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Der Israelit · 1906-03-08 · 10 (8.3.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
10 (8.3.1906)
Date
1906-03-08
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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». Mär, Xtt ״)«radit. C(H< 11 ')Ix. 1׳ -Allein dieser so sehnsüchtig von uns her * beigewünschte Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Rechtes über die Gewalt, des reinen GottesbewußtseinS über Vorurteil und Wahn ivird uns nur dann zu Heil und Segen gereichen, wir werden uns nur dann seiner in Wahrheit ei freuen können, ja wir werden uns nur dann seiner dauernd zu erfreuen haben, wenn wir als Juden auS den Kriegen um diesen Sieg hervorqehen, wenn wir als Juden die Früchte dieses Sieges genießen .vollen, wenn wir mit doppeltem Ernste, mit doppelt entschiedener Kraft, uns in dieser freien Zeit der Erhaltung unserer Religion und ihrer Heiligtümer, die Vollendung aller höheren Aufgaben des Judentums anstreben und die Heilig tümer mit innigster, lebendigster Liebe umtlammern werden, für die unsere Väter mit solch Jahrhunderte langem Elend, solch Jahrhunderte langer Schmach geduldet. Denn wahrlich, meine Brüder, was hätten wir errungen, wenn w ׳ - nun, >vo wir s. G. w. bald freie Juden sein könn - ten, aufhören wollten. Juden zu sein!" Das fiolKlicd. Wir beginnen heute eine volkstümliche Betrachtung der Anfangsverse des Hoheliedes. Wir widmen dieselbe nicht allein dem Kreise derer, die in der Auffassung der heiligen Schrift unseren Standpunkt einnehmen. Es liegt unS vielmehr daran, auch Andersdenkenden zu zeigen, welch freie. den! Sonnenstrahle der Bildung zugetehrte Richtung unsere klassische Literatur kennzeichnet. Wenn je. so gilt es vornehmlich in unserer Zeit, unablässig auf diesen Umstand hinzuweisen. Wir folgen darin gerne dem Vorbild« der fortgeschrittenen Wissenschaft, die ihr Ziel darin findet, ihre kostbarsten Früchte ins Leben hinauszutragen. Weiten Volkskreisen teilt sie die Ergebnisse ihrer Forschung mit und strebt ernsthaft danach, auf alle Klassen der Menschheit aufklärcnd rinzuwirken und dankbar huldigen ihr im Stillen die Unzähligen, die ste zu Menschen erzogen. Nur ein Gebiet des Wissens ist dem Kreise unbekannt, dem es angehört: Das jüdische Volk kennt seine Wissenschaft nicht! Ihm dieses Kleinod zurückzuerstatten, ist die Aufgabe unserer Zeit. Die Lösung derselben ist freilich schwierig: indes hat das verflossene Jahrzehnt die Erfahrung gezeitigt, daß Männer und Jünglinge — vornehmlich letztere welchen eine unjüdische Erziehung zuteil geworden war, im Verkehre mit Freunden die Gelegenheit fanden, das Judentum kennen zu lernen, sich von der Unüvertrefflichkeit seiner Lehre überzeugten und die Erfüllung seiner Pflichten freudig übernahmen. Meist ist dies dort der Fall, wo beide Teile das hinreichende Verständnis für den Geist unserer Zeit besitzen. Der Eine verwirft das ihm dargebotene Judentum nicht mit der blinden Klugheit, die in der Zeit unreifer Bildung den Stab über alles Jüdische bricht: er vergleicht es mit den Wissenschaften, welche ihm zueigrn sind, und findet cs als den Inbegriff der Bildurig. Sein Partner Hilst ihm dadurch zum Ziele, daß er seinen bisherigen Gedankengängen wissenschaftlich zu folgen und ihm über die in seiner Brust ringenden Zweifel Gewißheit zu verschaffen weiß. Suchen wir nach einem Stoffe, der in einem solchen Austausche der Gedanken ein lehrreiches Erqebnis gewährleistet, so finden wir ihn in dem Liede, dem unsere Besprechung gilt. Dir Ansicht, welche auf dem uns entgegenstehenden Boden erwachsen ist. erblickt in diesem Liede nichts als — einenHirtengesang! Wir aber glauben in demselben eine gesangliche Schilderung der Triebfedern der Weltgeschickte zu erkennen. Ja, die erste« Ansicht *4 .