Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 27 (5.7.1906)
- Date
- 1906-07-05
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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vrzie!?ung und Lei; Künstliche Lorbeeren. 2llcmt Herr ׳Steinhaibt crflärt, er!volle einen!"vall objektiv bespreche!!, io faitti man zehn gegen eins!verteil, daN cs ohne eine Movvcftin־ von Tatsachen nicht abgclu, io es sich!»11 Per bandsangelegenbeiten bandelt. Und das kann nicht wniidernebnien, Steinhardt ift leideni'chast licher Parteiiiiann, der alles dnrch seine Partei drille arrsiebt, der das Krumme []nabe macht, wenn es sich nm die vermeintliche Ehre des pkbrcn.׳crbandcs bandelt, und das (Gerade krumme, wenn es gilt, dem verbaftlcn (Kcgner eines zu versehen. In i'lo. der ״Blaner iür Erzietinng nnd Unterricht" siebt sich Herr Steinhardt veranlasst, das Zustandekommen des preußischen Schnlunter haltniigsgeseyes und den Anteil des Berbandes an der Abwehr der der indischen Bolksschnle drobendkii (Kefahrcn ״objektiv"!'einen Geiern vor zuführcildas; dabei ״die süddeutsche Srthodoric", der Bnnd geseicesnencr pehrcr »nd der ״Israelit" mit seinen ״Hintkrinanncrii" recht schlecht!vcg koinnicn, war vorauszni'eben. Psychologisch sind diese Angriffe ja leicht zu erklären. Her pehrerverband bat sich die einzige (Kclegenbcit, wo er iür feine Mitglieder wirNich envas pkculiciiswerres hätte leisten können, nnklugenvcise entgehen lassen. Anstatt durchaus selbständig vorzngcben nnd für die gefährdete jüdische Bolksschnle mit allen ihm zn (Gebote ttrbendcn Mitteln cinznlreicii, bat er es vorgczogen, nch nnter die Flltige des Berbandes der deutsche!׳. Inden zu begeben, obwohl ihm ganz gut bekannt!var. da» die Männer an der Spipc dieses Berbandes als prinzipielle Anhänger der Simultanschnlc für die Bcrtreter der konsessionellen Bolksschnle kann! geeignet 10au׳,!. Haft fait alle An träge des Bcrbands d. d. I. abgelebnt!vorden sind, ist bekannt, Anderseits in cs der ״jüdischenSr tbodorie" noch inonatelanger schivercr Arbeit nnd Mühe in. (K. H. gklnngcn, nicht nur die drobende (Kefahr abznwenden, sondern sie barte auch die Genugtunng einen groften Teil ilner übrigen Forderungen erfüllt zu!'eben. Hirie Erfolge sind in erster Pinie dein Umstand zuzuschrcil'eii, daft unsere Bertreier mit Entschicdenlreit für die conscssionelle Bolksschnle cingencten nnd nnd zwar vorzugsiveise ans religiösen Motive». Aus Gründen der Parität, mit den! der Berband der deiit'che» Juden immer!»nd immer wieder kam, iväre cs ganz nnmöglich gewesen, den Fortl!esta»d der!üditchen Bolksschnle )11 ncheni, da in der Tat rme Ausnahme iür die Inden gcfol'dert iverden »mftte. dem religiösen Ernst der ״nid deiltschen Srihdorie" brachte man volles Bcr srändnis riitgegkii. Es haben ja zivrir viele Kräfte nntgen-irkt, aber das Hauptverdienst an dem Erfolg gcbühn in,seren ^nrrrern. Has sind nun ^wei für Hcrrii Steinhardt recht be trübende Tatsachen, die er mir allen Mitteln gern ans der Welt schaffen möchte. Has ift ׳,war sehr schwer, aber er liat schon ganz andere Hinge scrtig gebracht. 20 erklären sich feine Angriffe und Ausfälle sehr natürlich. Hiei'e richten sich in erster Pinie gegen den ״Israelit". Steinhardt macht ihm den Borwnrf, daft er schon an der Slellnngnahme der Par teien Mritif geübt, als der Kampf um die Bor läge noch nicht beendet!var. Wohl, das bar er getan. Und er hätte seine Pflicht nnd Schuldig keil vergessen müssen, nm es zu »nrerlassen. Her Berband der deutschen Inden!var es, der ihn znm Beden gezivungen. triebt Herr Steinhardt nicht selbst zu, daft die Annahme der von diesem Berband gemachten Borschläge den Untergang der jüdischen Bolksschnle bedeutet hätte V Und als die bekannte Berbandsdenkschrift an die 211110 gogen Prenftens abgivg mit der Anffordernilg sich derselben aiiznschlicften, durste der Israelit da schivcigend zu sehen, ninftte er nicht die jüdische Seffentlichkcit über die Folgen ansklären, die der Anschlnft an diese Berbandsdenkschrift haben konnte, nnd wirklich gehabt haben!vürde, tvcnn nicht eben die ״süddeutsche Srthodoxie" mit allen Kräften ihr entgegengearbeitet hätteV Herr 2rci»bard1 bat sich librigens schon vor ca. Moittttcn mit dem 2chnl '!nterhaltnngs geictz beschäftiat nnd den Ruhm, die günstigen Acndernngen darin berbeigeführt zu haben, kurzer band für den pehrerverband und speziell für Herrn Hirckror Hr. Adler in Anspruch genoinmcn; das Erreichte fei faft identisch mit dem,!vas der pepterc in Kassel gei'ordert habeseine erste For dernng dort habe gelautet: Erhaltnikg der jüdischen Bolksschnle, wie ne beule besteht. Bei!