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Der Israelit · 1906-06-14 · 24 (14.6.1906) · p. Seite 12

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
24 (14.6.1906)
Date
1906-06-14
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Rr 4?־ Leite >2 Du Dein erstes Geld verdienen. Dem Schlome Lorch Hab' ich mein 5talb verkauft. Morgen kannst Du's in die Stadt treiben. Der Binjamin bat seither für jede« stakb. das er bis zu zwei Wegstunden treibt, einen Boxen lvier Kreuzer rheinisch) bekommen. Du kriegst von mir einen Groschen (drei Kreuzer, etwa zehn Pfennige). Für einen kleinen Jungen unb fur?urj?n fin fdjcnjs (Selb, ^fr Binjamin darf aber nicht erfahren, das! ich Dir kleinem Knirps drei Kreuzer gegeben habe; zwei Kreuzer wäre ja auch nicht schlecht bezahlt. Aber weil'S gerade der Anfang bei Dir ist, sollst Du 'nen Groschen bekommen." Das war der Anfang von Mosche Brücks Laufbahn. (Fortsetzung folgt.) einrich Meer. Eine Erzählung von Friedrich Rott. 14!• (*9 war noch vollständig Nacht und empfindlich kühl. Heinrich schloß beide Fenster des Wagens, hüllte sich fest in seinen Plaid, zog die Reisedecke über Kniee und Füße und lehnte sich dann zurück in eine Waaenecke, um die ganze unglückselige Affaire, die ihn schon so viele Zeit und Kopfzerbrechen gekoiret hatte, nochmals zu überdenken von A bis Z. Aber vor seinen geschlosicnen Augen gaukelte beständig das liebliche Bild seiner holden Braut. Bald lächelte es ihm zu, bald wintte es ihm. bald flüsterte es ihm Kosewortr ine Shr: vergebens bemühte er sich, seine Gedanken der Angelegenheit zuzuwenden, die seine Reise veranlaßt hatte, umsonst, der holde Spuk wollie nickt weichen, bis endlich Gott Morpheus ihn in seine Arme nahm. Aber ouck iw Schlafe schien er der Geliebten zu gedenken, wenigstens slüsterie er öfters ihren Namen, während ein glückliches Lächeln seine Lippen umspielte. Gr kchlief ununterbrochen mehrere Stunden, denn er halte nackzukolen. Bis lange nach Mitter nackt war er in seiner Heimat, im Kreise seiner Lieben munrer und vergnügt gewesen, kaum zwei -runden batte er geruht, als die Weckuhr ihn von neuem zum Dagcwrrk rief. Fetzt aber kaue er länger gtsck!a»en. tief »nd gut; als er die Augen oufschlug. war es bereits seil mehreren Stunden Tag und sie hauen eben die Anhöhe er reicht, die hinauf noch Großdors sühn; wenig mehr als eine Halde -tunte und er batte das Ziel seiner Ncise erreicht. Sb sie der Müde wert geivesen war' Doch das batte er jetzt nickt zu überlege», jetzt aalt es vor allein, die ,-seit zu nützen und die Morgen ai.dackl zu verrichten. Mit allem Erforderlichen vor gesehen, öffnete er zunächst die Fenster und goß sich Wasser über die Hände und sprach dann die vorge ׳chriedenen i'rthft«. Als er die Gebetriemen von Kopf und Hand eben abgenommen hatte, kalten sie gerade jenen Punkt erreicht, von wo ein kurzer schmaler Fußweg dir von hier ans ziemlich steile Anhöhe auf warte führt, wahrend der Fubrwcg in Serpentinen wohl noch über eine Birrtelstunbe sich bis zu dem Dorr bin sielst. Heinrich verließ bei! Wagen einer ieils um den Tieren die Last zu erleichtern, anderer- ׳'kits um früher »ein Ziel zu erreichen, und außerdem war es auch weit anacnehmcr, in der frischen Morgenluft nach »ledrstündiger Fahrt die 'Glieder im Geben zu bcwegen, als ne im Fahren noch weiter durchrütteln taffen. Gr befahl dem Kutscher, im Wirtshaus zum .Weißen Rössel' linzutekren und falls er nickt dort itin würde, auf ibn zu warten. Naschen Schrittes machte er sich dann aus den Weg. Was wohl sein Schwager ihm zu lagen haben würde? — Gr begann dock neugierig zu werben, ohne Griind batte d׳cr junge Nkanii ihn sicherlich nicht geluikn. D>e Frage war nur, ob der Grund ein stich׳ haltiger war. Doch er würde ja nun sehr bald kören. Rüstig schritt er auswärts, und während er aufwärts schritt, gewahrte er einen jungen Mann, der abwärts ging und ihn dabei derart firierte. ft!bm?r.icfgfü. c!u? ibn v־1־ Der junge Mann war in