Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 17 (26.4.1906)
- Date
- 1906-04-26
- Page
- Seite 10 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr IT. £»1t« lu. Ter J-raelit. 46. April 1906. Steinhardt hatte scharf erwidert und in dem Tone der höchsten Entrüstuna. aber immerhin noch in den Grenzen der 'WtiSnnh«. Die iunarn und alten Ltoliegen, die ihm in den ״Blättern für Erz. u. Unter richt" sekundierten, hielten diese nicht immer ein und drjonders Herr Schweitzer Glogau tat sich in einem Artikel ..Der verbannte (?) Verband" durch seine Gehässigkeit hervor. Auch Herr Gut, dem Herr Dr. Eahn besonders scharf zuleide gegangen war, versuchte seinen Stand Punkt im .Israelit' zu rechtfertigen. Zugleich aber ries er die Entscheidung des Herrn Seminardirektor Dr. Hosmann Berlin als oberste religiöse Autorität an und diese fiel gegen ihn aus. Herr Dr. Hofmann erüärte es für einen “'אם dem Verband anzugehören oder gar ihm beizutreten und Herr Gut zog dir Konsequenz aus dieser Erklärung und trat trotz großer pekuniärer Qpser auS dem Verband, resp. aus dem ^vvinzialverein, dem er bisher anaehört hatte, aus, was wir bei seinem Eharakter gar nicht anders erwartet hatten. Wir sind ihm aber zu besonderem Danke vervslichtet, dasi er eine K l ä r u n g der Situation hervorgerufen hat. lieber die Entscheidung des ehrwürdigen Leiters des Berliner Rabbiner׳ seminars werden auch unsere gesetzestrruen (Gegner im Verbände nicht hinwegkommen. Dieser muhte es sich freilich gefallen lassen, das; ihm Herr Steinhardt im VcrbandSorgan vorwars, er h»׳.be einem Manne ״Schlepperdienste" geleistet, den er mit G'.lennienger und Herr Direktoi Adler gai mit Torquemada und Beter Arbues verglichen batte, lind keiner der vielen Schüler und freunde des An gerissenen dielt cs der Blühe wert, ihn gegen eine tolche Beschuldigung ׳!-׳. verteidigln' ükdtt i>!e ' «»ft Äkldaüik ks isriklititlini Srlipnsunimidits. Von Phiueno [6. Sort'etzuiig. II u. . '))!an Iväre versucht auszuruten: ackhue.^ul> judice 11s esUHuraz). Denn nachdem der für den deutschen Unterricht last allgemein rezipierte Schreiblesklintkrrict'i nach Lage der Verhältnisse hier unmöglich ist, griff man zu den verschiedensten Hilfsmitteln. Adler in seiner Renaissance des Lese Unterrichts bat darüber sehr richtig distuiiert. Es sind zwei Wege zu unterscheiden, erstlich wie ntu!■ dem Kinde das Buchstabenbild überhaupt beidringt, zweitens wie man die Verbindung von Konsonant und Vokalzeichen einvrägt. s^ur das erstere lxii in Konsequenz der Stechkaus'schen ^dren Adler seine Buchitadenbi^er ge'ctwssen, während die Nkarx'schen Leseiaseln Lautier und Sullabiermkihodk darstellen. Die große. iveite Reihe von Lesesibeln schlägt die rerschiedensken Wege ein. Lfin Versuch mil der Iacototschcn Methode ist meines Willen-׳ noch nicht gemacht worden, dürste wohl deshalb schivierig sein, weil die Kleinen aus den Familien, in denen nicht hebräisch gebetet wird, keinen Vorrat an sog. Normal Wörtern mitbringen. Seitdem man sogar die Namen von Sadbak und Festtagen mit Lesewörtern aus an deren Sprachen (Samstag, Qstern. VrrsöbnungS tag etc.) bezeichnet, war für Kinder aus einem!veuig irligiösen Milieu gar lein Erfolg mit