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Blätter · 1917-07-01 · 6 (7.1917) · p. Seite 7

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Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
6 (7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Rußland mit dem Emporkommen eines russischen Mittelstandes auf Gruud der neuen Entwicklungsmöglichkeiten und des allgemeinen Schulzwanges nicht erspart bleiben. Nicht unbeachtet darf aber bleiben, daß mit der jüdischen Rechtsfrage in Rußland eine ganze Reihe anderer verwandter jüdischer Probleme, die jahrzehntelang ohne Unterlaß die jüdische Öffentlichkeit beschäftigt haben, ein neues Gesicht gewinnen. Vor allem kann die nervöse Angst vor der Inv a s i o n der O st j u d e n in Deutschland im Falle einer SLabilisierung der neuen Verhältnisse nur noch als ein Wahn erscheinen. Der russische.Jude liebt seine Heimatscholle, trotz, oder vielleicht infolge der Tränen, mit denen er sie getränkt hat. Beruf und Neigung, Vorbildung und Wesensart weisen ihn zu seinen Brüdern in Polen und Rußland und nicht in die Vereinsamung unter Menschen, deren Art und Sprache ihm fremd sind. Die ungeahnten und ungekannten wirtschaftlichen Möglichkeiten im russischen Riesenreich werden nach Fricdcnsschluß und nach Öffnung der Grenzen dem jüdischen Unternehmungsgeist einen so gewaltigen Spielraum bieten, daß Deutschland als Einwauderungsgcbiet für den russischen Juden ganz ausscheidet. Man kann, ohne Prophet zu sein, heute schon im polnischen Juden von morgen den besten Vermittler produktiver Friedensarbeit und segensvoller Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland erblicken. Damit bekommt auch das Problem der jüdischen Emigration überhaupt einen ganz anderen Charakter. Es muß sogar mit einer starken Rückwanderung (sie hat nach Zeitungsberichten bereits eingesetzt) aus Amerika nach Rußland gerechnet werden, besonders der älteren Jahrgänge, die, von Sehnsucht nach dem lieben, trauten Städtchen verzehrt, sich in die Schmelztiegelluft des Dollarlandes nie hincinfinden konnten, aber auch der jüngeren Elemente, die mit Kapital und reicher Erfahrung ausgerüstet, in der alten Heimat das Neue mitaufbancn helfen werden. Uns am nächsten liegt natürlich das religiöse Problem im neuen Rußland. Auch hierin sind wir lediglich auf Mutmaßungen auf Grund früherer Erfahrungen und Einschätzungen der bisweiligcn Umstände angewiesen. Pessimisten blicken ans den Rückschlag zurück, den die Judenemanzipation im Westen gezeitigt hat, auf die Hochflut der Reform, auf Taufe und Mischehe, die den Weg aus dem Ghetto ins offene Leben bczcichnetcn. Die Befürchtung, die Sonne der Freiheit könnte in Polen gleiche traurige Erscheinungen bringen, scheint uns unbegründet, denn schließlich ist ■ m. ->

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