Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 10 (11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 nicht i n Frage stehen, so z. B. bei Wohlfahrtsaktionen, die eine Besserung physischer und materieller Verhältnisse bezwecken, oder bei Kundgebungen für allgemeine jüdische Rechte und Forderungen usw. Und auf die Gefahr hin, deshalb von manchen Leuten als Parteiheld angesehen zu werden, dessen Anschauungen in Fragen des thoratreuen Judentums nicht mitzählen, muß ich hier noch ausdrücklich auf ein spezielles Beispiel für die letzten Thesen Hinweisen, das mir — unabhängig von meiner persönlichen Stellung zum Zionismus - an sich und namentlich in der heutigen Zeit besonders bedeutungsvoll zu sein scheint, auf die Stellungnahme der Agudoh zum Zionismus und zur Zionistischen Organisation. Die Zionistische Organisation als solche steht zwar sicherlich nicht auf dem Boden des thoratreuen Judentums und könnte dies, ohne ihre Ziele zu schädigen, in absehbarer Zeit auch gar nicht, hat sich aber auch niemals zu einem dem thoratreuen Judentum gegensätzlichen Programm bekannt; und wenn am Jaffaer Hebräischen Gymnasium, wie auch manch anderswo näher zu uns, im Namen des Zionismus Methoden angewandt und Gesinnungen verbreitet wurden, die noch weit über die thoratreueu Kreise hinaus den tiefsten Schmerz und wahres Entsetzen über die dadurch auf Generationen hinaus angerichtete Verwüstung verbreiten müssen, so ist hierfür die Organisation als solche ebensowenig verantwortlich zu machen und deshalb als thoragegnerisch anzusehen, wie sie auf Grund gar mancher Leistungen im entgegengesetzten Sinn etwa nun als gesetzestreu betrachtet werden kann. Teilt sic diese Neutralitätseigenschaft mit vielen anderen Organisationen, so zeichnet sie sich diesen gegenüber dadurch aus, daß sie gleich der Agudoh die Juden der verschiedenen Länder zusammfaßt nicht nur zu philantropischen Zwecken und daß das thoratreue Judentum mit keiner anderen großen jüdischen Organisation so viele gemeinsame Aufgaben und Ziele teilt. Sicherlich wird es dem thoratreueu Juden, der trotz der ausgedehnten gemeinsamen Kampfessront und trotz aller Leistung des Zionismus dennoch die in der Neutralität gegenüber der Religion begründete Gefahr iibcrwicgcn glaubt, freistehen, diese seine Meinung auch innerhalb der Agudoh zu verfechten, wie ja die entsprechende Meinung über die »leisten ״neutralen" jüdischen Organisationen in Deutschland wirklich mehr und mehr unser aller Gemeingut geworden ist. Aber auf der anderen Seite muß es nicht nur dem zionistisch denkenden und organisierten thoratreueu Juden sreistehen, seine gegensätzliche Meinung ebenso frei zu vertreten, sondern die Agudoh wird auch ganz unabhängig von jeder Stellungnahme zum Zionismus — beim Einschlagen von Wegen und der Inangriffnahme von Problemen, die nicht speziell religiöse Fragen betreffen, und in denen sie mit dem Zionismus parallel geht, nicht etwa gesondert, sondern in selbstverständlicher Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation Vorgehen müssen, schon um Kräfte- Vergeudung zu vermeiden und die gemeinsame Kampfesfront und