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Der Israelit · 1906-05-25 · 21 (25.5.1906) · p. Seite 13

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
21 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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•.>־». OTjl ÜMKi. tir.<m von Gustav voroenommenen llnternrhmen de tciligen werde. 'Was Iomtof Schiff riskierte, konnte er auch wagen. Sein: Habsucht war wieder reger als lange zuvor, ln hörte mit gesteigertem Interesse den Ausführungen zu und nach kurzem Bedenken erklärte er sich bereit, sich zu beteiligen, Gr hatte es nicht zu bereuen, denn >chon nach einer Woche teilte ihm Lim bacher mit. das; bereits ein großer (Gewinn erzielt sei. Bon diesein Toa/ an B(o>er Unrn wisver. umgänglicher; n tadelte weniger wie früher, war aufgeräumter und blieb häufig halbe Tag lang dem Kontor fern. Ueber seine jetzigen C׳iefdKifte be obachtete er tiefes Schiveigen, auch seiner Frau gegenüber. Fast jeden Bormittag verlies; er nach kurzem Aufenhalr sein Geschäft, ging zu Limbacher. wo er fast regelmäßig Schiff traf. Diese drei bildeten ein Triumvirat, das bald die Aufmerksamkeit der übrigen Ginwobner auf sich lenkte, zu allerlei Ber mutungen Anlaß gab, worüber aber kein Ausschluß zu erlangen war. Nur darüber waren alle einig, daß diese drei reichen Lenke nickt zusammenkamen, um politische oder philosophische Gedanken auszutauschen. 15? gab im Grunde nur zwei Dinge, auf die sich der Dreibund Lirnbacker, .lioin, Schiff, ausbaute: näm!ich große gemeinsame Gescfaste, oder HeiratSoläne. Das letztere schien jeberinann fast selbstverständlich: nur über das Wie gingen die Meinungen ausein ander und gab e» mancherlei Kopfzerbrechen. (Fortsetzung folgt.s Zysinrich Meer. Gi»e Mrgiblimg von Friedrich Nott. lsc, ״Fragen Sic," flüsterte er. ״Also vor allem-, was hätten Sie getan oder nicht getan, tvenn Sie gewußt hätten, daß Mama Jüdin gewesen ist?" Dunkele Glut überzog für einen Moment sein Angesicht, um gleich darauf erdfahler Bläff; zu weichen. ..Wenn ich das gewußt hätte — toenn ich das gewußt bätte, batte ich nie und nimmer meinen Glaube» verleugnet — hätte den Tod meiner Mutter nicht auf dem Gewissen," fügte er in sich erschauernd hinzu. .,Das verstehe ich noch immer nicht." sagte das junge Mädchen,!eile den .Stopf schüttelnd. ״Lassen ׳^ic mich ausreden, Meta." fuhr er fort, mehr und mehr seine Fällung erriziqend, ״ivenn ich das gewußt hätte, büiic ich meinen Glauben nimmer verleugnet, denn es wäre mir ein leichtes gewesen, Ihren Bater zu überzeugen, daß auch obne meinen Ilcbcrtritt die von uns ersehnte Berbindnng kein? sog. Mischehe gewesen wäre." ..Niel,!?“ ״Nein, Meta, nein. Denn nach jüdischer Anschauung. nach dem jüdischen Neligionsgelek richtet sich die Konfeffior des Kindes nach der der Mutter, die Tocbtcr der Jüdin ist Jüdin, mag auch der Bater einer anderen Narionalität entstammen." ״Aber ich bin getauft." ״Gleichviel, die Taufe ist Menschenwerk, hat nach jüdischer Anschauung weder Straft noch Wert." ״Demnach wäre ich Jüdin!" rief Meta, die Hände zusammenschlagend. ״Nach jüdischer Anschauung sind Sie es aller dings.' ״Und Sie glauben. Ihre Mutter —יי ״Wenn meine Mutter Sie gekannt hätte, hätte sie hofsnungSfreudigen Herzens unsere Hände in ein׳ ander geleat, davon bin ich fest überzeugt." ״Aber sie hat mich nicht gekannt," flüsterte das junge Mädchen errötend, ״ihr Schatten siebt trennend zwischen uns — Sie haben es selbst gesagt." ״Ich, habe es gesagt, das ist wo.br — aber es war ein Irrtum. — Jetzt aber weiß ich mit Bestimmtheit, im Sinne ineiner Mutter zu handeln, und ich glaube, auch im Sinne Ihrer Mutter, indem ,ck Sie ausfordere, sich offen zu jener Konfession zn bekennen, der Sie i^urck die Geburt angehören; daß Sie den Pflichten, die S-ie dadurch anerkennen, nach jeder Richtung hin entsprechen werden, dafür bürgt Ihre ernste Pflichttreue. Und darum weiß ich auch, duß ich, abermals im Sinne meiner Mutter bandele, wenn Ter ,Zsraelil ich