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Der Israelit · 1906-07-26 · 30 (26.7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
30 (26.7.1906)
Date
1906-07-26
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu 2 Cr. 50 des ״Israelit" Pnntoii und Phintias in der Iudengalfe. Bv» Brthnr Kak«. 2*.׳ ■liartitnul ofvbotru. ״Tac■ täte fein iifnim’11fi״t>, das seine Eltern ehrt, das den Bors,1t.' in sich treiflt, ein0■ zu sein mit if'oter und Mutter, ihnen beinfbnr zn fein für alles . . . nber die ,}ndenkinder non heute, luütien ihren Eltern nicht ähnlich, wollen was anderes fein " Emma hatte stninin;»gehört, ׳.h'aeh einer kurzen Panse fuhr die Mutter fort 1111111<')״' mit, ment .sinth, es tut nicht »tut, sich innerlich und änsterlich vom religiösen (besetz und den Eltern loszulösen . . . es rocht sich eine* Tages . . . H,e Ehrinen iverden euch eines Imteo, 10 lange ihr auch mit ihnen an einem Tuch Miessen, mit ihnen getanzt, testiert, mit ihnen Sonntag und :hre fveietmiie nefrievt, und ihnen id!ahheo und ,unnter fleopfert haben werdet - ich tage dir, mein Kind, sie werden euch eines Tages noch ge ringer schayen,!nie in ׳rüheren Seiten, . . . noch geunger, wie ne die Hilden vor hundert fahren;geachtet luiben . . ." Eitle l,ohe Note hatte sich, während die Kranke mit eindringlicher stimme gesprochen, ans ihre blntlo e», eingetallenen Wangen gelegt. Hie Angen ichivammen in nebentchem, te»chte»1('tlan; und nihen lebhast suchend nn Zimmer umher. Bold daront sanken die Augenlider nieder, und Tcau Korn verfaul!11 den leichten Schlummer hinnechender kranker. Ehe Korn sich ganz vom <'Vitium zuriiciziehen wollte, innstte Liegsried noch täglich die Härte des Baters empsniden. Hie ״.Herten" Lohne sollten wissen, das; ne Nichte-, rein gar Nichte bedeutete», wenn ec- Korn senior nur wollte. Liegsried batte einmal einige Briete geschrieben, die er neben sich ans den Tuch gelegt hatte. Her alte Korn trat ein, iepte langsam!eilte Brille!111*, U1-> die Briete aniuierliam durch und zerrin sie, einen nach dein andern. Ltegtrted erblante. Len, Bater wandte sich au Mauerthal: ״schreiben sie mal folgende Briefe, die uh ihnen >eht diktieren werde." Ecverging ke» Tag» an dein er seinen Sohn nicht seine Autorität vor dem gesamten Personal hihicii lieft. ,"׳,n,wischen betrieb er den Umzug in dacneue .Hanemit vielem Eiter. Er wollte nun endlich herauc-: ans dem ('»efchäft, ans dem .Haute, dac von diesem nntrennbar schien. Simon tollte 'Beivegungsrann! haben und heiraten dann tollte Eniiiia dasselbe tun minien. Er evollte einen nreng religiösen Schiviegersolm eintehen, der ne strenge anhielt. H'.eter Plan entsprang keinem religiösen t'Vdanken, sonn wäre er nicht ent nanden. Er wollte ׳eine Tochter aber;sichtigen, indem ec ihr einen;}wenig anserlegie, der ihrem Llnn zuivider war. B*ffn Korn doch selber kein »n Linne der indischen Vchvc wirklich religiöser l'tenhh Boeder ivar er mildtätig, noch hielt er nch sonn an Borschriiten, melche Enttagnug und Hpierwilligteit verlangten. tV'ur der Labbat ivar ihm heilig, und dennoch hatte ihn seine Meldgier augetneben, am Labbat i» seine Metchästsrännie zu gehen und in seinen! Meheimbuch hem»!;!! blättern und seine Profite zu überschlagen, llnd d!ete lleluntretung bunte er mit der Entdeckung, das; seine Kinder schon längst die Sabbatweihe völlig mifinchteteii. Wochenlang lag nun schon das Büchlein »n berührt in der Kassette, und Maier Korn schien gar nicht daran zu denken. Her Umzug ins neue Haus nahm ihn >!»!