Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 26 (28.6.1906)
- Date
- 1906-06-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 2» 2rltf 10. Sprache sogenannten I'jift Cd&rü'e» *) eine ge ringe Sorte Hel geprestt, aus welchem nachher genauntc Fabrik Seife verfertigt. Borläufig be schäffigeu 'ich mir der 2cito Berfertigung;«11,!׳ jüdische ׳Arbeiter, allmählich oder wird infolge dieser Zndustrie in dem arabischen Städtchen eine kleine jüdische «Gemeinde enistelie». Hie genannte i^e'ell'chosr hofft oni einen qiitcit geschäftlichen iiitolii nnd rvird demnächst onch in der Stadt 'Rapliis crr eine derartige Zabrik gründen.;'ondou, 15». ,\1rni. Tu־ parlameiitarische Eminete Kommission für die Zrage der Sonn tags ruhe lxure jüngst die Erhebungen über die ,folgen, die der vollständige;'adeuschlust 01» Sou» tag für die Hilden dode» würde, plötzlick, ab ge schlossen, olme das; noch alles von jüdischer Seite angebotene Material bernck,'ick,i>gl wordeii ,vor. Unprünglick, Ijm mo»!11 de» jüdische» Seffent lichkeir hiergegen proiettiert, wir 'ich oder jetzt herausitellt, m der Beschlns; der »toniiiiis'ion keineswegs in einem den Zudeu ungünstigen Sinne denlkii. Herr Eharles H. V. üiimiiiid teilt ״ömlich mit, es ׳ei ihm vom Sekretär der Mont Mission in deren;,liittim; offiziell eröffnet ivorden, dieselde höbe de» Beweis, daß die vollständige Be seitigung des Sonntagsgeschätles fiiv die den 2<tbhcui1 deodochteiiden Hilden eine icknvere Schädigung bedeute» würde, sür geführt erachtet lind dornm von iveiteren Erhebung«'» über diese ,Trage Abstand genominen. Her jüdische Board of «'ßiardians beriet dieser Tage über die Er Weiterung seinem Sauitatsiverkes. Hiefe ׳Abteilung des Board würde im Zaine > bearündek »nd bot seitdem nnter den ׳Armen der londoner jü dischcn E.rme:!׳.de viel Segen neftiftet. Seit 1**4 besoldete sie einen besonderen Beamten, der die jüdischen Armen besuchte nnd i» .ttrankheitssälleu die erforderlichen Maßnahmen veranlasse. Mit besonderer An'inerkiamkeit hot man sich der Be handlung nnd Berhütung der Tuberkulose ge widmet. ,\1» sollte Iwurde der Board of Wuavoianc' in Willen dieser .Krankheit in Anspruch genonnnen. Schon vor;ivei fahren musttcn mehrere Beamte unbestellt iverdcn» und auch!ctjt treten neue 'Ausgaben an die Sanitäts ahteiluno heran, man beschloss daher, die jiidjsche E»emeiudc um eine Subvention zu ersuchen. Vondon, 20. Zuni. Zm inende von Vondon i» ein «;roste! Schneiderttreik ausgebrochen, an dem bis jetzt bereite mehr als 1 c*,< א h »;׳eute tcllnehmen. Tie Streikenden sind;»meist 'Aus landet, hauptsächlich russische und vokimchc ,luden, die in den armen Hi'triklen von Whitechapel und Bethnal «׳'׳reeu eine bcdaucriisivürdige Eritten; nihren und von den Arbeitgebern mit wirkliche» Hungerlöhnen be;ohlt iverdeu. Hie;'eine haben sich meistens den Arbeitgebern schon ausgclie'crt, ehe ne ihre Heimat verlassen, und es dauert, tote die englischen 'Blatter seffitellten, oft l>> -'0,labte, che es ihnen