Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 5 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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L«it« i 9h. 5._ lrnizen Leut« befragt, weicht autausendfacher eigener Er fahruna da« schachten genau kennen und auch imstande find, diese tötung-weise mit der Talung durch dir modernen Sugel und Bolzeiiichufiapparate zu vergleichen Tie früheren Gutachten rührten zum Teil von Professoren her, die dem Lchlachtdetricde fern standen und die zum Teil das Schachten sich erst vormachen lassen mugren, um e« über Haupt kenne» zu lernend» Außerdem entstammten jene Gutachten säst sämtlich einer ,-seit, als es die vervollkomm neten Schufiwerkzeuge 1׳och nicht gab. ״t*e haben sich jetzt von •r>7H Schlackthos d1rek»ore» '>7l entschieden gegen da« beta^ubungslose Schächten erklärt, während nur vier Schlachthos direktore» sich zu Gunsten desselben ausgesprochen habe». Bon den Tierärzte» nnd Schlachlbofdirektore». welche s. F. für da» Schächten Gutachten abgegeben batten, weil damals i lx'.ui» bessere Töt»»g«me?hodr!r nicht bekannt waren, haben jetzt säst alle ihre damaligen t^ntachrcn widerrrrse» <!i und erklären beute, daß die blitzartige Tötung mit Schugapparat hinsichtlich der Schmerzlosigkeit de» Liegesprei» verdiene ..Angesichts dieses fabelbasten^i Umschwunges der Ansichten wird der Sturm gegen das Schächten von bleuem beginnen, den» die srüberen vielen Gutachten der Fuden sind u»!er den veränderte» Verhältnisse» zu Papieren geworden, die völlig ihren Kurs verloren habe». Tie überwältigende Mehrheit der wirkliche» Fachleute bezeichnet jetzt das de!änbungSsok» Schächtversakren als tierauälerisch. weil schon die Borbereilungen Quälereien erfordern, bei dem Hmwerfen schwere Verletzungen vorkomine». der Schächlschnitt nicht betäubt, aber höchst schmerzhas! ist. i» der klasscnden Wunde mit der Hand roh gewühlt wird, die verslopsten Blutgefäße den noch lebenden uud;chmerzsublenden Schachtlieren öfters nachgeschnitien werden niilssen. die Tiere oft 10 bis 12 Miinite» lang die größten Schmerze» z» ertrage» habe» und schließlich den besonders gualvollen Erstickungstod erle.den. ״Noch viele andere, für die Schächlireunde sehr »nan genehme. Aussehen erregende Tatsachen hat die Rundfrage ausgrdrckl. Man möge alles in dein Heile selbst leien." Man kann sich dem Wunsche. in den diese Expekiorcitwn ausklingt, nur anschließen. Tenn dieses Sammelsurium von Nnnerstand. Anmaßuna und Böswilligkeit ist interessant, wo man es packt. Das Selbstfiewußisein. mit dem die Herren der wissenschaftlichen Wabrbeit und ihren berufenen Verirelern sich geaenübersteslen, wird nur noch durch den Dünkel iiderboten, mit dem sie sich auch als Theologen gerieren. Tie kommen zu dem Resultat: :<) Wenn die Gutachten von leitenden Schlachtbostierärzte» deiileniaeii der Anatomie- und Physiologie Proseltoren vorzuziehen Und. weil jene da« Schächten au« tausendfacher. eigener Erkadrung genau kennen, so wird, wenn dir ^ntelliq-nz dieser Ägitaiore» >n der ditzberigen Weise sich weiter entwickelt, gewiß der .zeitvuntt nicht mehr ierne lein, in dem sie dir Gutachtern von Metzgergeiellen den Gutachrrn der Tierärzte voriirdrn. Tie »ngeinrin reichere Erkabrung dieser Hategorie von Gutachten enthält schon von vornherein »in« genügende Garantie dafür, daß idre Gutachten den v'nlentioiien der treibenden Elemente de« Perbande« auch um viele» »aber stehe» w»rde». 4, Pei dieser Gelegenheit verrät die We>»heir de« Perbande« deutscher T.