Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 4 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ches waren schon geknetet. Nachdem ich mich etwas erfrischt hatte, lud ich mich auf Freitag Abend ein, und nicht so leicht werde ich die Stunden vergessen, die ich im Kreise dieser braven Jehudim verbringen durfte. Wohl waren mir Herz und Gedanke bei den Lieben daheim, und als der Vater mit seinem zwölfjährigen Jungen über den Wochenabschnitt sprach, da brannte in mir das Sehnen nach meinen Kleinen, denen ich stets Freitag abends aus der Sidra erzählte; aber unendlich wohl tat es ja doch, in der Fremde mitten in den Kriegswirren an einem friedlichen guten Schabbostisch zu sitzen, und nie werde ich den wackeren Leuten ihre altjüdische Gastfreundschaft vergessen. So war es, sagte ich mir auf dem Rückweg in tiefer Dunkelheit, so war es bei uns zu Haus, wo der fremde Gast nicht als Fremdling, sondern als Kind vom Haus empfangen und bewirtet wurde, und ich konnte mich in die Gefühlswelt der Aurchim an unserem gedeckten Tisch lebhaft versetzen. Leider rief am Schabbos-Morgen der Dienst zum Aufbruch, und ich wanderte weiter durch das Land, das von der Natur reich gesegnet und jetzt durch den rauhen Krieg in Armut gestürzt ist. Was ich an diesem ganzen Sabbat-Tag durchlebt habe, kann ich nicht beschreiben. Mit Kummer denke ich daran, und nur eine weitgehende Deutung des Satzes Dinei demalchasso Dinei kann mich darüber hinwegbringcn, was man als Soldat im Kriege tun muß. Weiter, weiter ging die Wanderung, und ich stieß zu der Abteilung, der ich zugeteilt war. Heute darf ichs sagen, mit Zagen ging ich hin: wie wird man den jüdischen Kameraden aufnehmen, der nicht einmal an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnimmt? Und, freudig will ich es gleich anfügen, es kam anders, als ich fürchtete. Staunend nahm ich wahr, daß meine Lebensweise bei meinem Kommandanten und seiner Umgebung nicht nur nicht abstieß, sondern Verständnis und volle Anerkennung fand. Fast ängstlich war der Kommandant darauf bedacht, mich möglichst gut verpflegen zu lassen. Bald merkte er, daß mein mitgebrachter, geizig aufgesparter Vorrat zu Ende gegangen war und die Zeit der großen Entbehrungen für mich begonnen hatte, so sehr ich auch mit leichtem Wort darüber hinwegeilte, wenn davon gesprochen wurde. Gut gings mir in der Tat nicht; was nützen auch die reichen Pakete von der zärtlichsten Gattin und von der Freien Vereinigung, wenn diese schönen, schmackhaften und nahrhaften Büchsen, Schachteln und Dosen beharrlich einige Posttage hinter mir bleiben! Da mühte sich der Kommandant um mich,