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Der Israelit · 1906-02-01 · 5 (1.2.1906) · p. Seite 8

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
5 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Mt 3fiu א Der ■Jgratlit. M, Februar!!**> passiv zustimmend« Stellung nahmen, diesmal im Wahllampf unterlegen. Dieses Sch.cksal mutzte sogar der von der vorigen Regierung geadelte Sir B. L. (lohen, ehemaliger Präsident der Londoner jüdischen Ärmen-Lrrwaltung teilen. In dem neuen Parkament zählt die Partei der Konservativen oder Unionisien vier und die Liberalen zwölf Juden. Bon besonderem Interesse und ehrend für das Judentum im allgemeinen, ist der Erfolg des Gelehrten Sv Phillip Magnus, welcher als Repräsentant der Londoner Universität in das Unterhaus eintritl. Be merlensweit rst senier die Wiederwahl des Unter s!22lssekretärs Herbert Samuel (ohne Gegentand! taturl und seines Bruders Stuart Samuel. Bon den acht jüdischen lonferdativen Mitgliedern des alten Parlaments finb nur drei ivirvrlgeioäl-l! worden. London. 28. Jan. In der Handhabung der Alien Bill zeigen sich, obgleich die Zahl der Zurückgewiesenen an sich nicht groß ist, allmählich die schreicndstcn Härten, die mit dem wohlwollenden Geist der englischen Verwaltung in auffallendem Widerspruch stehen. So ist vor einigen Tagen ein kleines Mädchen von 9 Jahren zurückgewiesen worden, weil es taubstumm war, ivährend den Eltern und der übrigen Familie die Landung gestauet wurde. In einem anderen Falle hat man einem Manne, der beinahc 000 Mt. in seinem Be- 'ipe hatte, die Zulassung versagt, weil er zu alt sei. und dies ungeachtet der Tatsache, daß seine Tochter und seine anderen Verwandten es ausdrücklich überuommen hatten, für ihn zu sorgen. Es ist naiür-!ich. datz gegen solche Akte der Barbarei die Enk rüsiung »ich! nur in der jüdischen Presie Englands lebhaften Ausdruck rindet, und dieser llmstand läsil vielleicht am ehestcn darauf hoffen, datz nach Antritt des neuen Kabinetts eine Besierung eintritt. Die Unterbringung der aus der Schule entlanenen jüdischen junge» Leute in solche Stellungen, die ihnen die Beobachtung des Sabbats gestallet, wird augenblicklich hier stark diskutiert. Wir werden über die Angelegenheit noch ausführlicher berichten. Welche Bedeutung die Frage hat, ermitzt man daraus, datz nahezu 2000 Kinder alliäbrlich die Schulen des East End absolvieren und es ist kein leichtes Stück Arbeit, üe alle in geeigneter Weise der Industrie oder dem Handel -uzufübren. Autzernrdentlich interessant verlies die letzte B>׳r sammlung der I t o in London. Rabbiner Reines aus Lida der die Jto mit seinem ganzen Einslutz unterstützt, war als Gast anwesend, und es entbehrte nicht ein׳» 'Vbü/ä jit kvobnchOn mit 1oelcher geflissentlichen Emphase Frau Zangwill. die in Vertretung ibres Gatten die Versammlung an regte. ihren oerebrlen freund, Rabbiner Reines, feierte. Die Tatsache, datz die von Reines geführten orthodoren Juden die territorialistischen Bewegungen verständen und unterstützen, slötzten ihrem Gatten von Anfang an besonders Mut ein. Der 12. Band der Jewish Encyclopädie ist er schienen und den Abonnenten zugestellt worden. Ta׳ mit ist das Riesentverk mit bewunderungswürdiger Pünktlichkeit ferriggestellt worden. Die 12 Bände entbalten nahezu 9000 Seiten und 2300 Illustrativ nen: *>״.' Schriftsteller haben daran mitgearbeitet. Frankreich. Paris. 