-Sch-D. ,venigsreu». daj, e« nicht nur Professoren, sondern auch T1erar.it« und LLIachibausdirekloren sind, die da« Schächten günstig druneilt haben! L> Wenn dl« .Herren diesen Umschwung selber in« Reich der Hades verwei’ei». iäeibi den «uichaueubei« ^1r>t«kr«1i UichlS übrig, ul« mit verschränkten Armen dem Tage entgegen 1>! sebe». an dem die Anonymität kallcn und der Wortlaut der Gutachten bekann» wird. — E>n größere« Interesse dürsten schon die zahl- ,eichen Tierärzle und Sch'.achtdanSdirektoren unter den :17X Gutachtern zu Gunsten de« Schächten« daran yaben. daß recht bald seirgeitellt wird, wer von ihnen Ken Kultus der Wissenschast vertagen und!ich in den Tienst diese« Tierkultu» qeuellt dal. Ter J-raelit Das Schächten ist keine Religionshandlung. Es hat bisher noch kein Mensch den Beweis erbracht, dasdas heutige betäubungslose Schächten eine donGotl oder Moses eingerichtete Religionsordnung ist. In der ganzen Bibel ist kein Wort zu finden über die Vorschriften des heutigen rabbinischen Schlicht- Verfahrens oder über ein Verbot, Tiere bei profanen Schlachtungen zu betäuben. Die Juden haben besonders alle Sch lachtopf er. wie sie in der Bibel vorgeschrieben, eingestellt. Wer wollte bezweifeln, das; Schlachthausdirekloren nnd Schlachthoftierärzte das berufene Forum zur Feststellung und Kommentierung des jüdischen Religionsyesctzes sind? Gibts einen originelleren Faschingsscherz, als die Konstituierung dieser .Herren zu einem jüdischen Synhedrion? Ist die Fixierung dieses vlächtiaen Schwabenstreiches und seine Verewigung auch über die Karnevalszeit hinaus durch Ausgabe einer 46-seitigen Schrift, nicht ״Eine Veröffentlichung von der h v ch si k n Bedeut u n g?" A»f unsere lkinsicht können wir uns nicht verlasten, wobl aber auf die schmalstirnige Beschränkt heit unserer Gegner und ihre eigensinnige Verbortheit, die iick gegen jede Belehrung und besterc Regung snstematisch sperrt und sie mit ihrem Schellenkappen- «Fellinael zu überlauten sucht. Die Priester dieses Tiergöhen Knltus mögen mit ihren grotesken .Harlekinmühen die Lacher aus dem rohen Trost aus ihrer Seite hoben. Die religiöse Toleranz und die wissenschaftliche Forschung werden den Moloch überdauern, dem sie da geopfert werden sollen, ob auch die Opferer glauben, die beste Tötungsact für Tiere sei Pulver und Blei, für Religion und Wiffenschaft aber genüge — Konfetti! MSLkLsMLMÄSLbZM w * 4 yvi »׳*׳• יו ן וו י־» »uijim v« « vm(! *» w * Zar die Einberufung einer neuen Friedenslonseren z in den Haag angeregt hat. Wie man nun bört, ist von hervorragenden Engländern und Amerikanern eine Petition an den Präsidenten Roose- _1. Februar IGtzi velt gerichtet worden, er möge seinen Einfluß geltend machen, daß auf der Konferenz auch die armenische Frage zur Diskussion gelange. Herr Roosevelt hal d'e Petition an das Staatsdepartement weitergegeben. und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie von Erfolg sein loerde. Hieran anknüpfend ist in England der Gedanke laut geworden, man müsse die Gelegenheil ergreifen und ein gleiches wie für die Armenier für die russischen Juden zu erwirken suchen. Es wird vorgeschlagen, die Judenheit solle sich zu sammen mit allen menschlich denkenden Mitbürgern ebenfalls in Petitionen an die Regierungen wenden und sie ersuchen, dafür einzutreten, dass auch t ie russische Judenfrage auf das Programm der Haager Konferenz gesetzt werde. Der Gedanke ist freudig zu begrüßen. Der Grund, womit gewöhn!ich eine Verwendung zu Gunsten einer in einem anderen Staat mißhandelten Minderheit abgelehnt wird: daß man sich nicht iw die inneren Angelegen heilen eines fremden Landes einmjschen könne, ver liert in diesem Falle sein lstrwicht. da es sich hier nicht um das Vorgehen eines einzelnen, sondern