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Der Israelit · 1906-01-04 · 1 (4.1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
1 (4.1.1906)
Date
1906-01-04
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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iLifferarisc^eVX^arf m. Ein iiid. Hpofiel des Ebrilienlttms. '.'i '.rlifnut mt’i'ten. Sen liberalen evangelischen Tb.'vlogen in veil widerfahren. Tie Harnact. Bonner, Pileiderer tuet oen Iubelsanfaren anstimmen, vast ein Jude ihnen Bortvanndienste leistet, ein Jude, der nicht wie ne die indischen Quellen nur vom Hörensagen kenni. der vielmehr imstande ist, auch den Talmud, freilich nach seiner Ar:, im llrtert zu lesen. Herr M o r i ij 7v r i e t> 1 ä n t> e r in Wien bat ein neue* Buch herausgegeben,*) in welchem er den Beiveis dafür anlreien will, dast das Ebristentum unmittelbar an . wfTi dast der Pharisäismus „die natürliche Entwicklung des Judentums gewaltsam unterbrochen, seinen Lebensnerv nnterbunden, es seiner ureigenen Mission entfremdet und seinen Geist in andere, von den Pro vheten nie geahnte Bahnen gelenlt, aus denen k* die schiefe Ebene des Partilularismus hinuntergliri, dast es in der Iolge zur Mitwirlung an dem Aufbau der Weltreligion untauglich wurde." Tie mast gebenden Richtungen im Bolle untren aber nicht lebiaiich Pharisäer. Sadduzäer und Effäer die wichtigst-' war vielmehr die der Amhaarez, deren Jfiihrer und Lehrer, die Avokalnvtiker, als eine An Volk-: Propheten die direlten Borlä!iser des Ehriffenlnws waren. Tas Buch Iriedlünders ist nicht aus dem fühl abwägenden Verstände geboren, es ist eine Irucht der Liebe und des Haffes: der Liebe zum Hellenismus und zum Ehristentum und des Haffes, eines tiefen, ungezügelten Hanes gegen das talinndifche und rab binische Judentum, In welchem Maste ^riedland-r das Ehristentum verherrlicht, wie enthunastisch er von seinen Begründern spricht, das zeigen u. a. folgende Lätze: '»lil dem Auiireieii des Täufers kündigt 'ick in der Weltgeschichte ein geoner und erbadener Memeni an, in welchem eine unter den Ir.r»nnl,.i'ienen Anurengunge» dreier gabriinuderie geleistete tiutlurardeit, denebend in der Umwertung aller eihttche» Werte tu» Reit aiöse t't, in goitgeonendane Weltreligion, zur »eit. äclauat die Zeit der Erfüllung entgegengebt und der neue Heilt sich anidiicft. alle lamme, welche die nmtereit '.i.iiadtte des .Zrrwalms gegen Um ausgetübrl. »ul eruvitver «Gewalt zu durchdrechen, Es u>ar ein - ioment ganz nngeabnter geistiger »rastentfaltnng, und es t» ganz de greiüich. dast all das throne, das da giichad. ast em Wunder als ei» Werk des uinnttieldar emgrenenien "tottes ' und nach den Weissagungen der Prevbeien sollte ja das messianische Weltreich eine Lchommig "tottes sein angestaunt wurde, Tie Lagt die in wende reg tanie von binnnlischer Begeinerung ge etiete Hände .tabr bundene hindurch angedant. ne üng ,em an atvzngehen, Tfriebtänber gibt denn auch mit Recht in 'enem Borlvcrt eine Begründung dafür, warum er nicht .> M Friodlander. die religiösen Vewegnngen innerbnlb de« Judentums iin ,'Ze.talter Jesu, «erlm lM5. Georg Nenner, direkt die Taufe empfiehlt. Jedenfalls kann er als Un getaufter der Iudenuiiffion gröstece Tienste leisten, und diele hätte alle Tleranlaifung ihin einen Preis für sein Werl zu verleihen. Seine Bewunderung für das Ehristentum wird aber noch Überboten von seinem .vast gegen die Pharisäer und Schringelehrlen. Und weil die Amhaarez zu den letzteren im Gegensatz neben, weil ffe im Talmud als eine t, nächtliche jeder ansttgen und sittlichen Bildung bare Maffe erscheinen, darum münen gerade sie die Träger des prophetischen, mit dem Hellenismus vermählten Geiste; «ein. Es hat nach Iriedländer auch in Palästina in der nachmakka bäit'chen Zeit -me Art jüdischen Hellenismus aeaeben, und seine Vertreter waren die Amhaarez und ihre Jviibrer. Tie <:'ntiri<1luna hat man ffch danach 'algender masten zu denken. Esra und Rebemia batten mit ihren Bestrcbunaen nur einen mvmentantn ''nola ge labt, '“e hatten nur eine Mim'ritä: "e* Voltes;ür ffch aewc-'nen i^s kam dann die Zeit des Helleni.