Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 28 (12.7.1906)
- Date
- 1906-07-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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*r 2*. «fttf 4 _ qinelle» Efnzelheiten jübiidier ®tuOtentöpfe und durch sei» künstlerisches Schaffen, durch die Bevorzugung jüdischer Typen, wenn auch unbc mufft,!'einesteils das tvett zu machen, was man in blinder Berkenninig der jüdischen Bolksbe stimmuna an innchnldigen jüdischen Veibern ver bwch. Mit gleick^r Znniqkeit lsat selten ein nichtjndn'cher (Genius an unserem Tu» und lassen geweilt, Auch Goethe, und vor und nach chm inanch Anderer, hat einen verstohlenen Blick in die enge» Wohnränme unserer Urelrern acwonen. Aber über ein ffüchtiges, oberffächliches Interesse kam es bei diesem Benveilen, daS vielfach nur der Neugierde entsprang, nicht hinaus Der gröffte Teil aller weisenden, die für kurze Augen blicke in der Zndengaffe weilten, sahen den Schniutz und das Elend, sahen bleiche Wangen und gebogeue Rücken, aber nicht daS Wölb, das diese Schlacke» deckte», nicht den jüdischen Sinn, die indische Art, das jüdische Veden >l»d Treiben, ivie es sich innerhalb dieser rauchgeschwärzten Stuben vollzog. Rembrandts Ange vlickte tiefer. Es sah nlcht nur die Truste, sondern auch den Mm!. Es blieb nicht an der äufferen Umhüllung hasten, die freilich viel des Abstoffenden bot, sondern drang hinein ins Mark uttb Blut, während die Hand die jüdischen Pulsschläge niaff und das!Shr aus das innere Veben des Herzens lauschte. ,Hn die!es lirvevolie Ailsmerken und Beobachten, das uns Rembrandt in einer Periode zuivanvie, du die gläffiichslen Berfoigungrn r!!!d Bedruckungen nichts absonderliches ivaren und ein bloffer Znfftritt tan!vir eine srenndschaftlickre Begrüffnugs sorinel aniiiutklk, sind tniv ihm zu Dank ver pffichter, zumal in einer Zeit, in ,velcher der Anblick jüdischer (Gesichts,züge nicht immer küint lerische Konzeptionen, sondern Cöedanken und Bor stellungen auszulvsen pffegt, die mit Malerei nicht die geringste!, Berührungspunkte habe:׳. Rembrandts 'Buch »var, vielleicht ausschliefflich, die Bibel. Das ist bei einem Künstler viel ge sagt Sein Buch in ׳,!!mein nichts weniger als die Bibel. Zhr Studium überläfft er in der Regel in edler Selbnbeschränkung der (Reinlichkeit, dir wiederum ihrerseits, auch was nur bloffc Sympathie betrifft, die weite ltchtumffossene 'Welt der M ,111 ü deren leichtblütigen Düngern übcrläfft. So u>äre denn nie der Schimmer einer Aussicht zu erhoffen, daff das Schone mit dem Heiligen!ich je vereinte. Da fügt cs denn der Himmel, da», die beiden sich ängstlich siichendcn plötzlich ausrinandkrstoffen, daff ein MünNler geboren wird, für den das Künfflennm der griechischen Antike Der Jsraeltt. ___ keine Reize hat, den es Mit ׳.:nwiderstehlichsm Zuge zu den dramatischen Helden der Bibel lockt zu Abraham und Zl'ak, zu Jakob und Zoscs, ui Moi'eS und Simson — dahin, wo an der stelle der plastischen Ruhe die farbige Beweglichkeit, das Ans und Riederwallen streitender und siegender (Gestalten und (Gedanken des nach empfindenden Künstlers harrt. So ist, mit der Bestimmung, die Schönheit der Bibel den spätesten! Äkschlechtcrr! zu verkünden, vor;VX) Zähren i Rembrandt gcvoren worden, so muffte er geboren j werden, damit an einem begnadeten Maler es! sichtbar werde, wie die Bibel kein Buch für die! Weltsreniden oder iveltsremd gewordenen, sondern eine ewig lodernde Zlannnc sei, an der auch die Phantasie auserlesener Künstler sich entzünden