Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 27 (5.7.1906)
- Date
- 1906-07-05
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 27. 2rttr 1*. pbetcn weissagen für t^eld und habet lehnen sie ndi noch an Wott an und verkünden: fürwahr, Wott in in unfrer Mine, un* überfotntnt kein Nnglüd. Damm, grade euretwegen, wird Zion wie ein ,*reib gepftügt, ״Zernsalem tuirb Einöde tuerben, und der Tempel borg zu einer bemoften TLaldhölie." ״"Wehe" harre Zefajah -*»,-' > ansgerufen über die, ,^ie da bas Schlechte gut nnb das (*)»te fchledtt nennen, die ,*\infternio znm Vicht tinb Vichr zur Finsternis stempeln, Bitteres füft nnb Süftes bitler sein lassen wollen!" ״Wehe bene», die weife sind in ihre» Auge» nnb sich verständig wahne», wenn sie ihre» fielen nachgehen." ״Tie den tRisehloseu für Bestechtinq als gerecht er klären nnb de» Weredite» ihre <'Vved)tijxfeit ab fpredten wollen." Das machtvolle, i» sdilidner Zurück gezogen!,e!r geübte Wirke» lebender Träger der Wahrheit muftte atid, in;-}io» nnb Jerusalem dem lauten nnbeidteibenen ',Hnpreifen glänzender 2dtan nnb Machtstellung toetdten, barnin innftte '.Ufadtt nnb Pracht »nteu;ebet1, mn;11 erweisen, da ft Israel bas tKotteswort allein, nicht Titel nnb "Mittel Vcbeit nnb Mratt nnb Bedeutung!;;ernährt. j llnb heute?׳־ 20 lange Israel nidtt .;»rü1fj;efebrt ift zu j dein niierschütterlidien Beiviifttiein »nt alle» ,fol * gerungen für bas praktifdte Vebett des Einzelnen sowie der (">cmei»Hhaite» nnb der grofteu tKefamt heit, baft mir die Kraft der TanrohZdee bas Allheilmittel nuferes Poikes biibet, io lauge hat bas tKolus sein Werk an »ns nodi nidit vollendet, io lauge hat die r־p\״־ ihre Erziehungsarbeit »od> mdu gekrönt (;efdiant, fo lauge ninssen wir nod! meinen am ,fafttag des vierten nnb bei» des ״fünften Monats." Sabbat. , 2״prich nicht : ,.Wie ging es zu, baft die I früheren Seiten besser waren, als diefe?"! denn nicht ans Weisheit ׳ragst du danach."! Modelet 7,1!>! Unklug in es, z» klagen, die Gegenwart! sei soviel schlimmer als die Bergaugeulieit. j Gewift, unsere ^eit bat ihre 2d1äbcn; gab es i'oldte aber vordem nicht > Mit ernstlich prüsen dem Blick wollen wie ans unsere ^eit ichauen, wo wir Mangel finden, ne als Mängel an; erkennen, nicht mn zu klagen, sondern;11 bessern, j Mag iiiaiiche Erkenntnis uns ttnmmer machen,! niederdrüden kan» sie uns nidtt. לא אלדן "שי־אל I Ttx ,zsraetn. Israel kann nicht verloren gehen. Das sei! unsere Devise in allem was wir zu tun uns I bemüheir, um Schäden zu heilen. Wir und ver - pflichtet nach bestem Streben das Mögliche zu i tun; scheint das Mögliche uns unzureichend, so j wird ״Rettung von anderer Stelle" ergeben, ן von der wir es vielleicht gar md»t ahnen. Die Gegenwart stellt uns Aufgaben, den "Mnt,! sie zu erfüllen, gibt uns die Erinnerung an die Bergangenheit und die.Hoffnung aus die Zukunft.— Wenn an jenem fdnerflidjenTischo beav des Zahres 70 der gewöhnlichen Zeitrechnung ei» Zude nur gewuftt hätte, daft Zsrael nach mehr als lüZahr-! hunderten noch nicht aus dem Goluft erlöst wäre, i verzweifelt hätte er an der Zukunft feines Bolkes.! Hätte er dabei aber auch gewuftt, daft heute in 1 Ländern, deren Raine» inan damals nicht einmal kannte, viele Hunderttausende am Freitag Rach mittag abftebe» von jeglicher Werkverrichtung, um Zeugnis abzulegen für den Gott ZsraelS, der Himmel uild Erde geschaffen und fein Polk aus Egtipten erlöst hat — er hätte mit iiinigem Daiikesblid nadi oben ausgerufen: דל, ל12 די^שיר Wie groft sind deine Werke, 0 Ewiger! Wahrlich dieser eine Gedanke, daft Zsrael iid) in dem vielhundertjährigen Goluft erhalten hat, er allein kann uns schon .straft geben bei allem, was uns trübe fummen möchte. Kann man sich ein deutlicheres Wahrzeichen denken für die unverwüstliche VebenSkraft Zsraels, als die Tatsadie, daft zu Beginn eines jeden Sabbat von vielhuiiderttauseiid Vippen ersd,allt ושדי־ו ד:י - Mögen kleinmütige klagen, die Zeiten seien! soviel sdiliiiinier geivorden, so wollen wir ant Worten , dann müssen wir umso besser gerüstet j fern. Und wenn uns jemand den Mut nehmen! will, indem er sagt, daft die Zahl der wirklichen! Zereiini seit Oienerationeit Nets geringer geworden! sei, so iverden wir antworten: innere Aufgabe! ift es, mit (Lottes Hülfe dafür;» sorgeil, daft ne von nun an wieder gröfter wird. Und wir köiineu es, meint wir wollen! Auf drei Grund ׳ läge! tauft fid! dabei unsere Tätigkeit aufbauen: .