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Blätter · 1916-09-01 · 7 (9.1916) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
7 (9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 tBtrb. Drei oder vier סיגיות mit allem Zubehör und 25—30 Blatt Gemore auswendig zu beherrschen, ist schwieriger, als es dem Uneingeweihten scheinen mag, und wer im Laufe des Semesters es am nötigen Fleiß hat fehlen lassen, sieht mit Angst und Schrecken diesen Tagen des Gerichts entgegen- Das wäre ein kurzer Überblick über die offizielle Lerntätigkeit. Im ersten Augenblick erscheint sie recht gering, es fehlt vor allem T'nach. Es ist jedoch ein großer Irrtum, zu glauben, die Bachurim kennten keinen Posuk, oder lernten dies nur aus der Gemoro. Die meisten lernen täglich T'uach mit Erklärungen, und es wäre sehr erfreulich, wüßten unsere deutschen Jünglinge in der Bibel so gründlich Bescheid wie jene Ähulich steht es mit Midrasch und Mussar, jeder wählt sich nach Neigung und Geschmack den Stoff aus- — Übrigens trägt der Rebbe in jedem Hauptschiur einen Abschnitt חובת הלבבות vor. — Daß sich einzelne zu Privatschiurim verabreden, ist auch selbstverständlich. Eine wichtige Erscheinung bilden ferner die zahlreichen Chewraus. Da ist vor allem die Mogen-Awrohom-Lhewra zu neunen, deren Mitglieder sich täglich eine Stunde vor Mincha versammeln und abwechselnd vorlernen. Der Vortragende geht bei jedem Diu aus die Quelle zurück, sodaß mau bei diesem Schiur als Zuhörer, noch mehr natürlich als Vorlerner, einen außerordentlichen Gewinn hat- Am Schabbos, an dem kein öffentlicher Schiur stattfindet, werden in verschiedenen Vereinen halachische Vorträge veranstaltet, in denen die Bachurim gewöhnlich zur vorliegenden סך־רא Ghiduschim sagen, woran sich eine allgemeine Diskussion schließt. Ferner werden in anderen Vereinen Predigten in deutscher Sprache gehalten, deren Hauptzweck eine Übung in Stil und Vortragsweise bildet. Man hört dort oft formvollendete und geistvolle Reden, manchmal allerdings auch schwülstige, von falschen Bildern wimmelnde Phraseugebilde. Es ist auch nicht immer eigene Ware; die Predigten von Iellinek, Mannheimer, Brüll, Schmiedl, nnd wie die andern verloschenen Sterne am Himmel der Kanzelberedsamkeit heißen mögen, werden nicht nur zur Übung gelesen, sondern auch ihres dem Geist der Preßburger Ieschiwa so wenig entsprechenden In- Halts beraubt. Von den deutschen Klassikern ist Schiller noch immer der populärste, im übrigen ist die Beschäftigung mit profanen Studien sehr verpönt. Wer auf Grund des Ieschiwo-Besuches vom aktiven Militärdienst befreit werden will, muß zwar einen gewissen Bildungsgrad besitzen, aber nur ungern wird es geduldet, daß die Vorbereitungen zu der erforderlichen Prüfung während des Aufenthaltes auf der Ieschiwa erfolgen. (Schluß folgt.)

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