- :nus. der durch 'eine Entartung eine Reaktion hervor c:e» und zu der makkabäischen Erhebung führte. denn t^r'v'.a die Herrschaft der Strengg'äubia-n war, Tiefe suchten nun dem Volke als „mündliche üeberlieferung" immer neue Ge'eneshürden anfznerl'gen. was bei der Ma^e des Landvolkes, den Amhaarez, aus Widetsbruch stiest. Tie waren nicht etwa, wie der Talmud sie darstelli, eine sittlich verkommene Alone. ffe wollten nur von den vharifäi'chcn Satznnaen nichts «viffen und sch lediglich an die Bidel halten. Aus ihren Kreif-n kam der Widerivruch aeaen den Pbari 'äismus, *er in dem Stüter des Ebri''enn>ms seinen Hstliepunkl erreichte. Turck ihn wurde dann die „lleberwinduna des Gesetzes" zur Tatsache. Ten Kernvunkt der sfriedländer'ichen "'-eichichts daritellnng bildet die Auffaffung einerseits von den Pharisäern, andererseits von den Amhaarez, Tie Pharisäer und die!ultiirfeindliche Partei, die die griechischen \been au's heiligste bekämpft, die dem Volle „nnerlräaliche Gesetzesbürden" anferlegt und durch einen übertriebenen Rationalismus seine volle Abschliestuna von allem fremden We'en durchführen will. Wie sdriedländer den Pharisäismus auffastl. das iiefu man am klarsten an seiner Schilderung de- Verlxillniffes Jesus' zu dieser Richtung: „Einen grüneren Pharisäerhafter, als Ieius war. hat es wohl niemals gegebtn. und er war es. weil er, wie kein an derer, die unermestliche Schädlichkeit des in «einer Zeit zur äußerlichen und scheinheiligen Frömmigkeit entarteten Pharisäismus erkannt halte. Er sah in ihm das Haupthindernis für die Entfaltung des eigentlichen Wesens des Judentumsdes Meffianis Mus. Er kand ihn vor der Pforte des Himmelreiches gelagert liegen, die Menschen durch unerträgliche Ge setzesbürden. die er ihnen mit Bleigewicht um den Hals legte, niederdrückend und jeden Ausichwung lähmend. — Ter Pharisäismus galt >fu als der Inbegriff aller Scheinheiligkeit, als die Inkarnation der bewußten und unbewußten religiösen .Heuchelei, die nicht genug bekämpft werden könnte." < 2. 1Wä lind weiter t2. 1 ..Ter Krebsschaden des Jabs bundetls biest: Pharisäismus." Tadei zitierer (S. 112i Die Brandntartung. die der Talmud den „Gefärdien" zuteil werden läßt, um damit die P«-arif-irr im allgemeinen u charakterisieren! Aull die abaeschmackie unaemei-bare Intervretationsarl t-e» jüdischen Alerandrinismus, denen Vertreter ,:m grostcn Teile nicht einmal die bebrüi'che Sprache cer standen, wird der Auslegunosweise des Talmud vor gezogen: denn „ser Pharisäismus deutete d>e Schri't im va.r:itulari''i'chen, der jüdische Hellenismus in univer'altstische'n -n -ste aus." Und. fo 'aat Tried länder, „mer die Riesenarbeit des züdtschen Hellenis mus zu würdigen versteht, dem wird es Heinlich tünfen, mit ihm über feine In'ervrctat-ons'.ünste oermttlels -teren er den Moiaismus zur Höhe einer aottaeorrcub-r-eu Bh'l"tophie empordet::e'e 'u tCctUlti." Herr Triedlönder meifnicdis von dem ne'":: Ifchen EEiste :-er den Talmud erfüllt, n-chrs von der .'erünückrenden Tstirkui:a des Ge'etzes, von der Lebens be:!:g::ng, l re durch djekes Ge'etz her de-ge»:: dr: wer den soll. Wobl erwähn: er die Tteile im Teutero nomum: .Tenn dtes ist eure Weisde:: und eure ''instchi .-.-7 den Augen der Völker welche wenn ffe alle hifff T a •; i: n a e n ve.nehmen. 'Mer. .oerd.n: Trittmabr. ein weites und einffchtiges Volk ist dieies aroste Volk." eine Stelle, die doch .weifeld»-.': von den eiaentl'cken Eiefetzesvestimmungen —t »'-r:dt die er aber auch für feine Zwecke nutzbar zu machen versteht. Wobl spricht er einmal «S. 112» von d^n „imaeheuii-elt frommen" Gefetzesledrern des Taimud. a^r aus feinem Werke gewinnt man den Eindruck, dast die Pharisäer, mit wenigen Ausnahmen, scheinheilig. derrschsüchtig. unduldsam gewesen feien. Von Z-en Sittensprüchen der Talmudledrer, ivelcke die er kxibenste etbi'che Anschauung widerspiegeln und die den schönsten Aussprüchen des Reuen Testaments al* Voibild gedient Kaden, erwähnt er nichts, gar nichts. Tast im Talmud Aussprüche Vorkommen, wie: „Tie Gerechten aller Rationen haben Anteil am zukünftigen L'ben," oder .selbst ein Ricktjude, der ffch mit oer Tbora beschäftigt, ist dem Hohepriester gleich geachtet" und unzählige andere ähnlicher Tendenz, dar würde man nach den Iriedländer'schen Tarlegungen 'ur ganz unglaublich halten muffen. Bon den Kerr'ichrn Ausfprütchen, die den ethischen Traktat rix au»* füllen und die den Eleist der edelsten, allumsaffendstea Menschenliebe atmen, erfahren wir aus dem B'tche auch nichts. Sie würden eben die Harmonie dcs Bildes, das Iriedländer von den .Pharisäern und Schriftqelehrten" entwirft, empfindlich gestört haben Ter Talmud geistelt wiederholt in den schärfsten Aus drücken Heuchelei und Scheinheiligkeit, er zähl: zu den vier Kategorien^ welche die Henlichkeit Gottes nicht schauen dürfen, neben Lügnern, Spöttern uno Verleumdern auch die Heuchler. Und er betont, daß eine äußere Hebung der Gebote ohne Andiicht keinen Wert habe. Aber der Pharisäismus wird eben im Reuen Testament als der Inbegriss alles Schlechten

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