Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 33 (16.8.1906)
- Date
- 1906-08-16
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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Rr. Sri«, 12 Darm stabt, 12. Aug. Am 21. ,^1«Ii d. jV wurden den« israelitischen Religionslehrer Hirsch Sulzbacher zu Groft Biberau die Rechte eines definitiv angestellten Bolksschullehrers erteilt. Ke er, 12. Aua. Anstelle des zum I. Dkloberd.J. in Pension gebenden verdienstvollen Lehrers Meyer, der ioeit über 2:'» Jahre seqensreich in ^rer gewirkt hat, ist Lehrer Abt. Äeener bc rnsen worden. Zebnlbericiue. Königsberg i. Pr. Die Religionsichulc der ^iaeocK'' in Königsberg i. Pr. versendet ihren Jahrecbericht pro 1X051 0«°,. Sie war von 5>6 .Knaben uild 451 Mädchen besucht. Zhre Leistungen sind, da auch גטיא (ausgewähltc Stücke aus טס׳ בי־גוה) und חיי אדם in der oberen .Knabenklasse unterrichtet wird, recht günstige. Bon dem Dirigenten der Anstalt, Herrn Rabbiner Dr. kiebermann, ist als Anhang eine sehr interessante Abhandlung ״DieRcligionsvorschristen dcs^udcntums über Tierschutz und Tierfürsorgc" beigegcben. Erfreulich ist es, das« die Anstalt nur geprüfte ^ehr kräste besitzt, aber man sollte das nicht besonders betonen,׳ «licht der staatliche Stempel ist die Haupt sachc, sondern die Leistungen. Wünschenswert wäre es, «venn bei jedem llntenichtsfache die dar Ter ^Srarlit «Ulf verwendete «vöchentlichc Stundenzahl ange geben wäre. Breslau. Auch die Religionsunterrichts-Anstalt I der Tynagogengemcinde in Breslau erzielt gute Resultate, sodaft in den iH'cifkH Klassen der Raschikommenrar zürn Pe!׳.- tateuch und Mischnah gelehrt «verden kann. Der Mädchenabteilung ist ein ^ortbildungskursus mit besonderer Berücksichtigung der Ausbildung von Religionslehrerinnen angeglicdert. Der Jahres bericyt enthält eine pädagogische Arbeit vo«« Herrn Rabbiilcr Dr. Zmmanucl Deutsch ״Die Häufung der Synonyma, eine Schwierigkeit beim lieber setzen der (Gebete," von der «vir mit gütiger Erlaubnis des Her-rn Berfassers den interessantesten Teil oben zun« Abdruck bringen. 5ngendrcbris«en. Abrain, ^»sirnbgkfcbichtk des Er;valkrs Abraliai» nach der «aliiiudischrn Saar von Or. Max Tockor. Berlag von M a u f f nt a n n, Jrnnffurt a. M.; Preis I Ml. Ter Perfasler bezeichne« das vorlirqrndr Werkchen als einen vrichridenen Prrfuch, ein reiches QurUenmalcrial, wie es nnqeordner in Talmud und Midrasch, geschichtet in Brrrs ״Leben Abrabmns" vorbanden ist, für unsere fugend nuvbringend v> veriverten. Der Persuch ist als rech« gelungen \u bezeichnen. Es ist auch für Erwachsene ein ättbenschcr Vlrnusi, das Werkchen zu lesen, denn die A. A euilleton. MMW Vamon und Phintias in oec Zudekgaisr. Bon Arthur Kahn. 3S, Racbdnick verboten. Simon sah erstaunt den Barer an. 20111״!a" fuhr dieser scheinbar gleichgiltig fort, ״wer cm so verwöhntes und anspruchsvolles Mädchen heiraten will, must ein Bermögcn mitbekommen, wie cS drei Vimbachcr zusainmen nicht haben." Mit wachsendem Befremden körte Simon zu. Korn schwieg dann plötzlich, als habe er bereits zuviel gesagt. ״Woher weiftt du das 10 genau״/׳' trug Simon. Zetzt wurde Korn verlegen und stockte mit der! Antwort. Der Sohn sollte ja nicht wissen, in welchem Umsang er mit vimbnchcr seither (Kr! schäfte und Spekulationen unternommen hatte, ,^remd war es ja den Söhnen nicht, das; ihr Batrr mit Limbachcr und Schiss verschiedene über aus glückliche Spekulationen unteriiommcn hatte. Das wussten ja alle Leuten aber wie konnte Maier Korn so genau über ^imbachcrs Bcr mogensverhalnusse unterrichtet