Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 32 (9.8.1906)
- Date
- 1906-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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cljeNX^arf illcraris -----^ sau#**3! Ein neuer Band halevv. Bon;Habbincr Tr. X 011מי bi in Ma 1 nz. ftiiv den freund der jüdifdten Geschichte bc beutet untere lleberidnitt frohe Botschaft.;V* ben beibett inhaltreidie», lidttvollen Bäiiden bifto rifchcr Forschung, mit welchen Jsaae Halevv uns in den jüngsten fuhren beschenkt hat, i^efrüt fielt neuerdings cm u1nfan!\vei(itcv dritter Band. Wenn im lernen Cftcn auf dem Boden uralter ttultur durch Aiisgrabniigen emsiger und umsiditiger We!ebner Licht nt enge Winkel der Menfchlteitsgefchichte gebracht wird, toentt aus dem Schott der Erde Antwort herauftönt am eine Jvracje, welche die Königs und Kriegsgesdndile längst untergegan gener Böller betrifft, so werden die Mitteilungen darüber möglichst schnell dec uiiüeufriiaftiiatcn Welt und dem grosten Mreio der (Gebildeten zur Ntcnnt niS gebracht, und mit dankbarem Interesse werden solche Nachrichten überall freudig eitraeaenaenoim tuen. Ent hundertfach grösseres Recht auf die Aufmerlfamleit und den Hank der gebildeten 'Welt Kat der Bericht non der Bollendung eines weiteren Teiles des Riesenwerkes Galenits. Aus den beiden schon einige ^eit uns vorliegenden elften Bänden Doro'h Hansohonim kennen wir die Art, wie der Meiner arbeitet. Bornehmlich zeigt er uns, dast Spitzhammer und Schaufel nicht ge rade nötig find, um verlorenes und vergessenes historisches Material aufzunnden und der Forschung zugänglich zu machen, dast das Wold unbeziveifel barer grichichilicher ,-^eugnilse häufiger als man ahnt frei auf der Überdache der Erde liegt, nicht einmal von enter dünnen Schicht Fliigsand dem Blick entzogen, und doch von deut getrübten oder auch durch Souiienicbeiu geblendeten Auge nicht wahrgenommen tvird. Wir bewundern au Halevv ganz besonders die Fähigkeit sich das geistige Auge unqetriibt und ungeblendet zu erhalten und so aut Schwierigkeiten und gegebene Lösungen hinweisen zu können, die langett Reihen feiner 'Bor ganger auf dett zahlreichen Spezialgebieten seiner Studien völlig unbekannt geblieben mären. Haben doch die beideic schon befanttteu Bände historischer ,Forschungen des Meisters an einer Stelle durch Heranziehung brach liegenden geschichtlichen Mate nals uns viele Ratfel aus der (beschichte des Talmuds, aus dem Leben der lebten Tanaim, aller Amorann und der meinen Waouim spielend gelöst, eine Menge falscher Auffassungen berichtigt und ein gehäuftes Mag festgewurzelter Jrrtümer verschwinden laffeic. Behandeln die früheren Forschungen Halevv's eine (.Geschichtsepoche, ein Riesenwerk und Helden des Weifte*, für die selbst unter 5(»den tp'der nur ein engerer .'׳;reis lebhaftes Jntereffe zeigt und für welche die groste 'Welt nur ncenig Berftändnis hat. io wird der Inhalt des jetzt erschienenen Bandes, sobald er das ernste Kleid strenger Wissenschaft abgelegt hat und in leicht fasslicher Form iil moderne Sprache übertrage» ist, innerhalb der ganzen jüdischen 'Welt, soweit sie Interesse und Berständ nis für historische ,Forschung zeigt, und auch viel fach über dieselbe hinaus Aufsehen und Be ivundemiig erregen müfs'eii. Sieht die grosse Menge in der Geschichte des Talmuds blost einen Teil der srnltnr und Literatccrgefchichte, um den sie sich wenig zu kümmern hat, so wird die jetzt von unserem Meister vorgetragene politische Geschichte und die Art, wie er sie vorträgt und schildert, allgemeines Interesse erregen. Halen» hat sich in dem neu erschienenen Bande die Ans gäbe gestellt, uns die ,^eit des Herodes, des Ärchelans und der ersten römischen Landpsleger in Judäa, sowie die der groszen Zeitgenossen dieser traurigen politischen Berhältnisse, Hillel und Schalnmai, vernändlich zu machen. Ha dieie Epoche, die de» vorletzten Akt des Trauerspieles bildet, das mit der Zerstörung des Tempels endet, politisch und literarisch bis jetzt noch in tiefes Hunkel gehüllt ist und von den jüdischen und »ichtjüdischen Historikern von Grund ans falsch dargestellt wird, so must der Bkeister weit ausholen lind gewinnt dabei Gelegenheit, eine groste Anzahl der wichtig Neu Probleme unserer Wesamtgeschichte