20. Jan. Hier ist dieser Tage unter .׳em Namen .Atelier" eine Institution ins Leven geruien worden oje den zahlreichen jüdisiVen Arhei'tr- >> len Besmäs'.iguna verlchasten toll. In dem vom -Konntet erlassenen A»sr>>s heitz; es׳. Da die Zahl der jüdischen Arbeitslosen sich täglich vergrößert. das Wobltäligkeitskomilee al'er nicht die Mittel bat. uni 0!!?r. Bed!!rs!igcn adzudclirn. die stch an es iütv.be״. fo schien es einigen von uns nützlich, eine besondere Arbeilssürsorgestellt für Juden zu begründen, um unsere armen Glaubensgenosien vor dem demorali sterenden Einslutz des Betteln-:- zu bewahren. Das ,Atelier" wird lübttchen Arbeitern Beschästiguna geben, bis ste eine ikren Fähigkeiten entsprechende anderweitige Arbeit gesunden habt». Wir beab üchtizrn. eine oder medrrre Werkstätten einzuricktten. '״o Gegenstände .׳ngesertigl werden, die jeder auch ohne besondere Facdtenntnisse Herstellen kann. Hoffentlich hat die Gesellschaft auch Vorso-rge getroffen, datz in den Werkstätten am Schabbos nicht gearbeitet wird. Dänemark. Aum Toöt König Lhrlstian's IX. von Dänemark. Kopenhagen. 30. Jan. Der plötzliche Tod des gleisen nordischen Fürsten hat überall eine aufrichtige Teilnahe gefunden, die weit über die Be-׳ deutuug des Landes hinausgeht, dessen Herrscher König Ehristian war. Besonders in den Herzen der jüdisäxn Bewohner Dänemarls hat sich der Entschlafene ein treues, dankbares Gedächtnis während seiner gesegneten, vieljährigen Regierungszcit gesichert. Es gibt vielleicht keine ztoeite Donastie in Emopa, die seit der ältesten Zeit bis auf den heutigen lag, den Juden so ununterbrochen in väterlicher Liebe so zugetan war, lute die dänische und die dieser ihrer Sympathie für Juden und Judentum jederzeit durch Mort und Tat vor aller Welt bekundet hat. Die jüdische Geschichte feiert daher die dänischen Könige allorzeit als wbs, als Stönige, die das ihnen zuerkanntc Attribut der Gnade, wirklich als Könige von Gottes Gnaden, den Schwächsten unter den Schwachen, den allerorts verfolgten und vcrsehmten Bekcnnern des Judentums in wahrhaft fürst-!icl-ei» Edelsinn zuwandteil. Wenn die benachbarten Staaten in den Jahr- Hunderten liebloser Unduldsamkeit ihre Juden vcn Haus und Hof verjagten, so fanden sie alle Zeit in Dänemark gastlich« Aufnahme. Die dänischen Könige hatten jüdische Leibärzte, als der Judenhaß anderer Länder seine giftigsten Pfeile gegen die Juden gerade als Aerzte richteten. In dem berühmten Streite, dcn Rabbi Jonatan Eibeschütz mit seinen zahlreichen Gegnern auszusechten hatte, trat -König Friedrich V. von Dänemark durch ein königliches Dekret für den Dberrabbiner von Altona ein. Als Moses Mendelssohn seine deutsche Uebersehung der fünf Bücher Moses verösrentlichle, stand der Rume des Dänenköniqs Ehcistian VII. und des .Kronprinzen an der Spitze der Pränumeranden. Es ist unmöglich, die einzelnen Akte königlicher Huld all: aufzusühren. di: schon in früher Zeil zur Gründung und Erstarkung der jüdischen Gemeinde i!