Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-08-23 · 34 (23.8.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
34 (23.8.1906)
Date
1906-08-23
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
78% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9889149--0648-7375141
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

cJ)e\X^arf liieraris .׳צ'3£י.א', Die Verbrennung des Talmud durch die Inquisition.?ic i'cnivtcilnurt, nu'lrfH'hie ,sitoiiiiition jmuyt not־ einem ^vöfeven süddeutschen 21inuuv^evirine׳hot ettalnen, bat die öffentlidio Meinung intetiiinev ato 1'onft mit diesem «'segenttaiib beschäftigt. ,^dre tl'criivtcilunrt der '\1nmiiitiou üand schon vorder tct't und wird durch keinen gerichilichen Urteils spruch beeinflußt, am mcimyteit durch denjenigen eines Lchivnrgerichts, bei welchem doch die;mäUiiU’ Tniainmensetznng der einzelnen <>׳eschworenen sehr wesentlich in die Wagschale füllt, auch wenn das Urteil sich ans bUiwchter stützt, die, wie in vor liegendem <~vaUe, in punkto ,Fachkunde nnd Wahr Giftigkeit, vollkowinen einwandfrei sind. Aber die Sachkenner, rvelche die Parteien für idren 3tveit heranziehen, sind bei aller lion.i fides doch selber Partei nnd zwar in so hohem i^rade, dag il>r Urteil von vorndinein den beteiligten Leiten feit wellt und höchstens die Begründung Benes;11 bieten vermag. Diese oft daarstränbenden Details Mid wohl geeignet, den Hörer nnd Vei'er mit Ent!eben;n erfüllen. Aber wer als T!1de diesen Verhandlungen folgt, wird die ^lumimian milder beurteilen als er es vorder getan hat. Wer ans der beschichte unseres Bolkes die Dränen nnd das Blut kennt, ivelche die ,^ngnisition den jüdischen Erulanten erpresn hat, kommt leicht;u dem Eilanben an eine besondere <^ehä!׳!gke׳.t gegen den jüdischen Ltainm, den man durch Per solgnngen und Bertreibnngen, durchTolteranalen und Tcheiterhausen gänzlich vernichten no»tc. Aber durch diese Berhandlnngen enährt auch der mit der diinklen Eeschichte der Tilgnintion nicht '-!wnrante und das ist die grafe Mane nicht nur des Bolkes, sondern ׳elbn der «Gebildeten — dag diese gehässige llndnldsamkeit 'ich nicht an« die Hilden beschränkte, sondern die eigenen ch'eligjonsgenossen ganz mit derselben raffinierten biransanikeit behandelte. >i»rz, die ,:üben befinden nch in guter besellschait, ne und incht die einzigen, ne nnd vielleicht nicht einmal die nnglüiklich'ten Dp'er der ^ngnintion, ne teilen dieses ^chilln.U mit gragen >ireisen, die viel eher Anspruch _י1ונן Dchonnng nnd Duldung zn machen batten. L.er Tron, n»lenonen im Ilnglnck zu buben, mag m 'einer geivöhnlichen Annanung als ein recht egoistischer Aschentrost erscheinen, in dem lner betonten Linne itt er ivohl geeignel, uns mit vielem Trüben nnd Herben wenn auch nicht ans zwölmen, so doch ikm eine mildere Beurteilung zu krivirken. Bon nnserein speziellen ,:alle ganz abgesehen, würden wir auch im allgemeinen viele gegen uns verübte Lieblosigkeiten ״nlder be urteilen', ivenn ,vir uns die Intoleranz und ^eliässiakeir immer präsent hielten, nnl^welcher die verichiedenen Konfessionen einer und derielben Beligion nch selber gegenseitig befehden. Wie sollten ׳'ich auch ,':iiben darüber wundern, dag man Urnen oft Duldung nnd Anerkennung versagt, solange die katlioljschen nnd evangelische» Bekenner des Ebrinentunis nch in undnld'ainer Berkennung gegenüberstehe» > Was unsere ans btcü’it Berliandlnnge» veinl tierende mildere Benrteiliing der ,eiigiiintion allerdings beeinträchtigen kann, in der Umstand, das; die «''׳machten der Tachgelehrteu, die lner zur Aennerung kamen, nur den Einslun der Tlignisition im allgemeinen zuni i^eaennand baben. ohne jede BerüUsichtignng nnd Etivälnulng ihrer Bedeutung für ,^nden iind ,׳zndentum. Da in nun kürzlich ein bochinteressantes. nionnnientales Werk erschienen, das diesem Mangel abhilit und eine richtige, unparteiische Würdigung der ,^iioiiimiim jedem, der nch dafür interessiert, nach allen Leiten hin niäglich macht. Es in das d!e deutsche Ueber'etznng der ,.tlisiorv ok the Incjuisition“ von Henri) EHarles Vea, die zuerst 1*ss in ׳.'iem;.Minf en'rfiirtt ׳Uiiiimehr hat der Archivar der Ltadt Noln, Pros ,"%01'ef Hansen, den ersten Baird dieses Werkes in deutscher Lprache herausgegeben.