Sir bitte — in ständigst bitte — vertrauensvoll Ihre Hand und damit Ihr Geschick in die Hand des jenigrn zu legen, dessen ganzes Streben dahin gehen wird, das ihm geschenkte Bertrauen zn rechtfertigen — Sie zu bealücken." Seine bebende Stimmt war leiser und leiser geworden, sie hatte ihn dennoch verstanden und in ihrem liebliche» Angesicht stieg und schwand die mufa in ״Meta!" flehte er. ״liebe, liebe Meta! — darf ick! hoffen 2 — haben Sie kein Wort für mich?" Langsam hob sie den Blick zu chm empor, ater ihre bebenden Lippen strebten umsonst, einen Laut hcrvorzubringen, da mit raschem Gntschluß reichte sie ihm die Hand, die er mit lautem Jubel an seine Lippen drückte nnd mit glühenden Küsse» bede-ite. ״Mein' mein!" Sie wehrte ihm nicht, auch nicht, als er den Arm um sie schlang und sie an sich zog. an sein wild pochen des Herz und Licbesworte ihr ins Dhr flüsterte. Wie ein Taumel war es über sie gekommen, ihr >var. als läge sie in tiefem Scklas nnd ein wunderholder Traum schmeichle den schlummernden Sinnen. Aber sie mußte erwachen, wollte sich mit ine Walt den ncrmeintlichen Traumesseffeln entrtis;en nicht ohne Anstrengung richtete sie sich ans in den sie umschlingenden Armen und blickie wie staunend um sich. ״Ist es kein Traum?" fragte sie leise. ״Heinrich, mein Heinrich, bist Du in Wirtlichkeit bei mir' sprich zu mir, ist es kein Traum?" ״Gs ist kein Traum. Geliebte, es ist glückliche, beseligende Wirklichkeit, das Hindernis, das uns trennte, ist gcschwunden, oder dielmebr, cs war Nie vorfanden, es war ein Irrtum." ״Gin Irrtum!" wiederholte sie leise, indem jie die leuchtenden Augen zu ihm hob. ״Gott sei Dank! Gott sei Dank, der diesen Irrtum ausklärt. O mein Gott! mein Gott!" fuhr sie flüsternd fort, indem sie die Hände tvie »lehcnd empor streckte, ״wie kann ich Dir genügend danken, aber mit meinem ganzen Leben will ich Dir danken, indem ich alles, was Du Deinem Botke geboten hast, strengstens beobachten ivcrde." ״Davon bin ich überzeugt," sagte tönnrich. sie abermals an sich ziehend, ״wenn es Dich vielleicht auch manches Dpser kosten wird. Aber wenn Du unsere hciligen Lehren erst kennen wirst in ihrer Ginsacdbeit, ihrer Klarheit —" ״O, ich weiß viel mehr von unseren heiligen Lchren, als Tu glaubst," unterbrach sie ihn. indem sie das Wort ״unseren" besonders betonte und ihm dabei mit glücklichem Lächeln die Hand drückte, ״jetzt ver stche ich's, ober damals habe ich oft darüber gestaunt, daß sich Mama mit dem jungen Weißkopf, der nahezu ein Iabr lang bei uns gewohnt hat. so gern und so oft unterhalten bat. Gr falte einmal in Mama» Gegenwart unserer Dienerin gesagt, er dürfe einen Brief, den ihm der Briefträger gebracht hatte, des Sabbates wegen nicht aufmachen, woraus das Mädchen sich erbot, denselben zu öffnen. Daraus hat Mama ihn BieleS gefragt und er hat olles so klar nnd einleuchtend beantwortet und so viele interessante Bemerkungen dabei gemacht - und seitdem ist, wie ich glaube, kein Tag vergangen, an dem Mama sich nicht mit ihm nnterfalten hätte, nnd immer über reliaiös« Angelegenheiten. Mich haben diese Gespräche sehr interelliert, aber gestaunt habe ick darüber, um so mehr, weil Mama ehedem für religiöse Fragen kein Intereffe gezeigt. Jetzt freilich ist mir alles klar und ick> glüiibe sogar —" Sie hielt inne mit schwerem Atemzug nnd was sie glaubte, kam nicht über ihre Lippen. ״Wo nur Herrmann so lange bleibt." begann sie von neuem, ״der wird staunen." ״Gr wird nicht staunen," erwiderte Heinrich läihrlnd, ״er bat nach Schluß der Gerichtsverhand׳ lung auf mich gewartet und sind wir zusammen her gegangen. Ich habe ihm alles mitgeteilt, auch daß ich abermals um Dich werben!volle. Gr meinte, dazu gehöre kein Tritrer, er tvrrde in seinem Zimmer daS Resultat meiner Werbung abwarten; wenn es Dir recht ist, gebe ich jetzt hinüber und teile es ihm mit." ״Gleich, gleich, nur noch einen Augenblick. Sage mir — fast Tn schon mit Deinen Geschwistern darüber gesprochen?" 