Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 6 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 von den edlen Töchtern Zelophchads, wie sie das rechte Wort zur rechten 3eit finden und entschlossen ihr Recht vertreten und für ihr mutiges, und von großer Umsicht und Klugheit zeugendes Verhalten die Anerkennung des Herrn sich erringen: ״Ganz recht reden die Töchter Zelofchads." Diese Zelofchadstöchter finden wir in ollen jenen Frauen unserer Zeit wieder, die entweder ein stilles Heldentum betätigen oder die enstandenen Lücken auszufüllen suchen oder durch ihr Liebeswirken die unsäglichen Wunden lindern, die die notwendigen Begleiterscheinungen des Krieges sind. ״Unjd sie brachen auf — und sie lagerten", so wird es wieder uns in den Ohren klingen und von neuem werden wir an die zahlreichen Wanderungen, die Israel im Wandel der Zeiten und durch die Flucht der Geschlechter nach dem Willen des Höchsten unternehmen niußte, erinnert werden und es uns zu Bewußtsein bringen, nutzbringend auch für diese Zeit der Sorgen uud Befürchtungen, daß, wer ins gelobte Land einziehen will, Mühen und Kämpfe bestehen und durch Oden und Wüsten ziehen muß. Denken wir an die Prophetenkapitel der vergangenen Sabbathe, dann ist es zunächst Jeremias Wort von seiner Prophetenweihe, das uns den Rahmen bietet für das Kriegsbild, das wir gewahren. Auch der Krieg erscheint nns als Gesandter des Höchsten ״eingesetzt über die Völker und über die Reiche, zu entwurzeln und niederzureißen, zu vernichten und zu zerstören, um aufzubauen und zu pflanzen." Und erklärt uns nicht, wenn wir wollen und den tieferen Gründen nachzuspüren versuchen, desselben Propheten Wort am besten, wie dieser Weltbrand entzündet werden konnte? ״Denn zweifaches Unrecht hat mein Volk getan; niich haben sie verlassen, den ewig frischen Quell lebendi'gen Wassers, um sich Cisternen auszugraben, schadhafte Cisternen, die nicht einmal das Wasser halten." Der Glaube an die Macht des Geistes und seiner Güter ward abgelöst durch die Anbetung der Götzen Stoff und Kraft — und dieser schnöde Wechsel zertrümmerte schließlich das Reich der Ideale, bis allenthalben Macht vor Recht zu gehen schien. Da ward der Boden vorbereitet, auf dem die Schlingpflanzen menschlicher Leidenschaft und Verirrungen gar mächtig ausschossen und die unheilvolle Saat dieses größten aller Kriege ausstreuten. Da mußte nun dieser Ernst mit all' seinen Nöten und Gefahren über uns kommen, daß auch uns Jeremias' Wort gelte: ״Wahrlich, jetzt rufst du zu mir auf: ״Mein Vater, Du bist derFührermir seitjeh er" Diese Erkenntnis kann zur vollen Umkehr führen, damit die Not zu einer Quelle