Bauerntracht, erinnerte ibn. jedoch durch seine Statur und seinen Gang an feinen Schwager. Und je näher sie einander kamen, desto größer ward die Aehnlickkrit. Seltsam! seltsam! Ter Israelit._ Beide wandten keinen Blick von einander, und als sie einander noch näher gekommen waren und der Bauer grüßend den breitrandigen Strohhut abnahm, da zweifelte Heinrich nicht mehr, baß er in Wirklichkeit den Bruder seiner Meta vor sich sah. ״Herrmann!" rief er laut und eilte mit ausgestrecktcr Hand ihm entgegen. De: Andere schlug herzhaft ein, in di? ihm dargebotene Hand, die er kräftig schüttelte. ״Willkownirn. alter Junge! und habe Dank, daß Du meiner Auf forderung entsprochen hast. Aber vor allem, merke Dir's, hier heiße ich nicht Hrrrmann, sondern Peppusch, und bin Großtnecht bei dem Ningelhofbauer." ״Du bist ein Teufelslerl!" rief der andere staunend, ״aber was ficht Dich an. Dir einen salsü)en Namen bcizulcgen? weißt Tu nicht, daß das nach dem bürgerlichen Gesetzbuche strafbar ist?" ״Was kümmert das mich?" entgegnete .Herr mann, den Kopf zurückwerfend. ״Ich heiße Sebastian Josef .Herrmann Waldsterr. Und daß Beppo, Peppitschek und Peppusch Kosenamen von Josef sind, das weiß doch jedes Kind." ״Beizeihe, ick habe es nicht gewußt; wollte lagen, ich have nicht gewußt, daß D» auch ein Recht hast. Dich Josef zu nennen." ״Aber jetzt, nachdem Du das weißt, wirst Du mir dock meinen reizvollen Namen Pcvvusch nicht mehr streitig machen wollen?" ״Keineswegs. Aber nun sebe ick Deinen Mit tcilungen in dopiwlter Spannung entgegen." ״Und ich erwarte in doppelter Spannung Deine Aeußerung über meine Mitteilungen." ״Also bitte damit zu beginnen, ich bin ganz Svr." ״Was fällt Dir ein, hier aus der Landstraße, wo beständig Leuie vorüber kommen —" ״Du hast recht, Peppusck, ick fange an, einen riesigen Respekt vor Dir zu bekommen." ״Gehorsamer Diener'" versetzte Herrmann lachend, ״beruht übrigens auf Gegenseitigkeit " Heinrich lüftete gleichfalls lächelnd seinen Hut. ״Aber wie kommt die Kuh vom Gise? ick meine, wo werde ich Deine Enthüllungen entgegennebmen?" ״Habe schon für alles gesorgt. Im Wirtshaus zum Weißen Röst'el befindet sich ein sog. Gartenzimmer, dessen Fenster nämlich zum Garten bin führen, das vollitändia isoliert lieat. Ich habe den Wirt zum Bortrauten gemacht, und habe ihm unter dem Sieoel strengster Berschwiegenbeit mitgeteilt, daß ich einen noblen Herrn aus der Residenz erwarte, der fick in meine Schwester verliebt bat und sie heiraten lvird, dein ich basier gerne Gbre erweisen inöckic. Gr bat mir darauf das Gartenzimmer zur Ber sügung gestellt, mit der Zusicherung, daß wir dort ganz ungestört sein werden, er selbst wird uns bringen, ivas!vir wünschen und wird uns dann sofort allein taffen und dafür sorgen, daß keiner seiner Leute in unser Zimmer kommt. Gr fühlt sich nämlich unae hrucr geehrt durch mein Bertraucn und steht in de greiilicher Spannung der Bekannttcstaft des noblen Herrn entgegen, der die Schwester des Peppusch heim zu führen beabsickligt." ״Gr denkt sich die Schwester des Pevpusch vcr mutlich als ein echtes dralles Bauernmädchen." sagte Heinrich lachend. ״Höchst wahrscheinlich, aber was schabet das? Meta weiß nichts davon und wenn sie's erfahren nürde, würde ße's auch nicht übel nehmen." ״Gewiß nickl, es würde sie nur amüsieren, wie es mich amnsteri. Aber Du bist ein Prachtjunge, Pevpusch, und meine Neugierde in bezug auf Deine Mitteilungen steigert sich mehr und mehr." ״Werde mir sehr bald die Gbre aeben. dieselbe zu befriedigen, denn wir sind bereits an Srt und Stelle, unser Hotel liegt vor uns. Grüß' Gott, Herr Wirt!" riss er dem in der Türe stehenden view sckrötigen Manne zu. ״Grüß' Gott. Peppusch!" erwiderte dieser, die Pfeife aus dem Munde nehmend uud die Kommenden mir neugierigem Blicke musternd. ״Hi-r brin.