> Kopenhagen führten. Hier soll nur betont werden, datz der soeben verblichene König Ebristian, treu den Traditionen der dänischen Könige, den Juden allezeit ein wohlgeneigter Fürst war, der bei jeder sich darbietenden Gelegenheit sich als wirklicher Beschützer der Juden erwiesen. Es entzieht sich vielleicht für alle Zeit der Dessentlickkeit, wie der entschlafene .König die europäisch: Berühmtheit seiner Familienverbind u n g e u benutzte, um den Juden >n anderen Ländern, besonders aber in Rußland, mit feinem weitreichenden Einslutz förderlich zu sein. Dafür werden ihm die Juden aller Länder im Verein mit allen Menschenfreunden aller Zeiten und Zonen ein tm1fÄ, dankbares Gedächtnis bewahren. König Ehristian IX. ist 87 Jahre alt gewölben. ein Alter, das aus .Königsthronen selten erreicht wird. Wenn die Jabre, selbst der Greise, normaler Weile die siebrnzig nicht überschreiten (Ps. 90. 101, so ist jedes Jabr darüber hinaus eine besondere Segnung der göttlichen Güte. Vielleicht ist es gestattet, diese über das 70. Lebensjahr hinaus gewährten 17 Jahre des siebenundachtztgjäbrigen Fürstengr:׳.ses in dem Königspsalm (Ps. 21. 41 an a.edeutet zu finden׳ fr ׳ עט־תzeu-b r-rr Zu der von Gott ihm verliehenen Alters- und Königskrone hat der Berblickene noch die Krone edler, :׳׳ahrhaft königlicher Taten gefügt, die!hm ein treues Andenken in der Geschichte aller edlen Fürsten dauernd sickern. FrckNkfnrt 1. M.,20. Ja» ,Kaisers Geburtstag., Aus den verschiedensten letten unseres deutsche» Vaterlandes liege» Berichte über FeslgötteSdienste vor. die aus Anlas des kaiserlichen Geburtstages am 47׳. Januar veraustaitel wurde». In den Provinzial und Distrikts Rabbinaicii wurde zumeist eine von dem Raddiner verfaßte Feslpredigl im Anschluß an das Königsgebet vorgetragen und dem Eharakter des Tages angemessene Psalmen rezitiert. Auch m den hiesigen Smiagogen fanden Festakte »all. In der Lyna goge der Jsr. ReligionSgesellschatl dierseldst widmete Herr Rabbiner Tr. Breuer dem nationalen Festtage eine formvollendete Predigt, deren Miltelvunkt der Gedanke vilveie. dag König-treue und palriolische Pstichlertüllung dem gesctzestreueu Juden nicht von dem größeren oder g« ringereu Maße de» Wohlwollen». das Staat und Land ib>» entgegenbringen, abhängige Lebensprinzivieii. ioiibern reli giöse Pflichten seien, gleich allen andere» das Leben des Juden adelnden GotleSgeboten. In diesem Zinne batten Jahrtausende hindurch die gehetzten und verfolgten Juden ihrer patriotische» Pflicht gcledi. uni wieviel beglückender fei es in dieser leichleren Zeit den gleichen Anforderungen i» liebevoller Hingebung gerecht zu iverben. Berlin, 47. Jan. Im ncnen klg. 'Dperntbealer hier, fanden am 44. Januar Wohltätigkeitsanfführuiigen statt, deren Ertrag für die durch die russischen Juden»,aisacres Geschädigten bestimmt war. Musikalische Darbielunaen. Vorträge und Dramatisches wechselten miteinander ab. De» Glanzpunkt des Festes bildclc wohl für die Mehrzahl de. Versammelten die von .Hermann Ltruck und Egon Brecher gestellte» iebenden Bilder, welche in großen Züge» die i׳>e schichte des jüdischen Volkes vorführten. Berlin, >'׳. Jan. Von durchfchniiilich i sou jüdischen .Heirate» jährlich sind in Berlin etwa 15U Miichelien. alte genau 40 v. .H. Von dcw chrjsllichcn Mädchen, die jüdifchc Männer heirare», bleiben etwa zwei Drittel ihrem Glauben treu, während ein Drittel zur jüdische» Religion Übertritt Alio 4«»»,, Mifchelien. Diele Tatsache redet eine erschreck liche Sprache. Berlin, 