Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 5 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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L y a ung zum usrac c v-L Bund und verband. 'ii'tnn in irgend einer religiösen obft das reli giöse Öiebiet ftreifenten Frage zwischen ortbofcoren und ntolo^tn Juden tiefgehende Meinungspersckieden beiten ו1ן Tage treten, fo kann das nickt wunder nebmen: eine ganze Weltansckauuna trennt die Beiden. Leun aber im Laaer der gesetzestrcuen Juden setdst heftige Kämpfe in religiö'en Angelegen׳ keilen enlbrennrn. wenn die einen mit leiser das ,r; streben, was die anderen als ein ׳chwere« Unreck: an.seden, da hat knrweder eine Begriffsverwirrung Plan gegriffen, oder es Kat sick eine leidenschaftliche Erregung der «Gemüter bemäcktigt, die ikncn die Fäd.igteit einer rukigen. sacklicken Prüfung raubt. Leider icke׳nt dies in der Frage des Anschlusses an den Verband der jüdischen Lekrervereine in Deutschland der Hall zu sein. Ta stehen in beiden Lagern orlho dorr Lekrer und bekämpfen sich mit Erbitterung. Eine Klärung hier herbeizusübren, erscheint "ringend geboren: ibr zu diencn ist der Zweck der folgenden Ausführungen. Ais oor ca. zehn Iabren die Idee »ines Zusammenscklunes sämtlicher jüdischer Lehrervereine aunauckre. da waren es dies must endlich einmal betont und unserer scknelledigen Zeit ins Gedächtnis zurückgrruren werden, — gerade die gesetzesireucn Lebrer, welche den Plan aufs lebhafrefte benirworreten. Während ein Resormrabbiner Hessens, Herr Tr. Goldschmidt, Lssenback, ihn als aussicktü- und zwecklos erklärte, erbot sich ein gesetzestrcuer Lehrer, Herr Kakn Mainz, den hessischen Verein auf der in Kassel geplanten Telegiertenversammlung koü'nlyä zu vertreten. Ta bemächtigte ück der D. I. G. V. ohne jede zwingende Veranlaffung der sacke und trat mit einem fertigen Statutenentwurs vor die Vereine. Er verlangte darin u. a.. dast zivei Vorstandsmitglieder in Verlin. wo zu jener Zeit noch gar kein L'hrer׳ verein eristirrü. — ihren Wohnsitz haben müstten. dast der G. B. das Reckt haben sollte, die Kaste zu prüfen und zu den sieben frei zu wählenden Vor standsmitgliedern noch ein achtes in die Verbands Verwaltung zu entsenden. Dafür wollte er eine iäkrlicke Subvention von 1."xm> Mt. - soviel batte c׳ schon bisher den einzelnen Viereinen nir Abhalt ung von .Konferenzen gewährt - zahlen. Gegen diese Vestiinmungen wandten sich;ie ortkodoren Lehrer sowohl in Kiirkesten, als auch in Hessen Tarmftadt. sie sprachen ossen dir Besürcktung aus. der G. B. werdc seine Machtstellung dazu verwenden, die Lebt er in neologc-n sinne zu becinslusten. and die beiden bestücken Tclegiertcn wurden deshalb beauktraqt, ^ie an dic Subvention geknüpften 'Bedingungen zu be׳ kämpsen und für die Gründung eines voll ständig u n a v h ä n g igen Verbandes einz» trcien. ,Tie T ilcctic rtenct י ז ammlunct war ursprünglich vom G. P. aus Ehanl Hamoed Sukloth nach Berlin nnberu'en warten, auf allgemeinen Wunsch fatG sic aber erst Weihnackten l^üd statt. Als de! dieser Gelegenheit ein heffischer Delegierter den damaligen Vertreter des G. L., Herrn Direktor Adler, darauf aufmerksam machte, dast die entfernt wohnenden Delegierten ja in den Iomtof hinein hätten fahren wüsten, da erwiderte ihm dieser erstaunt: ״Was hat denn unser Verband mit der Religion zu tun?": wahrlich eine höchst bezeichnende Antwort! Ter Telegiertenversammlung ging, wie üblich, eine Vorvcrsommlung voraus, in der die Lehrer einen Präsidenten wählen wollten. Vlumenfeld Adelebsen, von dem die erste Anregung zur Gründung des Vervands ausgegangen, war in Aussicht gcnonimei!. Aber die anwesenden Verirrter des G.-D. eröfsneien ihnen, dast dieser schon in der Person des Spndikus M i n d e n einen Veriammlungsleiter ausersehen habe und als die Lehrer auf ihrem Willen beharrten, da erl'.ärten jene nach kurzer Beratung, unter diesen Ümständen mäste sich der G. B. zurückziehen. ״Zähneknirschrnd," so sagte ein warmer AiMnger des G. B., mustten sich die Lehrer fügen. Warum?!st schwer einzusehen. Herr Dr. Minden ward auf diese Weise der ״erivählte Vorsitzende" und er führte den Vorsitz mit solcher Geschichlichkeit, dast die hestikchen Delegierten gerade in der wichtigsten Frage gar nicht zu Worte kamen. Man tat ihnen sogar noch den Schabernack an. dast man im Protokoll ihre ausdrücklicke Zustimmung zu den Beschlüssen der Ver sammlung erlvähnte. Ter G.