Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 38. für das Schlujahr 1914-1915 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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I. Einleitung. er Anteil der Joden an der Entwickelung, Förderung und Verbreitung der medizinischen Wissenschaft bildet eines der größten und interessantesten Kapitel der Kulturgeschichte. Denn ist die Geschichte der Medizin zugleich die allgemeine Geschichte der menschlichen Kultur, so haben Juden durch ihre Leistungen auf diesem Gebiete gewiß nicht Unbedeutendes zum Wohle der Menschheit beigetragen. Allerdings fußt bis nun dieses allseitig anerkannte Urteil mehr auf gerechter Folgerung und Vermutung, welche sich aus unzweifelhaften literarischen Mitteilungen über zahllose hervorragende praktische Arzte und über eine unübersehbare schriftstellerische medizinische Tätigkeit unter den Juden nährt, denn es läßt sich bis heute, trotz der namhaften Vorarbeiten von Steinschneider und P r e u ß, noch immer kein Gesamtbild darüber gewinnen, womit jüdische Arzte die medizinische Wissenschaft im Altertum und im Mittelalter nebst deren Betätigung nicht bloß verbreitet, sondern auch vorwärtsgeführt und in neue Bahnen geleitet haben. Bis auf Andreas V es al ius (gest. J564) stand die Anatomie unter dem Banne des G a 1 e n u s, die Physiologie, Pathologie, Therapie und Diätetik hat sich bis tief in die Neuzeit hinein kaum über Hippokrates hinausgeschwungen, und die Pharmakologie zieht in vielen Einzelheiten auch heute noch den Dioskurides zu Rate. Es ist bekannt, daß Majmüni (H35—1204), der Hofarzt eines Wezirs des Sultans Saladin in Kairo, der Galen scharf kritisiert und einiger Ungenauigkeiten überführt hat, unter den jüdischen Ärzten der erste war, der vom überwältigenden l