Jüdische Jugend
- Journal
- Jüdische Jugend
- Volume
- 1 (1924-25) Tischri 5685
- Issue
- 6 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDISCHE JUGEND I. JAHRGANG TISCHRI 5685 HEFT 6 LESCHON HA-KODESCH J. REHBERG Wenn ich den Klang der alten Sprache höre, Da steigt's herauf wie fernes, leises Klingen, Ringsum der Wüstensand, der sonndurchglühte. Dann plötzlich hört man Flöten, Pauken tönen Und schmuckbeladen naht die Karawane. Hoch droben sitzt die Braut, die erst erblühte, Ihr Auge blitzt ob halbgelüpftem Schleier, Und hinter ihr ein Chor von kräft'gen Stimmen, Die Isaaks Kraft und heißes Sehnen singen. Wenn ich den Klang der alten Sprache höre, So seh' ich meinen Ahn beim Schein der Kerze Sich über großem Folianten bückend. Ich bin ein Kind und lieg' im Bett und schlumm'ref Allein ich kann nicht schlafen. Durch die Träume, Die kindisch-bunten, zieht ein traurig Klingen, So voller Inbrunst, voller schmerzlich Trauern. Wenn ich den Klang der alten Sprache höre,* So seh' ich lichtgesättigt weite Fluren, Ich seh' die gold'nen Trauben köstlich schwellen Und kräftige Burschen sich, anmutige Mädchen In munt'rer Arbeit um die Wette tummeln. Es klingt ein Lied, so voller Lust und Frische Und neue Hoffnung regt sich mir im Herzen.