Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 5 (5.1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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12 Peßach und Schowuaus — Front und Heimat Mieren, als ihr spezielles Fest, als das Fest, der, aus Gott vertrauend^ vor keinem Hindernis schreckenden Kämpfer und Sieger Diirscn mir daheim auch Schowuaus als unser Fest reklamieren? Schowuaus, das damals die herrlich bestandene Probe darauf bedeutete, daß einem starken, würdigen Geschlecht nach den! Dunkel cgpptischcr Nacht der Bcfreiungsmorgen erstrahlte, aus dem tiefsten Dunkel der Mitternacht — ״und cs war um Mitternacht, da Gott Egyptens Erstgeborene schlug" die Helligkeit eines glänzend klaren Morgens. Dürfen wir es? Sind wir in der Heimat wert der Kämpfer an der Front? Wir wollen uns nicht selbst rühmen und sagen: ,,wir sinds", wir wollen aber sagen, wie wir sein müßten, wenn wirs wären. Am Sinai sprach Israel: ״Wir fragen nicht, wir zagen nicht, wir handeln, weil unser aus Egypten erlöstes Geschick nur eines uns gelehrt hat: blindlings Gott vertrauen! Wären wir in der Heimat so, wie wir sein müßten, nach dem Vorbild unserer Kämpfer an der Front, dann kennten wir auch keine Frage», kein Zagen, dann kennten wir nur ein Tun, ein ihrer würdiges Tun, nur Opserfrcude, Hingebung, Selbstlosigkeit, Brüderlichkeit, Anspruchslosigkeit, nur in aufrechtem Gottvertraucn sich bewährende Frömniigkeit. Wollten wir so sein, wie unsere Brüder draußen sind, wollten wir in der Heimat zeigen, daß hinter dem starken Geschlecht draußen ein starkes Geschlecht daheim geduldig steht, wollten wir, daß jene Sinailagcrung für unser gegenwärtiges Leben so bezeichnend ist, wie die Befreiung aus Egypten, wie Peßach mit seinen Wundern und mit seinem das Recht schützenden Gotteswalten für die Kämpfer draußen, dann müßte es auch für uns heißen: וידון שם daß wir in der Heimat sind wie ein Mann, daß unser aller Herz nur einen Schlag kennt, unsere Gesinnung mir ein Ziel, unsere Gedanken nur einen Flug, unsere Tat nur einen Zweck: Nach Gottes Wort zu handeln, die Bürgschaft zu erfüllen, die unsere Väter in unserem Namen am Sinai einst geleistet. Man sagts und schreibts so oft, daß wir in der Heimat ausharren sollen, man würde besser tun, wenn man statt dessen sagte, daß wir würdig bleiben sollen, denn ausharren bedingt entbehren und die Entbehrungen, die wir erleiden, sind an dem Großen gemessen, das unsere Kämpfer draußen vollbringen, so geringfügig, daß man ihrer keine Erwähnung tun sollte. Aber daß mir würdig bleiben, das sollte man uns predigen in Wort und Schrift, uns zurufen wieder und immer wieder: daß die, welche ausgezogen, Deutschlands Größe, Deutschlands Bestand