sein'/ Ein leises Mifttraucn beschlich Simon gegen den Baker. Er hatte, seit er mu Siegsried 1111 Geschäft tätig war, gegen seines Baters Geschäftsgewolinheiten, die ihm nicht gcsiclen, angckämpfr Korn Hane nie zuvor (Kcwiciit darauf gelegt, ivic man, abgesehen von der Veistungssähigkeit und Kreditwürdigkeit dri ,Urma 2!atk»uucl Korn, über feine wenig noblen aber meist um so kleinlicheren Geschäfts gepslogenheiten dachte. Simons kansmännischer Ehrgeiz war daraus gerichtet, die svirma als vor nkhm, über alle Zweifel vertraucnswürdig und! von streng reellen faiifmiüiiiiiciieii Prinzipien ge leitet, zur Geltung zu bnngcn. Sein persönlicher Stolz und ein strenges Rechtlichkcitsgefühl galten! ihm dabei als Richtschnur. Aber auch der Meid aus Gustav pünbachcr sprach bei diesem Ehrgeiz mit. Vimbachcrs 2came wurde in der Gefchätts Welt als enter genannt, dem erst in weitem Abstand das Haus Rathaniel Korn im Range folgte. So lange ihr Name nicht mit dem ^imbachers rangesgleich war, nahm sich Simon vor, nicht zu rasten. Auch Siegfried schien denselben Anschau ungen zu huldigen, soweit die Hinna dabei in Betracht kam. Simon empfand ein Gefühl der Beunruhigung, als sein Barer in so vesrimmler s>orm über ^imbachcrs Berhältnisse sprach,׳ und dabei so absprechend. Db sein Baler etwa merkte, daft sich der Sohn Betty mehr anzunähern suchte und dies jetzt gegen seine Wünsche war, oder ob er sich im Boraus gegen etwas rechtfertigen wollte, was ihn mit kommenden Ereignissen in Berbmdüng bringen würde — das alles, was Simon überdachte, erfüllte ihn mir Unruhe. Dann kam endlich der Umzug ins neue Haus, svrau Korn war in einer Droschke in die Wohnung gefahren. Am selben Abend sanden sich einige religiöse Männer darunter der Rabbiner, der Kantor und der Lehrer im neuen Haufe ein, um, wie das beim Bezug eines solchen ein alt׳ jüdischer Brauch ist, ein ״lernen" abzuhalten. Die grossen, hohen Zimmer mit den glänzend ge strichelten H"ftbödcn und breiten svenstern waren der Z-amilie noch ungewohnt und bannten das (Keiühl der Behaglichkeit. Der Widerhall der Stimmen, der in neuen Wohnungen anfänglich aufsällt, wurde wie etwas Störendes empfunden. <vrcu1 Korn, wie stets in Decken gehüllt, fror, trotz des laut flackernden und knisteni'den Holzfcuers in dem groszen Cfcit, das ihrethalben angezündct worden ivar. Alle Möbel nandcn wie in der früheren Wohnung zusammengestellt und dennoch schienen sie hier anders, kleiner, seltsamer, fremdartiger, wie trauernd und verdrossen. Emil schien sich in der neuen Wohnung vollrnds unbehaglich zu fühlen. Alle Zeit, die er nicht bei der Mutter, oder Zechiels Kindern sein konnte, brachte er im alten Wohnl»aus zu, dessen untere Räume jetzt zum Geschäft verwendet wurden. Er ging täglich mehnnals durch die langen Gänge und Stuben und betrachtete mit liebenden Blicken die altmodischen Nischen, ^enstervonprünge und Alkoven. Stundenlang, besonders an Sabbat Nachmittagen, sasz er in seiner früheren Dachstube, wo alles unverändert zurückgeblieben ivar, zur (Kknugtuung Emmas, die stets seine Herbarien, Küfei- und Schiiittterlingkästen mit Abscheu, seine sorgfältig vcnvahnen römischen Münzen, Schmuck׳ fachen und Tbongeräle mit svöltifchen Blicke,! bc nachtet Hane. 20c zuvor war ihm das Eltern bans fo schön und anziehend erschienen, ivie jetzt ui feiner Stille und Berlanenkeit, wo er nebst einer ziirückgelaffenen Katze, die er sorgfältig _w. August 190t; Sprache ist schön und stellenweise schwungvoll, sodas, dir alten bekannten Erzählungen neuevrbrn gewinnen. Ta die Erzählung da abbrichl, wo die