* Ein aufmerksames Ltudinin dieses klassischen Buches bestätigt das hier Boransgefchickte. Es zeigt ait der Hand eiites ans allen Teilen der Erde gesammelten, zum Teil bisher unbekannteii Materials, dag die T»a״intiv1l die Ketzer, mochte» sie ,>uden oder Bichtjnden sein, »nt gleicher «Grausamkeit »alterte, verbannte und verbrannte. Bis ans eine einzige Ausnahme, deren Harte ״bei nicht io )ein >», Wenn der ^ngnintion als in der jüdischen Eigenart beruht. Es in das der brutale Eingrin der 4\mutifttio,t in die Freiheit der «ch.׳iner lind des «sleivissens durchKonfiskation und Berbrennnng aller als ketzerisch angesebeiien Bücher, unter welchen der Talmud obenan stand. Er teilte dieses Lchuksal zwar mit Aristoteles »nd den Lchri'ten vieler anderer «^eistesnirnen nnd befand ׳'ich also eben'alls in guter tstesellschaft. Aber nirgends in t> 1 cי c;,Hntalität schmerzlicher einpsniiden worden als von der ,:udenheit, der man mit dem Talmud ein Ltück Leele ans dem Bolkskorper rin, infolge der eigenarligen, unzer trennlichen Innigkeit, welche den Talmnd mit ׳'einen Meimeni nnd Bekennern verbindet. D>e׳'e Eigenart bat dort, >vo er von den an denTuben durch die ,׳znaiii'ition verübten «׳ewalttaten spricht, päratz 0׳ zutreffend geschildert, dan ich mir nicht versagen kann, ׳eine eigenen BTorte zu zitieren. » 5er volle Tnel louiei. Grictiickite drr,znau1 siiioii im Mittet alter von venrv l« hartes tzea. rNmorinerie tleder'etzung von Hem: Wirit und Mar rHactocl. revidier: und derausgegeben von ,zoiepd Manien l. Bd. llr'vruiig und Trgamialion der ,znauiiiuon. Bonn. Vn 11־ (Hfnrnt. >.>n::׳erüi2!0 dudidruckc r»i und <'r1lug, »>׳'-׳. Breis tt) Mart ..'Bei allen diesen vielfachen D.ualeieie». v>ehä1״gke1:e» nnd 'Bei»olgn»gen gab es iiorf) einen Winkel, wo die ,>»de» in ׳an seliger Ltiiiniiung 'ich 'rei tiiblten nnd der Velden vergenen konnten. Das Vehrbans, wo nch Alt nnd T>n»g zu>» Taliniidstndium per sammelte, war eine ,TuedensNatte 'in ne. der Bertiening nt den «׳zedanken'toN ver graben, vergasten die Talinndbeilisseneii die Ansteinvelt nnt ihrem giftige» Hasse, mir ihren hämischen (^e׳et.»e», mit ihren ,\0lte1• analen. Hier mmen ״e rtön!gssoh!re, die Majestät des ״zedankens umstrahlte ihre Lnrn, die ,Trendigkeit geistiger Tätigkeit verklärte ihre ,׳züge. Eine Lchwierigkeit im Talmud zn losen, eine Dunkelheit autzn- Hellen, etwas 'Beties, was den Borgäiigern entgangen war, zu nnde>i, tnachre ihre Leligkeit ans. Bicht Amt und Würdeii er׳ warteten sie für ihre «zzedailkenanstreligniig, keinen greifbaren Voh» erhielten ne für ihre 'Bachtwacheii. Lie wollten inlr ihren Wissens drang bet'nedigen, ihre: religiösen Prlichr genügen und allenfalls sich der hiniinlischeii 'Belohiinng vergewissern. Das allerwichtigste «Geschäft i'ür alle war das Vctiten nnd die Blüte aller «Gelehrsamkeit >var der Talmnd. — Der geachtettte 3taub ivar der der Taldnnidbeslissenen. Ehrlosigkeit war das Vos der Uliwisseiiden «Am - ha - Ar< z . Der geive-kte ,׳zünglmg brachte viele ,>ahre, ja bis zu ׳einer Berkeiratnng im Vehrkau'e zu, und bis ans Vebensende war de: iftroderiverb Vlebeniache. das Talmiidstndinn! Hauptz!ver! des Vebens... ,^n dieses innere Heiligtum der ,:»de» hatte bisher die feindliche Hand nicht eingegriffeii. Die iveltliche Macht kümmerte sich nicht darum, die t^ctftlidifeit hatte keine «bemalt über die innere Angelegeilheit der ,Piden. hier prallte ihr Bannürahl wirknngs. los ab.״ Wie die ,:nanintlon fciefeu inneren ,Trieben der Tnden ׳töne, nnd ne durch .ztonnszierung und 'Berbrennnng ihrer heiligen Lchriflen iind be sonders des Talmnd ans ihrem «rtebanteiianjl vertrieben wurden, das ^vollen wir uns heute nicht von einem Tube», ׳'onbern von eine»! nach dieser Leite bin geiviü unparteiische» christlichen Berichterstatter erzählen lanen. Hen rti E Harles Vea, dem die Archive von Tlorenz, ׳.'leapel, Benedlg. Brüssel, die Haiidschriftensannnlungen der Banonalbibliothek zu Paris und die geheim- «teil ozerichtsakten ves Heiligen Dfnzinms felbft zur Benutzung Vorlagen, erzählt die grausigen Einzelheiten von der Berbreintnng der Ketzer und knüpft daran das Mapitel von der Berbrennung ihrer Lchristen. Loiveit diese Darnellung den Talmud berührt, ,nag hier aus oer Tülle des T»te׳ ressanten das T"terrüautkste im Auszüge folgen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.