Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 1 (4.1.1906)
- Date
- 1906-01-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t tuinuar I'*<wi. In .nUiUln i'fr l und mehr rtrpofitonunt, gewohnt sich dir Bevölkerung iminer inchr daran, auf dieselben, wie aus eine normale, völlig natürliche Erschein ung zu sehen und >vird gegen dieselben nach und nach ganz apathisch. Gehen die Krawalle doch nur die Juden an! Die letzten Judenlrawalle. welche mit schauer und Entsetzen di: ganze zivilisierte Welt erfüllten und allüberall, auch von Christen, Proteftmeetings und Sammlungen zu Gunsten der Opfer der russischen Bestialität Hervorrufen, scheinen auf die christliche Bevölkerung Rußlands gar ui geringen Cindruct zu machen. In dem auffallenden Berhalken der Regierung, die sämtliche schuldigen Gouverneur» in Amt und Würden belassen, oder gar offizieller Anerkennung gewürdigt hat, liegt unbedingt ein Tnstem, das ver schieden gedeutet wird. Gs soll einerseits die;ü dische Bevölkerung mit ferneren Krawallen bedrohen, nu den Fall etwaiger weiterer Beteiligung an der Revolution. — so wurde noch neulich in Wilna, wo die Revolutionäre Proklamationen unter das Militär verteilen, - von diesem Ausrufe zu Judenkrawcllen verbreitet. - - Gs soll auch andererseits den jüdischen Bankiers de» Auslandes die fürchterliche Perspektive eröffnen, die gesamte rusiische Judenbeit aus den Hai» zu bekommen, wenn cs ihnen einfallen sollte, Rußlands Werte auf den Börsen zu boykottieren, od«r auch nur ihren Kredit Rußland zu versagen. Also vin dem Berbaiten der Regierung schon völlig abgesehen, ist auch von seiten der rusiischen Ge sellschafl, ja der russischen Intelligenz, bis heute nichts geschehen, um die ungeheuere schuld, welche auf dc:n russischen Polte den Juden gegenüber lallet, lei es durch kollektive Protelle, sei es durch tätige Hülfe leisiung, zu sühnen. Wohl hat der Moskauer Kon areß der Landschaft« und Munizipalitätsdelegierten einstimmig die Resolution votiert, von der Regierung di? sofortige Bollberechtigung der Juden und die Unterstützung der Opfer der jüngsten Judenkrawalle zu fordern, allein diese Resolution, die von den Juden als der erste Lichtstrahl in der tiesschwarzen 'Rächt der traurigen Gegenwart dankbar begrüßt wurde, ist sowohl von der Reaierung als vom Polte völlig ignoriert worden und fand nirgends den leisesten Widerhall. Was haben wir nach dem Allen! vom russischen Volke zu erwarten? Gin Regierungs system kann sich unter Umständen in kurzer Zeit ändern, aber nicht der Volkscharakter und der Kuliurzustand. Darüber müsien mindestens Jahrzehnte vergehen. Wie aber, tvenn mittlerweile die Juden krawalle fortfahren sich zu entwickeln in demselben Maße, wie bis jetzt? Wieviel gehört denn dazu, um das Volk zu bewegen, eines schönen Tages der gesamten russischen Judenheit den GarauS zu machen? Wenn das Regicrungssystem sich auch in nächster Zukunft zum Guten ändern sollte, der Charakter des kulturell zurückgebliebenen und in seiner Unkultur und Finsternis beharrlich trägen Volkes kann und wird sich ja nicht so bald ändern. Dies um so mehr als - wie es sich jetzt erweist, an den jüngsten Krawallen nicht blos der dunkle rote Pöbel, sondern auch ge^ wisse Glemente der gebildeten Klassen regen Anteil genommen haben. Die Judenkrawalle sind mithin nicht ausschließlich auf Rechnung der Unwissenheit des Volkes, sondern einem organischen Defekt der russischen Volksseele zuzuschreiben, der jedenfalls nicht so bald und nur unter günstigen kulturellen und politischen Bedingungen beseitigt werden kann. In Rußland sind der Glemente genug, die ein persönliches Interesse haben, die Juden unterdrückt und die gefürchtete jüdische Konkurrenz um jeden Preis beseitigt zu wissen, diesen wird es nie schwer fallen, zu ieder Zeit von Neuem Juoenkrawalle. neue und womöglich noch größere Greueltatcn in Szene zu setzen, wenn auch ni e. um damit den Beweis zu liefern, daß das Volk gegen die Gleichstellung der Juden ist. oder um die Emigration der letzteren viel zu ver stärken und so sich ihrer nach und nach zu erledigen. Unter den ernst denkenden Juden