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Der Israelit · 1906-03-22 · 12 (22.3.1906) · p. Seite 13

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
12 (22.3.1906)
Date
1906-03-22
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Seit« 1 V Nr 12 .>■>. Marz Irr Israelit ״Wollen Sit Ihren Neffen nicht degleiten zu srinkr Mutter?" fragte Heinrich. .Das wird wobl daS Richtige sein, denn ich traue ihm auch nicht. Also Adolf, mein Kind, ich gehe mit Dir heim und werde der Mutter schon sagen, waö sie wissen muss und soll. — Gute Nacht, Herr Doktor! nochmals innigen, herzinnigen Dank! — Lassen Sie uns nur den Mut nicht verlieren und die Hoffnung. Sie werden sehen, es wird nicht so lange dauern, wie es gedauert hat, und unsere Feinde wer orn oie Hund Totir» sehr!!." ,.Hoffen wir das Beite!" versetzte Heinrich, in dem er den Händedruck des andern fest erwiderte. Dann wandte er sich rechts der Allee zu, die dis hinaus zu der Neufeld'schen Fabrik sich erstreckte, während die beiden Weisttopf oen entgegengrscht«-״ Weg einschlugen. Längere Zeit schritten beide schweigend neben einander einher durch die Helle Winternacht, denn es war Vollmond. Schnee bedeckte die Erde und droben am Firmament funkelten zahllose Sterne. Hin und w׳eder entrangen sich bange schwere Seufzer der Bruit des jungen Mannes, dann blickte der andere mitleidig zu ihm hinüber und sprach mild trösiende beruhigende Worte. .Sage mir nur das Eine, Dnket." sprach Adolf nach längerem Schlveigen, ״ist das in Wirklichkeit Dein t^rnsi, was Du da sprichst?" ״Mein heiliger Ernst," erwi'oerte Weistkovf, indein er unwillkürlich beteuernd die Hand gegen die Brust drückte. ״Aber — aber — man kann ja doch nicht wissen —" ״Was meinst Du. Kind? was kann man nicht wissen?" ״Das; alles gut werden wird, dass der Vater und Alfred freigesprochen iverden." ״Letzteres kann man freilich nicht wissen, das kann man nur hoffen — aber, das; alles gut werden wird, das ist doch keine Frage, kann keine Frage sein, davon bist Du hoffentlich eben so fest überzeugt, wir ich es bin." Ein halb unterdrücktes Acchzen entrang sich Adolfs Brust. ״Ja, wenn Du es so nimm« — dann freilich, freilich — ich kenne doch Deinen Wahlfpruch: gam s» letowa." ״Und hat sich der vielleicht nicht immer bewährt?" ״Höchst wahrscheinlich, gewiss. Aus eigener Erfahruna w-iss ich's freilich nicht." ״Nicht? - hast Du denn heute Deinen 'Vater nicht gesehen?" ״D gewiss, ich war sogar überrascht über sein Aussehen." ״Ich auch. Er hat sich in der jüngsten Zeit merkwürdig erholt; er siebt bedeutend besser, ja, sogar bedeutend jünger aus. als rar seiner Verhaftung." ״Wie? Du meinst? ’ ״Da ist nichts zu meinen, das kann jeder wissen und selbst sehen. Und was glaubst Du. dass der Vater antworten würde, lvenn man ibn fragen würde, ob er heule tauschen möchte mit heute vor fünf Monaten? glaudn Du. dass er s möchte?" Adolf schüttelte verneinend den Kops, zu sprechen war er nicht imstande, der Hals war ihm wie zuge schnürt und aus seinen weit geöffneten Augen glitten langsam Tränen hernuder. ״Ich habe schwer gesündigt," flüsterte er endlich ״Daran habe ich Dich nicht erinnern wollen, K׳nd, aber es schadet nicht, wenn Du Dich bisweilen selbst daran erinnerst. Aber nur bisiveilen. beständiz darf man nicht an dergleichen denken, sonst könnte man. Gott behüte! vor der Zeit müde werden. Und was man auf Erden zu tun hat. das ist nicht immer leicht, dazu braucht man seine volle Kraft und inimer frischen Mut. Und darum, Kindlieb, denke nicht allzuoft daran, wie Tu gewesen bist, sondern mehr daran, wie Du sein musst und sein willst." ,,Ich wünschte, ich wäre an Alfred'» Stelle! ich glaube, ec ha! nie im Leben ritt Unrecht getan — und wie hat er sich beute gezeigt!" — ״E-rossartig, geradezu grossartiq! — Aber verkehrt war's doch." ״Verkehrt war's? was willst Du damit sagen. Onkel? Um einem Mcnschen, um seinem Vater daS Leben zu retten, darf man doch eine Unwahrheit sogen durch die kein anderer geschädigt wird." ״Aber hak er den Vater denn gerettet? — er hat es wollen, das gebe ick zu, und darum sage ich ja. es war geradezu großartig. Aber was ist dabei heraus gekomemn? Nichts weiter, als dass er nun auch in der Patsche sitzt." ״Verzeihe Opkel. da» kann man vocv nian geraoe bed-iuvten. Ohne Asred's Dazwischen treten wäre oer Vater bereit« verurteilt, das unterliegt keinem Zweifel." ״Da hast Du recht, durch ihn. durch unseren herrlichen Jungen, haben wir Zeit gewonnen. Die Menschen sagen zwar: Zeit ist l^eld. ich aber sage! Zeit ist Leben. Und darum wollen wir auch hoffen, dass es uns mit (stottes Hilfe gelingen wird, in der Zeit, die uns unser Alfred verschafft hat. Leben und Freiheit Eure? teueren Pokers zu sichern " ״Und Alfred?" — ״Um den sorge nicht. Wenn ick auch jetzt eben in einem Anfall von Kleinmut gesagt habe, dass er in der Patsche sitzt daS war doch nicht mein Ernst. Wo der sitzt, sitzt er jo gut wie 1m tstan Eden. Ader da sind wir ja bei Eurem Hause. Adolf, mein Kind, zeige der Mutter frischen Mut." (Fortsetzung folgt.) Mtllil illt ttnoiiifii rraflooO sitlvklk» muss der Mensch doppelt aui «eine OMuuN)<(t achten Ich liab« mich nun baidn gewohnt, gerade um bifif Zen nie ohne iZav'» achte Lodener Mineral Pastillen zu sein, mit denen ich Erkaltungen vor beuge und. wenn doch einnial eine Indisposition sich emitelle» sollte, schleunigst allen lästige» 31örnngen «!» Ende niache Ti« Pastillen sind ja billig nnd äusserst deauem zu nehmen und vor allem: ne Kelsen immer In jeder Apotheke. T rogen und Mineralwasserkandlnnaen 1» y'.~> Psg per Schachtes zu bade» Mehrere 14)00 Aerzte 11. Pro׳ fessoren empfehlen Citrophen gegen Kopfschmerz, Influenza, Ncnralgie und Rheumatismus. 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