Bibel ansängt, so auch den Bedenken derjenigen Rechnung getragen, welche die Brrmenguna von biblischer Erzädlung und den, Ltoff der talniudischen Agadad sür nicht ganz ungefährlich halten, besonders wenn es sich um .ziinder in, zarteren Älter handelt. Ter Bersasser will in ähnlicher Weife die ^,ugenvzeit behandeln.!Wir sehen dieser Ärben mit Lpannung entgegen und empfehlen das vorliegende Werkchen aufs angelegentlichste. Kinderlied. Der Hahn kräht schon in aller ^rüh' Mit kräsl'ger Stimm' sein Kikriki, Er mahnt, das; Zeit sei auszustehn Und an die 2lrbcit frisch zu gehn Die Hühner, die trippeln ganz hurtig herbei, Ein jedes legt dann gnggernd sein Ei. Die Henne kommt stolz und zeigt ihren Schmuck, (Kar inuiilre Küchlein, und lockt: Gluck, Gluck. Haben ihr Tagwerk alle vollbracht, So sagen sie sich eine gute Nacht, Begeben sich früh zur nächtlichen Rlih, Und schließen die müden 2leuglein zu. Zhr Kinder, macht es den Hühnern nach, Geht früh zu Bett, seid früh wieder wach, Dann betet innig, vergesset's nie: Gelobt sei, «scher no»«a lasechwi! A. Speyer. aaaeeaeBSi 1 , fütterte, das einzig lebende Wesen waren. Die Geschwister nannten ihn jetzt den ״fürstlichen Schloftvenvalter." Siegfried meinte, eine Allongeperrncke, schwarze Kniehosen ilnd weifte Strümpfe, Silberschuhe und ein Dreimaster auf dem Haupte, würden sich sehr gut an ihm ausnehmen. Seine fcier lichen Bewegungen und Gesten paftten ja sehr gui zu einem Anzug des «uicieu rt'guu?. E»ul nahm die Späfte der Geschwister mit groftem Gleichmut hin; andere Aeufterungen geschwifter׳ licher Zusammengehörigkeit war er nicht von ihnen gewöhnt. Mochte er immerhin die Zielscheibe ihrer beiftenden Witze und Spötteleien sein, mochten sie auch laut auflachcn, ivenu er, wegen falsch besorgter Kommissionen vom Bater ausgezankt, sich mit philosophisch klingenden Einwänden zu rechtfertigen suchte, — der Wille ein Weltweifer zil sein, erhielt ihm fein seelisches Gleichgewicht. Wurde er von den eigenen Geschwistcrn als eine 20!ll angesehen, von den übngen Leuten kaum beachtet, so ivurde er von der Schneidcrssamilie umso höher geschätzt. Dort fühlte er sich am glücklichsten und wenn er schon einmal irgend eine unbedeutende Kommission besorgen sollte und nicht gleich zur Stelle war, so wurde zu srriedbergs geschickt, wo man ihn auch meist fand. Eines Nachmittags, als Korn eben sein Mittagsschläfchen gemacht hatte, erschien der Schadchen Rödelheimer. Korn zeigte ihm das ganze Hans und war ungeivöhnlich zuvorkommend. Emma, welche gerade mit ihrer Toilette zu Ende war und Betty ^imbacher zum Spazierengehen abholen wollte, erwiderte mit einem kaum merklichen Reigen des Kopses den devoten Gruft des Schadchen, als dieser ins Wohnzimmer trat. Da Rödelhcimers Besuche bei Eltern heiratsfähiger Kinder stets offiziell waren, wurde Emmas Neu׳ gicrde auch sofort rege. Sic dachte dabei nicht einmal an sich, sondern an die Brüder. Während Korn nch mit dem Schadchen aus dem Kanapee niederlieft, ging Emma in das nächstgelcgene Zimmer, dessen Türe sie leicht anlehntc. Sie ging laut hörbar herum, um den Anschein zu erwecken, als schenke sie dem Gespräch der beiden Männer keine Beachtung. Da Korn nicht gewohnt war, leise zu sprechen und auch Rödelheimer nicht zu flüstern pflegte — er war ein ganz klein wenig schwerhörig — 10 brauchte Emma nicht erst zu horchen. Rödelheimer war voll volles über die Borzüge des neuen Hauses und frug, ob Korn nicht Willens sei, das bisher bewohnte zu verkaufen. ״Berkaufen'?" sagte Korn, ״nein, das nickt- Zch bade doch Kinder, die doch einmal für nch