könne. Die ausgesprochene Sympathie Rembrandts für dir Heldengestalten der Bibel in einer Zeit, die allerdings von Religionsstreitigkeiten bis zun!! lleberniaff erfüllt nun׳, aber doch bereits die Renaiffaiiee des antiken.Hellenentums in Kunst und 1 Wissenschaft fruchtbar in sich verarbeitet hatte, 1 hat ihre Wurzel in der künstlerischen Anwaltschast, ן die er den Armen, den (Geächteten, dem Häfflichen; und Bizarren angedcihen lieff, in dem lebhaften Zntereffe, das Rembrandts Pinsel und Radiernavel altem dunkeln und niedrigen, allein ans!! Vicht und Finsternis gewobenen Dännnerschein J zuivandte. t'nv Amsterdamer Zndenniertel zog! in »einer charakteristisch abstoffenden Häfflichkeit, j mit seinem Reichtum an zerfcfftenl Elend und! hohlwangiger Sorge Rembrandts Annnerksamkeit!! aus sich und berührte ans seiner künstlerischen!! (^eniütsklaviatur eine Taffe, die am leichtesten ins!! Klingen geriet, ,veil sie die rnipffndlichffe lvnr. . Aber es war bei Rembrandt geiviff nicht nur die!; Veideilschaff des Stndiiiiiis allein, mit ,velcher er; j die jüdischen (Gestalten, die ihm als wertvolle! Modelle dienten, nmsaffle. Er hat Manasseh den j Zsmels Züge in einer geistvollen Radierung aus! die ׳Racknvelt gebracht. Der aber!var kein ge! ivölmlichcr Znsasse des Amnerdainer Ziidenviertels, sondern ^berrabbiner der dortige» Zndengenirindr. \ Schon im jugendlichen Aller von 1 •4־י Zähre» ward ן ihm die groffc Stelle übertragen. Er ivar e1׳׳ hervorragender, anfferordentlich befähigter Mensch. Zahlreiche Schliffen, mciff religiösen Znhalts, ffamnieii von ihm inid zengen von der groffcn l^elchriamkeit, die ihm eigen war. Daneben war er Oust.,1- >ndie n*e und virtuoser Beherrscher vieler Sprachen, und auch das Berdienst, das er!ich »m Englands Zudeiitlim erwarb, in zu be 12. Zul, I9vckannt, nw hiermehr als aeffreiff »11 n״״.d״n. In die Züge dieses seltenen ÄkanneS hat nch gröffre holländische Maler versenkt und vielleicht nicht ohne Absicht den jüdischen Typus Manan nicht so deutlich hervortreten lassen, wie ,״1<״ es bei dem Portrait eines Amsterdamer £!׳!■״ rabbiners vernniten sollte; um etwa a» , denten, daff ein Mann von solcher Geiffesbildmig gar nicht ins Zudenviertel passe, seine angcmen ׳,- Vuftregion vielmehr aufferhnlb der In beug. liege, dorck wo das Zreilicht nichtjüdischer Veb, > Weisheit den (Keift des engen Pharisäerknms ba ׳c und alle Natürlichen Kräfte zu nngehinde .! Entfaltung wecke. Wie dem aber auch sei, 1t«,w scheinlich hat Rembrandt in gewohnten, Realis, .,s anch hier keinen snbjektiven (Gedanke» in ׳ .,,e Zeichnung hineingeschniliggelt; sicher scheiin :ntv doch zn sein, daff ivenr das Schicksal Mai?r wie Manasseh in die D-nere schickt »nd wer ,״ divinatorischen Enassen anch ihm fremd, v 1־.;י!■ hältnisse und Znsannne,,hänge durch ein scn.es künstlerisches Empniidci, geradezu prädcffi» .n erscheint, niiiiiöglich in der Häfflichkeir des Znden Viertels den einzigen Eindruck vom Ziident,״״ empnng,!vdaff nicht darüber hinaus in Rembrandts Gemüt der (Gedanke sich geregt haben sollte, da», jüdische (tröffe auch in der Umhüllung eines beuel hasten Aeu.ffern und dann gerade erst ,ecku nicht nur Mitleid, so!,dem anch Beivuiidenmg verdiene. Scheint doch die Heroldschaft, aus die oas jüdische Volk als die einzige Genugtuung für die erduldeten Härte» seines veideneweges hofft. »1 Künfflerhändeii taff besser als bei Dichter» inid Vite rate >> aufgehoben zu sein. Der Künstler in sensibler als der Poet. Was der Dichter spricht und schreibt, das