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Der Israelit · 1906-07-26 · 30 (26.7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
30 (26.7.1906)
Date
1906-07-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein Centralorgan IQr das orthodoxe Judentu I,Mlet im Dr. Liknui 11 ffliiiu 47. Jahrgang. sss Sranhfurt a. M.. gen 26. Juli 1906. 4. Ob 5666. M 30. in ,V»vatlit niiltfiiit ictnii lomicrüaa. ■ilbuiiiicnu'ntB: virwöbniichr fliteaubo 1״־(. I..V> i’irUt-liäbvIiib. \\ttauBnabf a»1 'tm1uCn1nt1nu>1n •JWt. \>1rtlrliätulnl». -I״«Ia״d»»>>r,>r mr Bir miiioliiilulii' fln^nobf: Critrrreuti 2 Kr, 'HimlauB I >!»>>., criialanB 2 -!>., ft mm tu •V1 et׳.., '.itirBrrlauBi• 1..1» H. ftboimrinriiie bet allrn Paiiaiiiiallrii. $»ckba11B!1»1,1r». »'luir Birtft b«1 Brr ciniBiiion, \vitau9!1abc nur Bivrtt. Antemie : :b! Ptrnmnr n>c dir >ra>«,1r>i>al!rnr Ldldnrl;^ctlr: ״Wabatt 110111 larii. .tn*rratrna1mah1nr mir Bunt* va a 1 r 111'tr 111 11. $041(1 ft. <>*. ,״ ,vranf'mt a. ־!•i. und drrrn 'viliulnt. Da$ neue Gebetbuch des badischen Oberrats. I. Ta״ grvsie 26e1f ist injUenbet. ״ein־ Welietbiid), &«* schon so lange aiu^cFimhu^t nunbcii ist, und das schon vor teinem Erscheinen in den Sl reise» der gesepestreiie» bodischen Hilden eine tiefgehende Grregiiiig hervorgernfen l,at, ist »nn »lehr erschienen, ^,1 den Porbemerkniige» werden die Mündel der olrei׳ Tephilla hervorgehoben und die Porzüge des »cnen oderriitiichen 26erkeS ine rechte Vicht gestellt. Wenn dabei n. a. als ein besonderer Rachteil des ch'vdelbeiiner Webet bnches das Wehten des Machsor für die ,Test tage bezeichnet wird, welches in dem neuen Ge betbnche enthalten ist, so ninlek diese Anpreisuug etwas komisch andenn wenn »tan 90|ן der ,TefftagSgebete streicht, io ist es leicht, den ^,est ans einem sehr bescheidenen 'li'anme iinterznbringe». ,^»dessen soll keineswegs verkannt werden, dasi das neue Gebetbuch an sic re 2׳or;üge brsiyt: begnetnes Format, schönen Truck, gutes P-inier. 26en» man jedoch bedenkt, das; diese änderen Porzüge, namentlich auch der billige Preis, dazu beitratzen werden, den verderblichen Tendenzen des Gebetbuches Pcrbrcitnng zu verschaffen, so kann man sie, objektiv betrachtet, mit als einen Stüber bezeichnen, dazu geeignet, die urteilslose Menge in das 2«'et< des Refonnjitdeiititms zu locken. Tenn was die Porbeiiierknngen als innere Por.zuge des Gebetbuches rühmeii, das sind zürn größten Teil P c r! ü!׳. d i g u n g e!! gegen den (sicift des ,^udentnms. Tie Lendenze» dieses Gebetbuches ffeheit im schroffst e nt 2V idersprnch zu den Anschauungen, welche als die Grundlage des jüdischen Glanbens bezeichnet werden niüssen, und die oberste jüdische Religionsbehörde 'Padens pro klamiert damit offiziell den 2lbfall von dem bistorisch überlieferten ^lidentnin, für welches unsere Päter gekämpft und gelitten, für das sie freudig den Tod in tausendsacher Gestalt erduldet haben. Tie Porbemerkiingen betonen, dasi die >lte ltgionskonserenz in zehnjähriger ״gewissendafler Arbeit" dieses Werk vollendet habe. Taff die Arbeit eine geivissenbasre war, wird man nicht besireiteii können. Abgesehen von den Schrift stellen, die im allgemeinen unangetastet bliebet! der kraftvoll-leidenschaftliche schlug von Pf. li7 siel allerdings der Schere des feinfühligen Zensors zum!Tpfer,, ist kaum eines der wichtigeren Ge bete von dem Rotmff verschont tvorden; auch das alkebrwitrdige Schemoiie Este Webet bat!ich an de» verschiedenstkit stellen 2lbandernngen gefalle» lassen inüssen. 2>ls llriacheit für das Schwinde» der 26ertschävitng des alten Gebetbttches bezeichiten die 4^orben>erknngen die zu vielen und zu langen Gebete, ferner den Umstand, das; sie nicht ver standen iverden und den modernen Gmpsindnnge» nicht entsprechen. Tie Prinzipien des Tberrats ivaren also die skürzung der liebere und il>re Anpassung uti den modernen freist. ׳.Ran darf wobl noch zwei Momente binznsügen, die zivar nicht ansgesprochen sind, die aber in dein ganze» Gntwurs »nverkennbar zu Tage treten: dieaurchr vor dem Antisemitismus »nd die Gegnerschaft gegen de» ^ionisntiis. 