Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-08-02 · 31 (2.8.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
31 (2.8.1906)
Date
1906-08-02
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
78% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9889136--0580-7375074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seuilleton-Beilage zu Nr. 0\ des ״)sraelit" Vamon und Phintias in der )udengssse. Bon Arthur Kahn. 30 Nachdruck otvbomi. Tn ging hie Xiivc micher auf, 1111 h Bere;' .'WicicuiKiialt benote fidt einen Angenblid laug demütig gegen Cften, ehe er feinem i'lab znfdtrnt. ^ectoiel atinctete erleichtert auf, und ein ('׳Müde• strahl leuditctc aus feinen Augen. Bete;, ahne hechte! eines Blickes;11 iviirdigen, begann sogleich eifrig zu beten. '1י ber trab dieser ablehnenden Haltung des Sdinflers war Zedtiel van einem inneren Frieden dnrdtftröntt; er hatte Bete; volle fünf Tage ja nicht gesehen!;'11* beim Berl affen der Sttnagoge die Vente einander mit dem uralten, die ganze 'Welt tunspltnnenden ״gm Sdtabbes" begrüßten, wagte auch;Vdiiel idtüdttern ״gut Sdtabbes";11 sagen, und er sah dabei mit unsicherem Blick zu ihm hinauf. :'Iber Bete; achtete nicht darauf und schritt, ahne ,Vdtiel anzusehen, ans dem i-^ottec■ hau*. Ter Sdtnetder zerdrndte eine Throne und schlich gekränkt nach Hanse. Beim Morgengottesdienft wurde die Be gegnung Zakobs um seinem Bruder Efan ans der Thora verlesen. Nachdem die Ha'torah var getragen worden war, beftieg der Nabbiner die Kanzel, um;11 predigen. (ir legte die verlesene Tbaranelle zum Terte unter1; tdtilberte bao itsieber iehn Zakobs und Elans. ״'N'attvcht und Bergeben sind die ,Zierden unserem Bienfdtentnnis - der Na die entsage», Berzeihnng üben, gibt mehr Genug tnung und in beglückender als harte Bergeltung. Ha-.׳ in das Herrliche in unserer heiligen Schrift, der Stempel ihrer (Mottlidtkeit, dag sie selbst die mensdilidien Sdtivadten unserer Erzväter »nd graften Männer nidn versdnveigt, denn Menschen und ne nnd keine Heiligen. Und ivieder rühmt die heilige Schrift die edlen Züge sündiger Menschen, die van den Bahnen der (Motteswege abgeividien, dennadi mdt Berdienfte erivarben. 2a fteht denn beute das Bild trfaua henltdi vor uuferrut Auge und überstrahlt ׳ogar Zakobs gewaltige Er fdieinniig .. :'fad) kannte ,V*fab nicht die G>et1tinu1>g des altern, van ihm einn io schwer (Gekränkten, nadi iveis; er nidn. ab der rauhe, van Nadtegedanken beivegte E׳au, bei ׳einem Anblick van '?t'eueni etgrilnmt, nicht über ihn hernürzen nnd ihn erwiirgen winde. :'Iber »ehe da, Watt lenkte e־> ganz andere-.;'11י> (*tau des וי dt ihm demütig nahenden Bruders ansidnig ivird, da verfliegt der Zahte lang genährte Wroil; verraudtt nt aller Hast Hie Stimme der Natur in envadn, und E׳an. der rohe '?1'atiirmensch, niemals geivahni. ׳einen wilden Zmpnlsen anzulegen, fteht den Bruder, mit dem er eiuft alc- Mnabe gespielt, nn Zelte der Eltern die >iinderjahre verlebt, als bereite alternden Man» var fidt. Allee, ivadnrd! ihn der ׳Bruder einn gekränkt, in vergessen; nur nach der Bruder, der einzige Bruder, nein jezn var ihm. Heimatsbildet flieften zusammen mit Zugenderninernngen, deren einziger Zeuge der einzige Bruder in. S'.e übertvältigen E'an. und der nalze ungestüme Menidi, allee »in fidt her vergessend, eilt um aue-gebleiteten '.Innen auf den Bruder zu. und iveinend halten fidt die Ber ׳emdeten uin'angen. Hie Stimme der '.'fatnr hat gefprachen, alle bitteren Gefühle gehen auf in dem einen innigen Bruderknsz, in der einen grosten, fügen Empfindung der Geschwisterliebe." ״C, meine teuren Zreunde," fuhr der Prediger mit grager Wanne fort, ״laffet das Bild des heutigen Wodtenabschnittes