1 > Nr >1■ Gr schüttelte verneinend den Stopf, während eine leise Nöte ihm in die Wangen stieg. ..Außer mit Deinem Bruder habe ich mit keinem darüber ge sprechen. Aber mit meiner Schwester Gmmi habe ich oft von Dir a/kprochen und sie kennt Dich persönlich ich weiß gewiß, jubelnd wird sie Dich als Schwester begrüßen." ״Das glaubst Du." siel sie ein, ״aber Du weißt es nickn. Höre mich an. Geliebter. Bom Sland Punkt Deiner Geschwister aus würde ich es ja te glkislich finden, wenn sie die als Gtnistin Grzogene nicht sofort freudigen Herzens als Schwester begrüßen ivürden. Ich aber bin in dieser Beziehung sehr empfindlich, ein kühler Gmpsang Deiner Geichivister würde mich überaus schmerzen. Darum wäre es mir licb, wenn unsere "Verlobung vorläufig Geheimnis bliebe, wenigstens so lange ich hier bin." ״Ginverstandcn. Gkliebte. Nur Gmmi muß ich noch heute alles mitteilen. sie dürste mir mit Neccht» zürnen, wenn ich auch ihr gegenüber ein Geleimnis daraus macken würde." ״Glkichsallc einverstanden, alio Herrmavn und Gmmi werden ins Bertrauen gezogen, sonst keiner." Die Zeit schritt vor, die Grnte i.hu vorüber, in und um den Bauernhöfen vernahm man nunmehr das eintönige Geräusch der Drrscfar und atmete die durch den Gelreidestoub verdichtete Lust ein; doch darum kümmern ßck vir Landl-mte nicht. In dem Niuaelfaf herrschte seit läiigerer Zeit eine überaus nnfreudige Stimmung: das ehedem geradezu musterhafte Berfaltnis zwischen dem Bauer und der Bäuerin war getrübt seit der Großknecht vor dem Gcrichrshof ausgesagt hatte, daß man vermute, dasermordete Kind wäre nickt der Giesse, sondern dcr natürljckre Sobn des Ningelbosbauern. Das konnte ihm dir Bäuerin nickt verieiken, um leine» Preis! Mochte er auch noch so oft, mochte er auch bei all.׳» Heiligen schwören, das׳ die erwähnte Ber mutnng grundlos warum batte er dieselbe beim Gericht nickt sofort zurückgewiesen? - Zwar de fauptetc er, sofort beim Gericht die Behauptung al; Lüge bezeichnet zu haben. Aber das war mit Nichten geschehen, das wußte die Bäuerin mit Bestinimtheit. denn sie war geg-nwärtig gewesen, sie und ihr ganze; Haiispersonal. Dre Verstimmung im Ringelhvs hatte zuge nommen, seit der Großknecht vor einigen Wochen an einem Feiertag während eines Gewitters sich mit seiner Geliebten unter einen Baum geslüchiei faiir und vom Blitz aetrosfen worden war. Das Mädchen hatte der Blitzstrahl nur gestreift und daher nur de täubt, sie erholte sich rasch, aber der Knecht war tot. Daß sein jäher Tod mit seiner Zengenanssage im engsten Zusammenhänge stünde, darüber!varen alle einer Meinung. Dock!fahrend die einen de haupteten, es wäre die Strafe weil er Unwahres ausgesagt und beschworen, da sie ehedem nie davon gekört, behaupteten die anderen, der kleine Wenzel wäre allerdings des Ringrlhofbauern Sohn gewesen, aber der Borsitzende des Gerichtshofes selbst hätte zugestimmt, faß diese Tatsache nicht zur Berfandlunq gehört und daher wäre es strafbare (Geschwätzigkeit von seiten des GroßknrchteS gewesen, sie öffentlich auf Tapet zu bringen und dadurch ein bisher glücklichr» Familienlcben zu untergraben. Die Bäuerin hatte seitdem nie wieder mit dem Großknecht gesprochen und auch mit dem Bauern!״echselte ste selten ein Wort, ein freundliches nie. Das Grab des ermordeten Kindes, dessen Name nie wieder über ihre Lippen kam. mit dem sie bis zu der betreffenden Gerichtsverhandlung einen wahren Kultus getrieben, das sie Tag für Tag mit den schönsten Blum-n geschmückt, hatte sie seitdem nickt wieder besucht und fas kleine Bett, in dem fas Kind geschlafen, das sie bis dahin mit einer Art Pietät de wahrt hatte, hatte sie mit grimmigem Lächeln im Lfen verbrannt. Hätte sie nur auch jede Grinnerunq daran vernichten können' — Sichtlich schwand ste dahin und alles Zureden ihres Mannes und ihrer Freunde, sie möge die unliebsame Geschichte schon endlich der Vergessenheit anheim geben, war ver« gcbens. Sie konnte weder vergrffen noch vergehn. (Fortsetzung folgt.)

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