um die Einschließung der verschiedenen an der Konfeceni beteiligten Staaten, die Sache im Haag zu erört-rn, Handel» würde und überhaupt die Friedenslon ferenz ein Boden ist. auf welchem derartige An rcgungen von Staat zu Staat nicht leicht llbelge nommen werden. Auch werden die Regierungen, wenn sie übereinlommen, die Armenierfrage im Haag zu beraten, ein entsprechendes Verlangen bezüglich der russischen Juden nicht zurückweisen können. Schon eine internationale Erörrerung der Frage auf der Fricdcnskonferenz wäre ein großer moralischer Er folg, der seine Wirkung auf die russische Regierung nicht verfehlen lvürde. Nnd wenn, was wir gerne hoffcn möchten, es sogar zu Beschlüssen von un mittelbarer praktischer Bedeutung kommen sollte so wird der Herrscher, der die Friedenskonferenz ver anlaßt hat. diesen ihren Beschlüssen sich wohl nicht widersehen dürfen. Das alles sind Möglichkeiten, die sich vielleicht nicht verwirklichen werden, deren Vorhandensein uns aber die Pflicht aufcrlegt. sorg faltig zu erwägen, was w i r zu ihrer Verwirklichung zu tun vermögen. * * * Die tiefe Erregung, die der preußische Schulge setzentwurf in allen Lagern hervorgerufen hat. dauert an, ivährend die Beratungen der Kommission bis zu Beginn dieser Woche mehr den nicht streitigen Teilen des umfangreichen Gesetzes gewidmet waren. In zwischen hat der Verband der deutschen Juden ein ״offiziöses" Kommuniqu«- veröffentlicht, wonach seine Denkschrift die Zustimmung von 700 Gemeinden gefunden habe und auf die Landtagsabgeordneten ״sicht lich nicht ohne Eindruck geblieben sei". WeMLZ ]/ uuu Uom iiidildien freifinn. .'Acrger iit gesund. sagt ein alles Wo«: wen» das um!!׳.' iit. io verdanke ich meine Ge>»nd>׳ei1 anderen Faktoren denn ich pstege »»ch feiten zu ärgern Tide angenehme Gewohnt!«» entstammt weniger einem angedorenen Phlegma als der niu den Fahre» gewonnenen Erkenntnis, da» mit Km 111(11 1iiun viel auszueichtk» 1u. Bor einiger Feil Kälte ich mich aber gegen me», Prinzip beinahe dock geärgert nnd da-׳ kam 0׳ Fch nnkerhielt mich mit «.mini F ««««>>««, di« g'.iich Ui!« üiii dcUi Bodcu dos gesctzcs treue» Futentm»» itebt. »der eine Kit»-, mir nicht ».ihcr brkannle Persöuluhleit. '.׳!ui mciaf Frage, od Feuer auch uniereu re.igioieu Standpunkt riiiiirhiuc, erwiderte mei» Freund ichnell ״Nein, nein' Ter in ganz nnd gar frei «innig'" .Was »n er"" irng ich nochmals. ״Na. du hörst es ja! 4 in religiös ganz und gar freisinnig:״ Als ich von dieicm religiöse» Freisinn iv zum zweiten mal deren mußte, wollte mich aller Prinzipien zum Trotz ein luchiigrr Acrger criaiie» nnd ichon ieizlc ich zu einer gehörigen Philippika an. als mir einfiel. daß der Mißbrauch, den mein Freund hier n»l dem Worte Freisinn trieb, nicht idm aUeui zur Last zu legen ie», ionder» von der AUgeme»» de» verichulde, werde ״So" sagte ich .also Herr X.. der wahrscheinlich keine» Sadbat hält und in Bezug auf Elfen und Trinken keine anderen t'-efetze anerkennt, als jene, die ihm fem Gaumen vo«chreibl. der gilt Tir allein ans diese« Grunde iur religiös freisinnig. Bitte, sage mir. >v,e nennst Tu denn die z-tute. die wie z. B. Tu und ich den Geietzon ihrer Vater tren geblieben sind« Wenn jene freisinnig nnd. anu und wir wohl .reaktionär״ oder .deichränkt״: c^egen diese meines Erachtens unwiderlegliche Schlug iolgerung erhob mei» Freund natürlich lauten Proleit. Aber ich ko׳!>!