gelungen in, »ch srei;l»nacheu. Hie Zahl det im inende ׳ür gau; unglaublich geringe Voh»»' arbeiieude» Schneider niänulicheu undweib lichcii «Geschlechts ivird auי?1 ׳ »,( h א t berechuei. Hie ^eute atbeiten;um Teil 1» Keller»;u'auimeii gep'erckn Her Staat ׳oll sie allerdings durch ׳eine Arbeitsin'pektoren vor uuge'nnden Ber haliuisseu betvahren, aber die;׳eine erklären, dost die'e Zii'pektion in Wirklickckeit reine Schauspielerei ׳ei. Sie ׳iiide »nt laugen Unterbrecht»!׳»;׳» ftatt und ivetde »ets vorher augekundigt. Hie;'eilte vetdieiie» im besten ,lalle i P׳'d. 2t. wo«benll1«b uud haben dann in Raumen, in denen jeder engli'che Arbeiter sich;11 arbeiten weigern würde, bis;» 22 ״tuudeu täglich;11 arbeiten. Habei »lü'ieit ne häutig ׳in eiueu 1>uge׳»uden ch'aui», in dem die gau;e ,laiuilie lebt, ivocheutluli dem .ltbeugeber, der meistens auch der M'ietberr in, > 2ch>lling Miete be;ahleu. Beer am Btimvoch die 2tränen de«t Hn«׳nde-> besuchte, der konnte Tau'eiide von hungrigen, abgemagerten;'eilten ־ i 1H' 1't'tnainln סויה in dct l'iitdunt ott cv wwin! wird.; tk« ' —r ~2'Z' T' PClZ r,'~'Z~'Z'—־; Xer Israelit. umherziehen sehen. Hie 2tre1kenden fordern die (Linsührung des zwölsstündigen Arbeitstages. Hie aunerordentlich lebhasten Reden wurden meistens in,liddi'ch geholten. Hie 2treik׳ührer ermahnen die ver;weiselten Vente zum Aushalten, aber die Aussichten sind schlimm genug. 25» Unternehmer haben freilich den ^wölsuundentag bewilligt, und ihre Arbeiter geben von ihrer kärglichen Einnahme w«׳chenttich 5» 2chilling an die 2treikenden ab, ober diese 2umme ist nur ein Tropfen Wasser aus den heigcu 2tc1u. Hie 2trelkenden beschweren sich bitter darüber, das; die Trade Union der 2chneider sich weigert, sür diejenigeil 2treikcnd>׳n, die Mitglieder des i^cwerkvereius sind, Streikgeld;1, bezahlen, unter dem Borwande, das; sie, ehe sie in den 2treik eintraten, den >h'at des issewerk Vereins hätten einholeu müssen. Hie 2treiker wollen ferner nichts von dem Borschlage des i>sewcrkvereiuS wissen, die;'ösiing der 2treitsrage einem .Komitee der Arbeiter und Mittelmänner zu übertragen. Hie lebtern sind ihrer 'Ansicht nach au den gan;eu traurigen Berhältnissen, die;um 2treike führten, schuld. Berschiedene grvs;e 2etmeid«wsirmen im Wettend sind mit den 2treikeuden direkt in Berbiudung getreten, so das; dem Treiben der Mittelmänner Wahlscheinlieb ein Ende gemacht werden wird. Die Aus ständigen beabsichtigen eine gros;e .Kundgebung ׳aus dem Trafalgar 2guare, und eine Heputation von ihnen wird fiel) demnnchtt mit der Arbeiter vartei des Unterhauses in Berbindung sepen. Arnevilra. öeiunöe ^leitchnahrung unä jüdifche Speifegefebe in nmeriha. "t'oii nm'fvfiii »iorre'vonr!,׳Men.