26,1s die .stürzung der (Gebete als Mittel zur Hebung der Andacht betrifft, so können wir es uns nicht versagen, einige Stellen aus einem Rundschreiben* des stolniarer Tberrabbiners und .stonsistorialpräsi deuten .Skiein a»z»sühren, das er im Satire lb>.'»t» a» die ,tsraeliten seines 'Bezirks erlieft und worin er vor de» von einer Pariser Rabbiner koniere»; zur Hebung der religiösen Sinnes br schlosseiien Reformen warnt. Gr sagt ״^n dei Tat, mir können uns!:!cht mit der Hoffnung schmeicheln, dasi durch die llnteidrüclnng einiger Pilltiin, ja selbst aller Piutim. inan die Andacht in die Herze» und die Trdnu»g in die Tvna gogen zurückziifübren vermochte^ der allsabbatliche tchittesdienff »nd der am ״:דה, ivelctie so ivenig;־Vnt in Änspruch nehmen, zeigeit, ivelch eine Gbiinäre eine solche Hoffnniig tväre. Uebri gens hat die Gnahrung gezeigt, dasi dieses 'Mittel, wie so viele andere, deren Wirksamkeit man sen einiger ^eit so pomphaft verkündet, nicht nur de, Grwartniig nicht entsprockie», sondern dasi das Heilmittel noch ärger war als das Hebel. Wen entfernt, die Gleichgiltigen wieder zum (Lottes Haus zu führen und erbauen, haben sie nur den Glauben in den noch treuen Gemütern erichüttert und der Religion unserer 2^äter wahr Haft ergebene Männer daraus entfernt. Tas einzige ti.'.d ivahre ׳Mittel, die einzige und ivahre Heilung für das Hebel, au ivelchem die Lnnagoge leidet, ist nicht in äusieren Momenten zu sucheit, unmittelbar aufs Herz musi man einwirken, das religiöse t^efühl mnsi man zu beleben und zu festigen siichen u. s. w." Wenn aber der £ba׳rnt es iliiternehineil will, das ^ndentiin, mit dem sogenantilen modernen (Steift in Ginklang zu dringen, so ist dies von vornherein ein venehltes Beginneii. Wohl ist es möglich ein :!wderner 0.׳,'ensch im besten Sinne des Wortes und dabei ein frommer ,^ude zu sein. 2lber im Munde •) Äbfltbrucft in tVidiuruu 111, 2 lü׳* ff unserer ״Viberalen"!ff modernes Gmpnnden gleichbedeuleiid »nt der sogenannten »atnrivisse» ׳ch-istlicheii 26eltanscha»nug. Tanach vollziebt sich alles »ach seffe», »nverbrüchlichie» ׳.ffaturgeseven, alle ׳.Menschen und alle 2^ölker »»terliege» in gleicher 'Weite der natiirlutien Gntiviäliing. '?liisnahnieii gibt es nicht, das Gingrrite» einer göttliche» 2illn1acht in dietes '.Uatnrgetriebe ist undenkbar, und die ׳Wniiderberichte der Tbora sind desbalb als Märchen >i»d ׳.fftrithen aus zu raffen. Ter Penuch, die׳'e ״inodernen" 2ln schaunuge» mit dem ^»dentn»!;» vereinige», iff enie Linwbnsarbeit. Ten» von diesem Stand Punkt betrachtet, iff das ganze ,riidentiim seinem innersten 26esen »ach iniinoder». lliimoder» »t der tszlanbe a» einen einzigen, allmächtigen Gott, der mit starker Hand die Geichicke der 26elk lenkt, der Israel aus Gguplen getübn und ihnen sein (Wcfey gegeben, uritnoderii iff die ganze Iiidische ,^dee des t^betes. Ter 'Tieriuch des!Tberrats iff denn auch tatsächlich gescheitert. Ter Tberral will modern sem. ׳.Iber in seine»! ble betbnch sigurieren z. 2l. S 2'.>7 die»':: ׳^דד die zehn 'Wunder, die nach der lleberlieferung für »nfere 2fäter tut Heiligtui» iich vollzogen; wir finden ferner in dem ~'רעיל צ: den Hinweis auf das Gbannkawnnder mit dem Celfnnv ,V"t das mvderii? Giauvt einer von den Herreii im f? berat an dieie 26 linder, auf die bter als auf historische Tatsachen kingewieien wird? llnd wenn nicht, ivie verträgt sich das mit der 26ahrh,11tigke1t, die doch die erffe 2foraussevnng für Männer sei» sollte, welche die ״Grhaltung und syördernng wahrer tb'eliglviitat" als ihr ^iel bezeichnen? Tie!lkürksichtnahine aus den Äntiseuntismus dokumentiert sich besonders in der Streichung derjetiigen Ausdrücke, welche auf die Sonder steUiing Israels unter den 2fölkern Bezug haben. Wir iverdeti darauf!roch zuruckkouimen und luollcu hier nur im allgemeinen bemerken, dasi diese tliücksichtnahme univürdig und zwecklos iff. Schon früher sind ähnliche Persuche unternominen worden, und Herr Tr. 2<o<zelste1tt z B. iff in feiner westfälischen Tephilla, anderen ffketorm- Helden folgend, noch weiter gegattgen als der badische j^berrat. Hat etwa der Antisemitismus nult dadurch abgenouunen? Habeu dte Antisemiten >ene Peinuhungeii irgendwie anerkannt und ihre Anklagen eingeschränkt? Gs ist em Verhängnisvoller Irrtum zu glauben, dasi die Feindschaft gegen das ,Judentum durch die Tendenzen der Aniwilation besetngt iverden konnte. Selbstach tung und Grhaltttng des lleberliefevten werden unfern Gegnern allezeit mehr imponieren als dieses uttwürdige Sichdttcken und Zurückwetchen.

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