Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 3 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6467833-6467833-9641082-9641085--0294-6468335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die notwendige und sehr verdien st liche Abwehr gegen politische Entrechtung, alles sonstige gemeinsame Arbeiten ist nicht ausreichend, um das starke Gemeinsamkeitsgefühl zu Wecken, das nur aus dem Bewußtsein erblühen kann, daß man in dem Empfinden für den letzten Endzweck des Lebens einig ist. Aber wie steht es mit dem Gemeinschaftsgefühl innerhalb des gesetzestreuen Judentums? Da jedes Hineinleuchten in die bekannten Gegensätze nur zu zweckloser Polemik führen kann und zu größerer Verbitterung, und eine Besserung nur zu erhoffen ist, wenn die Beteiligten aus der eigenen Erkenntnis in die Notwendigkeit eines gemeinsamen Arbeitens sich zusammenfinden7 so mag darüber mit Stillschweigen hinwcggegangcu Werden. Aber wir anderen, die wir diese Notwendigkeit erkannt, was haben wir getan? Nach guter deutscher Sitte haben wir eine Organisation geschaffen: die Agudas Jisroel. Ich fasse — und ich glaube darin die Gründer recht zu verstehen — die Agudas Jisroel nicht als ein bloßes Instrument zur Unterstützung notleidender Institutionen in der Diaspora und im heiligen Lande auf, sondern als ein Mittel, das Einheitsgefühl innerhalb des gesetzcstreuen Judentums der ganzen Welt zu stärken, die Glieder, in denen das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nur schwach sich regt, durch Hebung und Beschleunigung des Blutumlaufes gewissermaßen neu zu beleben und dadurch dem Gcsamtorganismus, der an sich vorhanden, aber erstarrt ist, soviel Kraft zuzuführen, daß er für die Erhaltung dessen, was unser Leben ist, des Thorawissens und der Thoratreue, ungeahnt Neues vollbringen könne. Es scheint mir, als ob nach dieser Richtung nicht genügend geschähe, auf die Werbearbeit, die in einer Erhebung von Geist und Gemüt zum wesentlichen Gedanken der Agudas Jisroel-Jdee gipfeln müßte, von Anfang an nicht genügend Nachdruck gelegt wäre. Dann wären auch die Einwände ansgeblieben, die von gegnerischer Seite und von Indifferenten gemacht wurden: Soll das Thorastudium bei uns gehoben werden? Bauen wir unsere Lernvereine aus! Sollen die Jcschiwoth unterstützt, die Institutionen des heiligen Landes gefördert werden? Wir zahlen unsere Beiträge, laßt uns die vorhandenen Organisationen stärken! Wir glauben, daß gerade der Weltkrieg, der an sich die nach außen in die Erscheinung tretende Arbeit des Agudas Jisroel als eines Wcltverbandes im Keime erstickte, für diese innere Arbeit an unserem Selbst recht viel Gelegenheit bietet. Tausende gesetzestreue Jünglinge