Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4- 4 der sich in seiner Erscheinung ausprägte, vereinigte sich mit einer Freiheit und Beweglichkeit des Geistes, die ihn befähigte, auch den schwierigen Gegenstand mit Leichtigkeit zu beherrschen. Sein unermüdliches Streben, das stets auf gute und edle Zwecke gerichtet war, entsprach dem ihm verliehenen Maße der Kräfte. Die rasche Auffassung, die stete Umsicht und scharfe Beobachtung war mit einer Energie des Willens verbunden, die vor keinem Hindernisse zurückschreckte uud die Aufgabe, die er sich eiumal gestellt hatte, mit Ausdauer und Beharrlichkeit zu lösen suchte. Ganz in seiner Zeit lebend, sie in ihren Strömungen verfolgend und den Augenblick erfassend, strebte er doch stets einem idealen Ziele nach und widmete den höheren Grundsätzen, zu denen er sich bekannte, eine muthige und unverbrüchliche Treue. Von warmer Pietät für die Vergangenheit, namentlich auch im Gebiete seiner Religion beseelt, arbeitete er doch mit voller Hingebung für den Fortschritt mtb die Verbesserung veralteter Zustände. Regsam und von lebhafter innerer Theilnahme bewegt, bewahrte er doch stets eine wohlthuende Ruhe und Sicherheit und wußte mit seinem ordnenden Sinne sich auch in verwickelten Verhältnissen alsbald zurecht zu finden, die Dinge in ihrer richtigen Beziehung zu einander aufzufassen, dem Einzelnen seine Stellung im Ganzen anzuweisen und dem widerstrebenden Stoffe die übersichtliche und wohlgefällige Form zu geben. So klar und eindringend sein Verstand, so treffend und wohlerwogen sein Urtheil war, so leicht und fließend, so ebenmäßig und wohlgeordnet strömte das beredte Wort von seinen Lippen. Mit anhaltender Spannung lauschten die Zuhörer seiner sanften und doch kräftigen, vom warmen Hauche der Empfindung durchwehten und eben darum so ergreifenden Rede. Im Austausche der Ansichten und Neberzeugungen war sein Wort immer anregend und fördernd, indeni er bald neue Gesichtspunkte hervorhob, bald vermittelnd einwirkte und bereit war, eine Einseitigkeit, in die er selbst gerathen war, unter gerechter Anerkennung der Gegengründe aufzugeben. Mit wahrhafter Meisterschaft wußte er derartige Verhandlungen zu leiten, die zufälligen Wendungen derselben auf die rechte Bahn zu lenken und die sich bekämpfenden Gegensätze zur Verständigung zu führen. Geboren am 2. Juli 1812 zu Karge, einer kleinen Stadt in der Provinz Posen, kam Stern im beginnenden Jünglingsalter nach Berlin, wo er seine Ghmnasialstudien beendigte und dann an der dortigen Universität dem Studium der Philosophie und Philologie oblag. Nachdem er gegen Ende des Jahres 1834 seine Studienzeit abgeschlossen hatte, ließ er sich daselbst häuslich nieder und übernahm eine von Dr. Jost