kau» der Maler ,vohl nicht ffers mit der gleichen nachdrückliche» Wucht verkünde», dafür überragt er ihn jedoch durch seine Gabe, anch das, wenigstens andentungsiveise, wieder;!! geben, ivas jener vielleicht denkt, wofür er aber keine Worte findet,!veil das Helldunkel einer ahnungsvolle!! Stimmung wohl ans der "einrvand zu überivälrigeiider Wirkung kvininl, über wie eine Vuftblase .;ergebt, ivenn der Poet mit viel plumperer Hand es ivagt, eine Maleriinprcino» in nackte 'Worte »nizngieffen. Die stille (tröffe lmserer Sendung ivird einst in ihrer Tonnenklar heit als das A B E alles reinen Meuschentiuns begriffe,! merdeu. Aber wann? Bis dabin empfindet sie die Welt und ahnt das End ziel, ohne es zu sehen. Daff alles gut sei, was!vir ,vollen, das lernt sie allgemach in kurzer aber eine nnk frn Äusfich! aut nun, Werkiübrerpvstn,. boch nur diu Mofien drs דכת* und io 1,i rr mit fdinr szaniiiir drm Prrlinngrrn natir.״ Adrr״. fuhr ,vcnti'11 Moas »oitifl niii, wrslmU׳ >n br;trt rr 1>fUN Uiuii iii '״uiui' :,1 unirn am ^nM»nth. das iwut doch vrrnini'iiqcr. als nrllrulos daplnpen .Aoirvh 4sir rin ^mrrn kam rs von NiikNs r'wvrn. »>r war ichnerwrift grivordr»' >i1nd' tsas »an!׳ ״י-■ ..,zo׳rv» >;V, ans » rin firm'i Ta rni nri ,zo'rv» rm was rr fleiaflt j»rr^r,ir tvit rr ,Ach dachir nicht Sara» ' T1׳s in rs eben klaqic Ruili. ״Tu Srnkii mchi Sara״ rs isi Sn rt>rn rlwas ArrinScs. das mchi >u Tn AkSSri. und mchi r» Tn siriwrrn wnS (7 rs in kan ' ׳ i Ta »alii» Aoirvki Sr» Sunklrn Mm» in SriSr Ha »Sr! imS iaftlr »»»ft! ,..Mmd, MlnS niiaui'N Tu Sr»» Sa» ich »u< Bor ׳ Sr Sach» TirS und »nri, >o auälr'- Tu wriin mchi wir ich c>rru»s!r» ImSr. uiiiivnn. ich tau» »ichl io Srnkrn wir Tu Au iir» iii um Sir andrrr 2l»ichamm,r in Alriich und Blui üSrrar»a»qe»' Mrinr Mniirr hm ich»»!uni, thv AilSrnniin innerlich ahgrichünkli. und in ihrer (Jhr »'» »Sr das n»as Tir das hivhfte Simki yim urrlvuitrn ,zwinig grwordrn' Ach rriinirrr mich. Sa» man cmmal >d1 ivar knapp iuni ^!ahrr eilt, mrinr rtroo»ci1nmm>g»t>r pur». Ach hünr r!nr!n 2p!r!k!n!!rraSrn rrzähl! mrn! Liakrr fet frommrr ais mrinr Munrt ivirw ich das armrrki l>n»r. ,eh wni: rs n!ch:. Tann irard ment Batrr mrinr Munrr nun! mich. — ich hohr rs Tir ,a schm, 0׳ on mäh» m ihrrm *'*elfte, das huüt im tr-1Src nullen Argen das was ihr rriigioirr Anumg Simklr. Mn Aahrrn ging ich nam Ämrrika. ,ugrndsieh. grnn« nrndia. onrnr» Äugrs »m -Nies' -Has dc-n grwrfr» wnsu Tu. damals »ragrr ich noch .;sas foftet für Weil '-׳ Unf» irpi 'Huih es itt nniht nie werde ich Srnkrn »vir T»' 2to»m>au\ wir cm Brtrnnnns. waren Aoirphs Ä-onc rrausgrkvmii'rn. ,ein iah rr 'Hutu an >v,r rtt» Mrwch. Sr, in» Unril. glrichpirl welches envanri' ׳Mulh hielt Sen Blick aus Sann iagir ür leite, aber fett ״Aoirph, noch iii es Arit. wir sind noch hridr iiing! isi es nirtti hrürr. nur scheiden ’"׳ : Der starke Bkann mckir pisammrn >v>r rm rrschrrckirs Mind, als rr das Madchr» das anssp'.rchr:» hörte, marrr! »ich pi Srnkrn grschrm. und rr fühlte; wir hoch dieses 1 Mädchen über ihm nnnd. Ähr, noch hing sein Herz zu sehr an ihr und statt der Ämwou schlang rr Sri, Arm mn Null, und küstlr nr aus den Mund. Eine Weile Siildrir sie willenlos sei» Minien. Sam, machte sie üch las »nd iagir. halb zu »ich 1 lltrh dennoch rs muff sr», ' Am ringrndri, tsidrrstrr» Sc, i'iriühlr ging Avsrph nach Hmiir. Eine Algarrr muffte rr nck, auzüilSrn. um »Xuhr zu ffndr». und ,11 Sir Nalichwöikchrn starrend dachir rr nach. Lvinuag follte Aoirphs WcbuvkMng je», Mamn war der km zr Änchmmag vrrstrichrn, to eilte Ruth auch schon hm zu Aoirphs Winslrinen. um Sri» <üri,rl>trn seine Nirburls iagsgrschrnkr zu bringr». 