie er sagt, nei von antisemitischen Tendenzen, er erkennt auch an, daß die flrmut und die Leiden der ^uoen tut russischen Reich nicht ihresgleichen haben — als fldelsmarschall 111 >lowno und Gouverneur von Grodno bat er sich davon überzeugen können, flber das Bolk ist voreingenommen gegen die Hilden und man würde ibnen selbst einen schlechten Hienst erweisen, ivollte man die schwierige syrage mit einem srederstrich zu loien venuchen. Harum ist es für den flugenblick unmöglich, ihnen die volle Gleichberechtigung zu gewähren. Ucbrigens müßteri die ,^nden erst selbst darüber genagt werdenw wagk der Herr Minister Präsident zu behaupten. Has tn’iüt siiilvabr allem Unglück und alter Rot auch noch den bittersten Lpott kinzu'nge» fll'o die Hilden selbst!vollen nicht die Freiheit, ,vollen nicht menschenivürdige Behandlung^ Has wäre freilicb der denkbar triftigste Grund, ihnen die Menschenrechte weiter vorzuentdalten Hie Heuchelei, die aus solchen Redensarten sprichl, läßt ahne», was man davon zu halten hat. ivenn Ltvlupin erklärt, er habe Zchritte getan, um die Wiederkehr von ,^ndenmassaeres zu verhindern, er werde das Loos der ^»deu einstweilen am administrattvem Wege zu erleichtern suchen und dann der zukünftigen 111111« ein Gesetz zur Regelung der ,rudensrage vorlegen. Man dar! allensalls erivarten, daß demnächst ein paar Studenten mehr zur Universität;״gelassen werden, daß man in der Handhabung des Wohnrechts da und dort vielleicht etwas weniger rigoros Vorgehen wird. Hies und ähn liches können die Erleichterungen sein, die Herr Ltolypin und seine Leute herbeizusühren beab üchtigen, um die Welt von ibr-em ״guten" Willen zu überzerlgen. Und die Hunia > Hies Wort freilich hat tür die ^uden einen guten Älang. flu׳ die Huma hatten ite einst ihre Hoffnung gesetzt. Und diese Hoffnungen hätten sich wohl verwirklicht, wäre der hkitt der Menschlichkeit, der Gent des Rechts, der in dem!ungeit Parlament ,vohnte, nicht den nnsterer, ״Mächten, die das russische Ltaatsruder führen, nachgerade unerträglich geworden. Lchutz und Hülse haben die Hilden auch nunmehr nicht von der russischen Regierung, sondern von den zi>kt1n»'tigen Erwählten des Bolkes zu erhoffen. Hie neue Hnma wird konnnen, — nicht weil die Regierung es versprochen bat — foirderi« iveil ne koninien muß, weil die Regierung selbst in ihr bald dos einzige Mittel zur Erdall1«uu des ivaukendeii Ttaatsivejens erblicken wird. Bis dahin aber dürste billiaerlveise iminer n^itge hendes Migtrauen an, Platze ׳'ein, ivenn ein russischer Minister den Zuden gegenüber eine freundliche Miene aus'etzt. Epilog?um Oberrats־Pro?efi. flock! vor Bekaniltwerden des Urteils in dein politischen Prozeß, der sich am ,^uli d». ,^s vor dem srorum des Mainzer Landgerichts ab spielte, haben wir bereits darau׳ hmgewtrsen, daß die Bedeutung dieses forensischen Ereignisses kür die inncrpvliiische Lage der de»1t'chen ^udenheit einzig und allem in dem Berlause der B er ba»dl unge n und nicht etwa in der Be nrteilung der zur Luhne stehenden formellen Ttraitat liege ^1! den Ärtickeln, um die es ׳ich handelte, waren >'o starke rhetorische Uebertreibungen und 0׳ kühne Bilder enthalten, daß wir uns ja von vornherein bereit erklärt hatten, un diese formellen Beleidigungen, für die wir nicht verainivortlich waren, 'Genugtuung zu geben, ohne freilich dadurch auch nur um Haaresbreite von unserem prinzipiellen Standpunkte abzuiveichen, der in dem Baduchen Hberrats Ttistem eine zum '^eietz erhobene Berge,valtigung des Judentums erblickte und erblickt. Zo hat uns denn das Urteil ׳'o wenig überrascht wie die jetzt deutlich bekannt aetvordene Begründung, die bis aus e 1 n e u noch zu erönernden Tatz nicht einen einzigen neuen (>sedanken enthalt, sondern lediglich eine Paraphrase der m den flktenstücken des Hberrats einerseits, in dem Gutachten der sachverständigen anderseits enthaltene״ Behaup tuiigen giebt. Was in den Berhairdlungen selbst an Interessantem zur Charakteristik des Ober, rats zu Tage gefördert warb, blieb natürlich unberück'ichtigt. handelt es sich denn juristisch allein um die s^rage, ob die in den firtikeln an«