nidn spurlos und eindrudslas a» eudt von'ibergehen. liehet ahne Groll von daniien, ivo einer von euch dem andern zürnt, traget keinen Hag einander nach nnd lernet, wie selbst Efan verzieh nnd vergab nnd feinen Bruder an fein Herz drüdte, fidt mit ihm aus föhnte. . . ." Berez hielt fest die Augen auf den Nabbiner geridttet, nnd ebenso fest pregte er die Rippen aufeinander. Aber dennoch zuckte es in feinem Gesicht, vergebens versuchte er die graste Be wegnng niederznkämpfen, tvelche die Predigt in ihm wachrief. Er fühlte, wie es ihm heig nnd feuritt in die Angen ftieg, dann rollten Tropfen auf Tropfen über fein breites Wefidtt nnd fiderten in den greifen Bart. Zedtiel hielt längst fdtatt die Hand var feine Augen, um die niederstränieiiden Tränen zu verbergenes idiüttelte ihn, nnd fein Mörpcr hob und senkte fidt schwer, wie unter einer gragen Vau. Sie tvaren ja beide keine feiiierzogenen. gebildeten Männer, die jede Gennitsregung unter einer korrekten Ni'aske zu verbergen verstanden; vielleicht aber feiner besaitet wie viele van jenen, die ihrer Erziehung nie dadnrdt Sdtatibe inadten, dag sie ihre Empfindungen Herr über fidt werden lassen. .״ja, meine lieben Andächtigen", schlag der Prediger, ״echte Neligion fordert 'Nadtficht und Bertöhnlidtkeit, denn beide find der Prüfstein tvahrer Hiebe nnd Zreundfchast." Ha blidte Zedtiel verstohlen zu Berez auf, und im selben Angenblid flog Berez Blid zu ihm hinüber. Zn diesem einen flüdttigen Blid lag eine ganze Welr van Milde, Bergebnng und Hiebe, eine neue feierlidte 'Bekräftigung der alten Zrenndfdtaft. 'Nadt dem (Gottesdienst sagte Zedtiel mit nnsidterer Stimme- ״gut Sdtabbes, Berez", und blidte ordentüdt furchtsam zu ihm hin. Hieser aber sandte nur einen ernsten, strafenden Blid hinüber, ttidte stumm und ׳dtvitt majeftätifdt dem Ausgang zu. Zedtiel hinkte demütig hinterher. Auf der Gaffe blieb Beta; vlögijch vor Zedtiel stehen, stemmte die Zaun in die Seite und begann: ״Sind wir nidtt ztvei alte 9,'arten, dag ivir Beide, Chaverim min’nrof.1 uns nn'er bischen Heben verbittern? Sdtafft man dafür tagaus tag ein für das bisdten armselige ParnofeZ dag man 1'tdt au dt nadt den Sdtabbes vergällt und ver ftört? Za. fielt' midi nur an. meinen ganzen Sdtabbes ha׳t du mir verstört, und hier hob fidt Berez' Stimme und Gene zum Pathetifdten nidtt nur mein Sdtabbes, audt mein Even war mir verstört. Maut» dag ich ein Stüddten Zisch hinabwürgen konnte.״ ״Nun, lag' es vergessen fein, Berez,״ bat Zedtiel- .,»»!ס׳ beiter wird s nns heute fdtmedeti," ׳'egte er mit vergnügtem Hücheln ktiiizn. ׳Nadt dem Sabbatnadtmittaggattesdienst sah man die beiden Zrennde wieder gemeinsam die Smiagoge verlassen. Hie alte Zrenndscha't mar tvieder lüdenlas bergen eilt, nnd die Zeit verrann weiter ohne besondere Ereignisse hervorzubringen. Sie trat in ein Stadium van Barbereitungen zu faldtett Ereigniffen. wie ne das immer tut, 0׳ lange die Menfdtcu nidtt dnrdt des Sdtidfals Wedt'el an die Bergänglidtkeit der Hinge gemahnt werden. Hann wird auf einmal das Gleidtmast der Tage!äh uuterbrodtcii. Während am Horizont des einen die Sonne des Glückes ׳dieitit, türmen fidt am Hebenshiinmel des andern ׳Wolken auf nnd verkünden den nahen Sturm. Znztvifdten wohnen Glüd und Unglüd nahe beifanten, um fvitlter oder später die Nol'.en zu tanfd'en. ,uiaruönkundc. - ilniciimii. An Bella waren alle Borkominniffe int Stadt chen fast spurlos vorübergegangen. Anfangs und nachdem Gustav Himbacher feine feiten gewordenen Beflldte nun ganz eingestellt hatte, verfudtte Zloia die Sdtwester zu trösten und abznlenken. Als ihr dieses nicht gelang, rief sie Emil Morn zn ihrem Beistand heran. Emil fann lange darüber nach, tt'ie er hier