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Blätter · 1916-12-01 · 8 (12.1916) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
8 (12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — einmal geleuchtet und Licht in unser Herz getragen, hat es seinen Sinn und Zweck erfüllt, überhaupt braucht es nicht stundenlang zu brennen, ein halbes Stündchen nur, bis daß wir uns vertieft haben in sein Strahlen, bis daß an ihm unser Seelenlicht Funke gefaßt hat. Winterlich wie zur Zeit des Chanukafcstes'ist es jetzt in unserem Leben, ist es schon seit über 2 Jahren, seitdem dieser grausame Krieg wütet. Vielen hat er ihr Einziges genommen, jedem aber wohl ein Liebes und Teures. Viele Lichter hat sein Sturm gelöscht, Lichter, die Wärme ausstrahlten und Helligkeit verbreiteten, Frohsinn und Glück entströmten. Kleine Flämmchen und helle Leuchten, ohne Wahl löschte er sie aus. Jeder, dem solch ein Licht verlöscht, solche Quelle heller Freude bersiegt, solcher Born strahlender Zukunftshoffnung verschüttet wurde im Krieg, durch den Krieg, der denke an das Chanuka-Licht. Und wenn er daran denkt, tief und innerlich, dann wird manchem Schmerz der Stachel, manchem Weh der Dorn genommen. Wen schweres Leid im Kriege getroffen, der spricht: „Ist mir solch ein Licht verlöscht, vorzeitig, weil der Sturm des Krieges es ausgelöscht, so sei dies Licht mir dem Chanukalichte gleich: Verlöscht, leuchtet's weiter in meinem Herzen, umstrahlt dort die Gedanken, die sein Leuchten erweckte. Der mir teuer gewesen, ist nicht mehr, aber er war, und weil er war, weil sein Licht mir leuchtete und für mich so viel Edles und Gutes, so vielLehre und Mahnung ausstrahlte, soll's hell bleiben in mir, soll sein glanzvolles Bild mir weiter leuchten. In meinem Herzen soll es mir leuchten wie Chanukas Licht, Freude und erhebende Erinnerung in meinem Innern wecken wie das Chanuka-Licht. Nicht wie lange Chanukas Licht gebrannt hat, sondern was es erweckt hat, darauf kommt cs an. Nicht wie lange mein teurer Seelenfreund gelebt, sondern was sein Leben in mir geweckt, in anderer und meiner Seele entzündet hat, das ist entscheidend. Wenn der Wind Chanukas Licht vorzeitig verlöscht hat, so ist der Segensspruch nicht umsonst gesprochen. Hat es nur kurz geleuchtet und mir Erleuchtung gebracht, genügt es, obgleich ich mich gern länger in seinem lieben Glanz geweidet hätte. Ist auch meines teuren Freundes Leben früh verlöscht worden, nicht umsonst hat man es gesegnet, da es begann. Es brauchte nur so lange zu leuchten, bis es in meiner Seele Widerschein geweckt hat; da konnt's verlöschen, war's auch mein heißes Flehen, daß es mir länger leuchte!" ^l'

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