> 2,' e w v ork, 12. Hie Euthülluiigen der vom Präsidenten ernann teil M onimiffion, der Herren Reill u1id2«evnolds, zur Uutersiubuug der Bl'ttände in den gros;en 2chlacht häuser» und ,lleischkonservenfabrikeil in Ehieago haben in gau; ׳Amerika ungeheure Sensation her vorgerusen. Hie Tat׳a«ben wie ne da;uni Bonchei» kamen, sind gerade;» haarsträubender Art. Es hat sich herausgettellt.das; die offizielle ,lnspektion nichts als >iou1öd1e war und nicht verhindert hat, das; mit ekelhaften und anffe«tenden .".rankheiten behaftete Tiere geschlachtet und deren Fleisch als gesund gestempelt nnd auf den Markt gebracht wurde. ׳Altem, i״ 'Benvesuiig übcrgegangeiu ,l-leisch wurde vcrmitteltt Ehemikalien eine frische, schöne ,larbe beigebracht, und i» die Buchsen käme» allerlei ver dordenc uud ekelhafte ,lleischmaterialien, zum Teil sogar von nicht geschlachtetem sondern krepiertem Bieh und «Geflügel herrührend. Schweiitefleisch, von an der Eholera verendeten Tieren gelaugte stark;ur Berwenduug. Hast die׳»'׳ angeuehineu Speise» irnbt ׳'ür den europäi׳«ben Erporthaudel, sondern lediglich für den amerikanischen 11׳tt bettinnnt waren, trägt natürlich nicht;nr Be schwichtigung der ausgercgten amerikauinben Bolks Meinung bei. Ha׳; auch dieser Skandal, obwohl als solcher gar nicht mit ,luden oder ,l"deuti»n in Berbindung stehend, nicht ohne Rückivirkung au»' die laudläungeu An׳'chauungeu bezüglich der indischen ,luttilutioueu blieb, in ange i'ichts der Tat׳'a«be, das; die Spenegeiepe enie» ivichtigeu Teil der jüdischen' Religion bilden, nicht ״erwunderlich. ,lnterenant aber in. das; die׳»'׳ miserable 'Affaire zu einem grosten moralische» Sieg für das orthodore ,ludentuin, zu einem ivahren קד״ט geivorden ist. ׳Amerika jff das ffaud, ivo das R'e׳'or»1judeutum radikalster Schattirung schon ׳eit «Rnieratioueu das groste Won ׳'ührt. ׳-l» de» beliebtesten;'ehren dieses ״sortgeschritteueu" obaubeusi'uttems gehört be kauutlich a»«b die, das; die Spei'egesepe als ein längst liberivui.deuer Aberglaube des Altertums;11 betrachten seien und die «'׳egeuivart keinerlei Berbindlitbkeit mehr be׳»»;,'׳». ,lür die hiesigen Re׳'ormjuden erlffiren die Begriffe »koscher" und ״Tre׳'a^ überhaupt nicht mehr. Hie Rabbiner r hu׳׳'n Sekte ,ich»,«׳,; gar keinen Anstand in nicht 28. ^uni 190«:. jüdischen tRitthäui'ent an verbotenen Speisen nch zu delektiren, und bei grosten ,Festlichkeiten inner halb dieser »kreise hat es bisher zum guten Ton adjm't tiefene Mahlzeiten zu veranstalten. Has »tostberessen wurde als nur für die ״beschränkten, znrüekgebliebenen, abergläubiseben" D rthodoren als passend angesehen, und wer noch Skrupel bezüglich der Speil'egesepe äusterte, stempelte sich selbst damit zu einem noch nicht vollkommen salonsähigen 'Menschen, hats mit einmal ein Erwachen mit Schrecken gegeben. Hurch dir Enthlillungen über die abstoßenden Borgänge in den Ehieagoer Schlachthäuser» wurde die öffeut liche ׳Ausmerksanikeit aus das jüdische Schlacht und onspektionsstistem, gelenkt und der Bergleich fiel mit geradezu verblüffender Unividerleglichkeit zu Oiunffen des lepteren aus. Aus der einen Seite grobe;Nachlässigkeit uud iRfivissenlosigkeit, das schamloseste Berabreichen ekelhafter uud gesuudheitsgesährlicher Stoffe als menschliche 'Rahrnng, aus der audereu Seite peil, liche (R'wiffenhastigkeit uud die strengste nnd ge uauette Sorge, das; nur reines und gesundes, von jedem «Gebrechen freies ,fleuch als mensche» würdige Speise bezeichnet werde. Her »ion trait hat einen ungeheueren Eindruck auf das ö s s e n t l 1 ch e W e m ü t gemacht u » d ist, wie gesagt, zu einem grosten mora l i sch eil Sieg für das orthodore I n d e n t 1! 