dieser 'Methode zu erzielen. Es ist schade, denn die Anivendung der durch Rechner gefundenen Ijortbildung dieser Methode würde den Leseunterncht sehr beleben. Aber so lange auf diesem Gebiete das Ringen nach einer Methode noch sortdauert, so lange insbesondere deshalb eine Einheitlichkeit nicht ׳nützlich ist. iveil ein Teil de! Kinder schon eine Spiaüie ,deutsch» lesen kann, che der bebräiscde Leseunterricht einsetzl (in Elementar schulen), so lange werden nur einzelne Richtpunkte aufzustellen sein. Welclx Grundmetbode immer man cnwendet. dürfte es empsehlenswert erscheinen, zu erst die Volale, dann einen Buchstaben dann de V,rbinduna dieses Buchstabens mit allen Vokalreichen, dann die übrigen Buchstaben aus Grund ihrer Iormenähnlichkeit. dann Sch'wa, dann erst ה ,ע ,א cm Schluß zu üben. Dagrsch kann die Reihe schließen. Auf allen weiteren Stufen sollte das Lesen verstandener Terte, also der Terte des lieber setzungsunterrichtS, in den Vordergrund gestellt wer den: auf die Erlernung der Betonung durch die Uebung soll Gewicht gelegt werden in der Qberstuse. 15s braucht kür Fachmänner nicht binziiaesügt zu werden, daß sowohl das Hören von guten Mustern tVorlrsen durch den Lehrer), als auch dir Uebung unentbehrliche Hilfen sind. lieber die Irage der Notwendigkeit der Tis ziplin des Schreibens ist bereits in Nr. 8 dieser Blätter gesprochen; die stzertigteit ist nur durch Uebung zu erlangen. Es ist nicht zu übersehen, daß der Schreibunterricht in der hebräischen Sprache eine andere Stellung einnimmt, indem er wobl frühestens im dritten Schuljahr einsetzt, also vollkommene Be׳ herrsch»»« des Lesens vorfindet. Es genügen also Schreibvorlagen, welche Quadrat und Kursivschrift nebeneinanderstellen und geeignet sind, die richtige Anwendung der Vokalisation auch für das Schreiben zu demonstiicren. Diese Methode absorbiert wenig Zeit von dem allgemeinen Unterricht, da der Schwer- Punkt aus häusliche Uebung zu legen ist. Sorg faltige Korrektur seitens des Lebrres und Iehler Verbesserung seitens des Schülers muß verlangt iverden. Zuerst ist die Uebertragung aus hebräischen Teilen zu üben, erst wenn diese gut eingeprägt ist. kann durck eine zweite Schreibvorlage die Ucder tragung deut'cher Teile gelebrt werte», Ein Diktat ,1, icuciii s^üüruu erIche!nt wünschenswert. II 1 11. \ Grammatik und Uebersetzen. Wenn auch in den Ausfiihrungcn über das ״Was" (<•('. Nr.!0 11. 12 dieser Blätter) das Wesent lirttt auch über die Art der Behandlung dieser Dis ziplin t>ereitS gesagt ist, dürste eine eingehendere Diskussion der Zusammenfassung nochmals am Platze sein. E-׳ ist ausgemacht daß Sprachlehre nur insoweit Uiiterrichlsaegenstand der Volksschule sein soll, als sie verständiges Lesen fördert und allenfalls im Dienste "es Aufsatzes und der Rechtschreibung steht. Setbstzweek ist sie also auch in unserer Elementar 1um1t ui'ul uiiu u’ii Vliesen sl!r unseren hebeaIschen. Unterricht gewiß diese Iordeenngen nicht stellen. Trotz der Autorität Disterwegs müssen wir von der!rühren^ זזי Anweisung zur Behandlung deutscher Le'estiicke vor geschlagene Methode bei den in der vorigen Nummer dargestellten Satzübiinaen berücksichtigt sind. Wenn also beispielsweise eine Serie