ללדי* וללדד לשדר ולעש"־ aus Vernen, Lehren, durdi die Tat beweisen. Ein jeder von uns nach feinen Kräften fall es als feine Aufgabe anfehen, das Erbe nuferer Bätet, die Tora, fid! zu erwerben. Ein jeder »ad! feinen Kräften: , wem grossere tKeiftesgaben und eine glückliche Erziehung;»teil geworden ist, mehr, ein anderer weniger. Und lehren wollen wir das heran, wadisende Gesdiledn nnd das herangewachfeiie, : soweit es nicht in der fugend das Glück hatte, genügend unterwiese»;11 iverden. Zn spät in; ■>. x\llll 1!*H> eS niemals ' Bor allem aber wollen wir bestrebt sein, durch die lebendige Tat die Tora uns zu eigen zu machen, das heilige Erbe der Väter zu hüten. Unser erstes Augenmerk fei dabei auf den Sabbat gerichtet; er ift die eherne Säule, auf welcher der Bestand des Judentums beruht fft ja nach den Worten »nferer Weisen derjenige, der den Sabbat entweiht, wie einer, der die ganze Tora leugnet. Der Sabbat in das ewige Zeugnis für die Got:esherrsd,aft anf^ Erden. Wir, Israel, sind begnadet für detr Schöpfer der "Welten als Zeugen aufzutreten! Mag der Erwerb des täglichen "Brotes noch fo sd>wer sein׳ wenn die Abenddämmerung des freitagnachmtttags kommt, da schweigt alle Sorge des Alltags. Mit dem Rahen des heiligen Tages verläftt der fude seine "Werktätigkeit, um dem Ruhetag entgegen zu gehen. Daheim hat die Gattin schon längst die Borbereitiingeii für den Sabbat getroffen. Die Sabbatbrode, von betten die Ehallo genommen ift, sind gebackeil, die Speisen für den Freitagabend und den Sabbattag find geriditet. festlich gekleidet verläftt der Bater das Haus, um im Gotteshaufe den Sabbat zu be grüften Dann zündet die Hausfrau gleich ttadi dem Minchagebet die ,festtaglichter an, um als erste mit feierlidiem Segensfpruch den Sabbat zu beginnen. Zwei Len .hter sollen zu mindest erstrahlen, entsprechend der zweisadien ,feier deS Sabbats: seiner Bedeutung zu gedenken und ihn durdi seine Borschriften zu heiligen. Dodi ift eS Sitte vieler fratten noch mehr Liditer brennen zu lassen. Das An.züiiden der Sabbatliditer in das schöne Borrecht der Hausfrau - wenn aber ein Manu allein wohnt, so in er verpfliditet die Venditer anzuzünden. fnzwifchen tuirb auch im Gotteshause mit den bekannten Gebeten der Sabbat begonneit. Kommt daun der (viatte nach Haus, da empsäilgt ihn ichon der festlich gedeckte Tifch. Und losgelön von allen Sorgen der Woche fingt er die Sabbat lieber. Dann begibt er iid! mit den Seinen an die seitlich bereitere Tafel, um bei einem Glase Wein den Kiddnfch z» sprechen.*) Pflicht in es daS ״^׳^ im Stehen zu sagendenn es in eine Zetiguisablegung für den Schöpfer der Welten, und der Zeuge muft stehend vor dem Ridner aussagen. Während des Kiddunli liegen *1 Das i'Uac■ ntun ungefähr 1 ״ Vttcv fassen, van de»! inan die groüere Hälfte trinken imifi. Bevor man lrnikl, giefu inan etwas Wein ad und veidn ihn den Tifch genoffen, die ,edoch hiervon crft trinken dürfen, naclidcm der Hausherr den feinrit getrunken hat. ,ar nianäien liegenden wüfcin inan fielt vor dem Kiddusch die Hände, in tnanchen nach ihm. Wer leinen Wein hat, spricht den Kidduicti üher die vetorn Brooe. vendiwenderisd, hatte ihn Mutter "R'atur mit Sdioulieit geteguet. Er tvar ei» grofter, kräftiger Züngliug mit edel gesonuten iKesiditszugett, mit einer freien, majestätische» Denkerstirue und leuditettden sdtwarze» Augen er war das Traum ideal aller Toduer des Landes. Rodt bevor Bern harb tu Votars i'H'fdiäft ettigetreieu war, beobaditete ihn betten Toduer Luise tun tdm,ad,tenbem