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Blätter · 1917-09-01 · 8 (9.1917) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
8 (9.1917)
Date
1917-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 läßt er sich in dem stillen, abgeschiedenen Heimatstädtchen nieder. Wir wollen nun diese Gemütswandlung Heines mit klaren Augen betrachten. In protestantischen Kreisen Deutschlands war man der Meinung, daß er sich nun wieder enger der protestantischen Kirche anschließen würde. Er weist dies weit von sich. „Wenn ich überhaupt dem evangelischen Glauben angehörig bleibe, so geschieht es, weil er mich auch jetzt durchaus nicht geniert, wie er mich früher nie allzusehr genierte." Nein, in den Schoß der Kirche kehrt er nicht zurück. Wenn ihn sein neuerwachendes, religiöses Gefühl irgendeiner Religion näher brachte, dann war es seine Stammreligion, das Judentum. Heine hatte sich seit seiner Taufe den Juden völlig entfremdet, er hatte sie sogar bekämpft und mit Spott überhäuft. Nun hat sich auch seine Meinung über die Juden geändert: „Ich habe auch über die Juden nie mit hinlänglicher Ehrfurcht gesprochen, und zwar gewiß meines hellenischen Naturells wegen. . . . Meine Vorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen. Ich sehe jetzt, die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Juden aber waren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nicht bloß ehemals, sondern bis auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfolgung und des Elends." In diesen Worten teilt uns Heine den Grund seiner früheren Abneigung gegen die Juden mit. Sie beruht auf seiner Vorliebe für Hellas. Hellenismus und Judentum sind die beiden entgegengesetzten Devisen. Der Grundsatz des Griechen war Kalon k’agaton. Das Schöne ist gut. Dieses war die Richtschnur seines Tuns und Lassens, Denkens und Fühlens. Der Grieche war ihm der vollendetste Aesthetiker der Welt, wie sich dies so herrlich in der Legende von Pygmalion offenbart, der von der Schönheit seines eigenen Knnstwerkes berauscht wurde. Doch was nützte diesem künstlerisch hochentwickelten Volke seine Kultur? An ein halbbarbarisches Hirtenvolk verlor es seine Freiheit. Kalon k’agaton war auch die Richtschnur für Heines Leben geworden. Jetzt am Rande des Grabes sagt er, er habe erkannt, daß Gutsein besser ist denn Schönheit. Die Verschiedenheit zweier Weltauffassungen liegt zwischen dieser Formel und der Devise der Griechen. Er erkennt, daß zur sittlichen Vervollkommnung des Menschen es viel wesentlicher ist, daß er wirklich gut ist, als daß er zu großes Gewicht auf die Schönheit legt. Das Erstrebenswerte und den Menschen Beglückende kann nicht das Schöne, sondern nur das Gute sein. Das Gute ist dann das Schönste. An diese Weltsendung der Juden glaubt Heine, der getaufte, vom Schicksal schwer mitgenommene, von langer, schmerzlicher Krankheit gequälte Jude. Er ist der Ueberzeugung, daß die Juden das wertvollste

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