Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 5 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886701--0094-7374607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bf\\\ Ein Centrslorgan für das orthodoxe Judentum 11)1 Begründet oan Dr. Lehmann in fflain: 1.;prünmr 10013 F i n 11 Ui in t n. M)., tu'ii 13. £J>i1ji־üntl1 Der Israelit erictieint je&eu Tonnrrftag. 4lbo«tt»e1»eatS: Wcroobnlidie Ausaade i'if. 1.00 vicitclialirUch. aac'lausgadc aus Kunttt'iurfvai’ifr 'V’f. :1. v!rr!c!iahrl1ch, iRnslank׳- prcile für die gew, Ausgabe: Oesterreich •1 Kr, Rußland 1 Kub., England 2 sh, Amerika .סר eis, Niederlande l/Joti.i Rdoniieiiiciil» frei allen Boiiaiiiiallc». Buchbandluiige», iowie direkt bei der Erpcdition, Henausgade nur direkt, Inserate: :io Pfennige für die sechsgeipalkcnc Golonel Zeile: Radall »ach laro Iiiieraleiiannadnir r.ur durch H aase» st ei» A Pogzer A W. in Iranksurl a, M und deren Filialen, §ß^~ Diese Numaner ist 20 Seiten stark. hin Winiszng grgrn Ns ciliittn. Juli um die .Uarnevalszeit führt uns der ,,,Deutsche Tierfreund" einen Zug von 58Ö Säilachthosvireitoren Masken vor, die mit geschlossenem Visier zu einem Angriff auf das jüdisch: Schlachtoerssohren mit einer Grandezza aufmarschieren, die :n vielen Punkten an den seligen Ritter von La Mancha erinnern. Das drolligste an dieser Komik ist ihre Unfreiwilligkeit. Dem Verband der Tierschuhvereine des Deutschen Reiches, der diesen prück ligen Auszug inszeniert hat, ist es dabei gar nicht fuschingsmäßig zu Süiut; es ist ihm im Gegenteil bitter ernst, wenigstens tut er so. Seit Jahr und Tag hat's einer gewissen Spezies von Tierschützern das Schächten angetan. Sie raten und taten, agitieren und petitionieren bei den Kom munen und Staatsbehörden um ein Schächtverbot der ^Iidrn rrin. Ochsen. Aber all ihre Liebesmüh ist bis iet-t an der verfassungsmäßig garantierten Re ligionsfreiheit und dem einstimmigen Votum der ^achwiisensöboft gescheitert, die das Schächten nicht nur für keine Tierquälerei, sondern als eine empfehlenswerte Scklachtart erklärt. Schon länger als fünfzig Jahre währt bereits dieser Kampf, aber die Gewissensfreiheit und die Wissenschaft ssnd zwei Bollwerke, denen er nicht gewachsen war. Sie haben alljüdischen Apostaten zu Helfershelfern heeangezogen, um sich von ihnen belehren zu lassen, daß das Schächten keine religionsgesetzliche Handlung fti, sie haben den Leuchten der pbnsioloaischen, psocbologischen ' und medizinischen Wissenschaft obskure Rawen van Veterinär- und Tierärzten gegenüber gestellt und von ihnen das Schächten als Tierquälerei erklären lassen. Alle paar Jahre, tvenn eine neue Tötungsart erfunden oder einalte neu aufgeputzt wird, haben sie erklärt, daß angesichts dieser jüngsten Erfindung die früheren Gutachten der größten Autoritäten hinfällig seien. Aber die maßgebenden Behörden im deutschen Reiche wiesen diese religions- und wissenschaftsfeindlichen Br strebungen immer wieder zurück. Da bewährte die Rot ihre erfinderische Kraft. In aller Stille, wie in dem vorliegenden Berichte erzählt wird, hat der Verband der deutschen Tierschutz-Vereine einen