«׳ iW4 ItfiV - - '7( darauf verzichten können, ihr eine Widerlegung zu teil werden zu lassen. Man denke: Ein Lied, welches die höchsten, unsterblichen Anliegen der Menschheit betrifft. hat man in die Weidenflöte eines Hirten gelegt, an die Stelle des Bundes, den der Schöpfer mit seinen Geschöofen geschlossen — hat man ein liebeStrunkenes Pärcken geletzt! Der ehrliche Denker, dem man diese Entftellung vor Augen hält, wird um so begiertger den Inhalt des Hoheliedes in sich aufnehmen. Er wird sich von seinen bisherigen Ansichten abwrnden und sich die Frage Vorleger», ob eS den» wirklich zeitgemäß sei, daS Höchste auf Erden, dessen Erreichung noch in der Zukunft liegt, zu einer solchen Lächerlichkeit her abzustimmen! Indessen blicken wir in dankbarer Gesinnung zu dem Lenker der Zeiten empor, der dem Weisesten der Weisen die Fähigkeit verliehen, den geistigen Schatz unseres Voltes mit diesem Lied« zu bereichern. Die Triebfedern der Weltgeschichte, die Kernpunkte oer inen schlichen und jüdischen Bestimmung bringt es zum Ausdruck. Die Form, deren es sich bedient, redet uns. weil sie anschaulich ist. zu Gemüte. Gott, das jüdische Volk und die Menschheit befinden sich in trautem Ge« spräche. Wir vernehmen aus demselben die goldnen Worte der ewigen Wahrheit. J«cn wir nicht, so ist es nicht zuletzt unsere Zeit, von der das Lied die Erkenntnis erwartet, welche es vornehmlich durch das jüdische Volk verkünden läßt, denn es setzt bei der das Wort führenden Menschheit eine vielseitige geistige Bildung voraus. Die Gedanken und Empfindungen, deren der Jude unserer Zeit bedarf, kommen hier zur Sprache. Es tritt in diesem Lied« ein Zeitalter auf, welches nach langer Irrfahrt die Rückkehr zu Gott anstrebt. Die Erfahrung der Jahrtausende hat in ihm einen selten Boden gewonnen: aus dem Drucke des Galuth heraus wendet es sich zu Gott zurück. In dem Umstand«, daß nicht Gott, sondern Israel den Reigen der Reden eröffnet, liegt daher der herrliche Akkord dieses Liedes. Unsere Zeit iss es, von der dieser Hochgesana die Rückkehr zu Gott erwartet. W i r sollten in diesem Liede die Vertreter Israels sein, weil die geschicktliche Erfahrung uns dazu befähigt, die Sprache ru führen die au? dem Sittich ikn-.-n Ausdruck findet. Allein die Rückkehr zu Gott ist die Rückkehr zu seinem Gesetze. Der Jnd, grübelt nicht über Gottes Wesen; ihn beschäftigt lediglich Gottes Gesetz, das ihn auf allen Gängen seines Lebens begleitet. Diese Tatsache besingt unser Lied in seiner Erstlingsblute: ״Er küsse mich wieder von den Köllen Eines Mundes." Wir halten den Satz für geeignet, die Stellung des Judentums zur heutigen Weltanschauung zu kennzeichnen. Der moderne Mensch hat das Gewand der Religion abgelegt, weil sie ihn in der Welt der Wirk lichkeit im Stiche läßt. Abseits von der Heerstraße der Religionen steht das Judentum: das nüchterne, alltäglich« Leben ist das Feld seiner Wirksamkeit. Die Bekenner anderer Religionen zittern vor dem vermeintlichen Machtbereich ihrer Götter. Der Jude erblickt in dem göttlichen Gesetze ein Angebinde der Liebe, auf welche Gott seine Welt gegründet. Dieses Gesetz ist der unmittelbare Willensaus spruch Gottes; überall wo es wirkt, waltet Gottcs Liebe. All seinen Geschöpfen bat der Schöpfer den Himmelskuß seiner Liebe anlgedriickt sim G«gensahe zur Lehre des Jammertales). Die gewaltigen Ge setze der uns umgebenden Natur sind Küsse Gottes: vnn diesen Küssen »K dn« Thorawort der inniasse. denn es verreibt de», Menschen gotiähn.lrche, sittl׳ck>e Freiheit. Wenn Israel in diesem Sinne das Verlangen nach Gottes Küssen hegt, so heißt dies: Es hat das Verständnis für die Tauroh wiedergefunden. l Fortsetzung folgt.) Die Dekandluiig der Oplerlebrr in der Schule. 