- ,varen einsach starr vor Erskannen, als 10iv das lasen. Hie erste These Adlers lautete doch: ״Hie allgemeine 2taalsschnle, an der Kinder aller religiösen Bekenntnisse von pehrern ohne Unterschied der Religion nntcrrichtet!verden, ist auch für die denischen pehrer jüdischen (Klaubens die zu erstrebende 2chuIform". nnd erlt in 2. Pinie tritt er für die Erhaltung der jüdischen Bolkichnlc ein. Hiei'e Änschanuiigsiveise haben wir in unserer Besprechling der Adler'schen Broschüre auch i'chars bekämpft,!veil uns die Konscssions schule nicht nur solange ein Bedürfnis ist, als j es keine lonfiiiiicu Si»1nltanschn!eu giebt, weil uns die Konsessionsfchnle vielmehr allein als Ideal einer jüdischen Erziehungsanstalt vor Augen schivcbt. lind wenn auch Adler und mit! ihn! der pcbrcrvcrband gegenwänig für die Er! baltnng der jüdischen Bolkschnlen eingetreten find, i so war cs doch die ״südd. Snhodoxie", die! hier das (Kräftere nicht nur verlangt, sondern auch | errungen bat. Adler forderte keinerlei 2taats . zufchntz für die jüdischen Bolksschulen, und ihm ist es also ntdn zuznschrciben, >ve!,n dennoch die Bestimmung Annahme »and, daft die Schulver bände einen Beitrag nach Maßgabe des Gei'epcs! von 1S4T zu zahlen haben. Wir haben es damals nicht sür nötig ge innden, 2teinbardts mit dieseii Tatsachen so merkwürdig kontrastierende Behauptung zu giossiercn nnd wir würden auch heute noch schiveigen,!veim die jept gegen uns erhobenen Borwürfe nicht gar zu schwer!vären nnd!venii die Besürchtnng nicht nahe läge, daft er seine heutigen Behauptnngen künftig als niiwiderlegte nnd nnwiderlegbare Wahrheiten ansgeben iverde. Hiesnial hat er sich nämlich tatsächlich selbst überlroffneii; der pehrerverband erstrahlt in glänzcndem picht und der ״Israelit" und seine Hin tcrinänner, vor allem der Bund gesehestrener pehrer,!verden so schlecht gemacht, daft künftig kein Hund einen Bissen Brot von ihnen mag. Hici'es Knnftftück bringt er durch eine Reihe der kühnsten Hypothesen fertig, bei deren Hnrchleseir einen! gkn'öhnlichen Sterblichen ganz schwindlich!vird. Bevor wir jedoch ans diese Träume eingehen,!vollen wir vorest einige Prinzip eile Streitfragen erledigen. Herr Steinhardt beklagt es bitter, daft es uns ivieder einmal und noch dazu in einer so wichtigen Frage an der nötigen Einigfeit gesehlt. Wie ift uns doch? Als wir vor ca. * Jahren Herrn Steinhardt persönlich erklärten: ״In religiösen Hinge» könilen wir nicht mit Euch zllsanimengeheil; in den Standesfragen jedoch wolle» >vir der nnabhängige pehrerrierein in Hessen - Schulter an Schulter mir Euch kämpfen", da antwortete er höhnisch: ״Wir brauchen Eure Hülfe nicht: wir werden Euch einkreisen nnd an die Wand drücken, daft Ihr gllietscht". Eiile gleich entschiedene Absage hat er Herrn Hr. Eahn- Fulda gegeben, als dieser ihm für den ״Ieschnrun" Vorschlag, von Fall zu Ja» gemeinsam mit dem pchrcrvcrband vorzngehen. Und jetzt diese rührende Klage über Mangel an Einigkeit! Freilich, in der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts hätte!! wir mit dem Berband d. d. I. niemals einig gehen können. Jeder gei'epestrenc Bater wird zivar gern die schwersten Spfer für den Religionsunterricht seiner Kinder bringen, aber er mnft die Möglichkeit haben, sie vor den! Unterricht eines Ideologen oder von Männern zu schützen, die die Sabbathheiligung für eine Rückständigkeit, oder das Tffllinlegen für einen Schwindel erklären. Wenn so ״liberale" Männer suie die Peiter des Berbandes d. d. Ijetzt auf einmal für den Zwang eintreten, der doch sogar!licht zu ihren! Programm paßt, w ivissen sie sehr genau, warllm sie es tunwir aber auch. Uns ist nun einmal jeder Zwang in religiösen Angelegenheiten im Grund der Seele verhaßt. Sb dieser Zwang in einem oder in vielen Fällen geübt ivird, ist vom Standpunkt i des Prinzips vollkommen gleichgiltig. Und wenn Herr Steinhardt als Grund für unsere Gegnerschaft gegen den obligatorischen Religionsunterricht spöttisch die Furcht angibt, es könne einmal vorkommen, daft ein orthodoxes Kind von einem liberalen Pehsps unterrichtet werde, i'o kann man I! V I i 1