herrscht daher in der Frag: über die Zukunft der Juden in Rußland keine Meinungsverschiedenheit. Sie sind fest überzeugt. daß die Juden in Rußland keine Zukunft haben. Möge auch ein beträchtlicher Teil der jüdischen Schuljugend und des organisierten Proletariats. die in den vorderen Reihen der Freihrttsbewegu'ng kämpfen, von der Gleichberechtigungsiüufiort sich hinreißen lassen: ernste Männer erwarten auch Von der. im besten Falle blos theoretischen Gleich berechtigung nicht viel, sie sind fest überzeugt, daß dieselbe noch lange, lange ohne reale Bedeutung bleiben wird und uns nicht vor Judenkrawallen schützen Wirt. Die Perspeklive ist mithin eine höchst traurige: möge der Allgütige den Millionen unserer hartbedrängten und schwer gepeinigten Brüder, die der Verzweiflung nabe sind, Seinep Schub verleihen und Sein«' Hilfe senden. Menschliche Vernunft steht einem so unabsehbaren Glend gegenüber still. England. Äuswanökrunfl. Änsieül'ing, Protest. London, I. Jan. vVrb Rothschild machte dem Vikar de? meistens von ,cmen dev.'vhnten Distrikts, Tottenham, das Anerbielev, die Kosten der Auswanderung von 2'd> Faun iei. nach Kanada bestreiten zu wollen. — lieber Handhabung des am i. Januar in Krast et ctenen Fremdrngefetzes (Alien Rill) wird bn'i.» n. nächster Wcuhe berichtet werden tonnen, Hof' Dkvrf vir Tatsache der Berufung Herbert Sannie!-.- ins Ministerium des Innern, dem die Ausfübrung des Gesetze» obliegt, als gutes Cmtn ang' ehe" werden — Der neue llnterstaatsfckretär Hu die Kolonien Winfton Ghurchill hat an den Ist,)rer der Zivilisten in Gng land, Israel Zangnill. ."n Schreiben «trickstet, in welchem er seiner vollen S"mvathje für d?n Gebautm einer jüdischen Kol"? iin Ostafrika A i »druck gibt. London, J. Jan. Tie heutig tistuliertc Frage, ob hier eine größere D monstratcovs Ver sammlung abgeha ten werden soll, um d r Gut rüstung über die .udevmetzeleun in Rni-Jan ■ Ans druck zu geben, ist nun von deni Jew.sk Boa:' of Deputies bejahend rntsckne'>cn woiden. Das '' ung wird am 8. Januain der großen Queens H,, w w dem Vorsitze des Lord Rothschild, fnttHncx > t schiedene führende Persönlichkeiten der G : Uichl«-: und der politischen Welt haben bereits > * Be teiligung zugelagt. Amerika. Link Linwanökruncissracik. Rewpo't, 20. Dez. Seitdem Präsiden: Roosevelr in seiner Botschaft an den Kongreß W Ginwanderingsfcage wiederum berührte, wird dis Problem in allen daran interessierten Kreisen wiebe, um eifrig diskutiert. Zum ersten Rate hat vor einigen Tagen auf Veranlassuna der Rational Givic Federation eine große Konferenz staltgesunden, die ausschießlich den mit dem Ginwandrrungs Problem zusammenhängenden Fragen gewidmet war. und deren Beschlüsse natürlich auch Hir das Geschick unserer russischen Glaubensgenossen von der größten Bedeutung sind. Die Konferenz war von etwa r/)0 durch die Gouverneure und durch eine Reihe von kommerziellen und wirtschaftlichen Körperschaften ernannten Delegierten desucht. Den Vorsitz führte der Präsident der genannten Federation, August B e l m o n i, und deren Viziprässdent, Oskar Strauß. Der letztere trat in eindrucksvoller Weife für die Aufrechterhaltung des Grundsatzes rin. daß die Bereinigten Staaten auch in Bezug auf ihr eignes Gebiet jedem menschlichen Wesen das Recht zuerkennen sollten, sich in jedem Teile der Grde niederzulaßen. Allerdings ist auch Strauß damit einverstanden, daß Gruppen von physisch oder psychisch minderwertigen Individuen von der Einwanderung ausgeschlossen werden sollen. Bemerkenswert tvar dos Austreten E a r n e g i e' s. „Was wäre," sagte er „aus Amerika ohne Einwanderung geworden? Und wer unter uns ist nicht Einwanderer oder hat nickst wenigstens Einivandererblut in seinen Adern? Wenn wir den Wert eines Mannes, einer Frau, eins Kinoes auf RXX) Dollar veranschlagen — das ist ungefähr der Wert eines Sklaven vor dem Sezessionskrieg gewesen — so dürfen wir sagen, daß Amerika jedes Jahr dür Millionen Dollar dares Geld an Einwanderer einnimmt." Die Konferenz _seue "> empfahl schließlich energische Abwehr der chinesischen Einwanderer. Im übrigen sollen zu den ausgeschlossenen