Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 8 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wissen, daß auch ohne symbolische Deutung und Auslegung das Gesetz uns zum Gehorsam ruft. Was sehen wir nicht alles aufstrahlen in dem Chanuka-Licht! In ihm selber und den Vorschriften unserer Weisen, wie und in welcher Reihenfolge wir es entzünden sollen. Wie schön wissen unsere Alten das Chanuka-Licht zu deuten als das Licht des Glaubens und auf die zunehmende Helligkeit, die es verbreitet, wenn wir jeden Abend eines mehr entzünden, hinzuweisen. Wie ergreifend erklärt Hillei den Sinn des Lichtes nach der Auslegung jener beiden Gelehrten im Talmud-Sabbath, daß das Licht darauf hindeutet, wie wir in der Heiligkeit steigern sollen in unserer eigenen Weihe. Wie es hinweist, indem wir jeden Tag entzünden, entsprechend den Tagen des Festes, die bereits vergangen sind, auf Israels Vergangenheit, daß sie bei allem Trüben und Dunklen doch so hell gewesen ist, daß wir frohen Mutes und gläubigen Sinnes in die Zukunft schauen können. So legen wir vielgestaltigen Sinn in die kleinen Flamnren, die wir, Gott segnend, allabendlich entzünden, und nur vertieft wird durch solches Sinnen und Trachten unsere Festigkeit im Glauben. Des hellen Lichtes ernsten Sinn in schwerer Zeit zu deuten, wollen wir heute versuchen. Wenn wir das Chanuka-Licht entzündet haben, und es eine Weile geleuchtet hat, verlöscht es. Aber die Sprache, die aus seinem Licht zu uns spricht, ist dann noch nicht verstummt. Die Helligkeit, die es ausgestrahlt hat, und die in unser Herz geströmt ist, lerrchtei dort weiter, die Helligkeit, die es vermittelt hat, wirkt dort nach. Das Licht ist verlöscht, das, was es in unseren Herzen entzündet hat, leuchtet weiter. Wenn der deutsche Dichter sagt: „Was entschwunden, kehrt nicht wieder, aber ging es leuchtend nieder, leuchtet's lange noch zurück", dürfen wir dies auf das Chanuka-Licht anwenden. Weil das Licht im Verlöschen noch leuchtet, noch zu uns sprach große Sprache reiner jüdischer Gedanken, jüdischen Erkennens reiche Fülle vermittelte, leuchtet es lang in uns noch zurück. Im Chanuka-Leuchter ist's verloschen, im Herzen leuchtet's weiter. Es strahlt und leuchtet und erfüllt unser Herz mit innerer Freude, daß wir die ganzen Tage in geh »euer Stimmung leben und streben. Das vergängliche Oellicht hat unser unsterbliches Seelenlicht entzündet, daß es fortleuchte für die Dauer. ll! o ist das Chanuka-Licht vorzeitig verlöscht, hat ein Windstoß cs ansgeweht, so brauchen wir es nicht wieder entzünden. Nachdem es