-B. aber setzte seinen I Willen auck bei der Vorsiundswahl durch. Es wurden lauter ihm ergebene Anhänger und Herr Rektor Tr. Adler zum Vorsitzenden gewählt. In dem hessischen Lehrerverein kam es wegen dcs Anschlußes an den Verband zu den heftigsten Kämpfen. Tie orthodoxen Lehrer weigerten sich, diesem Verbände beizutreten und sie konnten sich dabei auf die Autorität des Herrn Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt a. M.. berufen. Dieser erklärte wiederholt״ ׳Was den Rabbinern recht ist. das ist den Lehrern billig. Wie ich mich im Nadbinerverband gegen die Ginmischung einer austerhalb desselben stehenden Körperschaft wehren würde, so must ick auch den Lehrern ganz entschieden abraten, sich eine solche Einmischung gefallen zu lasten." Dr. Horowitz wurde deshalb in der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums" heftig angegriffen, aber er konnte von keinem Standpunkte aus wabrlick nicht anders sprechen. Tie neologen Rabbiner und Lehrer .Hessens kämpften mit grosser Erbitterung für den Anschlus, und Voten alles aus, um ihn zu erzwingen: sie waren sich wohl bewusst, dast es gelte, einen eminenten Sieg der Reform zu dervollständigen. Sir setzten dabei jede Rücksicht bei Seite. Als ihnen entgegengekalten wilrde, dast es ja vorwiegend religiöse Bedenken seien, die uns zu unserem Vorgehen bestimmten, da hiess es: Es sind keine religiöse Bedenken vorhanden, und als wir darauf hinwiesen. dass durch die Verbreitung der Mavbaum'scken Methodik und von Goldschmidt's ״U'.bild und Ebenbild", auf die wir noch zurück kommen w.'rten, diese Bedenken ja bereits greifbare Gestalt angenommcn hätten, da rief uns der alte Marr Alsbeim höbnend zu: ״Euere Tc illin werden sic Euch nickk nehmen." So wurde die Einigung der jüdischen Lehrer durch eine Spaltung eingeleitet. Sie wäre aber wahrscheinlich eine vorübergehende ge wesen, wenn der G. B. und der Verband mehr Mähigung und Klugheit gezeigt hätten. Der G.-B. hätte es in der Hand gehabt, die Beschwerden der orthodoxen Lehrer;ui absurdum zu führen. ״Ihr befürchtet, wir wollten durch das von »ns zu ernennend« Vorstandsmitglied die Lehrer ins ״liberale" Lager zu führen versuchen," — nun wohl, wir delegieren einen Konservativen. Das wäre mindestens *ג r f '״■ Cן-»ft * — — r» 1*ץ — י ,(«•« itUvf Ullt/ 4vt|vt/iu1u/ ^v1vC|VH| Iliuü ivUt U^ti iit״; das eine noch das andere. Professor Blaschke wurde vielmehr der Auserwäblte des &. B.. der anerkannte Führer der radikalen Linken im Berliner Rcvräsen lanten-Kollegium! Als z. B. vor einigen Jahren eine Anzahl Berliner Glaubensgenossen an den Borstand der Berliner jüdischen Gemeinde das Ansinnen stellte, einen feierlichen Svnntagsgottesdienst mit Ge sang und Predigt einzurichten, da war es Professor Blasckke, der als Wortführer der radikalen Minder heit diese Forderung mit Wärme und Nachdruck der trat. Und ausgerechnet diesen Mann entsandte der G.-B. in den Verbandsvorstand. Wir gehen wohl nickt kehl, wenn wir die schweren Fehler, die der Ver bmnd im Lause der Jahre beging, hauptsächlich auf seinen Einfluss zurückssthren. Erleichtert wurde ihm seine Tätigkeit dadurch, dass, in der Verb§nt>sperwalt11na Männer ohne Rückgrat fasten. Kam es doch oor, dass mehrere von ihnen konsequent wie Direktor Adler stimmten, sodoss man es für nötig hielt, in Zirkularen sein Gutachten zuletzt einzufordern. Da musste ein Professor Blaschke leichtes Spiel haben. Als Steinhardt-Magdeburg sein ״Mahnwort" verösfentlichie. in dem er energisch für die Erhaltung und Vermehrung der jüdischen Volksschulen eintrat, da setzte es Professor Blaschke im Verein mit Feiner-Hamburg durch, dast es nicht Verbandsschrift wurde. Als Herr Direktor Adlet nach Frankfurt berufen wurde und den Vorsitz niederlegte, da sprach er die zuversichtliche Meinung aus, er trete nunmehr an Blaschke's Stelle, aber es blieb beim Alten, nur wurde Direktor Adler Ehrenpräsident und damit 11. Vorstandsmitglied. Vorsitzender aber wurde der bis dahin i» rveitesten Kreisen der Lehrerschaft UNbekannte Herr Dr. Fiegel, besten einziger Vorzug es war. Berliner und dem G. B. genehm zu sein. Man hat nun zur Beruhigung der Gemüter ge sagt: ״Was lann Professor Blaschke wollen? Er hat doch nur eine Stimme!" Wir sind aber nickt so naiv, um nicht zu wissen, dass ein so kluger, energischer und im parlamentarischen Kampfe vorzüglich geübter Verfechter neol״ger Ideen zehn und zwanzig Leute nicht nur beeinflussen, sondern sogar beherrschen kann. Wäre nun der Verband nur zur Vertretung unserer Stondesinteressen gegründet worden, so hätten selbst dann die aesetzestreuen Lehrer schon um des Prinzips ss-?.K׳׳e erklären müssen: Wir verlangen eine Vertrei,׳ng im Verband, wie sie etwa unserer numerischen Ved'utung entspricht, denn auch in! l < i 1