Blick und biete Liebe blieb teneus "Bernhard Zeiusteins mdu nnenuibert. Chne feiner liebevollen Eltern zu gedenke», ohne von iKewiffettsbiffett geguält;» ׳ein, tritt er vor seinen Priupval und bittet ihn um die Hand seiner Toduer, mit bereit Emver iiäudttis er hier ertdieitte. Des frommen Rabbi s 20111t schrickt mdu vor den Schranken;»rück, die ihm teilte heilige ״lieligiou getep! hat. Bet Lokar nöt!t er auckt nidtt auf besondere Sdiwierigkeite» und deneibe ift willens, seit! Sdiwiegervarer zu werden, tvetiu er sich taufen liefte. "-'׳och fiirduet "Berithard ,veittftem des "Baiers «vltidt. D.ualvolle Tage verlebt er, seine Ruhe in dahin. Zm Bureau;immer wird es ihm zu eng. Die inuerlidie Unruhe treibt ihn ms Zre,e. Es in Z-renag abend. Au der Sleigetnrafte bleibt er horchend au der cuuagoge neben. Brausend durdi ballt es vom vielstimmigen Ehor, der eben mit den Worten beginnt:'״שדי״" דד ״שי״אל אר!״!שדרי Et» Ldtrei entringt ndt seiner geauältetl Brun. Lange hat er biete Wo ne nidtt mehr gehört. Wie uoit entern Dämon getrieben eilt er ton und ׳n ^änveift gebadet komint er >m Stadtganeu an. Enckiöpst läftt er tidi auf einer Bank nieder und fdiläft ei». Zui Reidi der Träume sieht er fid! in des Ellitiums goldenes tKetilde verseht. Er träumt von seinen ii-hönen unsdutldige» Minberjahren. Wieder erblickt er teilten Barer ant Studieinitche und vor ihm die schweren ,volianten des Tal iuuds. Wieder sieht er, wie ndi in den reinen Zügeu des Paters das Bild eines dem irbitdien Drangsal entrückten Menschenkindes spiegelt. Lauschend siheu Mutter und Schwester dabei im traute» Heim. Tränenden Auges sprich! der edle Patriarch von dem "?,'iedergange der jüdischen Religion. Wieder hört Bernhard die vonvurfs > volle Stimme seines Paters: ״Du!dieinn heute gar nicht bei der Sache;11 teilt" Da fährt er auf und vernicht das eben läetränmte;11 revro du;!eren. E׳. eilt nach Haufe und flückitet ver noblen in fein Schlafgemach. Hier kann er fein hart gemartertes Her; »lck,t mehr bezähmen, und der in ihm tobende Sturm drängt;um Aus brndi. ״Armer Pater, 0, arme Mutter, welches Herzeleid bereitet Euch der Sohn es bricht mir fan das Her; tut Buten und doch ich kätin inckn anders, (״nlu es was Höheres als Liebe!׳' D, hockt ztt Hniimelshöheii blickte ich freudestrahlend j im Rautdie meiner unendlichen Liebe;11 Dir, : 0 Luife' Wenn es einen (äott gibt, kann Er ׳ die zartenen Banden selbstloser Liebe gewaltsam I trennenv Rein Luise, mein Schicksal tollft Du j teilen, nie und nimmer werde ich von Dir j lassen. C, ׳ürchterltch ift diefe Qual. Zch nebe I vor einer gewaltigen Wahl: Eltern — und Du Geliebte. €, fnrchterlidi ift biete Qual. Himm li'che Mädite, lötet diese» von Pflickit und -)»eigung gekiiüpsteu Knoten- 0, t'diafset mir einen Ausgang aus diesem Labtirinthe. Es lodert in 1 idrteu ,*vlamnten der Ber;weifl 11 ugska 111 pf und doch von Dir Luife kann ich nicht lassen. Rein, der Tod, nur der Tod löset unsre "Bauden". Bernharb ,'veint'tein war diesen Zolterguale» eines geängstigteu iKetvissens uickit mehr gewadise» er fiel aufs Bett und schluinmerte in fdiwereu Träumen bis;um lichten ״Bcorgen. Wie zerschlagen am ganzen Körper erhebt er sich und eilt irr das Wohnzimmer feines Prinzipals, ,freudestrahlend nimmt Lokar den Eutschluft ,feinfteins auf und umarmt ihn als Schwiegersohn. Zm Bureau empfängt Bernhard einen "Brief von seinem Pater, der ihn bittet, kommenden ,fr ei lag nadi Haufe;11 ׳ähren, um den Geburts tag feiner Mutter 1nit;nfeu'r1t. ״Zu spät, zu spät. Armer Pater, unsre "Wege sind getrennt für immer. Deine vergilbten Talmudblätter köuneu mich uickit mehr nadi Haufe locken. Der Zauber ift längst gewidien. Zu groft ist die Kluft zwischen uns. Deine , ‘ kann nicht ver binde», sie kann uns nur nod! mehr trennen. Zdi kann nidit, ich darf uickit, idi will nidit fahren." Rachdem Bernhard mehrere Entsdmldigungen vorgefchüht Haie, drückte er in herzlidien Worten sein Bedauern aus. (,fortfehuug folgt.