-ie iw den Herrn — JK7 wißt schon — ist das Gartenzimmer bereit'" ״Ist in allerbester Srdnung. Gnädiger Herr, ich bade die Gbre —" Gr verneigte sich tief und wg die gestickte Hauskappe ab. n. F»ni 11« »i. Heinrich erwiderte den Gruß indem er mit dem Kopfe nickte und an den Hut griff, denselben jedoch nicht abnahm, sondern noch tiefer in die Stirn drückte, denn er hatte den cedsellgen Röffelwirt sofort erkanni. hielt es jedoch für geraten, wenigstens vorläufia nickt erkannt zu werden. Der Wirt ging voraus ln da- Innere des Hauses. ״Darf ich die Herrschaften bitten, mir!!, folgen?" ״Jetzr bin ich auch eine Herrschaft," lächle der Peppusch, indem er mit dem andern dem Wirte folgte. ״Na. warum denn nicht?" versetzte dieser, sich zu ihm wendend und dem schmucken jungen Manne in das jugendlich frische Gesicht blickend. ״Ihr seid der sauberste Bursch im ganzen Torfe, man braucht Guch nur anzuschauen, um sich über gar nichts zu wundern über rein gar nichts —" 3״t, st. He-rc Wirt! Diskretion ist Ghrensack-e." ״So heißt es immer in der Zeitung/' entgcgnele der Wirt schmunzelnd, ״na. seid nur ohne Sorgen. Peppusch, der Röffelwirt lveiß, was er tut." Gr hatte bei diesen Worten die Tür eines Zimmers aufgestcßen und forderte durch eine ein ladende Handdcwrgung seine Gäste zum Gintreten auf. Gs war in Wirklichkeit ein freundlich an heimelnder Raum, an den weißgetünchten Wänden hätte auch das schärfste Auge lein Stäubchen ent decken können, obgleich die Strahlen d-r Morgensonnt nahezu blendend darauf fielen und durch die weil geöffneten Fenster strömte die erfrischende Höbenlufi in den von der Sonne durchfluteten Raum. Auf dem weißgedeckten Tische prangte ein zwar nick! duftender, deck farbenprächtiger Blumenstrauß. Brot und Honig, sowie buntbemalte Taffen mit gleich Silber glänzenden Löfsel.chen schienen zum Frühstück einzuladen. ״Das habt Ihr gut gemacht, Herr Wirt." sagre Peppufch, dem voll innerer Genugtuung ihn Anschauenden auf die breite Schüller klopfend. ״Befehlen die Herrschaften Kaffee oder Tee?" ״Bringt beides," entschied Peppusch, ״aber gut n,uß beides sein, kein Gickoriengesöfs, statt Kaffee und kein Heuausguß, statt russischem Tee." ״Unbesorgt, Peppusch, unsereiner weiß ouck, Ivas sich gebührt, der gnädige Herr wirb zufrieden sein." ״WvUen's hoffen, Herr Wirt. Könnt auch einige rohe Gier mitbringen und ein Gläschen Rum zum " ״Vielleicht auch eine .Handvoll Brunnentreffe und Schnittling?" ״Wenn es schon abgeschnitten und gewaschen in, könnt Ihr' - mitbringen, sonst nickt, denn es wird spät und der .Herr hat noch nicht gefrühstückt." ״'s wird alles sofort zur Stelle sein." Der Diensteiftige eilte hinaus und kam wirklich in sehr kurz-r Zeit mit allem Bestellten zurück. ״So," sagte er, die verschiedenen Gegenstände aus dem Tische ordnend, ״nun wollen sick's die Herrschatten gut schmecken lassen. Und falls noch 'was gewünscht werden sollte, so bitte nur vom Fenster aus nach mir zu ruien, ich bin da drüben in der Tenne, nach den Dreschern zu schauen." ״Gndlich ist er fort," sagte Heinrich, nachdem sich die Tür hinter dem sich Gntfernenden geschloffen halte, ״nun Herrmann, spanne mich nicht länger auf die Folter, laß hören, was Du zu berichten hast." ״Gleich, gleich." versetzte Herrmann, ״Du mußt zuvor nur etwas genießen. Darf ich Dir eine Taffe Tee einschenken? oder irinkst Du lieber Kaffee?" ״Wenn ich um Tee biiten dürfte. — Aber nun lasse Dich nicht länger bitten, Herrmann, Du scheinst doch schon g-frübstückt zu haben und während ich meinerseits diese Arbeit vollbringe, könntest Du Deine Gröffnuiigen vom Stapel lassen." ״Gleich, gleich, lieber Freund. — Gile mit Weile. — Wenn ick nur wüßte, wo ich anfangen soll." ״Fange am Gndr an. da steckt vermutlich die Hauptsache. Also sage mir vor allem, was käst Du entdeckt? — oder was glaubst Du entdeckt zu staben? ״Was ich entdeckt zu haben glaube? — stm. das ist eine sehr kritisch« oder vielmehr kritisierende?fragt. — Aber ich glaube es nickt nur, moralisch bin rck elsenfest überzeugt, daß ich — den Mörder deS Kindes entdeckt stabe." (Fortsetzung folgt.)

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