20. Jan. D er Verein D euli cher Studenten feierte fein 4.",. Sliflungsfest. Zu den Ehrengästen gehörten Generajmajor Gras von Zepeli». Kavitäiileulnanl Bou Ed , Ho'prediger a. D Stöcker, Senaisprändent Dr. von Strauß und T orncn, Polizeipräsident Graf von Westarv Hofprediger Lhlu. Der Reich stau zier Fürst von B n l o w batte ein freundliches Schreiben gesandt, invem er wünschte, die studentische Jugend möge auch ferner die Freude am Deutsche» Reich pflegen »nd vertiefen. Sind tiieol. Völkel, der erste Prände, hielt die Kaiserrede, Ltadlral Dr. von Frankenderg feierte das Deutsche Reich und gab als Losung aus: ״Das Vaterland und nicht die Partei'" Die Rede zum Stiftungsfest des V. D. St. hielt 8tud. jur. (t ermann, der ein Bild der Entwicklung des Vereins deutscher Slndenten gab. Begonnen Kalle Pie Bewegung mit einem bewußte» Gegensatz gegen das ü d e r g r e i f e n d e I u d e n l u m. Heute sei ein anderer Gegner hi den Vorder grund getreten: der llltramontanismus. Der Redner sprach dann über die vier Grundgedanken, des V. D. St.: den nationalen, sozialen, christlichen und monarchiichen, und schloß mit einem ״Frisch auf!" Der Prände kommandierte eine» Salamander auf das Wachse». Blühen und Gedeihe» des V. D. Tl. Es sprachen noch Pfarrer Werner aus Frankfurt a. M.. Generalmajor von L e c d e!!, sind, theo! Waltbcr Schmidt, Adolf Wagner und Stöcker Der Vorsitzende erinnerte daran! an Stöckers 70. Gcburtslag und kommandierte zu Ehren Stöckers einen donnernden Salamander. Eöthen, '27. Jan. Durch die Revolution u> Rußland waren die Angehörige» einer großen Anzahl der am hiesige» Polytechnikum studierenden russische» Juden derart beimgesucht worden, daß üe ihren Söhnen die zur Fortsetzung der Studien erforderlichen Mittel nicht mehr gewähren konnten. Um es dcn i» den letzten Semestern stehenden, deiondcrs bedürftigen innge» Leuten zu ermöglichen, ihr Studium zum Abschluß zu bringe», bat der Hilfsverei» iür die russischen Juden in Berlin l -■י א יי Mark hir diese» Zweck gestiftet: die gleiche Summe bat die israelitische Kullnsgenieinde zu Dessau aus den Mitteln der Baronin von Eohn'Lvpcnbeimsllfkuiig angewiesen. Kraue a. Br.. '22. Ja». Aus dem israelitische» Friedbose ist ein arges Bubenstück verübt worben. Ei» Fachwerk ist aus der Lcichcnballe berausgeichlage» und ein irisches Grab ausgegraben worben. Der Täter ist noch nicht ermittelt. :1iidi$dK$ Uereinsimen. Frankfurt a. M., 41. Jan Am '2.1 Januar fand die diesjährige "Generalversammlung des Gesangvereins .Jeichurnn" statt Der Vorsitzende gedachte zuerst in warme» Worien des Herden Verlustes, den der Verein durch de» Heimgang seines eifrige» Vorstandsmitgliedes, des Herr» Adolf Rosenbaiim f. '.'!.erlitten, :stach einem kurzen Berichte aber das abgelaufene Vereinsjabr entspann sich eine sehr lebbartc Dcbatle nbrr den zweilen Teil der Tagesordnung. Es ivurdc beschlossen, den Verein seinen Grundprinzipien gelrcu iveilerzusübre» und mit erneuten strästen daran? binzuwirken, ein regeres Jnterest'e für den Verein wack׳,!!rufen. Der Vorstand wurde beauftragt. eine Propaganda >iom!n-.ffiou zu wählen, d,c stch zur Aufgabe mache» soll, aklive und paistve Mitglieder zu werben, und man bofsl, daß deren Arbeit 'mit Erfolg gekrönt

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