helfen könnte, und kam endlid, zu dem Schlug, dag Goethe und Heine die besten Tröster unglücklich Hiebender feien. Aber die Borbilder erwiesen fidt als zn badi gewählt. Tropdem glaubte Emil einen Erfolg tvahrzunehmen, denn meint Emil mit heroischen Genen und in tragischem Tonfall bald aus Iphigenie oder Torgnato Tana, oder ein andermal ans den Nänbern oder Ziesko vorlas, dann erhellten fidt zuweilen ihre verltärm teil Züge, und sie begann zu ladtett. Zwar meinte Emil, dag Bella an ganz falscher Stelle ladie, ahne daran zu denken, dag tie ihn eigentlich anslachte, als er aber wahrnahm, dag sie gar nidtt zuhörte, nnd gelangtveilt gähnte, schlaft er gekränkt das Bndt nnd überlieg sie sich ielbft. Sie fdtlog fidt sogar ein, wenn er kam, sag audt tagelang in ihrem Hachftübchen, arbeitete fat't gar nichts und iah stundenlang müftig träumend gegen die Hede. Hie Eltern, die fidt feit Berez Stordts Inter» vention für mitsdtnldig an dem Sdtidfal ihrer Todtter hielten, liegen sie ruhig gewähren. Bella hatte ihren Hiebestraum ansgetränint. Sie ward verdrossen und reizbartadelte an de» ('äetdiioiftent herum und wandte fidt in ihrer 1111freundlichen Haune nicht selten feindselig gegen Em!l. ״Z-reundschaft mit Zofeph?" frug sie einmal hart nnd böitifdt ladtend. ״Und mit dir?" wandte sie fidt giftig an Zlora. Hiefe sah ihr erftannt ins Gesicht. ״Was willst du damit?" frug Zlora. ״Was idi damit will?" entgegnete sie zornig. ״Hie Zukunft wird dir dranf Antwort geben. Zdt habe vor dir audt einen ähnlichen Anbeter gehabt. Zum Zeitvertreib find arme Mädchen ja gut genug für die vornehmen Herren hier." Es fielen noch viele bittere Worte zwischen den Schwestern. Zlora ging mit verweinten Angen umher. Hie hämischen Bemerknngen der Schwester hatten sie plöglich zum Nadtdenken über Emil Morn gebradtt. Bis zu dieser Stuirde war der Berkehr harmlos frcunbidiaftlidt gewesen, fo׳t geschwisterlich Emil, obgleich ei 1 Phantast, hatte so ganz und gar nichts in feinem Wesen, was junge Mädchen hätte fesseln oder zu ernstere» 'Neigungen hätte führen können es fei den» dag in einem jungen Mäddten ein gleicher Hang zum Noinantifdten lebendig gewesen wäre. Zn dem Angenblid, als Bella in so gehässiger Weife über Emil gesprochen hatte, war etwas ׳» Zloras Seele ansgelöft worden, was bisher tie׳, tvic in einem Schadtt, eingebettet lag. Hie Zauberfor7ne!, in ganz gegensätzlicher Abfidtt gesprochen, hatte den Sdtadtt gesprengt. Zlora lötte ihre Schwester ab. Gnftavs Geist ging wie ein Gespenst i» Zechiels Hans um - und nun trat wie ein freund liebes Sdienten, Emils Gestalt an seine Stelle . . . . Siebentes M apitel. llni-muincti.־ vfvjiitni'tf i'fv’i'uni die duurobner >11 Äidreaia׳ 11nk> N>׳rw111.׳r׳cr»11li »iw bieten 0׳ i'tel Uiitcihnltitimüoff, d»ü >- fi'Miii bemöltint 11H־vbet1 fiimi. Tic 1U''0llntunl1ftK' 'bluiuotltiom;!• bf» 2tuMrtH11־j crtäbrt neue iliiiwaiidiliiia- ,"vliiftitliinie aiita' ver׳ck11kk>e11e11 Ilni'iaiidcu. Benjamin Nofensteins Bater war aeftorbe». Sem eigentlidter Borgefegter im Hiinbacherfdie» Hanfe, der Sdtivager Hiinbadters senior, hatte fidt längs! vom Gefdtäft znrüdgezogen und war nadt der nntveit gelegenen Nefidenzstadt eines:Machbar ttaates übergesiedelt. Nofeunein, dessen Gesdtwifter herangetvachsen waren, fab keine Aussichten 'ür ׳'eine nille Hiebe zur Tochter seines Prinzipals, audt keine, es bei Himbacher tveiterznbringen wie bisher. Anffälliger ׳Weife versuchte Himbacher nicht, ihn zum Bleiben zu überreden, und tvas nadt auffälliger hätte erscheinen können, ermutigte er Nofenstein sogar in dessen Abficht. in der neuen Welt fein <'׳lüd ztl versuchen. Zortfezrung ׳olgt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.