Gruppen nur Schwachsinnige und Idioten hinzugefügt werden. Bessere Behandlung der Einwanderer an Bord des Schiffes und Organisation von Auskunftsstellen in den verschiedenen Gebieten des Landes werden gefordert. Ferner wünscht die Konferenz die Schaffung einer EinwanderungS Kommission und eine Ausdehnung des Strafgeldes von 100 Dollars, welche die Dampfergefellschaft für den Transport Kranker nach den Vereinigten Staaten zu zahlen Kaden, auf alle diejenigen, die aus irgend welchen gesetzlichen Gründen von der Landung aus geschlossen bleiben. A r g e n 1 i n i e n. Linc nkuk jüdische Kolonie. Buenos Aires. 12. Dez. Die Rot weiidigkril einer neuen jüdischen Ansiedelung für die herangewachsene Jugend der Kolonisten von Mauricio hat Rabbiner Hvffmann veranlaßt, bei der „Koloni sativn Stroeder' ein geeignetes Terrain in ver 'jUuiUM Zentral, im NnGange van C.in> Hektar, zu erwerben, zum Kaufvreise von 40 Schssling per Hektar. Die Zahlungsbedinauna?:? sind, ans die wirtschaftlich n Perhci'Gisse t>,.- in Betracht zu ziehenden neuen Anüe .V angewandt. möglichst günstige. G ist bi» die e st- Jnne'.ko'vnu. die unter Br '!ion d?» arvevt'yslcheu Rabbiners ge gründet w'L,'. Wir näinschen v'r JtcHcnü „La Poßti ", welche so tan den Ra,tan „Vista Maurst'io" siGun wird, ein b' -eiiv s Geber her» mb Rgtückwünichen die Istemeinbtv .stestcr der Kolonie staurrcio: die Herren Garfinkel, Liei'-kn. Silberst-in und Dam, die geslerr den Maufloutrcf?♦ aes dc zeichneten Landbesitzes mit Herrn Rabbiner Hossmonn mitunteruicdnet haben, vi ihrem Untern -nun. Tie rrgentiinsche Presse ■ rht der neue'!vn»e w'', großem Wohlwollen aenüber. steci>üüchik5.?•'• lu. >">»ite.ii Ai ,o »and im.Loge» - 5'.'» em>ii -e> •vev'f'i'u! s.'chier Topvel nun, - •wrn y; ’Vi « d rvt?c vollendet .,«te die Jeie» N'.i ein», de Anlaß ange es imachen >er> ». He.r Rorden al» Poe ">5- Id.' ' > ■'■fT Bereu , die He rea Tr, itzoldichmidr. ftci.'trän.' . ' Pen'chrn»vergab 17« M '.Wiuifbfu, re; T>c dien?.' '«raeliliiche Null»» \r-r-,.-e in einer iur gk'rern emvernieneu «General n d>e Ml '! znm Rn«au einer Lnnagoge ,, >> »n ' >?- : der P»,:»anür« wurde Tipiom Architekt J->-^^ u neun, cin Münchener, betrau». Borerll wurde >er von » »>> 5vMrk für Baurwecke deren geiielli »tnpeunag«.,. T,?>ur die ruimchen Juden ü,!d »nqe-atir M, einuian»,,eii Biet« Jamiiien baden hier vorlaunge il bbut urv Arbeit zeninden und n,:d auch weiterbeiorberl worden T:rnslag Abend leierten wir bier «in schone» G b a n u k a Je it, denen zwei Abieiiungen iur X Inder von > und siir Grwachiene von tldr in bester 3ttm niuiiq und mit alte» möglichen Ueberraschungen vor üch ging, linier iedr beliebter Gbasan zundele die Gichter an und unter ieiner Geltung iargen ca, :»»> Xinder .Moau» zur," Herrn Tr, Heinrich Goewe und wir vielen Tank 'chuldig, der n»l ieinem ieiieinden, lnceressanlen und wort reiche» iließende» Porlrag die Juborer »alt binrip Tic Lervlerung sowobl für die Xinder al» ivaler da» Tiner iur die Grwachiene» war erii-n Ranges und erit gegen 12 bi» I Uhr lrennrc iich die i^eiellschafl. die üch noch zuletzt »n beilcre» lanzche» ergoizl batte, Proscssor simonsen und ein proleitanlischer Prediger nabme» nachher Teil in der Tiskuiüoii, Grsterer inabnle die .Zuhörer a», üch nur der Religio» und echiem J»de»l»»i »reu zu halten,? R Goboü». Auch die bieüge Israel,uiche Xultu»gemeinde konnte nicht »mhi». ihrer Triliiabme an dem lraurtgen i^eichicke ihrer »nglücklichen i^laubensbrüder in Rußland onentlich Ausdruc' zu gebe», und so wurde am vergossenen L0»»tag im lemvel dieser istemeindr ein solenner Trauer gone»dir»s> abgehallen, zu welchem üch nahezu alte «tz» meindemilglieder einsande», Rach Reziuerung einiger für diese i'Zeleqenheit geeignete Psalmen, sprach der Rabbiner mit vor Wehmut zitternder Lnmw.e da» Teeleuheil iRbrt für du unglücklichen Lpter der bestialische» Rohheit, worauf da» üdliche Xaddischgedel folgte, Tietergrissen verließen die Anwesende» de» schwarz dekorierten Tempel. Gine für die zurückgebliebenen Witwen und Waisen veranstaltete Sammlung bracht« ei» Ergebnis von nahezu l«>i»> Xronen, 4