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Der Israelit · 1906-03-29 · 13 (29.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
13 (29.3.1906)
Date
1906-03-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Ein Cenfraiorgan für das ortfsodoxe Judentum Begründet 000 Dr. Lehmann in Main! 47. Jahrgang. ^rnuhfurt n. M., öcu Der Israelit erschernl jede» Do merslag. Abo«»e1ne»tS: Gewöhnliche Ausgabe Rtk. I.stO vieneljahrlich, Heslausgab« aut »unstbruckpapwr Mt. :1. 1>1«1d1a'orli*!Auslandspreise für die g׳w Ausgab-: Oesterrüch? *vr, Rußland l R-.il-., Euzlaud 2 *L, A.u?׳. H» >!*«, Nwöeriind« 1,'JU tü Abonnemeni» tzn allen Poüan'tactc». Buchkandlungr». ü-cvu direkt bei der Expeduivn, Hrsluuvgabr uur direkt. Inserate: 30 Pfennig» für di, s^hsgekvalien« Colonel?.eile. Rabatt nach larib Jm'errleiiannabmc nnr durch H aasen stein 4 Bögler A..G. in Frankfurt a. M. und deren Filialen. Kukukseier. (*in Wort zur Klärung der Begriffe. Seitdem das jüdische Volt, aus der Knechtschaft zur Freiheit geführt, vor dem flammenden Sinai seine völtergefltiichtliche Lebensaufgabe empfing, seit-- dem es dort, im Angesicht des Berges ״einheitlich" lagernd, durch sein Gesetz aus einer Ziegelbrenncrhorde zum Volke ward seitdem war der Begriff des Volkstums, der Gesamtheit, des ־־-. des כלי1 יש־אל, nllfjfit im jüdischen Gedankenkreise mit der höchsten sittlichen Weihe umkleidet. War cs ja die G c s a 11: t h e i t, der Gott sein Feuergesetz zur Wahrung und Weitervererbung anoertraut hatte, die Gesamtheit, die ihre gesammelte geistige 5trast, ihre materiellen Mittel und ihre politische Macht der Vor »virklichung dieses Gesetzes widmen sollte und die solchergestalt als Werkzeug zur Erreichung der Weltenzwcckc selber mit emporgehoben wurde zu der sittlichen Würde eines schlechthin heiligen, gottbegnadeten Wesens. Lediglich aus dieser ihrer Eigenschaft als Trägerin des Gesetzes erwächst aus jüdischem Boden für die Gesamtheit der Anspruch übergeordneter Geltung gegenüber dem Einzelnen, der, wenn er seine individuellen Zwecke, sein Wohlbefinden und seinen Egoismus den Zwecken der Gesamtheit opfert, nicht dieser im tiefen Grunde, sondern eben dem Gesetze seinen Tribut zollt. Man wird für diesen Gebar.kengang, den auch Lazarus in den 262 und 263 seiner Ethik auf seine Weise ausgeprägt hat, bis tief in die Reihen der Reologie hinein, sicherlich aber bei allen denkenden gesetzestreuen Juden Zustimmung finden, in welche Sonderbewegung - Zionismus, Verbände. Logen — sie die Stürme der Zeiten auch hineingetrieben haben mögen. Mit einem Schlage aber ändert sich das Bild, sobald es nun gilt, aus diesen unbestrittenen Vorder» * sätzen die logisch-n Folgerungen zu ziehen und sie auf die Erscheinungen der Zeit anzuwenden. Wie kommt das? Ein tiefer Respekt vor der Gesamtheit über» Haupt — ganz ohne Rücksicht auf den Inhalt der von ihr verwirklichten sittlichen Ideen — beherrscht heute ungeachtet individualistischer Gegenströmungen die Estmüter und dringt aus den Höhen der wissen» schaftlichen Ethik bis hinab in das Kedankenleben des gemeinen Mannes, der sein sittliches Empfinden, ohne zu wissen wie und warum, fertig geprägt aus dem umgebenden Milieu zu empfangen pflegt. DaS hat feinen tiefen Grund. Tie wissenschaftliche Ethik, der alten Massstäbe beraubt, weiß heute als Endzweck alles Lebens nichts anderes mebr anzuqrben. als bas Leben selbst: gut ist ihr und muss ihr sein, wa? leben fördernd, schlecht ',״-a?! lcbenhemmend wirkt. Und damit nicht auf diescm Wege der Egoismus, der lebenbejahende Wille des Einzelnen, alle Sittlichkeit untergrabe und schliesslich in der Förderung des Eigenwohles den Inbegriff des Guten find«, darum warv Vas Leben der Gesamtheit als das letzte, keiner Begründung mehr bedürfende Ziel alles Seins und oller Sittlichkeit dahin-gestelli Der Gesamt Wille ist die höchste und letzte ethische Norm, die volle, ungehemmte Entfaltung der in der BolkSqe meinschaft geeinten G e s a m t k r ä f t r ist der böchlte Ziruck de- Kulturprozeffes. Wir haben »ns gestattet, auf diesen Gegensatz zwischen der Stellung des Gesamtheitsbegriffes in der jüdischen und in der modernen Ethik hinzuweisen, weil nur eine scharfe Abgrenzung und Sonderung de. Veglifse die Möglichkeit gewährt, den leider oft herrenlos herumlaufenden Ideen ein wenig auszupassen und sie eh« sie zerstörend wirken zur Vorzeigung ihrer .Heimatslegitimationen zu zwingen. * * * Von gesetzeSlreuer Seite sind in den letzten Wochen in Entgegnung auf eine Artikelserie des Provinzral-Rabbiners Dr. Eahn einige Gedankenreihen über das Verhältnis der gesetzestreuen Judenheit zur Gesamtheit veröfseilikicht worden. So sehr diese Gedankengänge nach unserem Empfinden an der Oberfläche der Dinge hasten vleiven und so durchsichtig auch ihre logischen Schwächen sind, so schernr uns ihre Besprechung dennoch Pflicht, iveil ihr Urheber ein auch von uns glschätzter, von aufrichtiger jüdischer Gesinnung er» fülltet Mann ist und weil es besonders schmerzt und betrübt, hübsch ausstaffierte Kukukseier aus fremder Kulturwelten im eigenen Reste auSgebriiiel zu scken. Von dem Begriff des jüdischen Volkstums gehl unser verehrter Gegner auS: ״wie jedes andere Volk" sei auch das jüdisch« von je» her in Dingen politischer und sozialer wie in Dingen religiöser Ratur in s e i n e n A n s i ch i e n geteilt, und doch sei nach dem Grundsatz אעיס ־־גא י~*א 1 דדא? ein Jeder Glied der jüdischen Gesamtbeit. ״Wie jedes andere Volk" - in dieser scheinbar unschuldigen Uebertraguna allgemein gültiger völkerpsychologischer Gesetze auf daS כנ־לי־ er liegt der Schlüssel zu der sonst unbegreiflichen Derkci.nung der Wahrheit, in der diese Aufsätze gipfeln. Wohl ist die z i o n i st i s ch « Doktrin vollkommen iin Rechte, wenn sie von ihrem Standpunkte aus jede spezifische Besonderheit deS jüdischen Volks ׳ iums leugnet und auch auf die jüdische Gesamtheit das grosse Gesetz aller Kultur ״der Zweck de? Lebens ist nichts, als das Leben selbst" als höchste "'י •••*?•ז י rnifT ^וזרו diese»׳ ausserjüdischen Standpunkte aus lässt sich allerdings die ״Teilung der Anstclgen in religiösen Tingen" als ein vö>ken>s״chslo zische-: Raiurgesetz als e!n scdlcchrbin SetdstperstänNiches. einfach!onstatieren und der ganze religiös« Abfall mir philosovhischer Ruhe in die RrGn? ״soziale, polnische und religiöse Parteiunacn" fin!arf«ln. Wem es aber,!oie uns und »n׳>r»m c^ezne eine Wahrheit ist, dass die unverkürzir Hingebung aller Leben-güler an das Gesetz den einzigen Eiistenzgrund des jüdischen Voltes ausmachr. der rwileugnet sch selbst, wenn er zuerst durch den Aus rui ״es gibt eine jüdische G e s a >n 1 » heil, ein .0 l a l I i s r o e I". cif nan׳,« Estefurcht des echten Juden vor diesem gepeiligien ludi'chen Volksbeqriff zu wecken sucht, und rann hinterher den schnödesten Verrat an diesem Balls tum als ״auch eine A n s i ch t". als einen lebensderechiiaren, sogar historisch legitimierten Standpunkt in den Volksbegriff selbst hineinträgr! Das Judentun, würde sich selbst seinen welthistorischen Totenschein ausstellen. wollre es lnen Augenblick aufhören. gegen diese moderne Nuance des לכי ';דדה zu protestieren, wollte es wie eine zahnlose Altc die organisierte ״Gesetzeslreuc' und iin organisierten ״Abfall", in Frakiionen pertcrperi. mir gleicher Zärtlichkeit umfangen. Ter Jude?ennt keinen ׳oie immer gearteten Respetr, kein Gefühl der Pietät, gegenüber einer Gesamtheit, die nicht mit ib-en Grundsätzen ausschliesslich im Boden des G»- 1e!pe>, wuezclr. «i.e! ׳ aj wielmevr Mf ->!s Primär», das Bedingende setzt und nun im Namen ihrer eigenen Majestät eine sittliche Würde in Anspruch nimmt, die ibr nur die Gedankenloüakeit zuerleiinen kann. Ävi'l blcrbt itbti von einer jüdischen Mutier Geborene Jude »iir alle Zeit keines Lebens und sage er sich durch Taufe, öffentliche, bewusste Sabbaten: wcihung oder grundrätzlicbe Verleugnung irgend eines göttlich-en «MsctzeS, tausendmal lo2 pon der Volksgemeinschaft, dir ihn gezeugt »r 1 ז«לי• ידן?־;א ■•?“אל/fmrt »■_■ nicht ins Kapitel vom groben Unkug. wenn nun mit diesem hala-chischen San«, der un-.- untersagt, einem Äbgcsallenen ׳.. B. oc.borrrre Speisen zu reiche», der uns aber nicht e! v a gestattet, ihn zur religiösen «!jemeinscha»':. zum zu zählen oder mit einem Gemeind-amte zu beehren, gehört es nicht zum groben Unfug. m-׳nn das ״reine" und gefärbte Rationaliudeunnu tm* diesem Sar.e seit Jatzrrn hauüecen gebt, »m damir d!e n a t« o n a l e Gleichwertigkeit : - neologen Juden aus dem Geiste des TalmuV: Hera׳.׳- zu beweisen? Wir rbren jede ehrliche Ueberzeuqung und gewiss dir nationaljstdische mit ihrem triebkrä'tigrn ^dcai׳ m״i> und dem Schaniino ibree Beaciste nna. Nur a׳ä«n

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