Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6467833-9641076-9641080--0177-6468221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Die Arbeitsvermittlung der Agudas Jisroel. der sehr tatkräftige und zielbewußte Rabbiner Dr. Neuhaus aus Ostrowo gemacht, der diese Ausmusterung namens der Agudas Jisroel vornahm und der jüngst bei einem Vortrage ganz offen von den hierbei vorgekommenen und zu Tage getretenen Fehlern sprach, davon, daß man sich bei der Ausmusterung oft von Rachamonus-Gedanken anstatt von ausschließlich kaufmännischen Gesichtspunkten leiten ließ; nachdem aber diese Fehler erkannt worden sind, kann man sie auch schnell beseitigen, insbesondere nachdem es wohl keinem Zweifel unterliegt, daß die Agudas Jisroel einen Fachmann mit dieser Ausmusterung betrauen wird, den sie ausschließlich zu diesem Zwecke nach Russisch-Polen entsenden wird. An Hand des reichen Adressenmaterials und dank der Tatsache, daß in allen Industriezweigen tüchtige Arbeiter gesucht werden, wird es daher möglich sein, diese sorgsam ausgemusterten Arbeiter in gutbezahlte, dauernde Stellungen unterzubringen. Eine Ausbeutung der Notlage dieser Arbeiter ist ausgeschlossen, da die deutsche Regierung verlangt, daß diesen Arbeitern die ortsüblichen Löhne bezahlt werden und die deutsche Regierung sieht mit besonderer Sorgsamkeit auf die Jnnehaltung dieser Forderung, weil den Leuten nur von ihrem Lohn ein bestimmter, zum Unterhalt unbedingt erforderlicher Teil ausbezahlt wird, während der Rest an ihre, in Polen weilenden Familien abgeführt werden nuttz. 3. Die politische Frage findet dadurch ihre Lösung, daß die deutsche Regierung sich besonders entgegenkommend gezeigt hat, sie gestattet die Abreise der Leute aus Polen, sobald vom Regierungs- Präsidenten, bezw. vom Landrat des Kreises, in dem sie angesiedelt werden, die Bestätigung eingegangen ist, daß der Ansiedlung der Leute nichts im Wege steht, und diese werden, weniger aus philo semitischen, als vielmehr aus praktischen Gründen, im Interesse der Industrie und des Wohlstandes gegen die Ansiedlung nichts haben, sofern nicht besondere Umstände und örtliche Schwierigleiten dagegen sprechen. Nachdem bereits große Bergwerke, Industriebetriebe, Fabriken und sogar Werke und Werften des Reiches die Einstellung von jüdischen Arbeitern ersucht, zum Teil sogar sich selbst um deren Ansiedlung stark bemüht haben, dürfte die Arbeitervermittlung der Agudas Jisroel sich an eine Aufgabe gemacht haben, deren Lösung dem Judentum ungeheuren Segen erbringen dürfte, nicht nur weil