Fragebogen mi' 2־> Spezialfragen an sämtliche Schlachthosdirektoren gerichtet, um Unterlagen für eine Eingabe an die Reichs behörden zu gewinnen. Da nach der Reichsverfassung jeder Deutsche dos Recht hat. stch so gründlich zu blamieren, als er eben kann, ist die Stille befremdlich, in der das Ganze so fein ausyesponnen wurde. Von den vielen tausenden von Schlachthosdirektoren und leitenden Tierärzten des deutschen Reiches haben nur ־ז,*.", von diesem verfassungsmässigen Rechte Gebrauch geniacht. Aber die Stille, unter welcher dieser geniale Gedanke geboren und ausgefiihn wurde, wird auch durch Vcrrffcntlrchung der Ergebnisse dieser Enquete nicht gestört: sic waltet weiter. Von einer Nennung der Schlacht hofdircktoren und der Städte tvird auf Wunsch einiger Herren abge sehen! Ob die Herren für ewig- Zeiten in ihrer Ver mummung bleiben oder ob zu gegebener Zeit eine Dcmaskicrung folgen soll, wird nicht verraten. Einstweilen hat ihnen der Verband zu der Marie auck noch einen Maulkorb vorgebnnden, der sie im i'te brauch der vollen Redefreiheit hindern soll. Ein w örtlicher Abdruck der oft langen Ausführungen (es s i n o ca. 2 0 0 0 Seiten*) mit 22,000 A n t Worten) konnte nicht erfolgen, da das Werk einen zu großen Umfang ,1 n q e n NM IN e n haben würde. ) n - solgedessen sind viele Aeußerungen der Herren Schlachthot direktoren nicht wörtlich, sondern nur dem Sinne nach, aber wahrheitsgetreu wiedergegeben. Obwohl es in der Tierschutz-Literatur von falschen Zitaten, wahrheitswidrigen Unterstellungen, kurz von Vertauschungen und Vertuschnngen jeder Art geradezu wimmelt, so kann man diesmal der wahrheitsgeireuen Berichterstattung doch vollen Glauben schenken. Denn kein Iälscken könnte die Herren anonvmen Gutachter so bloßstellen, als ste es selber besorgten, wenn sie wirklich alles das gesagt baden, was ihnen hier in den Mund gelegt wird. Dagegen verdient der Schlußpassus der Geleitsworie, mit weichen die Resultate dieser anonvmen Enquete hinausgcgeben wurden, zur Eharakterisierung dieser Herren einige Beachtung. Sämtliche Guluchien sind slei» tvilig erstattet worden, ohne Beeinflussung und ohne jede Zahlung oder Aussicht auf eine solche, falls das Gutachten günstig ausfällt: wir betonen dies besonders im Gegensatz zu dem Verfahren der Gegner, welche für ein schäcktgünstiges Gutachten bis zu 200 M k. versprachen. Die Herren glauben mit dieser hämischen, durch nichts begründeten und erwiesenen Verleumdung die Sammler der Gutachten zu Gunsten des Sckxicbtens diskreditieren zu können. Aber sie haben -> Solls ohtr Cftnn י >»* Setzer«. damit noch viel mehr den ganzen illustren Arcopag sämtlicher Kornpdäen der Wissenschaft von Sto-khalm bis Bologna beleidigt, der einstimmig sein Votum zu Gunsten des Scbächlens jederzeit abgegeben ha-, Tc״r bas Bewußtsein, einen Virchow, Du Boir Revmond 11 •4 ln •« Sia >)•< Via« Pflt >((anf >4% י (i CT s (4 4 » (> a •4 41« ״ iir jv »t ■,jUiiC;; ai r *;u; ,ii Schicksalsgenossen zu haben, kann man Anwürse von solcher Seile ruhig hinnehmen und mit einem Vächeln der Bcracb-'.ing über diele Borniertheit guittier-n. Wie die Herren stch nun die