Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 6 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 die wir trotz aller Gegensätzlichkeit — Cohen ist eine führende Persönlichkeit der liberalen Juden und ihr wissenschaftlicher Wortführer — dem großen Philosophen entgegenbringen für sein unermüdliches tapferes Eintreten und Einsetzen seiner bedeutenden Persönlickkeit zu Gunsten unseres ewig verkannten Volkes, müssen wir als Juden sein Werk ״Deutschtum und Judentum" restlos ablehnen. Denn es läuft letzten Endes auf den Rat an die deutschen Juden hinaus, — was sollen nur die nicht deutschen Juden in den' anderen Ländern anfangen? — im Deutschtum unterzugehen. Der wissenschaftliche Ernst, mit dem Cohen das Problem behandelt, dürste eine ernste Besprechung und Widerlegung beanspruchen, die aber aus dem Rahmen dieser Bücherschau siele- Die Schrift ist überdies so philosophisch gehalten, das; sie sich nur an eine» kleinen Kreis der jüdischen Leserwelt wendet. Bis zu einein gewissen Grade trifft das boshafte Wort zu, daß die Philosophie diejenige Wissenschaft ist, die das Wenige, das wir vom Leben sehen und wissen, uns mit vielen Worten unverständlich macht- Vergleicht Cohen die Grundzüge des jüdischen und deutschen Wesens״ so widmet Davis Trietsch eine Broschüre den ״Juden und Deutschen" selbst. (Davis Trietsch: Juden und Deutsche, Eine Sprach- und Interessengemeinschaft, Wien 1916, Vlg- R- Löwit) Die Welt hat es nachgerade verlernt, aus den Motiven des Gefühls Politik zu treiben, Haß- und Freundschaft, Sympathie und Antipathie sind nicht mehr maßgebend,, wenn Völker ihre Geschicke gestalten, nur der Nutzen, das eigne Interesse, ist die Triebfeder des politischen Handelns. Trietsch bringt deshalb den Nachweis, daß Deutschland die Unterstützung und Förderung jüdischer Interessen nicht etwa aus Freundschaft oder Liebe zu den Juden zu empfehlen ist, sondern lediglich getragen von der Rücksicht auf eine günstige, gedeihliche Fortentwickelung des deutschen Staates- Deutschlands eigenstes- Wohl erheischt eine judenfreundliche Politik. ״Im gegenwärtigen Krieg konnte Deutschland wieder einmal sehen, wie wenig Freunde es draußen: in der Welt hat- Aber auch, wie wenig Feinde im Innern! Der ״innere Feind" erwies sich — vielen unerwartet — als beste Stütze der deutschen Sache und selbst so doppelt verdächtige Leute wie sozialdemokratische Juden und jüdische Nationalisten taten sich in den ersten Reihen hervor." Man begreift heute, daß die Sympathie eines 14 Millionenvolkes — so groß ist die Fahl der heute lebenden Juden — nicht bedeutungslos ist. Die Gegnerschaft viel kleinerer Nationen hat bestimmend auf die Gestaltung, der Politik in unser» Tagen eingewirkt. Nun hält Trietsch die Juden für die geeigneten Förderer des deutschen Gedankens in der Welt, deshalb״ weil neun Zehntel der heutigen Iudenschaft deutschsprachig sind. Er hält.