von Sätzen durckge ncmmeu ist, welche die einzelnen Iormen des rersön lichkn Fürwort׳- enthalten, dann wäre in dem Leit faden dasselbe nie die nächste Stunde outzugeben (Ich möchte hier hinsichtlich der Terminologie bemerken, dasi man von der jüdischen Terminologie absehen kann und im übrigen diejenige anwenden soll, die im allgemeinen Unterricht eingeführt ist. so daß nicht etwa die Kinder im deutschen Unterricht von einem ״Tu oder Tätiqteitswort", im jüdischen hin gegen von einem ״Verbum" hören). ES hätte hier nach dabei zu verbleiben, daß die Mustersätze methodische Entwicklung der Sprachsormen ent halten. Erst aut der Oberstufe kann gesonderter grammatischer Unterricht erteilt werden. (Ein anderes Bild ergibt der Unterricht in den ')Nittel schulen, in denen ja der Sprechunterricht an und für sich genz andere Ziele verfolgt. Hier soll schon in der Sepia hebräischer Grammatilunterricht ein setzen und zwar zuerst das persönliche Fürwort, dann das Verbum, dann erst das Nomen.) Es ist freilich bei der Volksschule niemals zu übersehen, daß vom methodischen Standpuntte aus hebräische Grammalil und Uebersetzen ein Stofs ist, den sonst das Disziplinengebiet der Volksschule nicht kennt. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß durch die außerhalb jeder Disiussivu stehende Notwendigkeit der Einführung dieser Unterrichtsgegrnstände die jü dischk Schule das Niveau der Elementarschule ver läßt und ein Eharakteristikum erhält, das sonst ein wesentliches Moment der sog. Mittelschule ist (fremdsvrachlicher Unterricht). Vielleicht ist» es hieraus abzuleiten, daß dieser Punkt einer 'Methodik iw. engeren Sinne des Wortes hindernd in den Weg tritt. Hier klafft eben ein Widersvruch. Im Rahmen elementarer Schulen ist kein Raum für diese Disziplin. Methode» aus anderen Schularten fügen sich schwer in das Ganze des elementaren Unterrichts. Und wenn ma» füglich vom Grammatik Unterricht absieht, so verbleibt als stzremdkörver die Lektüre. Ich würde überhaupt Vorschlägen, den letzteren Ausdruck statt des bisher gebräuchlichen — ״Uebersetzen" einzusühren. Damit iväre klar zur Anschauung ge brach!, daß bei dieser Disziplin das sprachliche Mo ment in den Hintergrund gerückt iverden soll und nur als Hilfsmittel für das unbedingt zu erzielende Xjcf fiuuuiu» tn,44wv«*c* «V..». Welche Methoden sind Venn nun eigentlich bisher bei der ״Lektüre" zur Anwendung gelangt.* Nach Lage der Verhältnisse laufen sic alle aufs Memorieren hinaus: entweder der Lehrer griff ein Bruchstück grausam zerrissener Sätze heraus, übersetzte diese und ließ sie so oft wiederholen, bis sie einigermaßen im Gedächtnis der Schüler hafteten, oder an Stelle de, vorübersetzenden Lehrers traten interlineare (Iavhei) oder kolumnenartig beigefügte «Kroner, Wiesen) Uebersetzungen, oder hebräischer und deutscher Tert lagen besonders den Kindern vor «das Extrem dieser Mctbotze ist eine verkehrte Anwendung des Einstädter'schen Uebersetzungswerkes), oder endlich gar — »it venia vei ho — die Kinder bekamen ein i» der Schule überhaupt noch nicht übersetzles Quantum zum ״Lernen" auf, was dann recht hübsch und manierlich abgehört wurde. Im großen und ganzen münden diele Metbvden alle in den