Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 5 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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18 kas Religionsgesetz verstoßen worden, und häufig konnte trotz Beschwerde »kfetzestreuer Mitglieder kein Wandel geschaffen werden. Aber eines ist wahr: Jüdisch sind diese Vereine durch ihre Mitglieder. Das ist aber auch das einzig Jüdische, was ihnen anhaftet. Ein Arbeiten für jüdische Ideale, An Verbreiten jüdischen Wissens ist nirgend« anzutreffen. (Vom Frankfilrter Montefiore-Verein sei abgesehen, der seiner ganzen Tendenz, seinem Arbeitsplan und seinen Zielen nach absolut nicht in den Verband paßt.) Worin besteht also wohl die innere Berechtigung zur Existenz dieses Ver« bandes? In welcher Form sucht er jüdische Jugendpflege zu treiben? Am gesellschaftlichen Zielen zu dienen, brauchen wir ihn nicht- Dafür existieren ja allgemeine Iugendbünde zur Genüge, und es besteht kein Grund, sich von diesen auszuschließen, einfach um ״unter uns" auch derartige Vereine zu haben. Irgendwelche Ideale werden der Jugend nicht vorgestellt, für die sie edle Begeisterung erfüllen könne. Andererseits aber ist dir Tendenz der Neutralität rin Grundübel, ein Uebel, das zum Schaden der Jugend durchgeführt wird, das aber auch die Verbands« leitung, respdie Bereinsvorstände unverletzlich macht. Hinter die Maske Neutralität kann man sich immer, bei allen Mißgriffen und Parteilichketten, verkriechen- Und das ist es, was de» Verband so gefährlich macht. Er ist nicht recht anzugreifen; er geht keinen unzweideutigen, klaren Weg, hat kein fest umschriebenes Tendenzprogranim, irrt ohne jede religiöse Richtung durch die Welt, wahllos hierhin und dorthin und bietet dadurch keine Angriffsflächen. Hat man ihn auch einmal gefaßt, es ist ihm ein Leichte», sich wieder zu entwinden. Ls ist etwa» Unehrliche» in dem Prinzip, etwas, wa« bei einer Jugendorganisation, die frei sei von politischen Kniffen und diplomatischen Schachzügen, die ihren geraden Weg offen und ehrlich aller Welt verkünde» soll, fern bleiben muß. VI. Also bleibt unsere Aguda» Iisroel-Iugendorganisation schließlich die einzige jüdische Jugendbewegung, wohlverstanden Jugendbewegung. Denn zwischen Bewegung und Organisation ist doch wohl ein großer Unterschied. Eine Organisation kann man schaffen, kann man theoretisch ausdenken und zu Papier bringen; sie ist ein Produkt geistiger Arbeit. Eine Bewegung aber stürzt hervor aus «»sichtbaren Tiefen, unaufhaltsam, mit elementarer Gewalt: setzt sich durch gegen alle Hindernisse. Bewegung ist Konsequenz eines revolutionären Gedankenprozesses der bestimmten Gruppe, des bestimmten Volke«, vermischt mit einer starken Dosis aufgepeitschter Gefühlrausbrüche