Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1916-08-01 · 6 (8.1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
6 (8.1916)
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6467833-9641076-10858621--0223-6468265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 können wohl als die Reaktion der Mißerfolge gelten, die sie dabei gezeitigt. An der allgemeinen günstigen Lage der Inden vermochten diese Angriffe aber erst etwas Wesentliches zu ändern, als mit der Mißwirtschüft der späteren Merowinger eine allgemeine Zerrüttung der Verhältnisse eintrat. Dann folgte die Periode der ersten Karolinger, durchaus günstig für die Juden, weil ein kluger Realpolitiker wie Karl der Große die wirtschaftliche Bedeutung seiner jüdischen Untertanen nicht verkennen konnte. Mehr als ein wirtschaftliches, ein geistiges Interesse dürfen wir wohl bei seinem Sohn Ludwig dem Frommen voraussetzen, an dessen Hof wir ein Verständnis, eine Achtung für Judentum und jüdisches Wesen finden, die in manchem an die späteren Zeiten des Humanismus erinnern. Ob aber gerade diese Vorliebe für seine jüdischen Untertanen dem sonst schwachen Karolingerkönig bei der Geistlichkeit de» Beinamen der ״Fromme" eingetragen, möchte ich bezweifeln- Tatsache ist, daß die Kirche auch in der folgenden Zeit, in der sich nun die Geschichte der nordfranzösischen Juden von der der deutschen trennt, in ihrer Gegnerschaft beharrt. Mit der Wiederkehr geordneter Verhältnisse im französischen Staatswesen unter den Capetingern Ludwigs VI. und VII. begann eine Blütezeit der nordfranzösischen Gemeinden, die im Besitze großer Landgüter, wichtiger Handelsbeziehungen mit einer politischen Vertretung durch prvvütü Jahrzehnte der Sicherheit und Wohlhabenheit genossen. Dann werfen die politischen Ereignisse der Zeit ihre tiefen Schatten Der Sturm des Fanatismus bricht herein, den die Kreuzzugsidee entfesselt. Allerdings haben dank dem euergischen Eingreifen der Fürsten und — das ist vielleicht die einzige erfreuliche Wandlung der Zeit — auch der Geistlichen die ersten Züge der Kreuzfahrer in Frankreich weniger unselige Spuren von Tränen, Blut und Märtyrertum hinterlassen als in den deutschen Gemeinden. Freilich ohne Opfer war es auch hier nicht abgegangen. Die Verfolgung in Rouen, in Ramerupt, dem Sitz des Thorastudiums und ihres hervorragendsten Vertreters Rabbeuu Jakob Tam, geben Zeugnis davon. In Blois in Nordfrankreich hat ja auch wenige Jahrzehnte später das Ritualmordmärchen aus den Reihen der Talmudjünger seine ersten schrecklichen Opfer gefordert. — Und das zu einer Zeit, in der die französischen Juden in relativ günstiger Lage unter dem Schutz der Landesregierung standen, die ihre wirtschaftliche Stellung in jeder Weise begünstigte. — Wir haben uns die nordfranzösischen Gemeinden dieser Zeit in ihrer Blüte zu denken. Verhältnismäßig große jüdische Gemeinden bestehen in Orleans, in Paris und dann in den uns vor allem interessierenden Gebieten der Champagne, wo die Gemeinden von Ramerupt, Troyes, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.