111. l peziell »'ür das Speisegev geworden. Hie ׳Leitungen, jüdische wie nicht jü dische, bringen groste Artikel über die Borzüge des jüdischen Schlacht und ilspektionsversahrens und die öffentliche Meinung ist so stark davon berührt, das; die j ü d i s ch e 11 »t o s ch e r f l e i s ch b ä » dl e r ei n e b e denk e!׳. d e!! n a h m e in der a l; l i h r e r »k u n d e n e 1 s a h r e n l; a b e u, während anderseits der Haiidel mit Tresafleisch beträchtlichen Ab bruch erlitten hat. Hie Berlegenheit unserer Reformheldeu bei dieser unerwarteten t^estaltung der Hinge ist wahrhaft komisch Insliuktiv fühlen sie, das; eine gro! e Bresche in die Mauer ihrer Theologie gelegt ivorden ist. Her neutestament liche Spruch insbesondere, dessen sie sich stets so gern bedient, ׳״R'icht was zum Mnnde hinein geht, sondern was aus dem 'Munde heraus köinint, macht unrein" hat sie im Stich gelassen. Er hat seine ׳?«üplichkeit überlebt, denn, angesichts der jeßt bekannten Tatsachen klingt eine derartige Behanptung doch nicht mehr einleuchtend. Unter solchen Uin'tändcn tun sie das Bette, n׳as sie können, sie schweigen. Aber dieses Sibweige» ist sehr beredt und jeder versteht seinen Sinn. Bei dem gegenivärtigen Stand der Hinge ist die Aus sührnug eines längst sehnlichtt erlvünschten ortbo dopen Planes, die Schaffung einer aUgemeine», staatlich anerkannten Nonnt of .Scheehita all gemeinen Scbechitabehörde) aus den auerkann testen orthodore» Rabbinern uud;'aien, i״ den Bereich der öglichkeit gerückt. Ein solcher Bori'chlag nnirde jetzt aus groste Stimpathie seitens der;'cgislatur rechnen können. Es wäre auch sehr zu wünschen, das; eine solche Institution gefchaffeil würde, denn, gestehen wir es offen zu, das hiesige so viel gepriesene »kaschrus ist nicht von allem Bkakel frei. Es hasten ihm mancherlei Mängel an, und viel Humbug und Betrug wird iiu ׳R'ameu des Kaschrus geübt. Hurch eine allgeineili nnerkannie Schechitabehörde nnirde für die genaue Aussührung des (Gesetzes Sicherheit geschaffen uud allem Betrug gesteuert. Jeder v»ude könnte daun inhigen 0)c1uütes sciile Fleisch speisen genieselt in der Ueberzeugnng, welche leider heute nur zu oft fehlt, das; sie auch richtig "׳ט: sei, כדה טעה ו״ציאי. Iirtucmarli. »kopeuhageu 10. ^uni. Has hiesige Regierungsblatt veröffentlicht folgende Aussührungen des Herrn Prof. Hr. Simonien: ״Her offizielle Bericht über die ersten Akte der blutigen Tragödie, welche z. in Bjeloffok au׳' geführt wird, liegt ja jetzt in allen Zeitungen vor. Zedermann der die Borgängc in »tifhinew, Sch! lomire, Hömel, Sdessa .׳e. tc. kennt, ivo, was ganz