1 ssorrler-,ung aus Nr > > Ist es nickt ein ganz hervorragendes Moment der sittlichen Veredelung des Menschen, ihn zur Opferfreudigkeit und Selbstverleugnung zu erziehen 2 Nichts Unrechtes tun. bildet nur die Vorbedingung, die unterste Stufe, die wir erlangen müssen, von der aus wir immer höher unS emporzuschwingen baden. Das Un«cht brnuen. es einzusehen und unverblümt einzugestehen, ist erst der Anfang der ErkenntniS. Die gewissenhaft« Erfüllung des Ge botenen, da» Leid über die unterlassene Pllicdt :im darüber hinaus die Uebunq dessen, was jenleirs oer Grenzen der unbedingten Verpflichtung liegt, bat den vollen Inhalt unseres Streben« darzustellen. ,rc•’*׳ nmn, cpk ,עילה Pslichtopser und freiwillige. Ent sündigungs und Emporopfer, Dank und Freuden opfer des vollkommenen Weidegenusses stellen dir Stufen der Leiter dar, die wir zu erklimmen i,abc>> Läßt sich eindringlicher den Kindern ins «Gewissen reden, als an der Hand dieser Opferlebre, gibt es ein Mttel, das Pflichtbewußtsein des Kindes mehr zu festigen und zu stärken, eS zu belehren, daß Meiden dcS Unrechtes noch nicht lohnensw-erte Auszcick-nung bedeutet? Indem nun grade der Kreis der grundlegenden Pflichten in naher Beziehung zu den Opfern steht un׳ von ihnen berührt wird. r:r ,-x. wird vor diesen noch besonders gewarnt. Am Anfang der Opferlebre wird der Satz aufgestellt und damit den jüdischen Kindern das Bewußtsein für das Leven ein־ gehaucht: Wer dem jüdischen Gesetzesbeiliatum zuae hören will, wer seine Gaben dort woblqelällig aulqe nommen wissen ivöchte, wer vor dem jii bischen Gesetz als Jude an gelebt n und geachtet werden will, darl keinem Götzendienst huldigen und darf nicht öseentlich den Sabbat entweiken. Können wir gerade beute oft und cindringlich genug den Kindern die Heilighaltung des Sabbat ans Herr legen, können wir ihren Ernst deutlicher klar machen, als mit dem einleitenden Satz der Opferqesetzgebuna! Von jedem Nichtjuden dürfen wir Opfer entaegennehmen. So umfassend ist das jüdische Gesetz, daß es jeden Menschenbruder seine Huldigung Gott vezeigrn laß» ihm die Hand entgegenstreckt. wenn er sie sucht, als Führer für sein Denken und Handeln. Aber uner bittlich »reist dieses selbe Gesetz den Juden von seiner Schwelle, wenn er össenrlich oen Tag entweiht, den Gott als Zeuge eingesetzt für leine Schöpfertätig keit, als Bund zwischen sich und dem um der Heilig Haltung dieses Zaaes willen erwärmen JißroelooUes. Von diesen allgemeinen Leitsätzen möchten wir nur noch zwei herausgreifen, da wir ja doch im Rahmen dieser Zeitschrift und einer ,-seinina üb«r Haupt nur einzelne Gedanken zeichnen und die Durch führung der bereqten Ideen dem Ein,einen überlassen können .Hochbedeutsam schließt die eigentliche Opfer qesetzgebung mit dem Gebot, nur am Tage, vor den Augen der Welt dir Ovfer darzubringen. Die offene, ehrliche Betätigung unserer jüdischen Pklichten, bei deren Ausführung wir uns nicht zn »,Hamen und zu scheuen haben, deren Bürde wir mit Stolz tragen, muß dem Kinde frühzeitig einqeprägt werden. Wie sehr hätten wir gefehlt, von »velcher unübersehbaren Tragweite für das Mißlingen der Erziehung wäre die Gewohnheit, nicht nur wenn Nichtjuden. ia noch mehr, »venn vom Gesetz abgefallene Juden im Haute des gesetzestreuen Juden verkehren, dar Kind die gewohnten Pflichten au? ״Rücksicht auf die Gäste" nicht erfüllen zu lassen, das Tischgebet verstohlen in einem anderen Zimmer zu verrichten, als dort, wo man gespeist bat. lieber das Gebet zu versäumen, als durch ve'7en pünkklrcyer Erfüllung ״Anstoß zu er regen." Vor aller Augen, im Beisein uun die jüdische Pflicht zu üben, ist ein Gebot der jüdischen Opferlebre für da» opsei reiche Leben de» Juden. ES ist d a S eigentliche und edle Selbstbewußt sein, da» uns auch als Menschen zieren würde, da» aus solchem Pflichtbewußtsein folgert. Endlich aber muß noch vor mißverständlicher Auffassung de^ Weries der Opfer das Kinoesgemüt 00׳ durch geschützt »verden. daß ihm frühzeitig be׳ züglich des Lühneopfers das Bewußtsein bei gebracht wird, baß es nur für irrtümliche Sünden vorhanden ist. Mit Absicht deganqene Sünden finden durch e»n Opfer keine Sühne. Und Versehen bedingen auch Opfer. Aucb daS Versehen letzt eine Fahrlälsigkeit voraus und weist auf eine mangelhafte sittliche Kraft bin. Leichthin sühnt die Tauroh durch den ausgenommenen Gedanken der Opserwilligkeit. Doch, fällt die Dar bringung eines Opfers leichter, als den W i l l e n zum Opfer zu bringen, wird das Sükmeasld lieber getragen, als Verzicht auf dar Bec: d.׳. Sünde

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