> ganz in Anspruch. Mit Liegsried und Emma sprach er nur das Allernotwendigste: auch benschte -segnete er sie nicht mehr des ,Freitagabends: nur an Emil wurde der alte Brauch weiter geübt. Liegfried blieb in er Mitte der Stube stehen, Emma er schien überhaupt erft, wenn über iiViit und Brot schon der Segen gesprochen ivar. Ein tiefer :h'ist ging seit jenem Sabbatnachmittag durch das ganze n-ainilienlebe». '־1«'!י Einil schien von den;}er wültnisfeil zwischen Batet und Kindern nicht de rührt zu sein. Er hatte bisher kein sonderliches Ansehen bei beide» genossen: der Bater hielt ihn für einen, wenn auch nicht schlechten, aber doch ganz ans der Art geschlagenen, die (Geschwister tue einen niibranchbciren und nicht weiter beachtensiverten Menschen. Ans einer geregelten geschäftlichen Tätigkeit satt ganz ausgeschaltet, teilte er seine;}eit zwischen seiner Mutter und Techieis Kindern, fouft spielte er voeeäusig keine Bolle, nieder im Hause, noch in! Städtchen. ,Tür Berez nnd *}ecbiel vergingen seit ihrem Streit peinvoile Tage. Her Schnffer lieg sich weder Mittags mehr an der Ecke der Tndengafse sehe , »och ging er ans der Werkstatt heraus, wen» ,}echiels ,Trau, häusiger wie sonst, in der Abenddämmerung ans kurze;}eit zu Lprin; kam. Hie Schneiderssran fühlte sich durch das;}erivnrs nis der Männer nicht iveniger betrosse» wie diese selber. ,Velpe! war seelisch gebrochen. Er as; und trank kcilini soviel, um bei Kräften z» bleiben: sprechen hörte inan ihn fast gar nicht. Stiliiim ging er in der Werkffätte nnd Wohnung umher, stets verdrossen, nnd ffc'achts stöhnte er, statt zn schlafen. Hie Kinder, welche die Wandlung im Hanse nicht recht begriffe», ivurdeu stiller und ernner. Bella seist Tag lind :'ca ehr in der ״Staatsff»l׳e" eingetchlosse», und wenn sie für kurze;}eit sichtbar wurde, sah um» an ihre» ge röteten Augen, dast sie geweint hatte, ('mncin kam nicht mehr. Hie Schneiderstrau hatte sich endlich, ment infolge von Berez Interpellation, ein Herz gefastt und mit Mnffav ernstlich ge tprochen. Ehe die Mutter in die Stube getreten war, hatte schon Bella gefragt, ob er jeft ihre stille» .Hoffnungen und seine Bersprechnngen wahr machen wollte. ״Es hat ja fonn keinen;}weck," riet Bella verzweifelt ans: ״es war zu töricht von uns, nicht früher zu bedenken, dast zn vieles zwischen uns liegt, was tickt nicht überivinden lästt." Als Mnffav nichts erwiderte, fuhr ne weinend fort: ״gleich im Anfang hatte ich mir das ge'agt und war dennoch to schwach - —!ent werde ich mich nicht mehr sehen lasse» könne» — es kann nicht to weiter gehen." — ('unten! tnchte he;» beruhigen. Bella aber hatte das richtige Mefühl, dast er innerlich mit ihr nbereinffnnnite, ׳eine Beichivichllgnngsvertuche waren nicht to eindringlich wie ehemals. 'Bella einpfand, dast he am Scheideweg standen. Hann kam ihre Mutter. Sie wandte sich sogleich an die Tochter: ״H>ch habe etwas mit Herrn '*'imbacher allein zu spreche»:" Bella verlest laut auf schluchzend die Stube. ,Vchiel nickte zlistiniinend, als he in später ׳.'c'achtffnnde in der Küche allein beisciininen'asten nnd ׳eine ,Tran berichtete, dast ״alles ans nnd vor bei" fei. T» dieser nnd der solgenden '.'