Möglichkeit zurecht legen, es werde eine Behörde, es werde ein halbwegs unbefangener Mensch die nahezu 400 Gutachten, die zu Gunsten des Schächtens von Professoren. Veterinären, Schlachthausverivaltern etc. abgegeben würben, in den Wind schlagen und sich für ca. 000 Gmackucn unbekannler Gutachter entscheiden, das ver stehe, wer es z» fassen vermag. Und wenn selbst die Anonnmikät dieser Gutachten in lrbter Stunde fällt, so wird es im günstigsten Ialle sich beraussiellen. daß jene 4'» die Lebrer dieser 000 sind. Ob man dann auf die Lehrer oder au? die Schüler hören, ob man die Gutachten zählen oder wiegen wird, ob das Gutachten 1. B. eines einzigen G e r l a cd nicht schwerer als dasjenige von einem Dutzend Tierärzten in die Wagsckale fällt, diese fragen stellen, beißt doch sie beantworten. Aber wie der simple Menschenverstand auch darüber denken mag. die Entrepreneurkalten die B׳ kanntgabe ihres Iaschingszngs für: .Eine Ver össentlicbung von der höchsten Bd e u t u n g" und geb-n unter dieser spitzmarke solaend« Thesen hinaus: .Bisher waren alle Brriuibe. für die!otung her Schtachiliere einheitlich die ichinercleseiie Art mittel« Schuss ms (Gehirn einzuiuhren, daran geicheilerl, daß die Juden heftigen Widrripruch erhoben 0. wett ihre Religion da» Schachte» «de» Halsschnttt« der lim ohne vorherige B« raudung drrsetdcn geböte, und weil ausserdem diese« Schachten laut Gutachten von etwa;Oh Aulorttale» nicht als Tier anäterei zu brrrachten sei. Ans ötrund der «Gutachten und aus "4lu״d dcr di» Jude» vrrsa!!u:׳.gsmass!g g«w.׳hrl,in״e» Religionsfreiheit wurde siel« der Betaudung«zwang dein, Schlachten adgelehnt'i Der Verband der Teul scheu Tierichuiii'ereine har I!«>7> m aller Tülle einen IZraae bogen mit :ר Svecialsrage» an sämtliche Schlachthofdirekinre» und lkitrz-.den Schtachthösrierärzte gerichtet: er hat also d,e >> Da« Nimmt nicht. Die Pjuden sind und waren nicht die rin4!1t»n. welche den Schuss in« Ged:r» a!« TÜInng«arf pertzorr»«׳ ciereu. Innerhalb der Dierschutzkr is« ieibn, di» bekanntlich hi« auf den nrutiqrn Dag noch selber iiber die hefte Tö»una«art nicht einig llnd, non vielen Meggern, Geifcherinnnngen und Schlachtbouloeiwuitunqen wird der »«bub in« Gehirn heut» wie früher mit aller tjulfchiedeubeit dekönipft. und Zwar nicht nur au« Rücksichten de« Dierlchutie«. Lin» irgendwie nenn»n«werte Aenher- »ng oder gor Berdellerung bei diesem TStung«oeriahr»n htben die iüngfte» »et»» Jobrr nicht gebracht, sonst würrn sie gew!, oo» den Herren erwähnt und mit Uorbeeren bekrünzt worbe». L« liegt allo «e >< :» gar kein neue« Moment vor. da« diele ganz, Moskerad» wenigsten« z»1n Schein r-chtfertigen könMe, tilg ein neneg SInsfiack-rn de« alt»» ctnbenkoife«. £> 3»t04> nur oo» den »insichttoollen Aebtldeten und den majigrbenöen Reichsbebörden, weiche,: die Aord>>a»gen der Wineüschaft »nid bee rrttgiüsen Toleranz kein» tauben Fülle und leeren Schölle ltnb- «der der Verband der deutschen Tierschu»- oeieme bat sich immer mit souverllner Verachtung zarltbsx binweggrf ttt und dir willenswustlichen Gutachten errt anrrfnnnwenn sie.nach seiner Darftrllung orraltet waren,