«e idm nickt delien: wer eine Gedankenlosigkeit kritiklos nachdelel. der »>»ü es sich schon geiallen iam11־, weu» man iur ihu die >ionicauc»;cn zieht »nd das Facil, das da»» entsteht, ans seine Rechnung seht. Meinen Freund glaube ich von dieser Sorte Freinn» für alle Feil kuriert zu haben: da der Ausdruck aber leider! — »1 »»seren eignen Reihen sich Bürgerrecht zu erobern scheint, io verlohnt es sich schon, hier ei» wenig aui die Sache ein zugede». Tag jene Fudrn, die s»h. fei es aus Unkenntnis ober FiibiNcrenlisinus. Beguemlichkcil ober Gewinnincht ihren flc«f frei iiiinige F»de»" »eiine». wer wollle ib»e» das verargen? Wir köniien nicht verlangen, dag sie ielbn sich als ״Abge inlione״ oder Abtrünnige" der 'Aunenwelt gegenüber de zeichnen. Ich nnbe ganz »aiurlich, dag sie für ibr Tu» und Lassen nach einem schmuckenden Beiwort incbtcn und mangcis eines bcllcreu den ״Frriitn»" aus der politischen Arena holten. Anders aber itcht die Frage, ob wir. die gefetzestreurn Fudrn, icne Bezeichnung accevlieren soUen. Fch möchte da a»i ein Wort Spinozas Hinweise», der sagt: .Es ist die Ansicht de» Pödels, den Tienit der Lüiie rür Freibell, die llnterweriuiig unter das «׳lcietz für Sklaverei zu kalten" Mit diesen Worten dürfte auch der Frrlum unserer Grgner klargelegt sein Wir beugen uns gern und willig Gesetzen, von denen wir wissen, dag n« nach ihrem Ursprung heilsam sein müssen, wenn anch menschliche Xurznchl es nicht, oder noch nicht zu erkennen vermag. Wie der Soldat im Felde sich willig und gern Entbehrungen auserlegt im Hinblick ans das Wobl des Vaterlandes, io tragen auch wir die Lpier und Entsagungen, di« un» da« Geieg auserleat. wisiend. dag wir damit im Ttenltr einer Kulturmtision stehen, dir an Alter, Bedeutung und Würde von keiner anderen uberlroffen wirb. Wo ist nun in Wahrheit ein freier Sinn zu finden? Tort, wo freiwillig ühernonimene ideelle Verpflichtungen mit nicht unerheblichen, materiellen Lpsern ein ganzes Leben i» Treue gehalten werden, oder dort, wo von >>x«> Fälle» ‘;*ü‘.! mal Beguemüchkeit nnd Fndinerentisnius zum Bruck mit dem Religionsgeietze führte»? Würde die Lossagung vo» l«eietze» einen freien Sinn dokumentieren, io inügten »niere iogenannlen sreinnnigcn Fudc» ibr Fdcal in dein 'Anarchisten sehe», der keinerlei >?c!cr, rospekriert und mit dreier 'Anichanilna, stimmt es auch ganz überein, wen» Schiller ieine Räuber »Ingeiz lägt: ״El» freies Leben führen wir u. s. >v. lllun gegen diese Sorte ״Freisinn" werden natürlich auch unsere Brüder von der Reform entschieden Protest ein irgei«. aber ne »lülien dann, wenn ne konie«1ue»i sind, auch daraus verzichten, ihren Unglauben uns als Freisinn aus zuqrben. 'Nocki vo» einem anderen tleiichtspunkl aus liege fick eine Prüfung der Frage vornehme». Freier Sinn au׳ religiöieiu Gebiete äuge« sich vor allem dari>!, daß neben bei» iAauben kein Plag für den Aberglauben bleibt. Von den geiegcstreuen Fuden Tcutichlanbs als itzesamiheil ge »ommrn, dürfe» wir wohl behaupten, dag fie von Aber glaube» völlig frei sind. T ie freiwillig: Unterwerfung unter bas jüdische Gesetz füllt «^eist und Herz io aus. dag kür die Schliiigpstanzen des> Aberglaubens kein Platz bieibl Ander» bei einem grogen Teil jener, die sich augerdalb des Religions^eicges gestellt haben. TaS i^eiühl, dag eine ge wattige Lchickialsm«rcht über uns schwachen Sterblichen wallet, ist natürlich auch in ihnen lebendig und aus dieser Emvstndung heraus suchen ne. da ste daganze Gesetz nickt erfüllen zn können glauben, nach >tomprnsationen, die an seine Stelle treten können. So finden wir Leute, die, obwohl ne den Sabbat, der unbeguemer Weise jede Woche miederkehrl. durchaus migachlen. die Feier des Roschhaschonoh und Jom kippur als Verpfiichtung betrachten. Man erhebt einzelne Mi» hagim zu ^eincm Ranze, den ne bei unS nie einnebme״ können So find die Fälle nicht vereinzelt, wo ein Er»!