zu behandeln. Bis jetzt in beispielsweise die Lösung der ,Trage, wer die Sadduzäer waren und welche Bedeutung sie für die geschichtliche Entwicklung hatten, wohl von vielen versucht, von nie mandem aber befriedigend durchgeführt worden. Halevv reiszt den Sadduzäern ihre Berkleidung ab und weift iiiis iiberzengeiid nach, dast s!e nichts anderes waren als Hellenisten, welche diirch die Erfolge der Hasmonäer sich geztvnugen sahen, ihre Borliebe für heidnische Sitten zu verbergen, nnd dann als Scheininden aus sicherem BerNeck heraus das Judentum bekämpften. Es wird gezeigt, dast der Hrache des HeUenismns, der nahe daran gewesen war, unter der Regierung des Antiochus Eplphanes das Judentum zu erwürgen, von den Helden der Hasmonäerzeit wohl überwältigt» aber nicht vernichtet worden war, und das; er von dem Augenblick an, wo er durch ^ohan» Hvrkan zu neuer Straft erstand, an dem Mark des jüdischen Staates zehrte, den er so hinfällig machte, dasz bald unter römischer Cberberrfchaft ein hellen initdter Usurpator ans scemdem Stamm, wie der grausame Herodes, das jüdische Bolk im eigenen Lande zu rechtlosen, nnglndlidien Heloten madien konnte. Herodes war kein jüdischer König, fo wird laut und vernehmlich der Welt verkündet, die bis heute das Judentum für diesen Blut menschen verantwortlich machen wollte, Herodes war ein Frei» dhern eher, unter dessen ^odi Judäa cucccii die Römer gezwungen wurde, und metetter die ihm gefesselt hingeworfenen Juden ausfaugte, um ffd) mit den gratifam erpreßten Schäden die ,Trenndfchaft der Wnechen zu erkaufen. Aus der tiefen Rächt herodianifchen WütenS erhebt sich strahlend die Lichtgestalt Hillels, der in trübster ^eit sein Bolk so zu stärken nnd zu kräftigen wnstte, dass es nnberührt von politisdiem Trübsal, ja über den politifdien Tod hinaus ׳einen Glauben nnd feine Lehre nngefchmälerr für ewig rettete. Halevv reicht uns in der jüngsten Sanimlung seiner ,Forschungen ein ,Füllhorn herrlidier wissenschaftlicher Waben. Es ist kaum möglidi in einem kurzen Aufsatz ein ausreichendes und verstäudlidies Inhaltsverzeichnis zu geben. Rennen nur als Proben nur nodi einige gut bemiefene vom Äieister uns vorgetragene Lehrsätze. Her Stamm der Mifdina war in derselben Form und Ürdnnng, im selben Wortlaut, wie wir ihn heute besitzen, spätestens ein Werk der Männer der grosten Bersammlnng, wenn die Hauptlehren der smaitischen Tradition nidtt idtvn zur Beit des ersten Tempels ihre uns heute noch vorliegende feste ,*vorm erhalten hatten. Bon Simon dem Wereduei! bis Hillel wurde nichts hmzugefügt. Mit Hillel beginnt die;-}eit der Tanaim, deren Erläuterungen nad) der Betörung des Tempels in ,Tabue zu dem Mifchuatert hinzugefügt wurden. Bis zur Erhebung des Steuerpäckters Josef durch die Ptolmäer waren die Hohepriester die Regenten des Landes und sie sorgten zugleich für die Ausführung nnd Befolgung der Beschlüsse des Svilhedrion. Als die Hohepriester ihre polirische Beacht verloren hatten, mahlte sich das Stmhcbrion nicht nur einen'Borsitzenden, BetDin, >vie bisher, sondern and) einen Fürsten, ^as«i. yu uu^ rJwcniK •'utj1(.lu11rjvtjiu>uu (.u|tu4/ 4«••* den Beschlüssen des Svilhedrion Weitung zu ver schaffen. Jose bei! Joeser, der zur Zeit des Steuerpädtters Joses lebte, ist der erste Nassi. In der Epoche, welche der Erwählung Hillels voransgeht, war das Svilhedrion von den Römern aufgehoben worden nnd Mitglieder einer hervorragenden Familie ans Jerusalem, die Bne Batera, בני בהייה standen, ohne Snnhedrialhäupter zu sein, an der Spitze des geistigen Lebens. Es sind nur wenige Proben, die wir heute brüteten, um auf den reichen und vielseitigen Inhalt des neuen Bandes Halevv hinzuweisen. Wir werden Gelegenheit haben in Einzelbetrachtungen die wichtigsten Lehren des ׳Werkes ausführlicher zu fdtildern. Mit diesem Aussatze verfolgen wir nur den Bweck, möglichst schnell der Üeffentlichkelt kundzutun, welche Förderung die jüdische Geschichtewiffensdiaft Halevv auf's ״eile verdankt. Hie Welehrtenwelt wird sich beeilen, selbst Einffdtt in das hervorragende Werk zu nehmen und seinen Inhalt zu prüfen; jedem gebildeten Juden raten nur, sich von Lach- und Sprachtennern aus diesem Budie vortragen zu lassen, reiche Anregung nnd reine geistige Freude wird der Gewinn sein.