2>r wiifftr, ihr Brämigam ivar »ochmals ins Bürrau gegangen, auch kamur sie ,eine (Me wvhnhril, sich abends sogleich in nun ictumynimcv zu brgrbrn. und morgens srüb erst wieder das Böohnziinnirr zu brtrrlrn. Nun wolttr sie dir (Mrschrnkr Sorl hinlrgrn. San,» sogleich morgens sein Blick daraus ,alle, rr sollte »ehrn, San iie feiner gedacht, irop der 2 zrnr am Bl'orgrii Tas Tienstniädchrn gelenelc Nuni in das Aimmrr, aber was war bas? Tr, ganze .uauiu ,um uni Aigmun rauch gefüllt. ., 1, nnS!m falschr!, Auumrrstirff > Nurb brraiis, «Herrsternrr kann nnu'.Sglich grrauchl liubrn.״ ..C doch!״ aiikwortetr das Mädchen, ״ich brachte ihm selbst das Äbrndblan als n rnuchte." Tas Aunmrr inädchri, war gegangen. Niii!« sann nach ^ir fühlte.!0 durste es nicht weiter gehen sie durfte nicht ihn und »ich unglücklich machen. Tiefe Unhedachlsamken Aoirphs. nach ,eile, ernsten ll11ter»edl1»g eine kurze Llundc vorher, zeigte ihr, daff das hefte hie, ein scheide» war. E!n Wort von Aoirph selbst iie! ihr ei», baff die erste dfedingung zum Aneden »ickii das Aiisammem'chweiffen. sonder» das scheiden allzu starrer iMegeiisäpe sei. Lie enmahin Avsepbs Mappe emen Bogen und schrieb. ..Ls1r müne» auseinandergehe» Ameph, es fällt uns Seiden schwer, ader wir »1 ü »' s e n ' Weiffl T» noch, wie Tu einmal kurz vor unserer Bersolmng sagtest, nidtt tue seien zu bedauern, die sich nicht gesunden, sondern die jenigen vielmehr, die sich finden, ohne einander ganz zu ge büren. Dainuis ersmrectien mich Teme Lvorre. im c, kannte nicht die (Müte. die in diesem scheinbar baue» Ausspruch liegt. Heute versiehe ich ׳ihn, glaube mir. Auch wir wäre» zusainmeir nicht glücklich geworden. Tu halten Dich ewig unsre! und unwahr gciiiblt, und das arad, was ״»dem Holm und höchste Beglückung ist. >v,״c Dir zur Strafe geworden' (Lin lAahr, zwei Aahre viel leichi, hauest T» Teme» Ausland vor »nr verbergen können, länge, nicht' Tann bätte fick« Iciic ein Miffverstanbnis nach dem andern zivischen uns eingeschlickie», es hätte »ns r«crc,cl«vt) und die Äugend unserer Minder vergistet! Und noch eines' Ach wäre nicht alle!» ohne Trine Hilse im Lrande gewesen Misere Minder zu starken, gottgetreuen Meniche» zu erziehe» die Minder hätten unfern Annen״»» bemerkt, ivie Tn den Temer (Lllern beiiierklest. denn .Harmvule der Elter» ׳»» die erste Bedingung zu einer harmonischen Erzlebnng der Minder. Tn selbst muffi Tir sagen, daff!vir nicht bestm! find, nur ui» »»s eine kurze Äbichiedsfnuide zu erfvaren uufer Heben und das eines späkeren (Meschlechies unglücklich zu gestalte»' Tarmn last uns scheiden, m ruhige»! Berstehen, ohw (Mroll. da es noch Aeii ist' Haff es Tick, nicht gereuen Aoienh, dafi Trine Unhedachlsamken von beute uns scheiden läffi fie ivar nur ein Landker!: das den Lte!n zn!!׳ Rollen brachle, häklest Tu es nichk heute, durch die!>׳.: gesprochen, das harte, notwendige Wort, vielleicht hän ich morgen den Äiistoff gegeben. Heb wohl' Und ehe wir scheiden, ehe Tu zu Teineu trüberen Hebenskreife zurückkehrst, sprich »nt mir noch ein mal; ״Garn suh letauwoh". Werde so glücklich wie Ti! es verdienst, und gedenke meiner ohne Niroll' Ruth". Ruth verschloff und siegelte den Brie!, und legte Nu so, daff Aoirph ihn sogleich he! seiner.Heimkehr funn״, muffie! Tann iöschle ne selbst das Hichl, und den Zigarren ,auch in den Mleidern. eilte fie schwer aufalmend du Treppe hinab.