Sumpf, dc"en Betreten von unseren Mittelschulen mit Recht durch das Verbot der sog. Eselsbrücken ängstlich vermieden wird: und woS übereinstimmend von allen väda gogisckien Autoritäten als veriverflich bezeichnet wird, das kann doch füglich iür unsere jüdischen Schulen nicht empfehlenswert erscheinen, Nickst, als ob ich einen Stein aus alle bisherigen Lehrmethoden und Erfolge ex cathedra werfen wollte: es iß ja ge nügcnd bekannt, welche in dem Zeitmangel und der Neberbürdunasklage liegenden Momente zu dielen Wegen zwangen. Allein alles muß klar a11»a~ sprachen werden, die Ueberschrist dieser Plaudereien lautet ja nicht umsonst: lieber die ״Möglichkeit" etc. Sollte sich eben insbesondere bei diesem Punkte die llnmöglichkeit einer wissenschaftlich anzuerkennenden Methode herauss'elle״. in müßte di?s (livv und klar eingestanden werden. Qb dies weittragende Kon scqucnzen batte, ist ja vorläufig nickt abzuleben. Aber sollte nickt dock eine Aenderung möglich sein, wenn auch aus Kosten des ״Quantum"? Da wäre die erste Iolderuvg, daß der Schüler dadurch, daß ihm die Möglichkeit geboten wird, selbständig mit Aufwendung von geistiger Arktik, des Denkens, nicht bloß des Gedächtnisses, in einen Tert einzudringen. mit dcmselden eng? verwächst und das Gelernte ibm als ein Eriolg erscheint. Ist dies mög lich? Bielleicht mit Hilfe d?r bereits öfters erwähnten Mustersätze; sind durch diese, und das ist allerdings unerläßliche Voraussetzung, die häufigsten Iarmen des Sprachschatzes dem Schüler vertraut, so diktiert der Lehier eine Präparation. die immerhin eine ge wisse Arbeit des Schüler» ooraussetzt: mit dieser Präparaten muß der Schüler für die nächste Stunde den Tert einigermaßen zu übersetzen lernen, etwaige von ihm nicht eruierte Stellen muß er sich notieren. Dann wird übersetzt und für die nächste S runde repetiert. Ein Beispiel möge das Gesagte erläutern: ich wähle Genesis .XXII, 4. In der Präparation müßte stehen ״= נשא את ע־ן -אד =יד= פ; י־־זר? Hier wird der begabte Schüler bloß ״שא nickt ver stehen, der Minderbegabte vielleicht auch mit ביים und ם *"זק Schwierigkeiten iinden. Dieie zu heben, ist Sache weniger Minuten. Das Waw consrcutivum ist lediglich als Uebersetzungsbilfe (mit da, aber, etc.) zu erklären. Ich bin überzeugt, daß sodann ein normat be gabter Schüler bei der Präparation des nächsten Verses auf Grund des gebotenen אפר ohne iveitercS die srorm ״א.ם״ zu uderjetzen imstcmve ׳ein wird. Nehmen wir nun an. das auf Grund dieser Thesen zu schaffende Präparationsbuch wäre vorhanden, dann wird im Endeffekt sogar das Quantum fast dem jetzt erreichten nicht viel nachsteben. Die zweite Forderung für die ״Lektüre" körnte kurz in dem Wort ״Parallelismus" zusammengefaßt iverden, Anschluß au den Fachunterricht wie r» in der pädagogischen Terminologie heißt, innerer Ausammenhang mit den Disziplinen Biblische Ge schichte und Religionslehre, wie man eS in das Idiom der jüdischen Schule übertragen könnte. Es muß ferner darauf geachtet werden, daß dem fortschreitenden Verständnis Rechnung getragen wird. AuS all diesen Erwägungen gelangt man zu der Tbcse, daß die Lektüre des Pentateuchs vor der Lektüre des Ge brtbuches einzusetzen hat. (Schluß folgt.)