!'acht schliefen beide Malten nicht. ,Vchtel vergast t'tillc Thränen. Alle Hemütignngen der Armut bedrückten ihn: der stille Kammer seines Kindes brannte ivie rTeuer in seinem Innern. Hcinii nel ihm Berez ein: der treue ,Trennd mit dem arglosen, telbff loten Memüt. Ach, meint er jeht zu Berez hätte eilen können, diese»! einzigen Menschen au» Erden, der ihn, den einfältigen, harmlosen Mann to gut verstand und vor dem er niemals in, '*'eben ein Meheimnis gehabt und dem er je und je alles '*'eid und ׳Weh ansdecken durfte, das ihn in seine», armen, entbehrnngsvollen '*.'eben schon getroffen hatte. Er konnte nicht länger an sich halten, er begann laut zu schluchze». Brendel verstand den Schmerz ihres Manen. ,T» der Hnnkelheii suchte ihre Hand tastend nach dem zerknirschten Manne: he neigte sich zu ihm herüber und küstte seine thränennasfen Wangen. ״xThr mähet schon wieder gut, ,Vchiel, fei nur ruhig," beruhigte sie ihn, wie inan einen, gekränkten Kinde zuredet. Er vermochte nichts zu erwidern, wie ein schluchzendes: ״ja, ja, geh,geh." Am folgenden Tage begab sich die Schneiders min in Berez' Werksteine. Uebelgelannt mit sinfferem Mehcht, fast der Schnffer auf feinem Schemel. Brendel liest sich aber nicht abfchreckei!. Beherzt redete sie ihn an: ״Berez, ich hätt' wahrhaftig nie geglaubt, dast ein so gescheiter Mensch wie ihr wegen ein paar dnitliner Worte, die ein alter ,Trennd, ohne sich was dabei zn denken, herausplappert, io übel ausnehmeri ch sein würdet." Berez arbeitete, ohne anfziibiicken, weiter. Brendel fuhr aber fort ״was wird die Kelle sagen, wenn sie hört, ^cdiiel ,Triedberg nnd Berez Storäi sind je nt spinneseind. Mein armer Schlemihl kränkt sich daS Herz ab: ihr werdet ihn nicht lviedererkennen, wenn ihr ihn jetzt seht. Er kann nicht essen, niei,t trinken, nicht schlafen und nicht schaffen . . . ,Vizt hob Berez den Kopf ein wenig in die Höhe. Brendel, die gefürchtet hatte׳, der Biefe würde ne ivild anschreien, wurde noch beherzter. ״Berez, so ein Ehochom kliiger Mensch wie ihr, — Berez wart hier einen verstohlenen, triiititphie reitben Blick zu dem Mesellen Hock hinüber, d״r immer mehr die Chrc» fpitjte — könnt doch Jechiel nicht jedes 'Wort auf der Moldwage »ach wiegen: tut mir's zn lieb' Berez, geht, kommt doch mal herüber." ״,}ch darf nicht, denit ich habe einen Schwur getan, nicht mehr eure Schwelle zn betreten." Brendel atmete erleichtert auf. ״Was brauche» die '*'ent erst zu erfahren, dast ihr zwei böie seid, konnnt doch Berez, eh' Moldchen es ansschnüffelt." Berez hielt jetzt in der Arbeit inne nnd rückte fein Hanskäppchen in den Backen. Has eben an geführte Argument verfehlte feine Wirkung nicht. Also, dachte er, die '*'ernte merken schon etwas. Brendel entging der Eindruck ihrer Worte ai!׳ Berez nicht, aber sie kannte ihn. Sie drang daher auch nicht weiter in ihn nnd verliest er leichterten Herzens die Werkstatt. Tatsächlich Hane Moldchen, die gute Gleich barin, schon mit Befremden wahrgeicouccneu, da׳; nieder Berez Mittags am M.tstchen stand, noch ,Vchiel ans dem ,Tenffer blickte. Sie suchte daher ein paar schadhafte Pantoffeln hervor nnd ging damit znni Schnffer. Her aber sah so mürrisch darein, dast sie!licht lvagte, läriger zn vertvetlen, als gerade nötig war. Als sie aber am iiäthMeii ׳A'achinittag Koppel die Masse hiiianfgehe» sah, hielt sie ihn auf feinem ch'ückweg an. Hoch ward sie enttäuscht, denn Koppel wußte iveiter nichts zu berichten, als dast sein Bater stets in schlinnnffer f'cnnte fei nnd ihm heute Mittag noch eine, Pantoffel an den Kops geworfen habe. ״Has ivar bestimmt mein Pantoffel," sagte sie gedaiikeuvoll und zufrieden. ,}echiel fetzte auf den kommenden ,Treitag abend groste Hoffnungen. Has Bcinchagebet war schon vorüber, lind der Borbeter begann den alteit Wechselgefaug ״Auf,last! »ns zum Ewigen jauchzen" aber Berez ivar noch nicht da. So oft ein Andächtiger *intrat, sah ,Vchiel zur Türe Eine groste Unruhe packte ihn, als der Borbeter, fickt sekiindenlaiig erst fassend, den ^'cho dodi be gnnii. Wenn Berez am Ende nicht feinte':' ,Tortteiziiiig folgt.

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