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Blätter · 1916-08-01 · 6 (8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
6 (8.1916)
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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9 •elegant gebunden Ml!. 3.50), das nicht nur in den jüdischen Zeitungen^und .Zeitschriften, sondern auch in politischen Tageszeitungen, so z. B. in der neutralen ״Neuen Züricher Zeitung" lobende Erwähnung und eingehende Besprechung gesunden hat- In den schicksalsschweren Zeiten unseres deutschen Volkes gibt es wohl :kaum einen denkenden Juden, derj über seine seltsame Doppelstellung als Jude und als Deutscher nicht nachgegrübelt hätte, der, wenn er auch im Frieden den Wahlspruch der gesetzestreuen Iudenheit im Munde geführt, sich jetzt nicht erst unter dem Zwange des Krieges darüber klar zu werden bemühte, was ihm eigentlich die Tauroh, das Judentums und was ihm der Derech Erez, das Deutschtum und was ihm (schließlich die Vereinigung (beider bedeutet. Diese Problemstellung ist es, die Dr. Wohlgemuth in seinen Abhandlungen klar zu stellen und zu lösen sich bemüht. Vom Standpunkt des Judentums aus beleuchtet er die Fragen, die der Weltkrieg dem Gedanken der Ethik und der Religion aufgibt. Er bespricht das Verhältnis von Krieg zu Moral, die Stellung des Juden zum Königtum, die Empfindungen des Hasses, die den Krieger im Felde beleben und anspornen, die aber auch in der Heimat — hoffentlich nur während der Kriegsdauer — üppig sprießen Es ist in unserer Zeit, da wir mitten in de» Ereignissen stehen, nicht leicht, zu einem höheren Standpunkt sich durchzuringen, von dort aus das graußige Weltgeschehen der Gegenwart zu betrachten. Die Gefahr ist groß, vom allgemeinen Kriegstaumel erfaszt zu werden und die klare Urteilsfähigkeit zu verlieren. Da ist das Wohlgemuth'sche Buch eine Belehrung und Ermahnung in mancher Hinsicht zugleich, sich nicht vom ״großen Hassen" führen zu lassen und alle menschlichen Gefühle zu vergessen. Auf den Inhalt des Buches, das wegen seiner anregenden Darstellung der Kriegsprobleme vom jüdischen Standpunkte aus, der Gesinnungen und Gefühle, die ungeklärt vielleicht von manchem gesetzestreuen Juden Deutschlandszum Teil empfunden worden sind, dauernden Wert besitzt, an dieser Stelle näher einzugehen, können wir verzichten, da das Werk einem großen Teil der Leser dieser Blätter bekannt sein dürfte. In einem ganz anderen Sinn behandelt der bekannte Philosoph Hermann Cohen die Frage der Vereinbarung des ״Judentums und des Deutschtums" (Hermann Cohen: Deutschtum und Judentum. Mit grundlegenden Betrachtungen über Staat und Internationalimus, Gießen 1915, Vlg. Alfred Töpelmann), wie er alle in Deutschland wirksamen geistigen Kräfte zusammenfassend nennt. Nach ihm sind Deutschtum und Judentum in den Grundzügen ihres Wesens miteinander verwandt. Ihre Gedankenentwicklungen laufen einander parallel. Bei aller Anerkennung,

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